Abiturfeier 2008

Die Rede der Schulleitung war gut, die des Kollegstufenbetreuers war sehr gut. Zentrale Sätze, an die ich mich erinnere: Wenn euch alle erzählen, der Ernst des Lebens beginnt jetzt, dann ist das nicht wörtlich zu nehmen. Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, das macht nämlich auch Spaß.

Der Vertreter des Elternbeirats wies die Schüler darauf hin, dass es an der Uni und im Beruf darum ginge, zu den Besten zu gehören. Irgendwie schon. Allerdings gehört nur ein Teil unserer Abiturienten zu den Besten, ein Teil wird Mittelfeld sein, ein Teil im unteren Drittel. Sollen wir denen auf den Weg mitgeben, dass sie halt Pech haben? Ich möchte nicht nur in einer Gesellschaft leben, in der es auch denen gut geht, die nicht zu den Besten gehören; ich kann mir auch keine stabile Gesellschaft vorstellen, in der es anders ist.

Insgesamt dauerte das Programm gut 4 1/2 Stunden, was für unsere Abifeiern sehr kurz und zügig ist. (Man vergleiche allerdings: die letzte Oscar-Verleihung dauerte 3 Stunden 21 Minuten.) Danach Buffett und Beisammensein.
An manchen Schulen finden der offizielle Teil – die Übergabe der Zeugnisse – und der inoffizielle – Verabschiedung der LK-Lehrer – getrennt statt, das eine am Vormittag, das andere am Abend. Das geht bei uns schon mal nicht, weil zumindest das alte Schulgebäude keinen wirklich angemessenen Raum dafür hat.

Jeder LK verabschiedete sich mit einem Videofilm. Sehr professionell gemacht, überhaupt die ganze Technik. Sind das nur eine Handvoll Schüler, oder zeigen da plötzlich viele ein Potential und einen Einsatz, den wir im Schullalltag nie zu sehen kriegen? Im Anzug oder Kleid sehen die meisten Schüler und Schülerinnen ohnehin viel erwachsener aus.

Ich bin nicht gut im Verabschieden. Die Schüler sind dann plötzlich so erwachsen und beschäftigt und ich will nicht stören. Außerdem habe ich sie dann schon viele Wochen nicht mehr gesehen.

Ich habe mich auch mit zwei externen Teilnehmern unterhalten, bei denen ich mitgeprüft habe. Der eine war zum zweiten Mal durchgefallen, hatte keine Lust auf Schule und Kollegstufe, und machte dann sein Abitur eben extern. Ich weiß nicht, wie gut es war, und auch nicht, wie er sich vorbereitet hat. (Es gibt Institute, die sich darauf spezialisieren; die kosten unterschiedlich viel Geld und sind unterschiedlich gut.) Die zwei verlorenen Jahre hat er so wieder hereingeholt. Ich kann das sicher nicht jedem empfehlen, aber es scheint zu gehen. Leicht ist es nicht: vier schriftliche und vier mündliche Prüfungen, also acht Fächer, über den Stoff der 12. und 13. Klasse.

Die besten Schüler und diejenigen, die sich auf verschiedene Art um die Schule verdient gemacht hatten, und das waren beides viele, kriegten Buchpreise. Mein Tipp: Passig/Scholz, Lexikon des Unwissens. Gebunden, ein Sachbuch, weist Schüler einmal auf ihre Grenzen, aber noch mehr auf die vielen Möglichkeiten hin, die ihnen offen stehen. (Zu meiner Schulzeit gab es vorne noch eine kalligraphische Widmung mit Unterschrift des Schulleiters. Ich muss mal fragen, wie das jetzt ausschaut.)

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12 Thoughts to “Abiturfeier 2008

  1. Das mit „nur die Besten“ ist das typische Karrieregeblubber, das einem an der Uni aus all den grässlichen Blättern wie „Hochschulanzeiger“, „karriereführer“, etc. entgegenschlägt. Dabei geht allerdings nie um die fachliche Qualifikation. Denn was die Kandidaten wirklich können, das weiß man nicht. Es werden immer nur Buzzwords abgesondert. Kurzum, all das ist sehr widerlich. Und hoffentlich auch für die meisten Absolventen irrelevant.
    Ich finde nicht, dass das bei einer Abiturfeier in einer Rede auftauchen sollte. Schon so mancher mittelschlechte Abiturient ist außerhalb des System Schule zur Höchstform aufgelaufen.

  2. Oh, es war ja sicher auch so gedacht, dass man ab jetzt und in Zukunft sein Bestes geben muss, keinesfalls so, dass es nur um die besten Abiturienten (im System Schule) geht. Die Abiturnote – oder auch das Ausmaß, in dem man den Lehrern positiv oder negativ aufgefallen ist – sagt sicher nur mäßig etwas über den Erfolg und die spätere Rolle aus.

  3. Das klingt doch alles in allem eigentl. ganz harmonisch. Abi-Reden sind halt immer so eine Sache. Unsere Schulleiterin hat es recht gut hinbekommen – vor allem nicht zu lang, was – wenn ich mich an meine eigene Feier erinnere – doch meist im Interesse der zu Ehrenden ist.
    Die Vorstellung durch Filme scheint ein Trend zu sein. Auch unsere haben diese Form gewählt, was – gespickt mit diversen Kindheitsbilder – streckenweise recht amüsant anzusehen war. Wir waren halt alle mal klein, rund und süß ;-).
    Grüße aus Frankfurt by blog.initiatived21.de

  4. Der Vertreter des Elternbeirats wies die Schüler darauf hin, dass es an der Uni und im Beruf darum ginge, zu den Besten zu gehören.

    Selbstverwirklichung scheint ein Fremdwort zu sein. Solche Menschen sind zu bedauern.

  5. Ja – diese Reden… Ich hirne gerade an der auf unserer Abschlussfeier. („Die Angst der Rednerin vor dem Nicht-Lacher“ wäre auch mal was für Handke.)

    Nett wie unsere Abschlussklassen sind, haben sie mir ein Zeitfenster von 15 Minuten (!) gegeben. Im Moment zeigt mein Diktaphon 7 an und wenn ich noch was vergesse – was mir meistens passiert, da ich frei rede (da ich mit Notizen noch weniger zu Rande komme), sind’s dann 5. Zum Glück ist es für mich nicht so schwierig, an etwas anzuknüpfen, was die Diplomandinnen und Diplomanden erlebt haben, weil ich sie persönlich kenne. Ich glaube, reden für Unbekannte könnte ich gar nicht gut.

    (Ratlos lässt mich dieses Jahr der lange Dank an Spenderinnen und Spender. Je weniger Geld die Schulen haben, desto mehr muss man fundraisen, vor allem um gute Ehrenpreise zu bekommen. Einfach Sponsoren runterasseln ist blöd, aber ständig noch Werbespots einflechten auch.)

  6. >>> (Zu meiner Schulzeit gab es vorne noch eine kalligraphische Widmung mit Unterschrift des Schulleiters. Ich muss mal fragen, wie das jetzt ausschaut.)

    Wie das bei den Abipreisen jetzt aussieht weiß ich noch nicht. Aber bei den Buchpreisen zum Zeugnis gibt es jetzt nur noch einen Gutschein und eine Karte im Zeugnis. Bei uns füher musste man sich immer erst das Buch besorgen, dann beim Lehrer abgeben, der dann eine mehr oder weniger schöne Widmung hinein schrieb.
    Ich weiß nicht so recht, was besser ist. Einerseits ist das Buch mit Widmung irgendwie ein besonderes, eine „handfeste“ Erinnerung. Andererseits gaben sich doch manche Lehrer recht wenig Mühe. Und man musste sich bei Büchern selbst auch etwas „anstrengen“ – es sollte vielleicht nicht ganz so „seicht“ sein (Stichwort: Eindruck schinden).
    Meine Tochter nimmt einfach den Gutschein, geht zum örtlichen Buchhändler und sucht sich irgendwas aus. Die Karte kommt natürlich nicht rein (höchstens als Lesezeichen – wie die dann nach einer Weile aussieht kann man sich ja vorstellen). Ob sich die Schüler wirklich ein Buch besorgt haben, kriegt keiner mit. Man könnte ja auch ein Weihnachtsbuch für Mama holen (muss ich doch glatt mal vorschlagen) oder in der Familie gegen Bargeld oder die neueste CD von Ichweißnichtwem tauschen.

  7. Buchpreise zum Zeugnis? Das kenne ich gar nicht. Bei uns werden nur zum Abi die LK-Lehrer gefragt, was zum Schüler passt. Manchen Lehrern fällt etwas ein, die anderen überlassen das dem Kollegstufenbetreuer. Ich finde, es sollte auf jeden Fall eher ein Sachbuch sein, und gebunden. (Teilweise gab es bei uns auch zeitgenössische Romane.)
    Bei uns gab’s damals pauschal für alle Kandidaten Werner Heisenberg, Der Teil und das Ganze. Mein Default-Vorschlag heute: Passig/Scholz, Lexikon des Unwissens. Gebunden, Sachbuch, interessant, zeigt gleichzeitig Grenzen und Möglichkeiten auf. Nur die Widmung fehlt vermutlich.

  8. >>>Buchpreise zum Zeugnis?

    Doch, gibt es bei uns in Ba-Wü (zumindest Gymnasium, mehr weiß ich nicht) bei einem Durchschnitt von 2,0 und besser. Der Gutschein ist in Höhe von 12 Euro, glaub ich zumindest. Genaueres kann ich VIELLEICHT in gut drei Wochen berichten.

  9. Als externer Bewerber kann in Bayern jeder am Abitur teilnehmen, egal welche Vorgeschichte. Man darf es aber nur zweimal versuchen, wenn ich mich richtig erinnere. (Und muss es ernst meinen.)

    Dann wird man in acht Fächern geprüft, viermal mündlich (ähnlich wie eine mündliche Abiturprüfung) und viermal schriftlich (man schreibt die schriftlichen Abi-Prüfungen mit). Es gibt sicher Regelungen, welche Fächer dabei sein müssen, die ich aber nicht kenne – Naturwissenschaft, Sprache, und so weiter.

    Die Vorbereitung darauf läuft oft über spezialisierte Institute. Aber das kann man halten, wie man will. Häufig sind Externe entweder Leute, die aus dem normalen Gymnasium ausscheiden wollten oder mussten (weil zu oft durchgefallen), oder Leute, die von einer staatlich nicht anerkannten (aber zugelassenen) Schule wie etwa einer Waldorfschule kommen.
    Staatlich anerkannte kirchliche oder private Schulen prüfen selber Abitur, müssen sich aber an mehr Vorgaben halten; staatlich zugelassene Schulen sind frei, prüfen aber kein Abitur. Also wechseln die Schüler entweder rechtzeitig aufs Gymnasium und machen die Kollegstufe mit, oder sie werden externe Bewerber.

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