Tütenspender für Schulen?

Am Freitag nach der Pause sind mir Pausenbrotreste auf dem Boden der Gänge aufgefallen. Unter anderem ein schön großes, mit dünnen Wurstscheiben belegt, die sich malerisch-fächerig auf dem Boden ausgebreitet haben. Und jeder stapft natürlich drüber.

Was erwarten wir von einem Schüler eigentlich, dem das Pausenbrot aus irgendwelchen Gründen herunterfällt? Ibäh, ist ja eklig und so. Würde es die Sache etwas erleichtern, wenn man an zentralen Orten Plastiktütenspender aufstellte, wie es sie auch für Hundekot gibt? Oder wär das übertrieben?


(Bildquelle: Wikipedia)

Ich kann mich nicht entscheiden, wie ernst ich das meine.

10 Antworten auf „Tütenspender für Schulen?“

  1. Ob das übertrieben ist, hängt IMO davon ab, wie das Händetrocknen in den Toiletten geregelt ist. Falls dort immer noch die seltsam ineffektiven Gebläsetrockner hängen, dann wären solche “Tütenspender” sicher sinnvoll. Wenn aber Papierhandtuchspender dort installiert sind, sollte es doch möglich sein, dass man, wenn einem schon so ein Malheur passiert, ins Klo saust, sich drei oder vier Papiertücher schnappt und dann die Bescherung beseitigt. Für den Notfall gehen immer auch ein paar Tempotaschentücher …
    Dafür müsste aber natürlich erst mal ein Bewusstsein entstehen, dass die Damen und Herren des Reinigungspersonals nicht die persönlichen Sklaven der Schüler sind – und dass man für die Spuren, die man hinterlässt, selbst verantwortlich ist.
    (Hach. Soviel Philosophie am frühen Nachmittag.)
    Zur Entstehung solch eines Bewusstseins hilft nichts so sehr (nach meiner Erfahrung) wie die u. U. nachdrückliche Erinnerung daran (der Lehrer spricht den Schüler darauf an und wartet solange, bis die Sache erledigt ist) – ja, Erziehung kostet Zeit :-)

  2. Ein paar Meter von unserer Haustüre entfernt (Münchner Westen) ist seit ein paar Wochen so ein praktischer “Hundekottütenspender” aufgestellt. Sinnvollerweise direkt vor einem großen Spielplatz, der inmitten eines großzügigen Grünstreifens liegt, der noch weitere Spielplätze, Bolzplätze, etc. beherbergt. Als Mutter zweier Kinder war ich begeistert, weil ich dachte, ich müsste in Zukunft nicht mehr regelmäßig stinkende Hundesch… aus Gummistiefelprofilsohlen kratzen und waschen. Nun, ich kratze immer noch. Was passiert ist? Der “Hundekottütenspender” befindet auch direkt in der Einflugschneise einer Grundschule. Mindestens drei Mal wöchentlich ist der Spender entleert und der Inhalt, also ein paar Dutzend roter Hundekottüten, liegt auf den umliegenden Wiesen verstreut herum. Ich frage mich also, welchem Schicksal “Brotzeitbrotrestaufsammeltüten” entgegensehen würden.
    Aber ehrlich, ich habe auch schon halbernst über so eine Lösung nachgedacht. Bei mir an der Schule (München Innenstadt) sieht es nach den Pausen im Treppenhaus und auf dem Pausenhof oft unbeschreiblich aus. Mir ist aber bisher auch noch keine bessere Lösung eingefallen als die von Peter Ringeisen beschriebene. Und es stellt sich immerhin der Lerneffekt ein, dass ich mittlerweile nicht mehr viel Worte verlieren oder gar diskutieren muss, wenn ich Schüler auf am Boden liegenden Müll hinweise – der Lohn jahrelanger Sturheit, nein, wir sind ja Pädagogen, Konsequenz. Das wirkt aber vielleicht auch umso besser, wenn die Schüler wissen, dass man sich als Lehrer auch nicht zu schade ist, sich mal zu bücken und (ihh, bäh) Müll aufzuheben anstatt sie mit erhobenem pädagogischen Zeigefinger zu ermahnen (noch mehr Pädagogik ;-)

  3. Also, Männer sind sich dessen wahrscheinlich nicht bewußt, aber es gibt in Schulen normalerweise durchaus Tütenspender, die allerdings für andere Dinge gedacht sind. Uns als Schülerinnen hat die an die Innenseiten der Klotüren geklebte Mahnung der Putzfrau gefreut, die so lautete:

    Hygienebeutel sind keine Brozeit-tüten!

  4. habe mich schon mehrfach über solche Verschmutzungen aufgeregt, aber seltsamerweise erwische ich nie jemanden auf frischer Tat. Die Brote müssen irgendwie von ganz alleine dahin kommen. :-)

  5. “Die Brote müssen irgendwie von ganz alleine dahin kommen.”
    – Au ja! Erlebniserzählung 5. Klasse um die Schulkoboldfamilie, oder Erklärungssagen zum Thema: Wie kommen die Wurstbrote auf den Fußboden? Und: Wie kommen sie wieder weg?

    Hygienebeutel an unserer Schule? Das muss ich mir tatsächlich in einem stillen Moment anschauen.

    “Brotzeitbrotrestaufsammeltüten”
    – Schönes Wort. Schreckliches Schicksal, das ich mir leider gut vorstellen kann. Schade.

    Sven, danke für den Text. Den möchte ich mal behutsam für mich anpassen.

  6. An meiner Schule ist da ja so auf den Toiletten:
    a) Es gibt hauptsächlich furchteinflößende Handtrockner, ein Großteil davon kaputt oder nur eingeschränkt funktionsfähig. Vom Großteil der Schüler werden sie im übrigen nicht genutzt, weil sie so furchteinflößend aussehen, dass man schon länger suchen muss, um ein ähnlich zuverlässig aussehendes Modell auf einer öffentlichen Toilette zu finden. Vorträge über die Bakteriendichte in diesen Geräten sind seperat erhältlich. (Man muss nur die Richtigen finden. Ich selbst wurde bereits zweimal Zuhörer eines solchen Vortrags.)

    b) Handtuchspender gibt es, aber leider keine Handtücher. Hauptsächlich, hat man uns erklärt, weil der Schüler zur Verschwendung neigt. Oder zum Missbrauch. Nur, manchmal, wenn man Glück hat, erwischt man das ein oder andere graue Papierstück auf einem abgelegemem Klo.

    c) Diese Hygienetütenspender wurden vor schätzungsweise drei, vier Jahren eingeführt. Tüten waren dort allerdings nur für die ersten paar Wochen. Jetzt gibt es nur noch die Spender. Die sehen auch nicht spektakulär aus. Man würde sie nicht einmal als solche identifizieren. (Ich kann sie gerne fotografieren. Für die Wissenschaft.)
    Als Benutzerin der Schultoilette kann ich sagen, dass speziell dieser Tütenmangel mich auch Dinge sehen lässt, die noch unschöner sind als Pausenbrote. Ich möchte das jetzt nicht weiter ausführen. Das Problem ist weitaus größer, als wir denken. (Dramatische Gesten hier einfügen)

  7. zu Nina…
    Jaa leider…
    Du hast vergessen zu erwähnen dass man nur mit viel Glück eine Toilette mit Klopapier erwischt,
    wäre mal ne Interessante Stochastik Rechnung,
    mit welcher Wahrscheinlichkeit man an einem bestimmten Tag eine Toilette mit Klopapier erwischt.
    Also liebe Männer jetzt wisst ihr warum wir immer so ungern alleine auf die Toilette gehen,
    denn im Notfall kann die Freundin im Nachbarklo aushelfen,
    das wäre dann Aufgabe b, ob die Freundin auch welches hat…

  8. Ein Schüler, der es nicht für nötig hält, sein heruntergefallenes Pausenbrot wieder vom Boden aufzusammeln, wird sicher auch kein Plastiktütenspender eines besseren belehren.

    Ein viel besserer Ansatz wäre meiner Ansicht nach, zu überlegen, das Reinigungspersonal abzuschaffen oder zumindest auf Toiletten zu beschränken.
    Warum nicht die Schüler selbst die Schule reinigen lassen?
    Im Prinzip funktioniert es nicht anders als ‘Tafeldienst’ und wenn das Saubermachen eine Aufgabe der Schüler ist, werden diese sicher nicht mehr so achtlos etwas fallen lassen und/oder dreckig machen.

    An der Schule meines Bruders funktioniert dieses System sehr gut, allerdings beschrängt diese Arbeit sich auf das Säubern des eigenen Klassenraumes.

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