Grammatik 3

Schwierig ist das Präpositionalobjekt. Es beginnt mit einer Präposition (auf, in, nach…), aber das gilt auch für viele Adverbialien. Anders als diese ist das Präpositionalobjekt aber in der Valenz des Verbes festgeschrieben – in Schulgrammatik-Sprache: “man kann es nicht weglassen”. Außerdem, und das ist vielleicht wichtiger, wird die Präposition des Präpositionalobjekts bereits durch das Verb mehr oder weniger bestimmt, während das Verb keinerlei Einfluss auf die Präposition eines Adverbials hat. Beispiele folgen.

1. Ich warte auf einer Brücke auf meine Freundin.
2. Markus wartet schon sehr lange auf sein Geld.

Auf einer Brücke/schon sehr lange sind Adverbialien – Orts- beziehungsweise Zeitangaben, die man weglassen kann oder nicht. Das erste davon beginnt mit einer Präposition, das zweite nicht. Andere Adverbialien mit anderen Präpositionen sind leicht denkbar: auf einer Couch, unter einer Brücke, über einer Brücke, vor einer Brücke.
Auf meine Freundin/auf sein Geld sind Präpositionalobjekte, man kann sie (erzählen wir den Schülern) nicht weglassen, da die Valenz des Verbs sie erfordert. Entsprechende Satzglieder mit anderer Präposition sind nur gelegentlich zu finden. Falsch sind jedenfalls: *Ich warte für/von/über meine(r) Freundin.

(In der englischen Grammatik würde man die Präposition einfach dem Verb “warten auf” zuschlagen, übrig bliebe ein simples Objekt “meine Freundin”. Siehe auch Objekt bei Wikipedia.)

– Allerdings gibt es auch bei der Valenzgrammatik Probleme. Ist eilen wirklich einwertig?

1. Wir eilten.
2. Wir eilten nach Hause.

Der erste Satz wirkt unvollständig. Der zweite ist richtiger – heißt das, dass ein Adverbiale doch zur Valenz gehören kann? Dass es gar nicht stimmt, wenn wir Schülern sagen, dass man die immer weglassen kann?

1. Sie riefen laut meinen Namen.
2. Sie riefen laut: “Guten Morgen!”
3. Sie riefen laut um Hilfe.
4. Sie riefen laut, dass die Tür verschlossen sei.

Bei 1 ist das Akkusativobjekt klar, bei 3 ist das sicher keines, sondern wohl ein Präpositionalobjekt (auch möglich: nach Hilfe). Und 2 und 4? Man wird wohl sagen, dass hier ein Nebensatz beziehungsweise eine satzwertige Äußerung die Akkusativobjekt-Rolle übernehmen.

– Und wie ist das mit den Dativobjekten bei folgenden Sätzen:

1. Ich schreibe einen Brief. S‑P-OA
2. Ich schreibe ein Buch. S‑P-OA
3. Ich schreibe ihm ein Buch. S‑P-OD-OA
4. Ich schreibe ihm einen Brief. S‑P-OD-OA

Welche der Dativobjekte in 3 und 4 sind in der Valenz vorgeschrieben, welche nicht? Letztere heißen auch “freie Dative” (Wikipedia) und sind Objekte, die man eben doch weglassen kann. Traditionell würde man sagen, dass das sowohl für 3 als auch für 4 gilt. Aber schreibt man nicht immer jemandem Briefe, und selten jemandem Bücher? Oder ist das bereits Semantik und nicht mehr Syntax?

Als Zuckerchen zum Schluss ein paar Aussagesätze ohne Subjekt, weil ich die sonst nirgendwo untergebracht habe:

1. Mir ist kalt. OD-P-Prädikativ
2. Mich friert. OA-P.
Und mit Quasi-Subjekt:
3. Es friert mich. S‑P-OA

Nachtrag: Es heißt das Adverbiale, oder auch das Adverbial, glaube ich. Beim Plural bin ich mir nicht einig: Adverbialien, Adverbialen, Adverbialia, Adverbiale? Wer hilft? Und der Genitiv?

5 Antworten auf „Grammatik 3“

  1. Fontanefan, auch wenn es Jahre da steht und nicht geändert wird ist es nicht notwendiger weise Richtig nur eventuell nicht relevant. Ich will damit sagen: wenn sich im wik(tionary/pedia) ein Artikel nach einer Zeit mit vielen Änderungen in Detailfragen stabilisiert ist es ein gutes Zeichen für die Richtigkeit des Artikels, wenn er Jahre ohne Veränderung da steht wäre ich skeptisch. Zwar kann es sein das er von Anfang an perfekt war, aber das bezweifle ich mal ganz arrogant ;-)

    S

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