Grundschullehrer an Gymnasium und Realschule

Es steht kleingedruckt in der Pressemitteilung des KuMi vom 2. April:

Um den Übertritt von der Grundschule in die weiterführenden Schulen reibungsloser zu gestalten, stellt das Kultusministerium im kommenden Schuljahr 156 Grundschullehrkräfte bereit,die an Gymnasien und Realschulen abgeordnet werden.

Was das bedeutet, hatte ich überlesen: An staatliche Gymnasien (und an Realschulen) soll ein Grundschullehrer abgeordnet oder teilabgeordnet werden. Der ist dann im kommenden Schuljahr mit vier oder sechs oder zehn Wochenstunden zum Beispiel auch an unserer Schule und unterrichtet dort. Ich nehme mal an, vor allem in den 5. Klassen.

Der oben genannte Grund ist lobenswert: mehr Kontakt zwischen den Schularten. Ich würde auch gerne mal ein Jahr an eine Grundschule gehen. (Weil ich etwas lernen könnte, nicht weil ich das als weniger anstrengend empfinde.) Und ich freue mich auch auf neue Kollegen, neue Methoden und Sichtweisen.

Aber ich sehe auch Probleme. Zum einen riecht das verdächtig nach Lückenfüllen: Am Gymnasium fehlen im Moment die Lehrer, bislang wurden diese Lücken mit Aushilfslehrern, Eltern, Diplomstudierten, teilweise auch Studenten gestopft. Jetzt sind die Grundschullehrer als Verfügungsmasse entdeckt worden. Zum anderen könnte das auch ein Testballon sein, ob man für die Unterstufe am Gymnasium nicht auch ohne vertieft studierte (und damit: teurere) Lehrer auskommt. Im Moment wird ja immer noch diskutiert, ob es wirklich ein Staatsexamen braucht oder ob man nicht doch mit Master oder Bachelor auskommt.
Ganz konkret heißt das, das meine Chancen auf eine fünfte Klasse nächstes Jahr sinken, und die meiner Kollegen auch. Schade, ich unterrichte gerne Fünftklässler. Gut, einen Gastlehrer kann man verschmerzen. Auch die Intensivierungsstunden, das Herzstück des G8. Der Gastlehrer will allerdings auch betreut werden – Tests entwerfen, nachkorrigieren, so wie das bei Referendaren auch geschieht. Das ist wieder zusätzliche Arbeit, für die ich keine Entlastung kommen sehe.

— Zitate aus dem „Leitfaden für Lotsen in der Übertrittsphase“:

  • „Von Beginn an wurden die Erfahrungen der beteiligten Lehrkräfte mittels einer Online-Abfrage des Kultusministeriums gesammelt“
  • „In Ausnahmefällen ist ein eigenverantwortlicher Einsatz im Pflichtunterricht möglich (z. B. zur Vermeidung von Unterrichtsausfall).“
  • „Das Kultusministerium weist explizit darauf hin, ‚dass es sich beim Einsatz der Grundschullehrkräfte an den Realschulen und Gymnasien nicht um einen Beitrag zur Unterrichtsversorgung oder gar die Schließung von Personallücken handelt. Vielmehr ist es das Ziel, allen staatlichen Gymnasien und Realschulen im Rahmen der Abordnung zwischen 8 und 6 Stunden zusätzlich zuzuweisen.'“
  • „Optimal wäre – sofern realisierbar – ein fester Raum für die Grundschullehrkraft. Hier könnte der Lotse mit den Schülern Intensivierungsstunden und seine Arbeit in Kleingruppen, Gespräche mit Eltern und Schülern oder auch Besprechungen mit im Team arbeitenden Kollegen abhalten. Es könnten Unterrichtsmaterialien eingelagert werden, wie Lehrpläne, Freiarbeitsmaterialien
    sowie Bücher (sowohl aus der Grundschule als auch der weiterführenden Schule). Der Raum kann – wenn er mit den Schülern gemeinsam
    gestaltet wird – auch zu einer kleinen ‚Oase‘ werden, die noch an die Grundschule anknüpft und ein kleines Stück emotional Bekanntes mit in das Neue bringt.“

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35 Thoughts to “Grundschullehrer an Gymnasium und Realschule

  1. ..oder so: Wird hier ein Plan für sechs gemeinsame Schuljahre als Feldversuch, pardon Modellschule, umgesetzt?
    Hm, vor einigen Jahren hat man die Grundschullehrer aus dem Probeunterricht rausgenommen – das war auch immer ein Zusammenrücken über die Schularten hinweg. Sind ja praktisch Nachbarn, auch räumlich bei uns am Ort.

  2. An unserem Gymnasium in RLP haben wir schon zwei abgeordnete Grundschullehrer seit Beginn des Schuljahres 2007/08, und zumindest in unserem Bundesland gibt’s da keine vorgeschobenen Erklärungen: Es gibt zu wenige Gymnasiallehrer und zu viele Grundschullehrer, dies ist die Lösung. Einer der beiden Lehrer wird wohl mindestens noch für ein weiteres Jahr abgeordnet.

    Happig finde ich allerdings, dass diese Lehrer ihr volles Grundschuldeputat unterrichten müssen und auch so bezahlt wären – sprich: Sie müssen drei Wochenstunden mehr machen und werden eine bis drei Gehaltsstufen niedriger bezahlt als ihre Gymnasialkollegen!

    Gut ist allerdings, wenn gleichzeitig in den Klassen 5 und 6 ein neues Fach eingeführt wird, das sich Naturwissenschaften nennt und den bisherigen Biologie und Physik/Chemie-Unterricht ersetzt. Das neue Fach ist natürlich viel sinnvoller als die alten getrennten, und die Einführung hat ü-ber-haupt nichts damit zu tun, dass es jede Menge Biolehrer, aber kaum noch Chemie- und erst recht keine Physiklehrer mehr gibt. Wenn keiner von den Biologie-, Chemie- und Physiklehrern an der Schule das neue Fach gerne unterrichten möchte, kann das auch prima der Kollege von der Grundschule übernehmen, denn die haben da ja das Fach Sachkunde, das passt dann ganz gut.

  3. Hm, meinen letzten Absatz hatte ich in <Ironie> -Tags eingebunden, das hat wohl nicht geklappt. Also, Vorsicht Ironie!

  4. Ich find das schon sehr grenzwertig. Gut, es gibt in bestimmten Fächern Mangel an Gymnasiallehrern. Aber das hinterlässt einen ganz faden Beigeschmack:
    – unterstellt man den Gymnasiallehrern, mit den Kindern in der 5. Klasse, die „nur“ die Grundschule gewohnt sind, nicht richtig umgehen zu können? Der komplette Text der Mitteilung des KuMi liest sich evtl. schon so …
    – Bedeutet das, dass Gymnasiallehrer künftig weniger Unterstufenunterricht erteilen werden (die Grundschullehrer sollen den FACHunterricht in Deutsch und Mathematik, bei zusätzlicher Qualifikation in Englisch der 5. Klasse übernehmen). Das heißt, dass sie mehr Mittel- und Oberstufenunterricht haben werden, der mehr Korrekturaufwand bedeutet => höhere Belastung.
    – Die Grundschullehrer können in Klasse 5 und 6 Intensivierungsstunden halten => Gymnasiallehrer werden weniger Intensivierungsstunden halten, in denen sie kleinere Schülergruppen und kaum Korrekturaufwand hatten (das war ja wohl irgendwann mal etwas, womit man die Gymnasiallehrer für das G8 gewinnen wollte). Das bedeutet auch, dass viele Gymnasiallehrer – wenn sie keine Intensivierungsstunden haben, eine „normale“ Unterrichtsklasse mit 30+ Schülern haben werden => höhere Arbeitsbelastung.
    – Die Grundschullehrer sollen Anrechnungsstunden erhalten, z.T. (Zitat!!) für „die Kooperation mit den Gymnasiallehrern“ – wie im Blog schon gesagt – wo kommt meine Entlastung für die Kooperation mit den Grundschullehrern?
    – Plötzlich braucht man bestimmte Qualifikationen gar nicht mehr, jahrelang machte man Theater: sogar wenn es Bewerber für das Gymnasiallehramt aus anderen Bundesländern mit sehr guten Noten gab, hatten diese Probleme, genommen zu werden.

  5. Im Moment wird ja immer noch diskutiert, ob es wirklich ein Staatsexamen braucht oder ob man nicht doch mit Master oder Bachelor auskommt.

    Ich mache mir jetzt wahrscheinlich keine Freunde, aber: Ein Master ist einem Staatsexamen gleichwertig wenn nicht sogar höherwertiger. (Ich selbst studiere auf Magister.)

  6. Naja, kommt ganz auf den Master an, würd ich sagen. Ein Master in Germanistik/Politik hat vllt. fachlich etwas mehr Ahnung als ich (ähnlich die Magister), aber er hatte eben nicht alle Fächer, die ich hatte. Psycho, Päda und Didaktik ist zwar nicht viel, was die Kursanzahl angeht, aber immerhin.

    Und wann der Master als gleichwertig angesehen wird, das steht eh noch in den Sternen. Noch gibt es genug andere Abschlüsse, so dass niemand von altgewohnten abrücken muss. (ich versuch dat erst gar nicht mit den Ironie-Tags)

  7. Wir (Gymnasium in Rheinland-Pfalz) bekamen zu Beginn des Schuljahres einen Hauptschullehrer zugeteilt. Auch mit der ganz offiziellen Begründung, Hauptschullehrer würden immer weniger gebraucht und bei uns fehlten ja Lehrkräfte. Nachdem wir uns schon ein paar Jahre an „PES“-Kräften erfreuen – die man aufgrund ihrer Ausbildung natürlich gerne in den unteren Klassen einsetzt und uns ‚richtigen‘ Lehrern die arbeitsintensiven Oberstufenkurse überlässt – dürfen wir nun die Trümmer beseitigen, die Kollege Hauptschule in seinen Klassen hinterlässt. Es mag daran liegen, dass er sich „die Sache weniger stressig vorgestellt“ hatte (!), aber meiner Erfahrung ist Schule halt doch nicht gleich Schule…

  8. Auch der Philologenverband, lese ich gerade, feiert es lediglich als Erfolg, dass wenigstens ausgebildete Grundschulkräfte kommen und keine Studenten, die keine Stelle gefunden haben, und die Kritik erschöpft sich in „kann allenfalls nur temporärer Natur sein“. Zweifel an der offiziellen Begründung werden nicht geäußert.

    Vor allem zu dem, was Stefan oben schreibt: Sehe ich alles genauso.

  9. Es wird ja so viel gelogen in unserem Gewerbe.
    Und meist geht es es doch nur um das liebe Geld, und man nennt die Maßnahmen dann Pädagogik.
    Dieses neue Fach Nawi in Rheinland-Pfalz sieht aus wie verlängerte Sachkunde aus der Grundschule und das ist es auch. Die naturwissenschaftliche, systematische Betrachtung wird bei Seite gestellt und es wird phänomenologisch. Galileo für Orientierungsstufenschüler.
    Wir warten auch auf den ersten abgeordneten Lehrer aus der Grundschule.
    Ach ja, Studenten haben wir auch, und was es sonst noch auf dem Markt der Hilfslehrer gibt.
    Früher, ganz früher, gab es auch Hilfslehrer.

    Ein bißchen Lesestoff für Pfingsten, auf dass die Erleuchtung über alle komme, die mit Schulverwaltung zu tun haben
    http://www.zeit.de/2008/17/Interview-Lehmann

  10. Zumindest in NRW ist es schon seit geraumer Zeit üblich, dass die Sek1 außerhalb des Gymnasiums auch für Grundschullehrer geöffnet ist.
    Sie können sich auf die schulscharf ausgeschriebenen Stellen bewerben. Und werden mit etwas Glück genommen.

    Ich hatte dieses Glück. Als fertiger Grundschullehrer und mit einer zusätzlichen Ausbildung als Softwareentwickler wurde ich an meiner aktuellen (Real-)Schule mit Kusshand genommen.

    Einige Kollegen freuen sich, dass Kollegen mit „pädagogisch-didaktischen“ Methoden der Grundschule kommen. Andere verteufeln diese Kollegen. (Man, was gab das damals für einen Aufschrei in meiner eigenen 5. Klasse, in der ich Klassenlehrer bin, als ich dort Tischgruppen hatte. Einige Kolleginnen haben die Klasse vor jeder Stunde die Tische umräumen lassen. Natürlich habe sie sie hinterher nicht wieder zurückgeräumt. Es ging also entweder Pausenzeit oder Unterrichtszeit von mir verloren. Ich habe dann anschließend (mit Rücksicht auf die Pausen der Schüler) von den Tischgruppen Abstand genommen.)

    An unserer Schule sind wir übrigens 3 Kollegen aus der Grundschule. Von 27 Lehrern.

    Grüße aus NRW,
    Markus

    P.S.: Nach meinem Referendariat war auch ein privates Gymnasium an mir interessiert. Es durfte mich aber nicht nehmen.

  11. Wenn sich die Grundschullehrer in der Sekundarstufe I bewähren, so die Befürchtung, dann werden die Eingangsklassen langfristig in die Hände von Grundschullehrern gegeben werden (die dann besser bezahlt werden als jetzt, aber immer noch schlechter als ein Gymnasiallehrer).
    Das ist einerseits schade, weil ich auch gerne fünfte Klasse unterrichte und die Schüler zum Beispiel in Englisch gerade in dieser Jahrgangsstufe so unheimlich viel lernen. Andererseits heißt „sich bewähren“, dass es eben tatsächlich auch so geht, also ist das nicht unvernünftig. Die Belastung der Gymnasiallehrer wächst dadurch allerdings.

    Wenn sich die Lehrer nicht bewähren, was sich spätestens in den Folgeklassen zeigen wird, dann hat man auf dem Papier Unterrichtsstunden stattfinden lassen. Geschieht jetzt ja auch schon ohne nennenswerten Protest, und mehr Erfahrung als manche Notlösungen zur Zeit haben die Grundschullehrer auf jeden Fall. Offiziell dienen sie ja ohnehin nicht als Aushilfe, sondern als Schnittstelle und zukünftige Multiplikatoren.

    Bleiben die Fragen: Was heißt „sich bewähren“, und wie sehe ich die Chancen dafür? Einmal gibt es die Umstände, die organisatorisch viel Arbeit machen, langfristig aber zu beheben sind: Schon wieder Teilzeitkräfte/teilabgeordnete Lehrkräfte, das macht den Stundenplan schlechter und die Kommunikation schwieriger. Dazu Betreuung und Nachkorrektur.
    Wichtiger ist aber, wieviel die Schüler lernen werden. Und da warte ich erst einmal ab. So sehr zufrieden bin ich fachlich mit meinen Gymnasialkollegen nämlich auch nicht, von denen nicht alle einen Unterschied zwischen „Laut“ und „Buchstabe“ machen.

    Andere Methoden können jedenfalls nicht schaden, vielleicht lassen sich manche davon auch am Gymnasium umsetzen. Tischgruppen… hätte ich auch sehr gerne. Es scheitert meistens an bestimmten Fächern und den Lehrern darin, die das aber so was von gar nicht wollen.

  12. Die Tischgruppengeschichte habe ich bei Herrn Klippert gelernt.
    „Je öfters Sie das machen, desto schneller geht es.“
    Geübte Klassen kennen das Muster, stellen ratzfatz um und auch später wieder zurück.

  13. Trotzdem geht entweder Pausenzeit verloren (die ich der Klasse nicht nehmen will) oder meine Unterrichtszeit, wenn ich die Tische wieder umstellen muss.
    Okay, wenn meine Kollegin für ihren Unterricht die Tische umstellen muss, geht bei ihr die Unterrichtszeit verloren. Aber sie hätte sie ja auch einfach in Tischgruppen stehen lassen können. *schulterzuck*

    Außerdem denke ich, dass eine gewisse „Kontinuität“ nicht ganz schlecht ist. Und wenn die Klasse ständig ihre Tische umstellen muss, ist das halt eher störend.
    Schade nur, dass die Kollegin mein … „Vorrecht“ als Klassenlehrer nicht akzeptieren konnte. Sondern nur müde über den Primaten lächeln konnte, der Grundschulmethoden einführen wollte. *seufz*

    Markus

  14. Schade, im Prinzip habe ich nichts gegen gestandene Grundschulkollegen! Aber: 1. Wie sollen die dann bezahlt werden? 2. Welche Auswirkungen hat das auf unser Gehalt? 3. Nichts gegen Frauen, aber: Meine Erfahrungen gerade mit Grundschulkolleginnen sind in keiner Weise als gut zu bezeichnen! Die überwiegende Anzahl hatte Angst! Angst vor den Schülern, Angst vor den Direktoren, Angst vorm Schulrat! Ergo: Sie waren Pflichterfüller eines Lehrplans, ohne sich große Gedanken darüber zu machen, was von ihrem Stoff bei den Kindern hängen geblieben ist! Bekommen wir nun auch solche Kollegen?- Ich hoffe, dass ich nur singuläre Erfahrungen machte!!!
    Aber: Warum zahlt man nicht angemessen? – Das Argument , es sei kein Geld vorhanden, ist doch gelogen!!! – Ich möchte einmal wissen, was die Hochglanzbroschüren aus manchen Ministerien kosten! Oder die Prunkbauten, die sich ein Freistaat wieder in irgendeine Hauptstadt hineingestellt hat! – So fährt das Bildungssystem an die Wand!

  15. Unabhängig von Verwaltungsmaßnahmen besteht die Aufgabe, den Übergang von der Grundschule zu weiterführenden Schulen den Kindern nicht unnötig schwer zu machen.
    Diese kann man auch so lösen, dass die Lehrer der Gymnasien und Realschulen mal in die Grundschulen schauen:
    – einen Tag hospitieren,
    – die Pläne und Bücher der Grundschule studieren,
    – die Klassenarbeiten der Grudschüler zur Kenntnis nehmen (kann man sich auch in der neuen Kl. 5 von den Schülern erfragen!).
    Am FMG durften die Grundschullehrer einmal im Jahr kommen, um sich über die schulische Entwicklung ihrer ehemaligen Schüler zu informieren – das diente aber mehr der Imagepflege des Gymnasiums.
    Ich würde lieber die Gymnasiallehrer in Bewegung setzen, damit sie wissen, welche Kinder sie tatsächlich vor sich haben; als Standpunkt mancher Grundschulen hier in NRW kenne ich die These: Wir sind nicht dazu da, auf das Gymnasium vorzubereiten. So ganz falsch ist das nicht, aber auch nicht ganz richtig. Solche Kompetenzstreitigkeiten sollten jedenfalls nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.

  16. „Kompetenzstreitigkeiten sollten nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.“- ein sehr richtiger Satz!
    Nur: Nach meiner Erfahrung wird noch mehr auf dem Rücken der Kinder ausgetragen!
    Es gibt Untersuchungen, dass in ländlichen Gebieten (jedenfalls in Bayern!) weniger Kinder die Kriterien für ein Gymnasium oder eine Realschule erfüllen als in städtischen!
    – Meine Überlegungen dazu: – Sind auf dem Land die Kinder dümmer?
    – Geben die Lehrer in Städten bessere Noten?
    – Möchte man Abwanderungen von später sehr gut ausgebildeten Kindern verhindern?
    – Möchte man den Bestand der Hauptschulen mit Gewalt erhalten.

    Die Gedanken sind frei – jeder möge sich das seine hier raussuchen. Nur: Die Schulpolitik wird eben auf dem Rücken der Kinder und von deren Eltern ausgetragen!

  17. Hospitieren in der Grundschule ist eine gute Idee. Bei uns gab es vor Jahren mal einen Ansatz dazu, ich war ein paar Stunden dort, aber nur im Englischunterricht – der mir sehr gut gefallen hat. Inzwischen gibt es einen verpflichtenden Lehrplan für Englisch, den man tatsächlich kennen sollte, der aber nicht wirklich bekannt ist. (Das liegt auch daran, dass etwa 2% aller Gymnasien in Bayern Französisch statt Englisch in der Grundschule anbieten, unter anderem auch in unserem Einzugsbereich.)

  18. Hier ist mal ´so ne Grundschultussi, die zufällig auf diese Seite gekommen ist, weil sie sich gerade dafür beworben hat – auf zwei Jahre begrenzt – im Gymi (5. Jgst.) zu unterrichten.
    Wahrscheinlich bin ich naiv, aber mir geht es tatsächlich darum, den Übergang für die Kinder zu optimieren.
    Mein Filius ist gerade in der fünften Klasse. Bei 33 Kindern in der Klasse, reiner Frontalunterricht (war ja aber doch schon immer das beste so – s. o. -gähn!!) und nach dem 3/4 Jahr so was von unmotiviert, dass es nur so kracht. Dabei ist er ein guter Schüler (nach Noten – eben ein schlaues Kerlchen!), findet aber Schule nur noch oberdoof. Hey, Leute , da stimmt doch was nicht!!
    Nun bin ich sicher kein Wundervollbringer, aber ich denke so ein bisschen könnten wir uns schon voneinander abschauen, hüben wie drüben. Und wenn es nur wäre, dass wir endlich einmal erfahren, was ihr im Gymi so als Grundvoraussetzung von euren Schülern erwartet. Denn ab Mai, nach dem Übertrittsgeacker, könnten wir durchaus differenzieren (das ist nämlich unser tägliches Brot!) und die angehenden Gymnasiasten fitter machen für das, was kommt.
    Weils mich nun doch ärgert: Es gibt zwar durchaus die angepassten Dummpfbacken in unserem „Gewerbe“, aber zu denen zähle ich mich gerade nicht. Deshalb werde ich wohl auch „nix “ mehr, außer alt in der Schule.
    Sage jedem meine Meinung ins Gesicht – das gefällt dem Schulrat nicht! Aber ganz ehrlich, von solchen „Hohlis“ seid ihr auch nicht verschont geblieben, oder irre ich mich da?!
    Für meinen Dienst im Gymi bekomme ich zwei Anrechnungsstunden und damit immer noch viel weniger bezahlt als ihr. Dafür werde ich aber sicher die gleiche Arbeit zu leisten haben. Den Mehraufwand habt natürlich nur ihr Armen auf eurer Seite. Wir spazieren hinein, stellen uns auf euren Rücken ein bisschen dumm an, hinterlassen euch bodenlos blöde Schüler und ihr Helden der Nation dürft es dann ausbaden.
    So habe ich mir die Zusammenarbeit eigentlich nicht vorgestellt.
    Apropo „Lehrernotstand iim Gymi“ Laut BLLV habt ihr in Deutsch durchaus auch noch eine Warteliste für Lehrer. Mit Deutsch als Fach warten angeblich 223 Kandidaten auf eine Stelle. So kann ich mir nicht vorstellen, dass alles nur den Zweck der Kostendämpfung hat.
    Ob aus dem Modellversuch etwas Vernünftiges wird, hängt von beiden Seiten ab. Den Profit sollten die Kinder haben!! Dafür engagiere ich mich (auch jetzt schon in der GS – ohne Mehrbezahlung oder Ausgleich! -(schön blöd, was?)). Ich jedenfalls würde gerne dazu beitragen, dass der Übertritt reibungsloser verläuft, als das, was bisher usus ist.

  19. „Für meinen Dienst im Gymi bekomme ich zwei Anrechnungsstunden und damit immer noch viel weniger bezahlt als ihr. Dafür werde ich aber sicher die gleiche Arbeit zu leisten haben.“ – Spielt man hier nicht wieder einmal die Kollegen/innen gegeneinander aus? Mein Standpunkt: Gleicher Lohn – gleiche Arbeit – aber bitte ohne Lohdumping, wie offensichtlich andernorts erwogen!

    „Übertritt reibungsloser verläuft“ – falscher Gedanke, da am falschen Zeitpunkt eingesetzt wird! – Der „Übertritt“ beginnt im Kindergarten und setzt sich in der Grundschule fort! Was in der 1. Klasse nicht beigebracht wird, das kommt später auch nicht mehr!!

    Kinder sind eben keine Maschinen! Ich kann hier nicht mit INPUT – OUTPUT arbeiten! Mein Credo für die Grundschule: Lasst die Kinder wieder mehr selbst in die Hefte schreiben, unterlasst den Blödsinn mit den sog. Halfertigprodukten oder auch Arbeitsblättern, nehmt wieder die Schiefertafel zum Erlernen der Schrift etc.

    Da das aber nicht kommen wird …

  20. Mein Credo: Schlagt doch wieder die Kinder mit dem Stock, dann lernen sie Gehorsam!
    Gebt ihnen im Zeitalter des Computers bitte die Schiefertafel in die Hand! Ja geht´s noch??
    Gebt ihnen in der ersten Klasse bereits die Aufgaben aus dem Abitur, denn „was in der 1. Klasse nicht beigebracht wird, das kommt später auch nicht mehr!! –
    In der Grundschule haben wir alle da sitzen. Vom hochbegabten Freak bis zum Sonderschüler. Ins Gymi würden wir euch schon nur die „geben“, von denen wir (aber das sind ja eben nur unfähige Grundschulis) glauben, sie hättens drauf. Schließlich sehen wir die Kinder jeden Tag 6 Stunden lang. Aber wenn ich dann höre, dass die Gymnasien angehalten werden, alles zu nehmen, was sich da so bewirbt, auch wenns mit dem Übertrittszeugnis nicht so hingehauen hat – ja die Realschule ist ein gefährlicher Schülerfänger geworden – dann bitte seid ihr selber schuld.
    Und bei den Eltern, die meinen ihr Kind unbedingt aufs Gymi pressen zu müssen hätten wir wirklich gerne ab und zu die Schiefertafel, denn das was uns die Eltern solcher Kinder alles aufs Ohr drücken ist nicht mal wert, dass ich es auch nur als Klopapier benutze.

  21. Sorry, das sind leider genau die Vokabeln, die eben ein Gespräch unterbinden! Das sind die Vokabeln des BLLV!
    „Ins Gymi würden wir euch schon nur die “geben”, von denen wir (aber das sind ja eben nur unfähige Grundschulis) glauben, sie hättens drauf. Schließlich sehen wir die Kinder jeden Tag 6 Stunden lang. “ – Komisch, ein wenig Zurückhaltung hätte ich bei einer Akademikerin schon erwartet! – Diese Angriffe, ob auf Gymnasiallehrer oder Eltern, wie ich sie hier sehe, führen doch zu nichts! –
    Warum lehnen Sie Dinge, die erprobt sind, einfach ab?
    So aber muss ich leider sagen: Hoffentlich kommen Sie nicht zu uns! Aber: Jeder Mensch kann sich ja ändern – und ich gebe diese Hoffnung nicht auf!

    Übrigens: In einer vierten Klasse beurteilen zu können, ob ein Mensch das Abitur schaffen könnte, halte ich mehr als gewagt!!

    Das, was das KuMi den Grundschullehrkräfte hier aufgebürdet hat, ist für mich eine reine Zumutung! Für die Lehrer, die Eltern und insbesondere die Kinder!

    Ergo: Entweder übernehmen aufnehmende Schulen wieder die Kinder nach den dort geltenden Maßstäben (hat lange funktioniert, wird heute von den Universitäten in weitem Umfang praktiziert!) – oder wir verlängern die gemeinsame Schulzeit bis in die 10. Klasse mit entsprechenden Curricula + Leistungsgruppen.

    Machbar ist alles, nur wollen muss man es halt!

  22. Bitte Frieden halten, soweit möglich. (Wenn’s nicht geht, dann halt nicht.) Monika, die Schiefertafel (mit der ich 1974 selber noch im ersten Schuljahr gearbeitet habe, sicher als einer der letzten) als solche ist heute nicht mehr vermittelbar, aber mit dem Zeitalter des Computers hat das wohl nichts zu tun.

    Ich weiß nicht sicher, was Irnerius mit der Bemerkung zur ersten Klasse meinte – ich habe es allerdings so verstanden, dass die unterschiedliche frühkindliche Förderung und die Unterschiede in der Familie auf den späteren schulischen Erfolg des Kindes einen statistisch viel zu hohen Einfluss haben, und dass man bildungspolitisch da Änderungen braucht. (Das ist kein Vorwurf an die Grundschule.)

    Persönlich werde ich den Kontakt zu unserem zukünftigen Grundschullehrer suchen. Ich kann davon erst einmal nur profitieren. Wenn es eine Möglichkeit gibt, mit 33 Schülern und dem gleichen Lehrplan besseren Unterricht zu machen, als ich ihn halte (wenn ich alle drei Jahre einmal das Zuckerstückchen 5. Klasse kriege) – und das ist sicher denkbar – dann will ich mir das abschauen. Mir bist du willkommen, Monika.

    Auch wenn die Grundschullehrer zusätzliche Arbeit machen. Dass ihr selber trotz eurer Entlastungsstunden mehr arbeiten werdet als sonst, wird so sein – aber ich habe absichtlich gar nicht erst angefangen, aufzurechnen, wer wieviel mehr Arbeit macht oder nicht. Ich beschränke mich auf die Mehrarbeit der Lehrer am Gymnasium – schon mal weil das gegenseitige Aufrechnen eine sorgfältigere Abwägung erfordert, als ich gerade leisten kann, und eh nicht hilfreich ist.

    Langfristig werde ich von dem „Modellversuch“ aber vermutlich nicht profitieren, fürchte ich. Wofür ist es denn ein Modell? Doch nur dafür, ob Grundschullehrer die 5. Klasse übernehmen können. Wenn sie das so tun können, dass die Schüler davon profitieren, dann wird – völlig zu Recht, auch wenn ich mit den Zähnen knirsche – die 5. Klasse den Gymnasiallehrern weggenommen und in Zukunft von (billigeren) Grundschullehrern übernommen werden. Meine Befürchtung ist nun die, dass das auch dann stattfindet, wenn die Schüler im Schnitt nicht davon profitieren – sondern lediglich aus Kostengründen entschieden wird.

    Geht es tatsächlich nur um einen Informationsaustausch (der Philologenverband, der ansonsten selten für mich spricht, zweifelt das ebenfalls an), dann ist das eine gute Sache.

  23. Eigentlich kann ich mir nur vorstellen, dass es um einen Informationsaustausch gehen kann, denn ich kenne keinen Grundschullehrer, der auf Dauer im Gymnasium unterrichten will. (Immer nur eine Jahrgangsstufe zu unterrichten wäre mir auch viel zu langweilig.)
    Die Vorbehalte uns gegenüber würden sich nicht innerhalb von 2 Jahren abbauen lassen und als dauerhaft nur übel gelittene Möchtegern-Gymnasiallehrer möchten wir auch nicht enden. Das Ergebnis muss sein, dass wir gemeinsam den Übertritt überdenken und Vorschläge einbringen. Darüber hinaus, dass wir Grundschullehrer ganz allgemein unterbezahlt sind und an das Gehalt der Gymilehrer angeglichen werden müssten, nicht umgekehrt.
    Die wahren Gründe des Kultusministeriums hinter diesem Projekt kenne ich nicht. Im Glauben an das Gute im Menschen, dachte ich schon, es gehe auch denen dort um das Wohl der Kinder. Für diesen Einfall erntete ich heute in meinem Kollegium aber auch nur schallendes Gelächter. Wie auch immer: Der Versuch wird stattfinden und wenn wir uns gegenseitig ein wenig offener und weniger vorurteilsbeladen zeigen könnten, könnten es ja doch zwei nicht ganz verlorene Jahre werden.
    Im übrigen können auch wir Grundschullehrer nicht aus. Von uns werden eben 158 Leute abgeordnet, die das machen müssen. Dann ist es doch immer noch besser, es gehen wenigstens einige freiwillig zu euch, als ihr bekommt nur die, die das genauso idiotisch finden, wie anscheinend die Mehrheit der Kollegen bei euch und bei uns.

  24. Danke für den Friedenshinweis! – Aber, was habe ich hier wieder gelernt: Es gibt massive Vorurteile, die aber (leider!!!) nicht durch einzelne Kollegen ausgeräumt werden können, denn diese Vorurteile werden von anderer Seite geschürt!!! – Wie sagte doch Caesar: Divide et impera!

    Zweitens:
    „Ich weiß nicht sicher, was Irnerius mit der Bemerkung zur ersten Klasse meinte – ich habe es allerdings so verstanden, dass die unterschiedliche frühkindliche Förderung und die Unterschiede in der Familie auf den späteren schulischen Erfolg des Kindes einen statistisch viel zu hohen Einfluss haben, und dass man bildungspolitisch da Änderungen braucht. (Das ist kein Vorwurf an die Grundschule.) “ –

    Das ist sehr richtig erfasst! – Viele wollen es halt nur nicht hören, dass die Bildung bereits vor (!!!) der Grundschule anfängt, dass hier dann die Leute (so wie ich das eben in meinem Bekanntenkreis (Grundschullehrer!!!) dermaßen gegängelt werden (auch unterbezahlt werden, man betrachte dabei auch einmal die Struktur der GS-Lehrerschaft!!), dass die Kinder gar nicht weiter kommen können! – „Det Janze hat Methodik“ – würde Schuster Voigt sagen!

    Seit Jahren werden die Schulen nur aufgemischt, anstatt dass man sich auf einen gesunden Bildungskanon verständigt – ohne viel Firlefanz und elektronischen Schnickschnack (vgl. TU Darmstadt, wo man das Zeichnen von Faustskizzen als dringliche Lernaufgabe von neuen Ingenieuren ansieht (ach sieh einer an!) !!- und dass man dann die Fachleute – eben die Lehrkräfte – auch in Ruhe arbeiten lässt.

    Wir brauchen wenige Kernfächer und dann Nebenfächer, die sich dessen bewusst sind!

    Warum kürzt man denn gerade in der 7. Klasse Gymnasium das Fach Englisch auf drei Stunden? Anstatt z.B. die Fremdsprachen sechsstündig durchzuziehen?! Dann müsste man halt anderswo kürzen – ich glaube, man könnte von früher viel lernen!!

  25. Kurzer Nachtrag, nachdem es wieder neue Schreiben dazu gegeben hat, die manche Punkte geändert haben:
    Wenn die Grundschullehrer keinen eigenen Intensivierungsunterricht übernehmen, sondern Lernen-lernen-Gruppen, oder Team Teaching mit den Gymnasiallehrern machen, oder immer wieder für einige Wochen oder Monate Stunden übernehmen (etwa ein- oder zweimal in der Woche in meiner Klasse, wobei ich dann zuschaue und lerne), oder zusammen mit dem Lehrer den Intensivierungsunterricht machen –
    – dann können beide Lehrer-Seiten davon profitieren, und die Schüler auch. Das gefällt mir.
    Wenn Grundschullehrer in Mangelfächern statt der Gymnasiallehrer die Intensivierungsstunden übernehmen, dann werden sie als Aushilfskräfte missbraucht. Ich glaube und hoffe, dass das nicht so sein wird. Wir werden es sehen.

  26. Hallo!

    Ich werde auch im nächsten Schuljahr an einer Realschule unterrichten und ich freue mich darauf! Einfach um mal zu sehen, wie dort gearbeitet wird, welche Schüler dort sind und auch auf den Kontakt mit den neuen Kollgegen. Wie oder mit welchem Standesdünkel ich dort betrachtet werde ist mir egal, da stehe ich darüber. Ich interessiere mich tatsächlich für diese Schulart (glaube aber, auf Dauer sind mir meine Grundschüler lieber).

    Liebe Grüße!

  27. Erzähl dann doch mal, wie das so ist – im eigenen Blog, als Gastbeitrag bei einem anderen, anonym oder nicht. Standesdünkel, hoffe ich, wird dich wenig empfangen.

  28. Hallo zusammen,

    ich (Grundschullehrer) bin jetzt seit September am örtlichen Gymnasium eingesetzt. Dort unterrichte ich in den fünften Klassen Natur und Technik. Die Arbeit macht Spaß und die Kollegen aus dem Fachbereich Biologie/Chemie sind sehr kooperativ und bisher auch zufrieden. Inzwischen wurde ich von den Kolleg(inn)en auch gefragt, ob ich nächstes Jahr weiter NuT unterrichten will (wohlgemerkt von den Kollegen im Fach, nicht vom Chef). Man kann sich also durchaus einarbeiten und überzeugen.

    Es gefällt mir übrigens, mal (fast) ohne Problemschüler arbeiten zu können. Ich glaube, dass sich die meisten Gymnasiallehrer nicht darüber im Klaren sind, was Grund- und Hauptschullehrer leisten. Kinder aus schwierigsten Verhältnissen, übertritts“geile“ Eltern und dann (ganz nebenbei) 29 Stunden erschweren uns das Leben ganz schön und machen den Beruf zur Herausforderung.

    Um es kurz zu machen: am Gymnasium gefällt es mir gut, die Kollegen aus dem Fachbereich sind klasse und Schüler und Eltern haben sich noch nicht beschwert. Was mir fehlt, ist allerdings die Ehrlichkeit. Natürlich sind wir Lückenbüßer. Das war aus meiner Sicht (mit zwei Anrechnungsstunden – kommendes Schuljahr soll es nur noch eine sein) auch ganz in Ordnung. Uns jetzt aber als die beratenden Bindeglieder zwischen Grundschule und Gymnasium darzustellen, die den Übertrittsdruck von den Schülern nehmen, geht zu weit. Hätte ich Gymnasiallehrer werden wollen, hätte ich genau das studiert. Grundschullehrer ist aus pädagogischer Sicht schwieriger, befriedigt aber umso mehr …

  29. Danke für die Rückmeldung, Stefan. Unser Grundschullehrer – sind es eigentlich vorwiegend Männer, und was bedeutet das? – fühlt sich auch ganz wohl bei uns. Ich kriege nicht viel mit, weil er in meinen Fächern leider nicht eingesetzt wird.

    Ganz kann ich mir die Schwierigkeiten in der Grudnschule, vor allem vor dem Übertritt, nicht vorstellen, aber ich kriege auch genug erzählt. Ich beneide euch keinesfalls darum, und hätte es selber auch nicht gern gemacht. Aber ich verstehe, wie es einen mehr befriedigen kann als Gymnasium.

  30. Die hier geführten Diskussionen bezüglich Grundschullehrer an Gymnasien, sogenannte Lotsen, liegen ja schon einige Jahre zurück und wir Lotsen sind inzwischen zum festen Bestandteil an Gymnasien geworden. Ich bin seit einem Jahr an einem bayerischen Gymnasium tätig und werde exakt nach den vorgeschriebenen Richtlinien eingesetzt. D.h. ich nehme keinem Gymnasiallehrer seinen Platz oder gar seine 5. Klasse weg. Denn ich bin mit 8 Stunden pro Woche lediglich ein zusätzlicher Lehrer in den verschiedensten Fächern der 5 Klässler. Wir praktizieren Teamteaching. Meine Aufgabe besteht darin in Intensivierungsstunden zusätzlich Individualisieren zu können, da ich entweder mit einzelne Schülern nochmal den Stoff bespreche, längere Zeit erkrankten Kinder den Stoff erkläre, mich um die Schwächeren kümmere oder einfach als zusätzlicher Beobachter, Helfer, Ansprechpartner fungiere. Zudem vertrete ich gerne erkrankte 5. Klasskollegen, um den Schülern eine fachlich konsequente Weiterführung ihres Unterrichts zu gewährleisten. Gerne halte ich auch mal eine Stunde oder Teilbereiche einer Unterrichssequenz für den Fachlehrer, damit dieser seine Schüler in der Zwischenzeit besser beobachten kann oder Unterrichtsmethoden aus der Grundschule kennenlernt. Wir unterhalten uns viel über die Schüler, tauschen uns über unsere Beobachtungen aus, beraten Eltern und Schüler gemeinsam und versuchen somit den Schülern den Übertritt zu erleichtern, da 4 Hände, Augen, Ohren und 2 Herzen für sie da sind. Eigenverantwortlich Klassen zu führen ist zwar vielerorts üblich aber unzulässig. Wir Lotsen sind lediglich zur zusätzlichen Unterstützung einzusetzen. Nicht mehr und nicht weniger. Da ich nur diese 8 Stunden im Schuldienst bin und aufgrund meiner Kinder keinerlei weiteren Einsatz an der Grundschule habe, habe ich den Luxus zeitlich ungebunden, ganz individuell meine Stunden an die Schul-bzw.Lehrerbedürfnisse anpassen zu können. Besonders lukrativ ist dieser Einstz zudem, da ich 8 Stunden unterrichte und für 10 Stunden bezahlt werde. Als vielbeschäftigte dreifach Mama, genieße ich es sehr meinen Beruf ausüben zu können, jedoch wenig Vorbereitung zu haben und kaum Verantwortung tragen zu müssen. Ich finde dieser Lotsendienst ist eine luxuriöse Hilfe für die 5. Klässler, da wir v.a. zu Beginn des Schuljahres den gewohnten Grundschulton und die bekannten Grundschulmethoden beibehalten können und die grundschultypische Herzenswärme und Fürsorge anbieten können. Ich bin gespannt, wie lange sich der bayerische Staat diesen „alternativ-schultypischen“ Lehrerüberfluss noch leistet. Bis dahin mache ich diese Arbeit liebend gerne und ohne schlechtem Gewissen, da ich keinen Gymnasiallehrer ersetze oder als billige Arbeitskraft missbraucht werde.
    Ich hoffe, ich konnte mit den vielen unsinnigen Vorverurteilungen aufräumen bzw. Fragen und Missklängen beseitigen.

  31. Sorry, K. Richter,

    ich zitiere „da wir v.a. zu Beginn des Schuljahres den gewohnten Grundschulton und die bekannten Grundschulmethoden beibehalten können und die grundschultypische Herzenswärme und Fürsorge anbieten können.“ – Ich bedanke mich für diese Zurechtweisung, die ich allerdings als Unterstellung werte!
    Ich möchte Sie bitten, sich einmal Ihre eigene Aussage zu überlegen und nachzudenken, wie ich zu dieser Beurteilung gelange!
    Seit längerer Zeit schon scheinen bestimmte Kreise Grundschule gegen Gymnasium ausspielen zu wollen – so jedenfalls meine Vermutung / Beobachtung, auch als Vater!
    Mittlerweile bin ich zu müde, um diesem Trend noch etwas entgegen zu setzen. – Wohin dieser Trend allerdings führen wird, das werden wir sehen, wenn an den Universitäten andere Qualifikationen gefordert werden als ein Abitur. – Dann ist es aber zu spät!
    Auch wenn es manchem nicht geeignet erscheint, mir kommen doch die Worte von Heinrich Heine aus seinen „Nachtgedanken“ in den Sinn:

    „Denk ich an Deutschland in der Nacht,
    Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
    Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
    Und meine heißen Tränen fließen.“ –

    An dieser Stelle würde ich allerdings „Deutschland“ durchaus gleich setzen mit: „Bayern“ sowie die „Jugend von heute“.

    Nichts für ungut an eine wohl meinende Grundschullehrkraft, mein „Aber …“ bleibt.

    Emil

  32. Ich habe in den letzten zwei Schuljahren leider gar keine Erfahrungen mit Grundschullehrern am Gymnasium machen können, und im Jahr zuvor war niemand in meinen Fächern oder Klassen eingesetzt – insofern bin ich da blank. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass das an vielen Schulen gut funktioniert. Andererseits will ich aber auch nicht ausschließen, dass manchmal doch selbstständiger Unterricht gegeben wird, zumindest in Intensivierungsstunden; gedacht ist das sicher nicht so.

    Die Betonung der grundschultypischen Herzenswärme und Fürsorge kommt natürlich schlecht an; der Satz ist mir selber auch aufgefallen. Ich habe meine Lehrer an der Grundschule nicht als besonders herzenswarm in Erinnerung, aber das waren die Siebziger, und gestört hat es mich auch nicht.
    Sagen wir: an der Grundschule gibt es auf jeden Fall sehr viel mehr Kontakt zwischen Lehrer und Schüler. Und ich kann mir vorstellen, dass es am Gymnasium mehr unfreundliche, harsche Lehrer gibt als an der Grundschule, auch wenn sich das vor allem erst bei Mittelstufenschülern entwickelt. (Könnte man fragen: wie kommt das? Und: ist das schlimm?) Aber auch da fehlt mir die Erfahrung. Einen Gymnasiallehrer mal ein paar Stunden an eine Grudnschule zu schicken, das wäre auch eine gute Idee.

  33. Rückblick über das, was ich aus den vergangenen Jahren von anderen Schulen höre: Aber klar werden Grundschullehrer einegsetzt, um Lücken zu schließen. Sie übernehmen selbstständigen Unterricht in der 5. Jahrgangsstufe, das macht Gymnasiallehrer frei für andere Klassen. Soll alles nicht so sein, ist wohl aber der Fall. Schulpolitisch halte ich das für grundfalsch – nach und nach wird die 5. Klasse so abgegeben an die Grundschule.

  34. Der Tenor in vielen Kommentaren von Gymnasiallehrern ist, dass sie Grundschullehrern die Fachlichkeit z.T. absprechen. Komisch nur, dass in Berlin und Brandenburg immer schon die Grundschule bis zur Klasse 6 geht und die Ergebnisse auch nicht schlechter sind. Die Kritiker kommen dann immer mit dem Vergleich Bayern und Berlin, deren Unterschiede bei Pisa nichts mit der Grundschule bis Klasse 6 zu tun hat. Der Widerstand gegen eine Verlängerung der Grundschule speist sich wie übrigens schon 1991 aus zwei Quelle: Das Bildungsbürgertum will seine Kinder nicht länger mit Kreti und Pleti zusammen sehen und die Gymnasiallehrerlobby, die um ihre Privilegien (Beförderungskegel) bangt. Der Wechsel ab Klasse 4 ist auch global gesehen ein Anachronismus und lokal eines Kompromisses des Reichtages von 1919.
    Dass die Grundschullehrer mehr Unterrichtsverpflichtung haben und deutlich weniger verdienen ist ebenfalls ein Relikt diesen Zeiten, praktisch natürlich für die Finanzminister der Bundesländer. Im Zeitalter von Bacheloer und Master keinesfalls aber mehr gerechtfertigt und m.E. auch lange nicht mehr haltbar.
    Das ganze Schulsystem mit der Besolungsstruktur ist sowieso pervers, denn wie ist es sonst zu erklären, dass die Lehrergruppe, die die bildungswilligsten Schüler unterrichten (Gymnasien) die stärksten Privilegien (Besoldung + Beförderungsmöglichkeiten) haben. Dies gibt es in dieser Konstellation so bei keiner akademischen Berufsgruppe.

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