Warum müssen wir das lernen?

Weil’s da drin steht: Stichwort “Allgemeinbildung” bei Amazon.

Ich hielt neulich so ein Buch in der Hand. Wenn man Schülern das Buch vor die Nase hält, dann akzeptieren die das, und dem Buch glauben sie mehr als dem Lehrer, fürchte ich. (Und wenn sie dem Buch misstrauen: auch nicht schlecht.)

Dumm ist nur, dass tatsächlich auch in einem dicken Buch dieser Art nicht viel drinsteht. Ich habe mir mal das Kapitel für Literatur und Deutsch angeschaut, und wenn man Fachmann für ein Gebiet ist, entdeckt man, dass die Schüler schon viel mehr lernen sollen als in einem solchen Buch steht.

16 Antworten auf „Warum müssen wir das lernen?“

  1. Unlängst habe ich meine erste Übungsaufgabe entworfen, als Hiwi für ein Seminar meines Profs. Ich glaube, die Seminarteilnehmer stellen nun genau die gleiche Frage: Warum müssen wir das lernen? Da werde ich mich nach der kurzen Weihnachtspause wohl noch heftig rechtfertigen müssen. Aber ich habe Glück im Unglück: Diese Dinge, die die armen nun machen müssen, kommen tatsächlich aus der Praxis.
    Wenn ich zurückdenke… die Frage habe ich mir in der Schule ziemlich oft gestellt und gute Lehrer hatten eine gute Antwort darauf.

  2. Müssen alle alles lernen? Und wer definiert, was “Allgemeinbildung” ist? Und kann man Inhalte, Stoffe festlegen, die “ein gebildeter Mensch” kennen muß? Und was heißt das, “er weiß, er kennt” etwas? – Ist “die Zauberflöte kennen”, dass man weiß, dass sie von Mozart stammt? Oder heißt es, dass man weiß, dass der Text von Schikaneder stammt? Oder heißt es, dass man sie um und um gehört hat, um sie zu verstehen? Und was heißt dann “verstehen”? Versteht sie denn jeder, der sie versteht, gleich? – Und kann man, was die Zauberflöte einem zu sagen hat, auch an anderen “Bildungsgütern” lernen? Fragen über Fragen …
    Was ist die zu Recht geforderte gute Antwort eines Lehrers auf die Frage “Warum müssen wir das lernen?”
    Im Deutsch-Kanon meines Sohnes steht Emilia Galotti von Goethe. Ich kenne die Emilia nur vom Hörensagen. Als Stoff. Ich habe sie nie gelesen. Bin ich ungebildet? Ich werde sie auch nicht lesen. Ich möchte andere Sachen lesen. Bin ich ein Banause? – Wir sind alle in diesem Sinne Banausen. Und wir müssen uns damit abfinden. Der Deutschlehrer kennt ja schließlich meistens auch nicht Schönberg op. 11. Der Musiklehrer findet jedoch, es gehört unbedingt zur Allgemeinbildung.
    Haltet den Kulturladen weit offen und das Angebot unendlich. Und lasst die Schüler sehen, was sie davon für sich brauchen können!

  3. >lasst die Schüler sehen, was sie davon für sich brauchen können!

    Ja. Sagt den Schülern aber auch, dass “Emilia Galotti” von Lessing ist; und sagt dazu, wenn es schon nur ein Lessing-Stück sein soll, dass es dann doch lieber “Nathan der Weise” oder wenigstens “Minna von Barnhelm” sein sollte (und, ja, sagt auch warum).

    Was die Schüler davon brauchen können? Wie sollen sie das denn sehen – bei einem “unendlichen” Angebot? Gerade die Setzung von Schwerpunkten ist etwas, was Lehrer leisten müssen. Zur Bildung gehört wohl dazu, überhaupt mit dem Namen Arnold Schönbergs etwas anfangen zu können. Die Feinheiten des Opus 11, die sich jeder leicht ergoogeln oder auch in einer Bibliothek nachlesen kann, muss man vielleicht nicht unbedingt aus dem Ärmel parat haben: “In Schönbergs op. 11 ‘ereignete sich so etwas wie das Umschlagen von flüssigem Wasser in Dampf oder Eis (…) ein sprunghafter Wechsel des Molekularaufbaus’ (William W. Austin).” Wenn jemand allerdings vorhat, Musikwissenschaft zu studieren, dann sollte er oder sie wohl eher darüber Bescheid wissen als jemand, der Betriebswirtschaft studieren will.

    Die gymnasialen Lehrpläne in Bausch und Bogen als verkrusteten Quatsch zu bezeichnen (was Lisarosa nicht explizit getan hat), wäre sicher überzogen. Eine Struktur und Schwerpunkte helfen auch demjenigen Schüler, der die Welt für sich entdecken will. Weniger energische und wissbegierige Schüler sind ohne Lehrer und Lehrpläne hoffnungslos verloren.

  4. Lisa Rosa, nein, natürlich müssen nicht alle alles lernen. Ich halte auch nicht viel von diesen Büchern, die ich oben verlinkt habe. Hauptsächlich wollte ich dezent darauf hinweisen, dass ein Schüler den Verweis auf ein x‑beliebiges dieser Bücher: “Siehst du, steht hier drin, dass man das wissen muss” eher akzeptieren wird als die Erklärungen des Lehrers. Fürchte ich. Aber vielleicht sehe ich das auch zu pessimistisch.

    Deine Grundsäzliche Frage ist wohl die: Brauchen wir einen Bildungskanon? Wer legt ihn fest und was bringt er? Was soll er beinhalten? Kanonisch, stand glaube ich mal in einem Roman von David Lodge, sind Bücher dann, wenn man sie nicht lesen muss und trotzdem kennt.

    Bildung ist eine wichtige Sache. Aber darüber hinaus braucht es auch Wissen, also wohl das, was man meist unter Allgemeinbildung versteht. Sonst sind wir alle so gebildet wie die Iphigenie von Goethe – ein Bild von einer Frau, human bis obenhin. Aber lesen und schreiben kann sie vermutlich nicht. (Gut, nach Douglas Adams gibt es Leute, die sagen, dass es bereits ein Fehler war, von den Bäumen herabzusteigen.)

    Aber oben geht es ohnehin um Wissen und die Frage, was man wissen sollte. Einmal das, was einem hilft, das zu werden, was man werden soll (glücklich, reich, berühmt, langlebig?). Und dann auch das, was die Geminschaft voranbringt.

    – Keine Zeit mehr, weil das Kino gleich anfängt. Letzter Gedanke: Zur Allgemeinbildung gehört natürlich nicht nur Goethe, sondern auch und vor allem die Grundsätze der Thermodynamik und das Halteproblem der Informatik. Mehr später.

  5. Ah, danke rip, ja, es war Lessing. Gerade war ich in Wien und besuchte unter anderem auch den Judenplatz, das Holocaust-Denkmal und natürlich die Lessing-Statue.
    Wie schön, dass ihr so gut wisst, was gewusst werden muss. Woher wisst ihr das? Und gilt es dafür, dass man es heute wissen muss, oder in 50 Jahren, wo unsere jetzigen Schüler in Rente gehen? Woher nehmt ihr die Gewissheit zu wissen, was eure Schüler für ihre Persönlichkeitsentwicklung brauchen? Weil es für euch prägend war? Ich bin da viel vorsichtiger geworden. Meine Kinder und meine Schüler haben mich dazu erzogen.

  6. Was ist das Halteproblem der Informatik? Ich bin ein informatischer Depp – wie die meisten “Geisteswissenschaftler”. Bitte erkläre es mir, wenn Du im Neuen Jahr wieder da bist. Ich hoffe, das Kinoerlebnis war stark und erfreulich und Du bist gut nach 2009 gerutscht.

  7. Vielleicht wäre eine Antwort, Dinge kennen zu lernen, die man sonst nicht so leicht kennen lernt und trotzdem wichtig für einen werden können.

  8. Lisa Rosa, ich bin mir gar nicht sicher, was gewusst werden muss. Ganz bestimmt gehört nicht alles dazu, was man in der Schule so macht. Aber ich glaube, dass ein Kanon (also eine Vorstellung davon, was zur Allgemeinbildung gehört), der nicht perfekt ist, immer noch besser ist als gar keiner.

    Mir geht es auch nicht nur darum, was Schüler für ihre Persönlichkeitsentwicklung brauchen. Die ist schon sehr wichtig. Aber eine Gesellschaft muss auch Wissen haben. (Wie gesagt, diese Prämisse ist angreifbar, siehe Douglas-Adams-Zitat.) Wenn neue Fächer eingeführt werden wie Informatik oder Wirtschaft, dann deshalb, weil die Gesellschaft das für wichtig hält – weil dort entweder die Persönlichkeit entwickelt wird oder weil die Gesellschaft das dort erworbene Wissen gerne in ihren Mitgliedern hätte. Ich halte das für einen legitimen Wunsch der Gesellschaft. (Vermutlich ist das eher ein Wunsch des Staates als der Gesellschaft. Auch das ist legitim.)

    Es ist tatsächlich nicht leicht, zu entscheiden, was man für heute wissen muss oder in 50 Jahren. Das ist aber für Jugendliche aber auch nicht leichter, nehme ich an. Wenn du es für unmöglich hältst, dann ist es in der Tat egal, ob man einen Kanon aufstellt oder drausloslernt.

    Das Halteproblem… ich habe das als Beispiel genommen, weil ich es für einen zentralen Punkt der Informatik halte. So wie natürliche Auslese und Vererbung für die Biologie zentral sind. Oder Entropie für die Thermodynamik. Ich weiß natürlich, dass Nicht-Informatiker das Halteproblem nicht kennen. Aber ich finde, das gehört zur Allgemeinbildung – die übrigens keinesfalls mit der Schulzeit abgeschlossen sein sollte oder kann. Ich schlage also nicht vor, dass bereits Schüler das alles lernen sollen.

    Viel zu kurz gesagt: Es gibt ein Maschinchen, mit dem man alles berechnen kann, was sich berechnen lässt, die Turingmaschine. Wenn diese Maschine zur Ruhe gekommen ist, dann ist die Rechnung zu Ende. Das Halteproblem ist die Frage, ob eine Maschine jemals anhält oder nicht. Für Turingmaschinen ist das Halteproblem nicht entscheidbar. Ich kann nicht – also: nicht immer – voraussagen, ob die Maschine anhalten wird oder nicht.
    Was ist daran wichtig? Einmal folgt daraus, dass man nicht grundsätzlich für ein gegebenes Programm durch eine Maschine (also ein anderes Programm) voraussagen kann, wie es sich verhalten wird.
    Das Wichtige daran ist aber eigentlich die Idee der Unentscheidbarkeit. Es gibt präzise Fragen, die unentscheidbar sein können. Für manche Rechenfragen kennt man eine Lösung, für manche kennt man sie nicht, und für andere wird man nie herausfinden, ob es eine gibt oder nicht.

    Aber ich gestehe: Ganz verinnerlicht habe ich Entscheidbarkeit noch nicht. Ich arbeite noch an meiner Allgemeinbildung.

    Dir und allen anderen wünsche ich ein schönes neues Jahr!

  9. “Hauptsächlich wollte ich dezent darauf hinweisen, dass ein Schüler den Verweis auf ein x‑beliebiges dieser Bücher: “Siehst du, steht hier drin, dass man das wissen muss” eher akzeptieren wird als die Erklärungen des Lehrers.” Fürchte ich. Aber vielleicht sehe ich das auch zu pessimistisch.” Ja, das siehst Du bestimmt zu pessimistisch! Alles hängt an der guten Beziehung Lehrer-Schüler. Und so, wie es mir bei Dir aussieht, mögen Dich die Schüler und halten Dich für kompetent. Dann glauben sie Dir auf jeden Fall mehr, wenn Du ihnen in einem Buch z.B. Fehler zeigst. Oder ein Buch schlecht findest! Wenn die Schüler tatsächlich so buchstabengläubig wären, dann zeig ihnen doch mal die ganzen fakes, die in den ehrwürdigen Lexika stehen, und prämiere dagegen Wikipedia. Ich glaube, dass “wir” (System Schule) selbst dran Schuld sind, wenn die Schüler buchstabengläubig sind, denn unser System erzieht insgesamt nicht zum selbständigen Denken sondern zur Autoritätsgläubigkeit. Aber man kann halt nicht den Weihnachtsmannglauben gleichzeitig behalten und aufklären wollen.

  10. Danke für die Erklärung zum Halteproblem! Ich werde drüber nachdenken. Es scheint sich ja mit einem Problem der Erkenntnistheorie zu decken.
    Deinen Ausführungen von der Notwendigkeit der Veränderung gesellschaftlicher Anforderungen an die Allgemeinbildung stimme ich unbedingt zu! Gerade deswegen bin ich ja so hinter einer radikalen Veränderung her! ;-)

  11. @rip:“Die Feinheiten des Opus 11, die sich jeder leicht ergoogeln oder auch in einer Bibliothek nachlesen kann …” Ich glaube eben gerade nicht, dass es Sinn macht, das kognitive Wissen darüber zu kennen. Es bleibt äußerlich und nutzlos und taugt allenfalls für trivial pursuits ala “Wer wird Millionär.” Wenn man etwas von einem Musikstück haben will, dann muß man es verstehend HÖREN können. Ich glaube ich befinde mich mit diesem Verständnis von Bildung durchaus sogar noch im Humboldtschen Rahmen. Auf jeden Fall haben wir weder Zeit noch Kapazität sozusagen aus Jux und Dollerei den Schülern äußerliches exzyklopädisches Wissen beizubringen. Und die Erarbeitung eines brauchbaren Verständnisses von Schönbergs op. 11 setzt ein so hohes Maß an Kompetenz in klassischer Musik voraus, dass wir niemanden dazu zwingen dürfen unter dem Mantel der “Allgmeinbildung” soviel Zeit mit einer solchen Spezialität der menschlichen Kulturgeschichte zu verbringen. Aber dasselbe gilt eben auch für Emilia Galotti. Und erstaunt muss ich feststellen, dass ich das informatische Halteproblem vielleicht lieber im Kanon hätte als ein bestimmtes eurozentrisches Kulturteilchen. Denn die Lehre aus der Ringparabel des Nathan läßt sich leicht an vielen anderen Kulturstücken – auch an denen anderer Kulturen! – gewinnen. Ein “Kanon” sollte lieber die Aufzählung und Definition von Kompetenzen enthalten – und den Stoff, an denen diese gewonnen werden, offen lassen. Am Nathan wäre die wichtigste Kompetenz die interkulturelle. So würden wir sie heute nennen. Oder nennen wir sie Toleranz.

  12. @Lisa Rosa:
    > die Lehre aus der Ringparabel des Nathan läßt sich leicht an vielen anderen
    > Kulturstücken – auch an denen anderer Kulturen! – gewinnen

    Da hast du sicher recht. Nur: Ich muss mit den Dingen umgehe, die ich kenne. Das heißt nicht, dass ich mit dem zweiten Staatsexamen meinen Wissenserwerb, also meine Weltneugierde, abhake und beende. Im Gegenteil: Lernen macht mir immer noch Spaß. Aber ich kann nicht “interkulturelle Toleranz” anhand eines Textes (oder einer anderen Kulturausformung) unterrichten, wenn ich ihn (oder sie) gar nicht kenne. Ich muss mich an dem orientieren, was mir vertraut ist. Und mein Unterricht wird umso überzeugender und damit effektiver sein, je mehr ich selbst von der Validität des vermittelten Inhalts überzeugt bin.
    Zum kognitiven Wissen über Musik: Natürlich kann man es nicht dabei belassen, über die Bedeutung eines Musikstücks theoretisch Bescheid zu wissen. Aber eine “trivial pursuit” würde ich das doch nicht nennen (da wäre wohl eher Schönbergs Schuhgröße gefragt). Um den Schülern zu erklären, warum die Beschäftigung mit Schönberg wichtig ist, kann eine Erwähnung seiner Bedeutung durchaus hilfreich sein.

    @Herr Rau: Ich muss gestehen, dass ich mir unter dem Halteproblem trotz deiner Erklärung nichts Genaues vorstellen kann. Könntest du mal ein Beispiel dafür geben, was mit so einer Berechnung per Turing-Maschine gemeint sein kann? – Irgendwie erinnert es mich an den Mega-Computer im “Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy”, mit dem Unterschied, dass dort das Ende der Berechnung durchaus korrekt prognostiziert wurde; nur mit dem Ergebnis konnte niemand etwas anfangen, weil die Frage zu unpräzise gestellt war.

    Zur Frage der Notwendigkeit eines Kanons: Ich meine, dass ein Kanon so beschaffen sein muss, dass er dem Menschen in zunehmendem Maße die Teilnahme am kulturellen Dialog ermöglicht. Dazu ist es nötig, dass solch einem Kanon immer wieder neue Inhalte zugefügt werden, denn die Kultur (und dazu zähle ich in diesem Zusammenhang alles, womit der Mensch sich beschäftigt) wandelt sich ja ständig – auf manchen Gebieten sehr langsam, auf anderen eher schnell.
    Mit Teilnahme am kulturellen Dialog meine ich beispielsweise die Fähigkeit, eine literarische Anspielung in einer Feuilleton-Überschrift zu verstehen, aber auch die Fähigkeit, sich aktiv im “Web 2.0” zu betätigen und noch einiges andere.
    Dass dieser “Kanon” nicht für alle verpflichtend sein kann, versteht sich von selbst. Diese Ideen sind mit Blick auf die “Kundschaft” meiner Schulart, des Gymnasiums, formuliert.

  13. @rip: Das Halteproblem ist aber auch schwerer Stoff. Und Unentscheidbarkeit noch mehr. Die Turingmaschine selber ist dagegen fast einfach. Fast. Sie ist eine Art Lochstreifenlesegerät, das den Lochstreifen auch beschreiben kann. Der Lesekopf kann bestimmte Zustände annehmen. Das Zeichen unter dem Lesekopf wird gelesen, darauf wird in einer Tabelle nachgeschlagen, was die Maschine tun soll (das Laufband nach links oder rechts bewegen, ein neues Zeichen aus dem gegebenen Zeichenvorrat aufs Band schreiben, den Zustand des Lesekopfs ändern). Wenn es nichts unter dem Lesekopf zu lesen gibt, dann bleibt die Maschine stehen.
    Mit diesem simplen Gerät kann man alles berechnen, was man überhaupt berechnen kann. (Nach der allgemein akzeptierten, aber nicht beweisbaren Church-Turing-These.) Das Teil ist letztlich ein ganz reduzierter Rechner, und diese Reduktion erlaubt es, Dinge an ihm zu beweisen.

    Es gibt einige Online-Simulatoren dazu. Ich weiß, diese Erklärung hilft dir erst mal nicht sehr viel weiter. Ich mach mal einen Blogeintrag dazu. Danach habe ich den Stoff auch richtig verstanden. Chomsky kommt auch drin vor.

  14. @Lisa Rosa: Die Fakes in den ehrwürdigen Lexika gehören zu meinem Standardprogramm. Vieles glauben mir die Schüler ja auch wirklich. Aber es ist dennoch so, dass im Teenageralter Autoritäten (Eltern, Lehrer) in Frage gestellt werden und de facto die peer group sehr viel mehr Autorität hat. Und es gibt den Reflex beim Schüler: “Das stand aber so da!” (bei Wikipedia oder wo auch immer). Klar, das ist oft eine automatische Verteidigungsreaktion.

    Schönberg: “Aber dasselbe gilt eben auch für Emilia Galotti.” Das muss nicht sein. Wenn Schönberg zu viel für die Schüler ist, dann heißt das nicht, das alles zu viel für die Schüler ist! Ob Emilia dazu gehört, müsste man überlegen.

    Nein, für mich gehört zur Allgemeinbildung mehr als nur Kompetenzen, sondern auch Wissen. Naturwissenschaftliches und kulturelles – und damit eurozentrisch. Erstens aus Gründen der Identitätsfindung. Deshalb lernt man deutsche Geschichte mehr als europäische, europäische mehr als asiatische. Den zweiten, damit verwandten Grund, hat rip schon genannt: “Ich meine, dass ein Kanon so beschaffen sein muss, dass er dem Menschen in zunehmendem Maße die Teilnahme am kulturellen Dialog ermöglicht.” Und der Dialog findet statt über Wissen und nicht über Kompetenzen.

    (Nichts gegen Kompentenzen. Davon vermittelt die Schule zu wenig, keine Frage.)

  15. Abgesehen von Allgemeinbildung als Kulturgut gibt es auch nicht Wissen oder Fertigkeiten (von mir völlig Fachfremd mal ad-hoc als angewandtes Wissen betrachtet), die einfach nur nützlich sind. Wie zum Beispiel Prozentrechnen oder Fremdsprachenkenntnisse. Aber bei diesem Wissen wird man wohl nicht so schnell in Erklärungsnöte kommen, da die Nützlichkeit ja im Alltag vor uns liegt.

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