Moodle-Fortbildung heute

Schon wieder war ich nicht im Unterricht, sondern auf einer Fortbildung: In Schrobenhausen.

(Von den CEMA-Milchpackungen meiner Kindheit ist mir der Ort wohlbekannt. Auf der Vollmilchpackung war eine Landkarte mit Augsburg drauf und Schrobenhausen, mit einem ganz komischen r, sah aus wie Schzobenhausen. Auf der Halbfettpackung war die Milchstraße in blau, himmelblau und weiß. Fand ich schon damals klasse. Keines der beiden Motive gibt’s im Web. Schade.)

Das Hin- und Zurückkommen mit dem Zug war etwas umständlich, halb sieben aufstehen, halb sieben zu Hause, und auch das nur, weil ich mich fünf Minuten zu früh verabschiedet habe, um nicht eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten. Das war mir unangenehm, aber sinnvoll.

In der Fortbildung ging es um Moodle, eine verbreitete Software für eine Lernplattform – eine Art Content-Management-System mit Schülern und Trainern und Administratoren, mit Benutzerrechten und Test, Umfragen und Wiki. Der Hintergrund ist lobenswert und folgender: Für die Gymnasien in Bayern stellen die Ministerialbeauftragten eine Moodle-Installation zur Verfügung, genauer gesagt, jeweils eine für die einzelnen Bezirke, zum Beispeil Oberbayern West. Zu diesem Bezirk gehören 80 Schulen, darunter meine. Mit der Installation und Wartung haben die Schulen nichts zu tun, aber an jeder Schule gibt es zwei Multiplikatoren, die etwas erweiterte Benutzerrechte haben und die vor allem ihrem Kollegium von Moodle erzählen sollen. Und so einer bin jetzt ich.

Moodle als Unterrichtswerkzeugselber hat Vor- und sicher auch Nachteile, auf die ich jetzt nicht groß eingehen will, schon mal, weil mir die Erfahrung dazu fehlt.

Interessanter finde ich gerade einen Nebeneffekt dieser Moodle-Installation. 80 Schulen sind daran angeschlossen. Ich kann sehen, welche Unterbereiche und welche Kurse welche Schule eingerichtet hat. Was das für eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit und zum Austausch ist!
Aber knapp daneben. Die Kurse sind alle durch ein Passwort geschlossen; offene Kurse sollen wir vermeiden. Das darf noch nicht das letzte Wort sein. Es ist nicht zu unpraktisch, die jeweiligen Kursersteller (über Moodle) um das Passwort zu bitten, ich will browsen können und weiß ja vorher gar nicht, welche Schätze sich eventuell in einem Kurs verbergen.

Auch sonst fehlt mir zum derartigen Austausch (für den Moodle wohl auch nicht gedacht ist) noch die Möglichkeit, Kurse zu kommentieren, so wie ich Blogbeiträge zu kommentieren gewöhnt bin, und Kurse zu bewerten, so dass man schnell interessante Kurse findet. Ein „Kurs des Monats“ (oder des Halbjahres von mir aus) unter den 80 Schulen in Oberbayern West, mit jeweils zwei oder drei oder fünf oder zehn Kursen im Programm – das wäre was!

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22 Thoughts to “Moodle-Fortbildung heute

  1. Ich habe schon (erst?) zwei Moodle-Kurse besucht, weil es die Plattform an unserer Schule ist. Ich benutze Moodle passiv, weil ich muss. Ich benutze Moodle aktiv selten, ich finde es im Vergleich zu anderen Plattformen wie z.B. Educanet mühsam und diese Kurseinteilerei mit Rechtevergaben a gogo sehr hinderlich.

    Aber die Multiple-Choice-Erstellung ist einfach und man kann die Lernenden daran teilhaben lassen, sie also z.B. selber Fragen sammeln lassen, das weisst du ja sicher. Aber das ist halt mehr für die geeignet, für die MC auch gedruckt prakisch war (mein Fach gibt da beispielsweise wenig her).

    Die Hot Potatoes-Tests werden von den Leuten aus dem Informatikunterricht gelobt, aber ich selber kenne sie nicht.

    Alles in allem habe ich bei Moodle immer so ein schwerfälliges Gefühl. Kann es nicht genau beschreiben, aber es scheint mir einfach nicht dynamisch.

  2. Hallo:

    Da stellt sich die Frage, ob das an der Plattform liegt oder der Konzeption der Anbieter. Gestaltbar ist das auf jeden Fall.
    Andererseits ist es natürlich auch die Frage, ob man den Kursraum als geschützte Lernumgebung der Klasse versteht in die Fremde keinen Einblick haben oder um einen offenen Raum. Sicher werden Diskussion im einen oder anderen Fall anders verlaufen.
    80 Schulen zusammen sind ein ungeheures Potenzial zur fachlichen Kooperation. Bayern hat sich nun zu einer zentralen Lösung entschieden. Sicher gibt es dafür gute Gründe. Andererseits erlaubt Moodle über die Vernetzung von Moodle-Systemen den dynamischen Austausch von Lerninhalten und den übergreifenden Zugriff auf Inhalte und Kurse.

    @Tanja
    Da bin ich mal gespannt, was meinst du mit dynamisch und schwerfällig. Ich habe mich für moodle entschieden, weil es so flexibel ist und mache meist Projekte damit. Und gerade da geben mit die Rollen und Rechte (wenn ich sie nutzen will) sehr viele Optionen.

    Gruß
    Ralf Hilgenstock

  3. Zur Bedienung: Ich finde, beim Erstellen von Moodle-Beiträgen muss man sich durch ziemlich viele Menüs mit jeweils wenig Einträgen klicken. Das finde ich umständlich, ist aber vielleicht Geschmackssache.

    Sehr froh bin ich wirklich über die zentrale Lösung. Ich will nicht noch ein System verwalten müssen. Auch beim Vernetzen von Installationen will ich mich nicht auf die 79 anderen Schulen verlassen. Ich finde es toll, dass die Ministerialbeauftragten (nicht etwa: das Kultusministerium) den Lehrern diese Dienstleistung anbieten. Das gibt es immer wieder mal, aber noch zu wenig.

    „Andererseits ist es natürlich auch die Frage, ob man den Kursraum als geschützte Lernumgebung der Klasse versteht in die Fremde keinen Einblick haben oder um einen offenen Raum.“

    Für Schüler: Geschützte Umgebung. Zum Üben. Daneben und danach möchte ich schon, dass Schüler sich mit ihren Produkten in die Öffentlichkeit stellen.
    Ansonsten will ich ein Zwischending, einen gemeinsamen Materialpool für alle angemeldeten Lehrer, aber nicht für Schüler. Und das geht vielleicht auch: Jede Schule richtet einen Kurs ein, in dem nur Lehrer Mitglied sind, und der am besten einheitlich heißt, so dass man ihn erkennt.
    Und dann legt ein MB-Beauftragter einen Metakurs (gibt es in Moodle) „Englisch“ an auf einer Ebene oberhalb der einzelnen Schulen, dem alle 80 Lehrerkurse beigeordnet werden. Das heißt dann, dass jedes Mitglied in einem Lehrerkurs automatisch auch Mitglied in diesem Metakurs ist.
    Das wäre ein Anfang. Allerdings kommt man dann immer noch nicht in die Kurse der anderen rein, und ein Bewertungs- und Kommentarsystem wünsche ich mir auch noch.

    (Analog mit den anderen Fächern. Wenn man wirklich nur die Englischlehrer erreichen wollte, müsste jede Schule einen Kurs nur mit Englischlehrern einrichten. Sicher besser, weil flexibler, und man so alle angemeldeten Englischlehrer erreichen könnte und nur die. Aber das ist wieder mehr Aufwand, als ich ihn den Schulen zumuten möchte.)

  4. Einfach den Kurs zu einem vereinbarten Zeitpunkt als für Gäste öffentlich stellen.

    Ich bin mit den Metakurslösungen nicht ganz so glücklich. Eine andere Option ist der Import von Kursen oder Kursteilen. Das geht aus allen Kursen in denen ich Lehrer bin.

    Das wäre ja Vereinbarungssache. Es gibt da noch einen anderen Aspekt: Datenschutz. Das wäre ebenfalls zu bedenken, beim Einblick in die Kurse, die tatsächlich laufen.

    Es gibt ein ‚optionales‘ Feedback-Modul zur Evaluation.
    und ein Bewertungs- und Kommentarsystem wünsche ich mir auch noch.

  5. Mit Moodle spiele ich seit diesem Schuljahr in ca. 10 Kursen herum – das heißt, ich versuche im Info-Unterricht das Potential dieser Lernplattform auszulotenund möglichs alle Tools einzusetzen. (Bei uns (Ö) gibt es mit edumoodle übrigens ein ähnliches System).
    Einerseits möchte auch ich den Kursraum gern öffnen und allen zugänglich machen, so á la „der Content steht im Web“ und „wir produzieren den Content“.
    Andererseits schätze ich, dass ich nicht immer auf Copyrights aufpassen muss. Bei neuem Material achte ich aufs cc, aber noch hab ich nicht alles umgestellt…

  6. Ja, ich habe auf der Fortbildung auch gehört, dass Österreich Vorreiter ist bei Moodle, und dass nach Bayern Rheinland-Pfalz drankommt (wenn ich mich recht erinnere).

    „Einfach den Kurs zu einem vereinbarten Zeitpunkt als für Gäste öffentlich stellen.“

    Leider nicht so praktisch. Die Situation ist so: Ein Lehrer meldet sich neu bei der Moodle-Installation an und sieht, dass 79 andere Schule auch etwas gemacht haben. Er sieht sogar, wie die vielen angelegten Kurse dort heißen. Und wer der Ansprechpartner dafür ist; aber keine Inhaltsangabe (und keine Bewertung oder Kommentare).
    Natürlich kann der Kollege jeden Kursleiter um das Passwort anmailen, aber wenn er den Kurs nicht einmal kennt?

    Damit will ich Moodle als Werkzeug nicht schmälern; ein Moodle ist besser als kein Moodle, und ich bin schon froh darüber. Heute kamen schon die ersten Wünsche aus dem Kollegium, ob man dieses oder jenes damit machen könne.

  7. <>
    Die Inhaltsangabe kann zu jedem Kurs unter Administration-Einstellungen eingetragen werden. Bei langen Kurslisten erscheint dies in der Kursübersicht hinter einem blauen Info-Button.

    <>
    Das Thema Lehrerbewertung im Web wird ja gerade kontrovers diskutiert.
    Mein Vorschlag hierzu: Es wird ein Raum nur für Lehrer eingerichtet. Lehrer, die Feedback zu ihren Kursen wünschen oder einen Kurs für andere zur Verfügung stellen tragen dies in eine Datenbank-Lernaktivität ein.
    Felder darin z.B.: Schulform, Fach, Klassenstufe, Thema, didakt. Ziele, Beschreibung, prakt. Erfahrungen, Zugangspasswort zum Kurs oder Kontaktmail, Downloadlink für Kurskopie. das Ganze wird ergänzt um eine Kommentar und Bewertungsfunktion.
    Das Schöne an dem Instrument ist eine Suche im Volltext der Einträge und nach Kriterien.

    <>
    Die Moodle-Foren bieten die Option zum Stellen von Fragen und Finden von Antworten.
    z.B. http://moodle.de oder http://moodle.org -> Deutsches Forum, Language Forum, Using moodle…

  8. Hallo KollegInnen.

    Stimmt. Österreich spielt bei moodle eine Art Vorreiterrolle in Bezug auf Schule+Bildung. Mit http://www.edumoodle.at (unterstützt vom bm:ukk und eduhi.at) wird bereits seit einigen Jahren ein ähnliches Projekt realisiert wie es http://www.digitale-schule-bayern.de in Bayern macht. Der m.E. große Vorteil eines solchen Systems liegt in den Einsparungen der Administration sowie Server-/Wartungskosten vor Ort. Dies wird zentralisiert und die einzelnen Schulen sparen sich diesen nicht unerheblichen Aufwand! Wie lange dieses System kostenlos bleibt ist fraglich, aber selbst eine anteilige Finanzierung ist vermutlich geringer als Alles selbst zu machen.

    „1.000 Installationen. 100.000 registrierte User. 100.000.000 Zugriffe seit Projektstart Ende Jänner 2006. Deshalb wollen so viele wissen, wie es mit edumoodle weitergeht. Weil Lernplattformen die „eierlegenden Wollmilchsäue“ des E-Learnings sind. Und weil im Rahmen von edumoodle die Lernplattform Moodle den österreichischen Bildungsinstitutionen kostenlos zur Verfügung steht. „Wer will, der kann!““
    Thomas Narosy in: e-LISA-Newsletter 02/2008, URL: http://www.e-lisa-academy.at/index.php?PHPSESSIONID=&design=elisawp&url=community&cid=7849&modul=10&folder=81404&amp;

    Parallel können LehrerInnen und auch StudentInnen (Lehramt) bei http://www.e-lisa-academy.at (nicht nur) moodle-Kurse, z.T. gratis, besuchen. Registrierung am System Voraussetzung! Im Konferenzzimmer von e-LISA-academy (http://seminare.e-lisa-academy.at/course/view.php?id=43) wird nicht nur darüber diskutiert, vorhandene Kurse zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung zu stellen.
    Innerhalb der österreichischen Szene werden bereits viele Kurse getauscht und zur Verfügung gestellt. Hier bewegt sich bereits sehr viel!

    Probieren Sie’s doch mal aus mit
    * Moodle – Eine Einführung (http://www.e-lisa-academy.at/?cid=8731)
    * Moodle – Live! (http://www.edumoodle.at/kurs/course/view.php?id=6)
    * Moodle – Live! NEU, incl. Moodle – Der Kurs (http://www.edumoodle.at/kurs/course/view.php?id=10), Registrierung notwendig!

  9. Wie gesagt, Ralf Hilgenstock, habe ich die Schwerfälligkeit, die eben eher ein Anwendergefühl von mir ist, nicht tiefer evaluiert. Im Vergleich zu anderen Plattformen muss ich sehr häufig klicken und auswählen und habe eine Oberfläche, auf der sich nicht einmal die gleichen Buttons immer am gleichen Ort befinden. Aber das ist ja sicher je nach Lösung unterschiedlich und vielleicht bie Ihnen anders.

    Was ich hingegen ziemlich genau evaluiert habe, ist, wozu die Mehrheit der Lehrpersonen in meinem Kollegium Moodle nutzt oder nützen möchte:

    1. Dateien (PDF, Word, selten Links) und Tests für Klassen bereit stellen.
    2. Kontrollieren, wer diese nutzt.
    3. Nachrichten an eine ganze Klasse senden.

    Und das erste könnte meines Erachtens einfacher sein.

  10. Moin, moin,

    wir sollten hier Baden Württemberg nicht ganz aus den Augen verlieren. Die Schulen dort können kostenfrei oder fast kostenfrei ein Moodle hosten lassen. Ähnliche Lösungen gibt es in manchen Regionen auf lokaler Ebene.

    Natürlich ist eine zentral gehostete Lösung ökonomischer als viele dezentrale. Dazu kommt, dass zum Teil versucht wird, Moodle-System auf Billig-Webspace zu betreiben. Das klappt nicht: dazu habe ich mich andernorts ausgelassen. Wir bieten z.B. Schulträgern an, vernetzte Moodle-Systeme zu betreiben. Bsp.: 20 Schulen mit einem eigenen System zzgl. einem Zentralmoodle, das von den Schulen gemeinsam oder einem regionalen Medienzentrum betrieben wird.

    Großsysteme mit 50 oder mehr Schulen auf einem System schaffen eine Reihe von Fragen, die nicht einfach zu lösen sind, oder Kompromisse, die nicht optimal sind. Z.B. wenn mehrere Schulen bereits ein Authentifizierungssystem (z.B. LDAP) betreiben, kann dies nicht an ein gemeinsam genutztes System angeschlossen werden. Oder wenn Schulen eine Plattform auch als Aushängeschild verstehen.

    @ Tanja, ja Usability-Lücken in Moodle sind mein ‚heimliches Steckenpferd‘. Aber für deine Frage gibt es mehrere Lösungen. Wobei ich Dateien und Tests unterscheiden würde.

    Dateien können direkt aus dem Editor heraus über das Verlinken Symbol mit markierten Text verlinkt und ggfs. hochgeladen werden.
    Dateien könnnen gezippt oder einzeln hochgeladen werden, als Ordner oder Einzeldatei in den Kursraum gestellt werden.
    Die einfachste Variante ist einen Ordner bereitstellen. Dann brauche ich nur noch über das Menu Administration-Dateien in den Ordner eine neue Datei hochladen.

    Was stellst du dir vor?

    Test sind wahrlich etwas anderes. Von meinen Schulungen weiß ich, dass manche sich scheuen die Felder auszufüllen. Ich mache hier immer den Vergleich mit den Abläufen beim Erstellen eines papiergebundenen Tests. Die Schritte sind die Gleichen. Nur manchmal muss man etwas explizit machen, was sonst eher im Kopf abgeht. Z.B. vorab definieren, welche Antwort wie bewertet wird. Das ist natürlich Arbeit.

    Ich habe gestern eine Textaufgabe in dieser Form in zehn Minuten erstellt:
    „Der Kunde will 18 Kalender erwerben. Der Einzelpreis beträgt 3.65 € netto. Auf den Kunden ist ein Rabatt von 15 % hinterlegt. Bitte ermitteln Sie den Bruttorechnungsbetrag.“
    Automatisch werden die Zahlwerte bei jedem Aufruf durch andere Werte ersetzt. Insgesamt gibt es nun von diesem Aufgabentyp 20 Variationen. Jedesmal muss neu gerechnet werden. Schön zum Üben. 10 Minuten sind natürlich Zeit, aber man braucht nicht mehr zu kontrollieren.

  11. @Ralf Hilgenstock; ja, klar, Dateien und Tests sind etwas anderes. Danke für den Tipp mit dem Ordner, das scheint die Klickerei zu verringern, ich versuch’s gern (in Bern)!

  12. So einfach ist es mmit dem öffentlichen Zugang zu den Kursen leider nicht. Denn das Problem ist nicht die Scheu vor Bewertung, sondern das Urheberrecht. Nur wenn alle Materialien urheberrechtlich einwandfrei sind, läuft man keine Gefahr Probleme zu bekommen. Man denke nur an die Tomatenbilder, die vor kurzem massenweise abgemahnt wurden. Hier wäre es an der Politik, den Schulen Rechtssicherheit und Arbeitmöglichkeiten zu schaffen. Das zweite Problem ist der Datenschutz. In den Online-Klassenzimmern findet ja Unterricht statt. Und Materialien, Namen und Daten von Schülern können ebenfalls nicht einfach einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

    Bayernmoodle kooperiert hier mit der Akademie in Dillingen und „Intel Lehren“, um dann in einem zweiten Schritt, rechtlich und didaktisch geprüfte Kurse in einem Materialpool bereit zustellen. Jede Initiative braucht aber auch immer etwas Zeit, bis alle Wünsche erfüllt werden können. Das Konzept soll nicht nur von Rheinland-Pfalz, sondern schon vorher von Thüringen übernommen werden. Ziel wird es sein, allen bayerischen Schulen eine E-Learning-Plattform zur Verfügung zu stellen, die Gymnasien machen nur den Anfang.

    Wer Moodle nur als Dateiablage und zur Kontrolle bzw. zum Versenden von Mitteilungen nutzt, verschenkt geschätzte 80 % der Möglichkeiten des Learning Management System Moodle. Wer mehr wissen will, dem kann ich v.a. das Buch von Ulrike Höbarth „Konstuktivistisches Lernen mit Moodle“ empfehlen. Allgemein zum Thema E-Learning sei Gabi Reinmann „Blended Learning in der Lehrerbildung“ empfohlen. Wer zum traditionellen Lernprozess neigt, wird generell mit einem LMS nicht zurecht kommen.

  13. Der Datenschutz ist kein echtes Problem. Niemand erwartet, dass laufende, von Schülern besuchte Kurse mit deren Daten für fremde Lehrer zugänglich sein sollen. Aber leere Kurse? Schließlich werden leere Kurse ja auch so exportiert und getauscht.
    Ich sehe allerdings ein, dass die Verantwortlichen nicht hinter jedem Kurs her sein wollen, um zu überprüfen, ob der Leiter sich an diesen Datenschutz hält. (Wer ist verantwortlich für den Kurs? Der Leiter oder letztlich vermutlich doch der Betreiber des Moodle?)

    Urheberrecht: Ein größeres Problem. Auch hier sehe ich ein, dass die Verantwortlichen nicht kontrollieren wollen oder können, was rechtlich unbedenklich ist. Aber da halte ich langfristig mehr von Schulung und der Schaffung eines Bewusstseins für Urheberrecht. (Ich nehme mal an, dass es rechtlich nicht möglich ist, geschütztes Material unter legitimierten Lehrern zu tauschen, weil diese Gruppe zu groß ist – schade. Aber viele Lehrer sind in der Lage, rechtlich unbedenkliches Material zu erstellen.)
    Didaktisch geprüfte Kurse in einem Pool? Wenn’s nicht anders geht, klar. Viel besser als nichts. Aber die didaktische Bewertung würde ich lieber der Community überlassen.

    Ich denke, mein Hauptproblem ist, dass ich mir eine Plattform zur Kommunikation und zum Austausch unter Lehrern mehr wünsche als eine für die Kommunikation eines Lehrers mit seinen Schülern. Aber ich bastle schon an einem Kurs für den Deutsch-LK nächstes Jahr und freue mich auf das Erproben. Einige Kollegen sind auch schon interessiert.

  14. Die Nutzungsbedingungen sind bezüglich Datenschutz relativ eindeutig. Es ist den Kursleitern nicht erlaubt, personenbezogene Daten weiterzugeben. Deswegen dürfen Kurse nur entpersonalisiert getauscht werden. Überträgt man einen Kurs auf eine andere Moodle-Plattform inkl. der Benutzerdaten, verstößt man eindeutig gegen den Datenschutz, da dafür (Speicherung der Daten ebendort) keine Einwilligung des Nutzers/Schülers vorliegt.

    Das Urheberrecht ist leider von einer Lobby „erzwungen“ worden, der es hauptsächlich um einen maximalen Verdienst geht. Das geht an der schulischen Realität klar vorbei. Es ist zu hoffen, dass beim dritten Korb des UrhG im Herbst den Bildungseinrichtungen ein gewisser Freiraum eingeräumt wird. Es ist momentan verboten urheberrechtlich geschütztes Material auf öffentlichen Plattformen im Internet einzustellen. Und öffentlich ist alles außerhalb des eigenen Klassenraumes.

    Bewertung durch die Community: Ja, natürlich. Die didaktische Prüfung dient der Wahrung eines Mindeststandards. Natürlich haben viele Lehrer wunderbare, „freie“ Materialien. Leider herrscht immer noch ein gewisses Schubladendenken vor. Sprich: Man ist ungern bereit Material zur Verfügung zu stellen, in das man viel Arbeit investiert hat.
    Die Erfahrung (auch meine eigene) zeigt aber, dass es bei den Moodle-Aktiven teilweise ganz anders ist. Der Community-Gedanke ist hier sehr stark verbreitet. Ich kommuniziere und tausche mittlerweile mit mehr Kollegen außerhalb Bayerns und sogar Deutschlands als an der eigenen Schule.

    Für die reine Kommunikation und Kollaboration ist bei Bayernmoodle die Implementierung eines E-Portfolios angedacht. Das macht dann vieles leichter.

  15. Puh. Ich habe mich eben bei Moodle angemeldet und mit unserer Systembetreuerin eine lustige Stunde verbracht, in der wir uns über die krasse Benutzerunfreundlichkeit lustig gemacht haben. Ich fände es ja prima, wenn ich so etwas anwenden könnte, aber wenn ein erfahrener Computernutzer nach einer Dreiviertelstunde immer noch nicht weiß, wie das eigentlich geht, dann ist etwas falsch gelaufen.

    Wo ist die nächste Fortbildung?

  16. Schade, ich wollte dich gerade gewaltsam in meinen Demokurs eintragen einladen, aber du bist wohl nicht Obb.-West. Wenn du mal einen schönen Kurs hast, melde ich mich bei eurem Moodle ein, damit du mich reinschnuppern lassen kannst. :-)

  17. Ja, die Kooperation wird schon an den Landesbinnengrenzen im Keime erstickt. Vielleicht kannst du mich ja als Schülerin an deiner Schule erfinden!

  18. Die Erfahrungen kann ich nicht bestätigen. 90 Prozent unserer Teilnehmer sind nach einer eintägigen Fortbildung in der Lage, am nächsten Tag Moodle im Unterricht einzusetzen (halber Tag Schulung, halber Tag Material erstellen).
    Generell sollte man aber festhalten, dass ein Learning Management System nicht mit einer Office-Anwendung vergleichbar ist. Da hängt ja auch noch ein Haufen Didaktik mit dran, der eine andere Denkweise erfordert.

    Die Kooperationsbeschränkung wird mit Moodle 2.0 (zu erwarten Mitte nächsten Jahres) behoben sein, da es dann möglich ist, mehrere Instanzen zu einem Hub zusammenzufassen. Die Trennung in einzelne (MB-)Bezirke hat nicht nur schulorganisatorische Gründe, sondern macht auch Instanzen dieser Größe administrierbarer.

    BTW: Was ist denn so benutzerunfreundlich? Natürlich finde ich manches auch nicht vergleichbar zu einer Standard-Anwendung. Das mag auch durch die dahinterliegende komplexe Datenbanktechnik begründet sein. Zum anderen ist mir kein LMS geläufig, dass deutlich besser zu handhaben wäre.

  19. Nachtrag @ Sabine

    Anmelden kann sich jeder überall. Man muss es auch nicht seinem Chef beichten, dass man fremd geht… :-)

    LG, G.

  20. Hallo GW,

    Moodle-Systeme können bereits heute miteinander vernetzt werden. Wenn man zudem Moodle-Systeme auf gleicher Codebasis (individuellen Datenbanken) laufen lässt kann man auch gut Multi.Instanzen warten.

  21. Hallo aus Ö,

    bin gerade selbst dabei ein Moodle halbwegs „benutzergerecht“ zu konfigurieren (vorerst lokal auf meinem Rechner) und bin beim Googeln über diesen interessanten Blog gestolpert. (Großes Kompliment an Herrn Rau für die vielen Einblicke, die er hier gewährt. Tut gut!)

    Bezüglich Moodle kann ich die genannten Kritikpunkte nur unterstreichen! Die Software bietet mir gerade das nicht, wofür sie eigentlich gelobt wird: Offenheit, Kollaboration, Dynamik und Usability. Trotz der vielen Lobreden an allen Orten und Enden, konnte ich noch kein (deutschssprachiges) System finden, welches mehr zu bieten hatte, als diese hässlich überladene Moodle-Startseite mit einigen wenigen Kursen, welche sich beim Draufklicken dann allesamt als „geschlossene Veranstaltung“ herausstellen. (Haben wirklich alle Moodle-Lehrer Angst vor der gesetzlichen Verfolgung?)

    Auch ich würde mir ein System wünschen, welches die Informationen und Aktivitäten für alle Interessierte (nicht nur für die Schüler meines Kurses) auf einfache und intuitive Weise dauerhaft und somit ständig wachsend zur Verfügung stellt. Die Diskussion und Kollaboration in jedem Fall auf einen Kurs zu beschränken halte ich für unnötig und in Zeiten von 2.0 für anachronistisch. Im aktuellen Moodle geht dies zu meiner Verwunderung nicht anders (auch mit allen möglichen Workarounds)!

    Das User-Interface ist m.E. schlicht eine Katastrophe. Viele unterschiedliche Schriftgrößen und zig Boxen, wechelnde Anordnungen und viele unterschiedliche Bereiche, in denem man auf unterschiedliche Objekte mit gleichem Namen Zugriff hat. Alles andere als eine konsistente, übersichtliche (Lern-)Umgebung. Dadurch dass man sowohl auf Administrator-Ebene als auch auf Lehrer-Ebene (für jeden Kurs!) die Boxen und sichtbaren Objekte etwas anpassen kann (bzw. sogar muss!), wird das wahre Ausmaß dieses inkonsistenten UI nur für die Schüler sichtbar, da diese die einzigen sind, die sich in mehreren Kursen von unterschiedlichen Lehrern befinden. Ich vermute daher, dass viele „Moodle-Lehrer“ dieses Chaos gar nicht merken werden.

    Da ich mich mit dem „Standardmoodle“ aus praktischen und ästhetischen Gründen nicht anfreunden kann (bin ich hier wirklich Einer von Wenigen?), habe ich mich ein wenig über den Quellcode hergemacht: Schon die durchgehende Anpassung des Layouts ist schier unlösbar, da die Software das reinste Flickwerk ohne durchgehendem Konzept ist. Nicht einmal die klare Trennung von Inhalt und Layout wurde hier berücksichtigt. Hunderte (unnötige) CSS-Klassen und IDs verstecken sich ohne erkennbarem System in hunderten Dateien. Teilweise werden die Eigenschaften direkt in den PHP-Dateien gesetzt. Teilweise in den CSS. Auch bei den PHP-Dateien erfolgt keinerlei Trennung nach Daten, Logik und UI. Jahrzehnte der Softwareentwicklung und GUI-Gestaltung scheinen am Entwicklerteam spurlos vorübergezogen bzw. dürfte das konstruktivistische Konzept wohl auch in der Entwicklung vorherrschen. Es scheint zwar eine große und begeisterte Community für den Support des Standard-Moodles zu geben, aber ich konnte keine Dokumentation finden, wie man die Software anpassen oder erweitern könnte. Hier ist wohl wieder der feste Glaube an den Konstruktivismus gefragt ;-). Ohne Alternativen zu kennen, kann ich nicht glauben, dass ein kommerzielles Produkt ähnlich schlecht sein kann (sofern es nicht ausschließlich für den Schulbetrieb bestimmt ist). Zumal mir die schulischen Anforderungen an eine solche Software keinesfalls besonders hoch scheinen.

    Hoffe ich trete mit meiner persönlichen Ansicht niemandem zu nahe. Keinesfalls will ich die freiwilligen Anstrengungen und den Enthusiasmus von tausenden Moodle-Anwendern und -Entwicklern schmälern, aber es überrascht mich doch etwas, warum die verantwortlichen Ministerien weltweit lieber viel Geld und sonstige Ressourcen dafür aufwenden, tausende LehrerInnen in tausenden Seminaren in der Anwendung einer wenig ausgereiften und unzeitgemäßen Software fortzubilden, anstatt mit sehr viel weniger Geld eine eigene zeitgemäße Software auf Open-Source-Basis zu entwickeln. Wohl ein typisches Mysterium im öffentlichen Bildungsbereich.

  22. Habe dank Google meine alte Moodle-Kritik hier gefunden und da Beiträge im Internet wie in Stein gemeißelt sind, muss ich dazu folgendes anmerken:

    Nachdem ich Moodle nun bereits länger nutze und dabei auch die vielen positiven Aspekte dieser Software kennen gelernt habe, finde ich meine eigene Kritik in dieser Form und an dieser Stelle nicht mehr angemessen. Sie war aus heutiger Sicht überzogen und wird dem umfangreichen System nicht gerecht. Wer sich über Pro u. Contra Moodle informieren will, der sollte das System einige Zeit testen und parallel das umfangreiche Angebot von moodle.org nutzen.

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