Der Wunsch des bayerischen Kultusministeriums nach Dialog

Als ich aus den Pfingsferien in die Schule kam… genauer: Als ich während der Pfingstferien in der Schule war, habe ich eine neue Broschüre des bayerischen Kultusministeriums in meinem Fach gefunden. Jeder Kollege hat ein Exemplar erhalten:

li_wissenswert_1_2009

LI Wissenswert ist der Relaunch des alten Magazins Lehrerinfo. Ein neuer Kultusminister, ein neuer Name. 12 Seiten. “Ein Service des bayerischen Kultusministeriums für Lehrerinnen und Lehrer”. Darin stehen interessante Informationen, ich halte deren Vermittlung für eine Selbstverständlichkeit und keinen Service. Aber vielleicht sehe ich das zu eng. Irgendwo stehen ja so oder so die Informationen, die Lehrer interessieren, aber man findet sie dann halt doch nicht, und da ist so ein Heft hilfreich.

Das Magazin beginnt mit einem Vorwort des Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle: “Qualität und Gerechtigkeit für die bayerischen Schulen im Dialog verwirklichen”. Das mit dem Dialog ist ein Leitmotiv.
Auf der zweiten Seite gibt es “Aktuelles aus dem Kultusministerium”. Der Dialog ist so wichtig, dass unter jeder Kurzmeldung die Webadresse steht; sie lautet jeweils und vollständig www.km.bayern.de – insgesamt 10 mal im ganzen Heft. Ich habe ja selber schon bemerkt, dass die Links im KM gerne mal verschwinden. Vielleicht hat das Fehlen konkreterer Links auch damit zu tun, dass der KM-Webauftritt dieses Jahr ohnehin umgebaut werden soll.

Das Layout: Ist okay. Nur die Schriftart für die Überschriften ist ungeeignet.

Danach: “Massiver Ausbau von Ganztagsschulen”: Bis 2013 soll es unter anderem an jedem Gymnasium eine Ganztagsklasse in den Jahrgangsstufen 5 und 6 geben, in 7 und 8 auf Antrag fortgeführt. Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr. Für jede dieser Klassen soll es 8 Lehrerwochenstunden geben (also zwei pro Tag) und 6000 Euro pro Schuljahr – zum Beispiel für einen Sozialarbeiter an der Schule. Das wusste ich noch nicht. Ich hätte es sicher auch anderswo lesen können, aber das Problem ist ja, dass die Kommunikation zwischen KM und Lehrern nicht optimal läuft. Vieles erfahren wir aus der Zeitung, manches geht auf dem Weg zu den Lehrern auch an irgendeiner Stelle verloren.

Danach einige Seiten dazu, dass jetzt die Zeit gekommen ist, mal wieder die Jungs zu fördern und nicht nur die Mädchen. Erwähnenswert die bayerische Sprachregelung: In den zitierten Texten und Tagungstiteln ist immer von “Jungen” die Rede, aber wenn die bayerische KM-Redaktion frei schreiben darf, heißt es gut süddeutsch: “Buben”.

Dann eine Seite zur Lehrergesundheit, ein Thema, das Staatssekretär Dr. Marcel Huber so wichtig ist, dass es eine feste Rubrik in dieser Zeitschrift wird. Dessen E‑Mail-Adresse ist nicht angegeben, aber zu jedem redaktionellen Beitrag gibt es eine eigene Kontakt-Adresse. Vielleicht ist die Redaktion ja tatsächlich an einem Dialog interessiert. Noch zweimal wird auf die Wichtigkeit des Dialogs hingewiesen. “Dialog ist nur in wechselseitiger Kommunikation möglich. Deshalb freuen wir uns auf Ihre Vorschläge, Anregungen und vor allem Ihre konstruktive Kritik”. Zum Schluss wird das auch noch einmal betont, man stelle sich “der kritischen und offenen Diskussion” – es gebe in zwei Rubriken Raum für kontroverse Beiträge und Gastkommentare. In dieser Ausgabe stammt der von Prof. Dr. Hans Maier, ehemaligem bayerischen Kultusminister. Nicht mal uninteressant, aber ehrlich gesagt und im Vertrauen: auch nicht wirklich, ähm, kontrovers.

Natürlich ist das Heft eine Mitarbeiterzeitschrift, und deren Aufgabe ist es, Mitarbeiter zu motivieren. Stimmen, die Kritik am Arbeitgeber Kultusministerium oder der bayerischen Bildungspolitik äußern, wird man nie hören. Das würde uns ja demotivieren. Aber ich werde auch die nächsten Ausgaben lesen. Allerdings hat die Art und Weise der Einführung des G8 bei mir dazu geführt, dass das KM viel Glaubwürdigkeit verloren hat. Das muss erst mal wieder aufgeholt werden. Demnach sind auch noch kaum dialogische Elemente in LI Wissenswert; vielleicht geht das bei einer Erstausgabe auch nicht. Lieber wäre mir natürlich ein Blog ein Forum für den Dialog mit der Basis, aber ich sehe schon ein, dass das nicht geht.


Kurze Liste einiger Informationsquellen aus dem bayerischen Kultusministerium:

(Links gültig am 15. Juni 2009.)

– Einer Pressemitteilung habe ich dann auch heute entnommen, dass unser Kultusminister den Landesschulbeirat als Lehrplanbeirat eingesetzt hat. Es wird nämlich am Lehrplan geabreitet, wegen der Kompetenzorientierung. Überarbeitung kann er allemal brauchen, kann man gut machen doer schlecht. Wenigstens wollen sie sich Zeit lassen damit.

Der Landesschulbeirat vertritt alle wichtigen Gruppen und Organisationen, die den Schulalltag mit gestalten, nämlich zum Beispiel Eltern, Lehrkräfte, Schüler, Kommunen, Wirtschaft und Kirchen. Die Lehrpläne fortzuschreiben und neu zu entwickeln ist eine so zentrale Aufgabe, dass mir ein Grundkonsens dabei sehr wichtig ist”, betonte Minister Spaenle […] und setzt damit seine “Kultur des Dialogs” konsequent fort. (Quelle)

Was so ein Landesschulbeirat in anderen Bundesländern ist, habe ich im Web gefunden, für Bayern leider nicht. Ich bin halt durch Webauftritte verwöhnt, die erleichtern den Dialog so schön.
Artikel 73 des BayEuG verrät: “Der Landesschulbeirat wird zu wichtigen Vorhaben auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung durch das Staatsministerium für Unterricht und Kultus angehört”. Die Mitglieder werden vom KM berufen, und zwar:

  1. bis zu acht Mitglieder aus dem Kreis der Eltern,
  2. acht Mitglieder aus dem Kreis der Lehrkräfte,
  3. die sechs Landesschülersprecherinnen und Landesschülersprecher und die gemäß Art. 62a Abs. 2 Satz 5 gewählten Schülerinnen und Schüler,
  4. je ein Mitglied auf Vorschlag
    a) der Katholischen Kirche,
    b) der Evangelisch-Lutherischen Kirche,
    c) des Bayerischen Städtetags,
    d) des Bayerischen Gemeindetags,
    e) des Bayerischen Landkreistags,
    f) des Verbands der Bayerischen Bezirke,
    g) der Industrie- und Handelskammern,
    h) der Handwerkskammern,
    i) des Deutschen Gewerkschaftsbunds und des Bayerischen Beamtenbunds,
    k) des Bayerischen Bauernverbands,
    l) des Bayerischen Jugendrings,
    m) der Hochschulen,
    n) der privaten Schulen,
  5. fünf Mitglieder, die unter dem Gesichtspunkt der notwendigen Ergänzung des Beirats aus den Bereichen Frühpädagogik, Berufliche Bildung, Erwachsenenbildung, Kunst und Journalistik berufen werden.

2 Antworten auf „Der Wunsch des bayerischen Kultusministeriums nach Dialog“

  1. So sehr ich gegen die Idealisierung von Web 2.0 bin, aber Dialog wäre da in der Tat leichter möglich. E‑Mails schreiben kann man natürlich auch so. In Hessen bekommt man freilich keie Antwort auf kritische E‑Mails an dsa Kultusministerium.
    Kann man auch verstehen. Das wäre halt doch mehr Diaalog als erwünscht.

  2. So etwas ähnliches wie abgeordnetenwatch.de hätte ich gerne. Dort kann man Fragen stellen, auf die Antworten von Abgeordneten warten, wobei mitgezählt wird, wie viele Leute auf eine Antwort auf die jeweilige Frage warten. Das wäre Dialog.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.