Superdickery

Nach dem zweiten Weltkrieg ging es den Comics in den USA schlecht. Marlon Brando zog eine Lederjacke an, Bill Haley sang den Rock ’n Roll, und so wie heute die Computerspiele schuld am schlechten Zustand der Jugend sind, so waren es in den 50er Jahren die Comics. Sie führten zu Gewalt und Perversion. Wertham schrieb sein berüchtiges Buch Seduction of the Innocent, in dem er auf die tatsächlich vorhandene brutale Gewalt in manchen Comics hinwies, auf die Auswirkungen, die Superheldinnen in engen Trikots auf Heranwachsende haben, und auf die geheimen Botschaften in den einzelnen Bildern – wenn man manche Bildausschnitte um 90 Grad dreht, sieht man Genitalien! Daraufhin warfen besorgte Mütter die Comicsammlungen einer ganzen Generation weg.

Wertham glaubte auch eine homosexuelle Beziehung zwischen dem älteren Bruce (Batman) Wayne und seinem Mündel Dick (Robin) Grayson festgestellt zu haben. Das hatten die Autoren sicher nicht beabsichtigt. Aber wie das so ist mit der Autorenintention: Manchmal schreiben sie mehr, als sie wissen. Und wenn man etwas aus einem Text herauslesen kann, dann ist es halt auch drin.

Die lange Einleitung dient eigentlich nur dazu, auf die Seite Superdickery hinzuweisen. Dort sind Panels und Titelbilder von Comics gesammelt – dämliche, dümmliche und sonderbare. Und ein Kapitel heißt Seduction of the Innocent.

Das Startbild zeigt vier erschrockene Superhelden, die eben alle erfahren haben, dass sie nicht nur selber vergiftet worden sind (oder so), sondern auch ihre Nächsten und Liebsten mit in den Tod reißen werden: „everyone else you have touched“. The Atom denkt besorgt an Jean Loring. Flash denkt an an Iris Allen. Green Lantern macht sich Sorgen um Carol Ferris. Und Batman? „Robin – what have I done to you?“
Sind noch viele weitere lustige Bilder dabei.

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