Ein paar Fragen zu lateinischen Sprichwörtern

Wie ist das eigentlich mit dem lateinischen Sprichwort:

Verba volant, scripta manent.

„Die Worte fliegen, das Geschriebene bleibt.“ Das gesprochene Wort wird als flüchtig und veränderlich dargestellt, das geschriebene als das unveränderbare dauerhafte. Das klingt nach einem Lob der Schrift, aber ich glaube mich an eine Randbemerkung aus meinem dreisemestrigen Latein-Schnellkurs an der Uni zu erinnern (den ich machte, um das mir Deutsch-/Englischlehrer vorgeschriebene Latinum zu erhalten), laut der im Gegenteil das als Vorteil der gesprochenen Sprache gesehen wurde.

So oder so: Besteht das im Blog Geschriebene – und jederzeit im Nachhinein Veränderbare – in diesem Sinn aus verba oder aus scripta?

Missverstanden wird ja auch gerne: „Mens sana in corpore sano.“ So ähnlich bei Juvenal. Der hat das aber gar nicht so gemeint.

Und auch Seneca sagte tatsächlich: „Non vitae sed scholae discimus“, um die Schulen seiner Zeit zu kritisieren. Das hört man auch gerne andersrum.

8 Thoughts to “Ein paar Fragen zu lateinischen Sprichwörtern

  1. Gerade „Cant help falling in Love“ (kennt man von Elvis Presley) auf Latein gehört. „Wise men say“ = „Traaa-diii-tur“. Lustig.

  2. Hmmm, verba oder scripta…ich denke, eher verba, weil die Worte ja nicht auf Papier festgehalten worden sind, was ja sicherlich damals gemeint war. Aber über die tatsächliche Bedeutung kann man streiten und kommt normalerweise zu keinem befriedigenden Ergebnis (was ich aus meinem sprachwissenschaftlichen Studium noch ganz genau kenne).

  3. Von welchem lateinischen Autor stammt den eigentlich das Sprichwort Verba volant, scripta manent?

  4. Gerne wird auch dies falsch zitiert:
    Man lernt nicht für das Leben, man lernt für die Schule!

    Oder auch:
    Wieso müssen wir unsere Schüler in in 5 bis 8 Jahren mit Latein u.a. und wöchentlichen Exen mit 6en, so traktieren, wenn wir das auch in 3 Semestern hinbekommen?

  5. Na ja, das kann man erweitern zu: wieso müssen Schüler überhaupt etwas lernen, wenn sie alles danach lernen können? Weil die Eltern das wollen, und weil die Gesellschaft das will. Ich glaube übrigens, sie hat recht damit, aber das ist ein anderes Thema.

    Und was heißt hier „wir“: Ich habe das Latinum in 3 Semester nachgeholt, aber das haben nicht alle geschafft. Dafür habe ich allerdings auch viele Stunden Chemie gehabt, und Chemie *und* das Latinum nachzulernen, dazu hätte ich keine Zeit gehabt. Man kann nicht alle Lernaufgaben auf die Zeit nach der Schule schieben.

  6. Dann haben wir ja verschiedene Parallelen. Ich hatte auch bis zur 13. Stufe Chemie.
    Und das Latinum in 3 Semestern haben viele andere auch geschafft und viele haben es nie benötigt. Davon ging die Welt bisher nicht unter.
    Durch das G8 ging jedoch ein Jahr verloren und der Schweinsgalopp wurde so verschärft, dass im Unterricht keine Zeit für Wiederholungen blieb.

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