Panoramabilder 1

Ein sehr gutes Programm zum Erstellen von Panoramabildern ist Hugin. (Genau genommen ist es eine grafische Schnittstelle zu einigen anderen, selbstständigen Programmen zum Zusammensetzen, zum Finden identischer Punkte in den Bildern, zum Verbiegen und Belichten und Überblenden.) Hugin macht vieles automatisch, man kann außerdem manuell eingreifen. Aber auch ohne Hilfe kann Hugin sechs Urlaubsbilder zu folgendem Panoramabild zusammensetzen:

Leider merkt man so gleich, dass ich an einer Stelle eine Lücke gelassen habe: der schwarze Spalt in der Mitte unten. Den könnte ich vielleicht nachbessern, aber eigentlich muss man schon alles fotographieren, was man auf dem Bild haben möchte. Erfinden sollte Hugin nichts müssen.

Bei diesem meinem Glaspavillon frage ich mich: Warum tritt man nicht gleich ein paar Meter zurück oder benutzt ein Superweitwinkel- oder ein Fischauge-Objektiv? Erstens, weil ich das nicht habe, zweitens, weil da manchmal kein Platz ist zum Zurücktreten. Das Bild oben sieht ja auch nicht sehr nach Panorama aus – anders ist es bei folgenden Bildern, beide fürs Blog stark verkleinert:

- So schön diese Panoramen sein können (und es gibt viele schöne, zu sehen unter anderem in diesem Blog, auf das ich im nächsten Eintrag zurückkommen möchte), so schön sind aber auch unvollständig zusammengesetzte Bilder. Manchmal sind sie sogar noch schöner. Der britische Künstler David Hockney hat in den 80ern aus einzelnen Fotos ganz tolle Bilder zusammengesetzt: hier und hier. Beide Beispiele zählen nicht zu meinen Lieblingscollagen von Hockney, da gibt es viel bessere, einige auf Hockneys offizieller Seite: Es gibt eine ganze Reihe von Ganzkörperportraits, zusammengesetzt aus Polaroidbildern – durch das quadratische Format der Bilder und die weißen Ränder gibt es einen interessanten flirrenden Effekt. Sieht im Bildband allerdings weit besser aus als online.

Mein Favorit ist nicht dabei: “Billy Wilder lighting his Cigar” (kleines Bild), eine Collage aus sechs Bildern. Es ist vielleicht nicht nachvollziehbar, ist schon für mich fast nur noch Erinnerung: als ich vor fünfzehn Jahren beim Stöbern in einem Hockney-Bildband unvermittelt auf dieses Bild stieß, hatte ich – na ja, vielleicht keine Epiphanie, weil mir schließlich nichts klar geworden ist, aber doch einen intensiven Moment. Die Franzosen haben bestimmt ein Wort dafür. Das Besondere an dem Bild, damals, für mich, war, wie in wenigen Bildern eine ganze Bewegung festgehalten war. Wie ein Film, den man auf einen Blick sieht. Eben weil das Bild kein Panorama zeigt, sondern Facetten. (Wie ja überhaupt die Hockney-Collagen nahe am Kubismus sind, so wie ich ihn laienhaft verstehe.)

Einen ähnlichen Momente hatte ich einmal beim Lesen eines Haikus. Das war in England, auch vor fünfzehn Jahren. (Das bedeutet vermutlich was.) Den Zusammenhang weiß ich nicht mehr, es ging nicht um japanische Lyrik als solche, aber vielleicht um Lyrik des Imagismus. Es war jedenfalls in einem literatur- oder vielleicht auch kognitionstheoretischen Buch, in dem ich auf folgende Übersetzung eines Haiku stieß:

The fallen blossom flies back to the branch:
                            A butterfly.
Moritake

Der Autor ist Arakida Moritake, der Haiku berühmt und in vielen Versionen übersetzt. Auch hier war es für mich eine Offenbarung, wie ich die in aufeinanderfolgenden Zeilen geschilderte Bewegung scheinbar auf einmal wahrnahm.

(Einen ähnlichen, aber nicht unmittelbaren, Moment der Offenbarung, was die Darstellung von zeitlicher Folge betrifft, kenne ich noch aus einem Gary-Larson-Cartoon: Engel und Teufel auf gegenüberliegenden Rolltreppen, der Engel mit einem Kuchen im Gesicht. Man liest den Cartoon natürlich von links nach rechts, aber um sich den Kuchen im Gesicht zu erklären, muss man ein paar Sekunden zurück in die Vergangenheit, als Engel und Teufel noch jeweils in der anderen Bildhälfte waren.)

3 Antworten auf „Panoramabilder 1“

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