Neue Zeugnisbausteine

Im Amtsblatt vom 30. April 2008 war man so nett, uns zu informieren, dass ab diesem Jahr die Jahreszeugnisse der Schüler zusätzliche Angaben über deren Sprachkenntnisse enthalten. (Leider sind die Amtsblätter nur in rudimentärer Form im Web. Ich weiß auch nicht warum. Aber auf Papier kann man sie bestellen.)

Das heißt, dass bei einem durchschnittlichen Neuntklässler im sprachlichen Zweig (E-L-F), der in Englisch, Französisch und Latein keine 5 oder 6 im Zeugnis hat, Folgendes unter den Noten steht:

Mit diesem Zeugnis werden Sprachkenntnisse in Englisch entsprechend der Niveaustufe B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen bescheinigt.
Mit diesem Zeugnis werden Sprachkenntnisse in Französisch entsprechend der Niveaustufe A2+ des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen bescheinigt.
Dieses Zeugnis schließt das Kleine Latinum (gesicherte Kenntnisse in Latein gemäß Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 15. Februar 2008 [KWMBl S. 36]) ein.

Die Texte sind so vorgeben. Ob man vielleicht GER abkürzen darf? Nein? Dann darf ich nicht vergessen, die voreingestellte Schriftgröße deutlich zu reduzieren. Wenn da noch „Schulsanitäter“, „knapp erreicht“, und „Orchester“ dazukommen, wird’s ganz schön eng im Formular.

Wenigstens erfahren die Lehrer, Schüler und Eltern dadurch, dass es so etwas wie den GER gibt.

Laut Lehrplan erwerben die Schüler in Englisch nach der 5. Klasse „die kommunikativen Fertigkeiten und sprachlichen Mittel zur ersten elementaren Sprachverwendung entsprechend der Stufe A1 (Breakthrough Level) des Gemeinsamen europäischen [sic] Referenzrahmens“.

A1: Kann vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze verstehen und verwenden, die auf die Befriedigung konkreter Bedürfnisse zielen. Kann sich und andere vorstellen und anderen Leuten Fragen zu ihrer Person stellen – z.B. wo sie wohnen, was für Leute sie kennen oder was für Dinge sie haben – und kann auf Fragen dieser Art Antwort geben. Kann sich auf einfache Art verständigen, wenn die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner langsam und deutlich sprechen und bereit sind zu helfen.

A2: Kann Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, die mit Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung zusammenhängen (z.B. Informationen zur Person und zur Familie, Einkaufen, Arbeit, nähere Umgebung). Kann sich in einfachen, routinemäßigen Situationen verständigen, in denen es um einen einfachen und direkten Austausch von Informationen über vertraute und geläufige Dinge geht. Kann mit einfachen Mitteln die eigene Herkunft und Ausbildung, die direkte Umgebung und Dinge im Zusammenhang mit unmittelbaren Bedürfnissen beschreiben.

B1: Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. geht. Kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern. Kann über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.

Das geht noch weiter mit B2, C1 und C2. Die tatsächlichen Kriterien gibt es noch in viel ausführlicherer Form, nach verschiedenen Teilfähigkeiten getrennt. Wie sehr die Schülerleistungen wirklich den Vorgaben entsprechen, steht auf einem anderen Blatt. Nach der 5. Klassen am Gymnasium sind die meisten Schüler eher A2 als A1, denke ich.

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3 Thoughts to “Neue Zeugnisbausteine

  1. GER eher nicht, denn die offizielle Abkürzung ist CEFR. Der Englisch Begriff des „Niveaus“ ist dann „CEFR Level“. Wie mir scheint, sind diese mittlerweile an Volkshochschulen und Hochschulen (dort das verwandte UniCERT) verbreiteten Einstufungen im Gymnasium noch nicht angekommen? Bei der EU finden sich einige Dokumente (auch ein Buch als PDF) zu CEFR.

  2. Nachdem das Zeugnis auf Deutsch ist, wird die deutsche Abkürzung sicher auch akzeptiert. Aber sehr bekannt ist der GER tatsächlich noch nicht. Er spielt bei uns vor allem eine Rolle bei den mündlichen Schulaugaben in den verschiedenen Jahrgangsstufen, da orientieren sich die Ersteller und Bewerter daran. Und so wird er nach und nach bekannter.

  3. Nächstes Problem: Die Hälfte der neuen Baustein-Texte sind zu lang für das Schulverwaltungsprogramm. Also auf zwei Bausteine verteilen oder die Kollegen selber tippen lassen bzw. copy&paste?
    Das eigentliche Zeugnisprogramm akzeptiert solche langen Bausteine. Das kriegt seine Daten aber jedes Jahr neu aus dem anderen Programm. Das heißt, ich darf die Bausteine jeweils neu anlegen in diesem zweiten Programm.

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