Mind Maps (und Mindmaps)

I. Mind Maps

Ich mag Mind Maps. Ich finde sie ästhetisch ansprechend. Das liegt vermutlich vor allem an ihrem weiteren Vorzug: Sie kommen meinem stark ausgeprägten Sinn nach Ordnung sehr entgegen. Außerdem mag ich Karten jeder Art.

Allerdings habe ich selber nie mit Mind Maps gelernt, und ich glaube, ich bin auch nicht der Typ dafür. Beim Informatik-Examen bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, Mind Maps einzusetzen; ich lerne durch Exzerpieren und Gespräche mit anderen Lernenden. Die – sehr effizient wirkende – Bio-Kollegin hat aber während ihrer Promotion selber gute Erfahrungen mit Mind Maps gemacht.

In die Schulbücher haben Mind Maps (oder die entfernt verwandten Cluster) jedenfalls Einzug gehalten. Im Fach Informatik benutze ich Mind Maps, um Schülern hierarchische Strukturen beizubringen (Lehrplan 6. Klasse); im Fach Deutsch benutze ich sie gelegentlich bei der Überführung einer Erörterungs-Stoffsammlung in eine Gliederung, die ja ebenfalls sehr hierarchisch ist. Man sollte da schnell sehen, ob eine Gliederung zu flach ist, also nur aus einer Aneinanderreihung von Stichpunkten ohne über- und untergeordnete Begriffe besteht.

Gut finde ich gebeamte Mind Maps als Alternative zu Präsentationssoftware – als Überblick über ein Stoffgebiet, ohne dass man an eine bestimmte Reihenfolge oder Detailtiefe gebunden ist, und stets mit einem gewissen Überblick über das ganze Thema.

II. Mind Maps für mich

Ich möchte nun meine Gedanken sammeln und vernetzen. Das geschieht einmal in Form dieses Blogs. Die Beiträge untereinander sind durch Schlagwörter verbunden, aber nur sehr lose und nicht sehr systematisch. Als Netz dargestellt: die Beiträge sind die Knoten und die Schlagwörter – oder etwas Vergleichbares – sorgen für Verbindungen zwischen ihnen.
Irgendwann möchte ich allerdings nochmal mehr Ordnung in meine Beiträge hineinbringen. Irgendwann – eilig ist das nicht, so wichtig sind meine Gedanken kaum, und ich kann das jederzeit nachholen. Mit WordPress/RSS lassen sich Beiträge gut exportieren und in andere Formen gießen. Ein Beispiel für ein sehr schön derart vernetztes Gedankengebäude ist Beats Biblionetz, vielen wohl schon bekannt.

III. Zwei Programme

An gewöhnlichen Mind Maps stört mich, dass sie schnell unübersichtlich werden. Denn ich möchte gerne möglichst viel Informationen in eine Karte packen. Und dann muss ich scrollen und verkleinern, und das ist lästig. Es müsste Mind Maps geben, die einem automatisiert immer nur den aktuellen Kartenausschnitt zeigen. Gibt es auch, hier zum Beispiel Cayra.

In diesem Videoausschnitt sieht man Cayra in Aktion. (Beim Film habe ich mir nicht sehr viel Mühe gemacht habe, also kein Audiokommentar. Und damit alles lesbar bleibt, habe ich das Cayra-Fenster auf eine unschöne Minimalgröße geschrumpft. Wenn man Cayra ein größeres Fenster gibt, streckt es sich aus und wirkt nicht so unübersichtlich-eng.)

Vorteil: Man kriegt alle Knoten in einer alphabetischen Liste zu sehen und kann mit dieser navigieren. Knoten und Verbindungen können jeweils Typen zugeordnet und farbig markiert werden. Bilder und Links lassen sich einbauen. Die Mind Map ist im Prinzip hierarchisch, es lassen sich aber auch zwischen beliebigen Knoten Beziehungen setzen.
Nachteil: Bei großen Mind Maps braucht das Programm zu viel Rechenleistung; es ruckelt. Cayra ist kostenlos, aber nicht open source; es kann Freemind-Dateien lese, hat aber außer einem HTML-Export keine Schnittstelle nach draußen.

Aufwendiger ist Personal Brain. Auch hier wird nur der aktuelle Teil der Karte gezeigt. Personal Brain ist immer noch hierarchisch, aber insofern flexibel, als jeder Knoten nicht nur mindestens ein Elternteil hat und Kinder haben kann, sondern auch Beziehungen zu beliebigen anderen Knoten. Typisierung ist ebenfalls möglich, und Personal Brain lässt sich auch als CMS nutzen – die verlinkte Brain-Seite oben ist gleich ein Beispiel dafür.

Oben sieht man jeweils den oder die Elternknoten („Grammatik“), rechts die Geschwister („Wortarten“), unten die Kindknoten („Subjekt“ und so weiter). Links sind die Knoten, die in nicht-hierarchischer Weise, also assoziierend verbunden sind.
Exportmöglichkeiten gibt es nach HTML, mit oder ohne XML-Unterstützung, was dann so aussieht:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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Mir ist Personal Brain nicht übersichtlich genug, und immer noch zu hierarchisch für meine Zwecke. Aber es geht schon sehr in die richtige Richtung. In dem Beispiel oben habe ich mal angefangen, festzuhalten, welche Bücher mich jeweils auf die Spur anderer Bücher gebracht haben. Aber kaum hatte ich mich umgeschaut, waren die 30 Tage Trial-Periode für das Programm auch schon um, und ich habe weder die Möglichkeit genutzt, erklärende Texte anzufügen, die dann im unteren Teile erschienen wären, noch die Karte richtig groß anzulegen.

IV. Topic Maps

Aber es gibt ja noch weitere Möglichkeiten. Fachleute unterscheiden Mind Maps, Semantisches Netz, Concept Maps und Topic Maps. (Alle Links Wikipedia.)

Nur für Topic Maps gibt es einen ISO-Standard, und das lässt mich gleich aufhorchen. Ich mag Standards. Damit bin ich nämlich unabhängig von einem konkreten Programm und kann meine Stoffsammlung bequem umziehen. Das ist auch ein Grund, warum ich nicht viel mit Mind Maps arbeite – alle nicht standardisierten Dateiformate sind mir zu wenig zukunftssicher.

Der Hauptunterschied: Topic Maps sind nicht hierarchisch. Es gibt Knoten (Themen, Gedanken), es gibt Beziehungen zwischen beliebigen Knoten, und es gibt zu jedem Knoten Beispiele (Quellen, Fälle).

Die Beziehungen (Assoziationen) zwischen Knoten können vom Ersteller typisiert werden; häufige Typen sind dabei die Beziehungen „ist verwandt“, „ist Teil von“ oder „ist über-/untergeordnet“, so dass man durchaus hierarchisieren kann, wenn man will.

V. Programme

Leider habe ich noch kein schönes Programm gefunden, das Topic Maps so unterstützt, wie ich mir das vorstelle. Ein Beispiel ist Wandora: ein Desktop-Programm, Java, kann Daten extrahieren aus einer MP3- oder Bilder-Sammlung, aus einem Verzeichnis, aus einer Website; aus Flicktr, Youtube oder del.icio.us. Wer mehr versteht als ich, kann die Daten auch auf einen Server stellen, so dass man online damit arbeiten kann. Export in HTML-Dateien ist auch möglich.

Ein weiteres Programm ist TM4L (Topic Maps for E-Learning), ganz ähnlich dem vorhergehenden Programm, aber einfacher und übersichtlicher, dafür wohl mit weniger Import-/Extrahiermöglichkeiten. Leider lädt keines der Programme sofort zum Benutzen ein.

So sieht eine angefangene Topic Map unter TM4L aus:

In dieser Form wird man sich die Daten allerdings selten ansehen, ich denke, zum Wiederholen und Lernen reicht es, sich jeweils nur einen einzelnen Knoten und die unmittelbaren Nachbarn anzuschauen. Wenn man dann einen Nachbarn auswählt, werden dann nur dessen unmittelbare Nachbarn gezeigt.

Wichtig ist mir dabei nur die Struktur; dieselbe Datei kann von anderen Programmen auch anders angezeigt werden. Außerdem sollte man in einem guten Programm auswählen können, welche Art von Beziehung oder Knoten jeweils dargestellt wird oder nicht. Leider scheint sich noch kein Programm als Vorreiter etabliert zu haben, falls jemand einen Tipp hat, freue ich mich. Auf der Wikipedia-Seite stehen Links zu Mailingliste und Topic-Map-Wiki, aber so tief wollte ich erst mal nicht einsteigen.

VI. Poster

Einen großen Vorteil haben Mind Maps allerdings: In ihrer Gänze dargestellt sind sie übersichtlicher als die vernetzteren Topic Maps. Bei denen gibt es Verbindungen kreuz und quer, während sich bei Mind Maps nie etwas kreuzt. Aber warum will man solche Karten üebrhaupt in ihrer Gänze auf einmal darstellen?

Nämlich: Zum Ausdrucken. Und zwar im Format DIN A 1 oder größer. Den ganzen Deutsch- oder Informatikstoff eines Schuljahres könnte man sehr übersichtlich als Mind Map darstellen und dann in Postergröße ausdrucken und an die Wand hängen. Die Idee stammt von der oben erwähnten Biokollegin, von der ich auch weiß, dass das Rechenzentrum der Uni in München den Studenten und Instituten auch eine Druckmöglichkeit zur Verfügung stellt. 6 Euro für ein Poster DIN A 1, gestrichenes schweres Papier (Fotopapier etwa das doppelte), das ist geschenkt.

Wenn eine Schule das nächste Mal nicht weiß, wohin mit ihrem Geld, kann sie sich mal bei Großformatdruckern umschauen, zum Beispiel bei den Großformatdruckern von hp. Poster in kleiner Auflage müssten die SMV interessieren, Theatergruppen und andere AGs, und jeden Lehrer, der im Klassenzimmer Überblickskarten anlegen möchte. Klar kann man mit jedem Drucker, notfalls mit Zusatzsoftware, eine Seite in Postergröße ausdrucken, indem man den Inhalt auf beleibig viele A4-Seiten verteilt. Aber Ausschneiden & Kleben ist nicht das gleiche wie ein echtes Poster.

Ein Beispiel für ein schönes Überblicks-Poster ist das der Didaktik der Informatik, Uni Wuppertal, zum Sommersemester 2008 (pdf).

Im Moment lasse ich meine 6. Klasse zum Ende des Schuljahres – das bei einem einstündigen Fach ab Ende Juni jederzeit gegeben sein kann – eine Freemind-Mindmap erstellen mit dem Stoff des ganzen Schuljahres. Die Kapitel des Buches geben den Schülern Anhaltspunkte für eine Ordnung. Wenn was Schöens dabei herauskommt, stellte ich das auf die Schul-Homepage und hierher natürlich auch.

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3 Thoughts to “Mind Maps (und Mindmaps)

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag – sehr ausführlich und informativ.
    Ich möchte – als weitere Alternative – auf http://www.bubbl.us hinweisen.
    Wir haben während unseres Workshops damit gearbeitet und gesehen, dass es sich auch gut zum kollaborativen „Cluster“ eignet (Beispiel hier: http://www.blog.initiatived21.de/?page_id=20).
    Ich staune auch, welche Mindmap-Profis teilweise in meinen Klassen sitzen. Ich selber nutze sie auch so gut wie nie – aber die Schüler werden schon früh diesbezüglich konditioniert.
    Gruß aus Frankfurt by blog.initiatived21.de

  2. Sehr anschaulich, danke. Habe für gößere Rechercheprojekte das für private Nutzung kostenlose Programm „Info Rapid Knowledge Map“ gefunden -vielleicht auch für Sie interessant? — Oder ist der Blog und ihr Interesse nicht mehr aktuell (letzte Einträge 2008)
    Jedenfalls herzlichen Gruß und danke für die (mit-)geteilte Erfahrung

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