Was man tut wenn man das richtige englische Wort nicht kennt

Wenn Schüler ein englisches Wort nicht wissen, bleiben sie oft stecken. Das geschieht bei der Übersetzung, wo man es vielleicht noch verstehen kann, aber davon beeinflusst auch bei der Mediation oder beim Rollenspiel, wo das nun gar nicht hingehört. Dabei können die Schüler auch schon in der 6. Klasse sehr viel Inhalt vermitteln, wenn sie gelernt haben, sich von dem Drang, ein ganz bestimmtes Wort zu suchen, befreit haben.

Nach einem kurzen Beispiel und aus gegebenem Anlass suchte heute jeder meiner Sechstklässler in der Intensivierungsstunde einige halbwegs wichtige deutsche Aussagen, zu der sie die englischen Wörter sicher nicht kannten. Und dann mussten die anderen Schüler diese Aussagen übersetzen mediatieren irgendwie rüberbringen. Das ging sehr gut und hat Spaß gemacht. Relativsätze sind dabei sehr hilfreich, obwohl es zur Not auch ohne geht. Die fehlenden Wörter habe ich danach an die Tafel geschrieben.

Heraus kam zum Beispiel:

  • Ich habe Heimweh. (I’m sad because I want to be home.)
  • Meine Eltern haben sich scheiden lassen und jetzt bin ich traurig. (My parents are not together now and that’s why I’m sad.)
  • Wo ist die Orgelverkaufsmesse? (Where is the place where you can buy and sell and see orgels? An orgel is like a piano but much bigger and you often find it in churches.)
  • Meine Pflanzen haben Blattläuse, ich brauche Gift für sie. (My plants/flowers have little animals which eat them. I need something to kill them.)

(Mein Beispielsatz für die Mittel- und Oberstufe lautet immer: “Ich habe eine ansteckende Krankheit.” Das ist ein Inhalt, der wichtig genug ist, dass man auf seine Vermittlung nicht verzichten sollte. Aber kaum ein Schüler kennt “contagious”, also müssen sie sich etwas anderes einfallen lassen.)

25 Antworten auf „Was man tut wenn man das richtige englische Wort nicht kennt“

  1. Oh toll! Kommunikationsfaehigkeit trainieren ist wichtig. Ich glaube (auch wenn ich sonst an monolingualen Sprachunterricht glaube), dass es auch hilfreich ist, den Schuelern mal vor Augen zu fuehren, dass sie das in ihrer Muttersprache auch staendig tun. Es faellt einem nunmal oft nicht das passende Wort ein. Wichtig sind dann auch die Platzhalter die es eigentlich in jeder Sprache geben sollte, die dem Gegenueber immer klar machen das ist jetzt nicht das perfekte Wort. “Also du weist schon das Dingsbums was der Dingenskirchen neulich mit hatte .… ” und die Pausenfueller (Aehm und so), die sind vorallem fuer Sprachen wichtig, in denen man Muttersprachler nicht dazu kommen lassen darf in ne Lingua Franca zu wechseln (ist natuerlich bei Englisch weniger gegeben, die meisten Muttersprachler sprechen ja nix) S

  2. Pausenfüller üben hab’ ich mir für eine der nächsten (Intensivierungs-)Stunden mit meinen Klassen fest vorgenommen. Wird bestimmt witzig: Wer kann den längsten “Satz” bilden, ohne irgendwas auszusagen (“Er, well, it’s sorta, kinda, like…you know”)? Mal sehen, ob ich meinen 9.-Klässlern abgewöhnen kann, Sätze mit dem deutschen “also” zu beginnen. (Wenn sie es wenigstens englisch aussprächen, würde es in manchen Kontexten ja sogar funktionieren…)

  3. Ein guter Beitrag. Leider wird die Kommunikationsfähigkeit in Fremdsprachen in der Schule viel zu schlecht trainiert. Zumindest ich habe das erst in der Uni und durch einen Sprachurlaub so richtig gelernt.

    Beim letzten Beispiel musste ich jetzt allerdings doch lachen. Meine Pflanzen werden auch aufgefressen, allerdings nicht von Blattläusen sondern von meinen Katzen. ;-)

  4. ha:
    google mal ‘orgelverkaufsmesse’.
    1 einziger eintrag – nämlich dieser hier. ;-)
    Sehr schöne idee, die ausdrucksfähigkeit der schülerInnen zu trainieren.

  5. Ich hatte mich schon auch über die Orgelverkaufsmesse gewundert, also vor allem über die Messe. Aber zumindest der Schüler scheint mal auf eine Messe mitgenommen worden zu sein und zu wissen, was das ist; den anderen haben wir es erklärt.

    Blattläuse übrigens: aphids. War mir in der Stunde nicht eingefallen, ich konnte nur head lice anbieten. Nachschlagen… hm, anscheinend geht plant louse tatsächlich auch.

  6. Jetzt musste ich schmunzeln :) Meine Englischlehrerinnen (hatte nur Frauen) haben uns auch nie ein Wort direkt übersetzt, sondern meinten nur, dass wir es umschreiben sollen :-) Gute Methode! Ich hatte und habe damit keine Schwierigkeiten, weil ich das im Ungarischen, wenn ich mit Familie und Freunden rede, nur so mache :-)

  7. Ja, das Umschreiben zeigt jeder Englischlehrer und jede Lehrerin den Schülern. Neu finde ich allenfalls, und zwar weil ich das bisher nicht bewusst gemacht habe, das schon mit der 5. oder 6. Klasse zu thematisieren und zu üben. Und neu finde ich eben noch das Wort Orgelverkaufsmesse.

  8. My plants/flowers have little animals which eat them. I need something to kill them.

    Those poor plants. I would rather kill the nasty little critters.

  9. Ich warte nur darauf, dass dabei der erste Schüler das berühmte amerikanische Füllwort **** mit F dauerhaft als jedes zweite Wort im Satz benutzt. Vormachen wär dabei sicher noch besser! :D

  10. Die beiden “Sies” im Artikel gehören doch eigentlich klein geschrieben, oder? Obwohl es auch groß geschrieben einen Sinn ergeben würde. In letzter Zeit wird diese Siezerei im Internet ziemlich häufig. Hab’ mich auch schon dabei ertappt…

  11. Nachtrag von heute, andere Hälfte der gleichen 6. Klasse: “Ich brauche einen Schwangerschaftstest, bitte.” Auch nicht schlecht.

  12. :) Wahrscheinlich häufiger anwendbar als die Orgelverkaufsmesse – Jedenfalls erinnere ich mich noch genau, wie ich eben diese Frage einer französischen Apothekerin mit meinen paar Brocken Schulfranzösisch zu vermitteln suchte (naja, nicht als 6.klässerin; und für den Rest des Familienurlaubs habe ich dann auf den guten frz. Wein verzichtet…)

  13. Ein klein wenig off-topic mal eine Frage: wir haben hier in Hessen erstmalig in diesem Jahr Sprachmediation als eine Teilaufgabe im Abitur. Bei euch in By macht ihr das doch schon länger. Wie bereitest du die S darauf vor? Tipps? Links? Literatur? Bin zwar Romanistin, aber die Technik bleibt ja die gleiche! Danke!

  14. @Db: Wunderbarer Hinweis darauf, wie lebensnah die Frage ist.
    @Justina: Viel weiter sind wir auch nicht. Im Abitur kommt das erst 2011 dran, bei den aktuellen Zehntklässlern. Selber hatte ich in den letzten Jahren keine G8-Klasse, deshalb bin ich nicht drin. In den Büchern ist nicht viel Material, Links habe ich noch keine. Dass die Mediation ins Abitur kommt, ist auch erst in diesem Schuljahr bekannt geworden. Und für eien Übergangsphase dürfen die Schüler noch wählen zwischen Übersetzung und Mediation.
    Insgesamt glaube ich, dass nicht viel Mediation getrieben wird.

  15. hier
    http://www.isb.bayern.de/isb/index.aspx?MNav=6&QNav=11&TNav=0&INav=0&Fach=22&VTyp=26
    ist die abi-beispiel-aufgabe für 2011, da ist mediation drin.
    es ist schon etwas länger bekannt, dass das G8 abitur mediation enthalten wird, bei uns wird das durchaus betrieben. ich bin ja sehr erleichtert, dass endlich die elende version rausfliegt, auch wenn es eine (politisch motivierte) übergangsphase mit version gibt.
    ich versuche schon, die englischlehrer bei uns anzuhalten, mediation in verschiedensten formen zu üben und abzuprüfen. schließlich wird es sie im abitur treffen. kein mensch in bayern weiß momentan, ob irgend etwas, was das G8 betrifft, morgen auch noch gilt. das betrifft natürlich auch die “übergangsversion”.

  16. Wahrlich, ich sage euch, wir werden der Version noch nachweinen, wenn wir die elenden Mediationen korrigieren dürfen.
    “Zusammenfassung eines Sachtexts” ist schon im Fach Deutsch nicht schön zu korrigieren – wieviel netter wird das dann werden, wenn auch noch eine “Sprachmittlung” im Verlauf des Schreibprozesses zu leisten ist.
    Ich warte immer noch gespannt auf die erste Handreichung. Die Einführung der Mediation in den G8-Lehrplan ist ja als gründlich missglückt zu bezeichnen. Zunächst hatte niemand – auch die Lehrbuchautoren nicht – eine Vorstellung davon, was Mediation eigentlich sein soll. Daher die zu Dutzenden in den Lehrwerken einzementierten Pseudo-Mediationsaufgaben nach dem Strickmuster “Du sagst deiner Mitschülerin, dass du Anna heißt und aus Holzhausen kommst.” Wäre es nicht sinnvoller gewesen, zuerst klarzustellen, dass so etwas *keine* Mediation ist, und ergänzend klarzustellen, wie Mediation richtig aussehen soll, so dass die zu zimmernden Lehrwerke ordentliche Aufgabenstellungen enthalten? (Rhetorische Frage!)

  17. Hmmm, an der FOS, die ja auch zum Abitur führt, ist Mediation von Anfang an dabei. Übersetzung wurde meines Wissens abgeschafft und eben durch Mediation ersetzt. Wir machen seit der 11. Übungen in Mediation, und ich wusste garnicht, dass es das auf dem Gymn. garnicht gibt?
    Ich finde die Med. auch um einiges interessanter als nur stures Übersetzen.

  18. Am Gymnasium gibt’s Mediation in Lehrbuch und Lehrplan schon seit der 5. Klasse. Aber sie hat sich noch nicht so richtig durchgesetzt. Auf den Lehrplan ist leider kein Verlass, was im Abitur drankommt, wurde erst später ausgemacht, und auch die Bücher wissen, wie rip oben schreibt, nicht viel damit anzufangen.
    Ein großes Problem istw ohl, wie man die Benotung begründet. Da gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten.

    (Ich mag übrigens auch die Übersetzung, aber sie prüft nicht das, was in Englisch geprüft gehört, finde ich.)

  19. >Übersetzung […] prüft nicht das, was in Englisch geprüft gehört

    Sie prüft es nur indirekt, das gebe ich zu. Aber durch eine komplexe Übersetzungsaufgabe lassen sich Textverständnis, Kenntnis von Stilebenen, Kulturwissen (Anspielungen, landeskundliche Hintergründe) hervorragend prüfen. Was man dabei gleichzeitig allerdings nicht prüfen kann, ist das Ausdrucksvermögen des Prüflings im Englischen, das gebe ich zu.
    Dafür waren die bisherigen Teile I und II in der Abiturprüfung zuständig (Fragen zum Text und Textproduktion).
    Warum man jetzt ein neues Abituraufgaben-Genre schaffen muss, das an eine Aufgabenart angelehnt ist, mit der die Abiturienten im Fach Deutsch schon Schwierigkeiten haben, ist mir ein Rätsel. Bitte, es wird doch niemand behaupten wollen, dass ein statistisch relevanter Teil eines Prüfungsjahrgangs den Beruf eines persönlichen Referenten des Außenministers anstrebt.
    Was ich statt der Mediation begrüßt hätte, wäre eine noch weitergehende Aufwertung des Mündlichen gewesen. Da sehe ich eine Praxisnähe, die mir bei der Mediation sehr artifiziell erscheint.

  20. @Golden: “stures Übersetzen” ist nie sinnvoll. Eine gute Übersetzung kann durch Sturheit niemals erreicht werden. Stattdessen sind Flexibilität, Einfühlungsvermögen, Stilsicherheit und noch einiges mehr erforderlich. Ich vermisse die Version jetzt schon (merkt man das?).

  21. @rip: und Uebersetzen ist wirklichkeitsnaeher? Ich bin kein Referent eines Aussenmenisters, trotzdem ist das was ihr Mediation nennt Teil meines Jobs. Ich tu es jeden Tag. Uebersetzungen sind zu meist naemlich unpassend, weil sie Kultur nicht genuegend in betracht ziehen. Kleines Beispiel ich habe vor kurzem Diplomthemen geschrieben in Englisch und Niederlaendisch Im Englischen steht als Voraussetzung “a deep understanding of xyz is needed” waehrend im nl steht “basis kennis van xyz is verwacht”. (Grundverstaendnis wird erwartet). Warum – nunja weil Flamen eben angst vor neuem haben, englisch sprechde meist an selbstueberschaetzung leiden. Wie wuerde man das bei uebersetzugen bewerten?

  22. @sts: “a deep understanding” vs. “basis kennis” – dieser Konflikt kommt bei der Übersetzung nicht auf, weil man ja nur aus dem Englischen übersetzt. Dass man allerdings “deep understanding” im Deutschen mit “Grundkenntnisse” übersetzen sollte, fände ich sehr übertrieben … um nicht zu sagen falsch.
    Aber: Hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Die Tatsache, dass es bisher im bayerischen Abitur den Aufgabentyp “Version” gab, bedeutete ja nicht, dass man sämtliche vorstellbaren Übersetzungsprobleme zu bewältigen habe. Noch bedeutete es, dass man mit dem bayerischen Abitur in der Tasche sämtliche real-life-Situationen im Kontakt mit englischsprechenden Zeitgenossen zu bewältigen im Stande sein müsse. Es war lediglich *eine* von mehreren Testformen, mit denen man die Vertrautheit mit dem Englischen abprüfen konnte, und nicht eine der schlechtesten.
    Dass man Mediation im Unterricht üben sollte, das finde ich durchaus. Dass Version besonders wirklichkeitsnah sei, habe ich nicht behauptet – auch die Textanalyse hat nicht gerade den Geruch von Fish and Chips oder fühlt sich so an wie der Sand am Estero Beach.

  23. Wo man mir in letzter Zeit immer wieder vom Unterschied zwischen Prüfungs- und Übungsaufgabe erzählt: Vielleicht eignet sich Mediation wirklich viel besser als Übungsaufgabe und weniger gut als Prüfungsaufgabe.

    Praxisnähe: Übersetzt wird durchaus auch – bei Büchern, Filmen, im Journalismus (wo es genug falsche Übersetzungen gibt). Das betrifft nur eine kleine Gruppe von Sprechern, aber das gilt für das in Mathematik und Biologie Erlernte genauso.
    Mir macht Übersetzen Spaß. Aber ich habe auch gute Deutsch- und Weltkenntnisse und einen Sinn für Textzusammenhang, und Mängel dabei machen Schülerübersetzungen oft schlecht.

    (International ist weder die Übersetzung noch die Mediation in der Schule verbreitet. Beim nächsten Lehrplanwechsel kann schon wieder alles anders sein.)

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