Hessen: Verarbeitung personenbezogener Daten am häuslichen Arbeitsplatz der Lehrkraft

Mal anschauen: Das hessische Amtsblatt 09/09 vom 15. September als pdf, Seite 2–4 der Datei (S. 726ff des Amtsblattes).

Darin geregelt: Verarbeitung personenbezogener Daten am häuslichen Arbeitsplatz der Lehrkraft. Also Gutachten, Namenslisten, Noten von Schülern. (Auch Aufsätze mit dem Namen eines Schülers? Nur wenn keine Note dabei steht?) Wenn man das an einem Computer zu Hause machen möchte, dann:

  • nur mit aktuellen Schutzprogrammen
  • nur mit passwortgeschütztem Bildschirmschoner
  • Daten nur auf externem Datenträger, der ausschließlich dafür genutzt wird (auch: USB-Stick), passwortgeschützt
  • Daten zum Transport nur verschlüsselt

Außerdem muss man unterschreiben, dass der Hessische Datenschutzbeauftragte jemanden vorbeischicken darf, den man – nach Terminabsprache – in die Wohnung lassen muss, damit er sich von der Richtigkeit der Lottozahlen überzeugt

Die PDF-Datei ist übrigens eine von den lästigen: beim Öffnen nach dem Herunterladen öffnet sich ein Fenster:

hessen

Anschauen geht aber doch. Und schreibgeschützt ist sie, man kann nicht mal etwas herauskopieren. Also, außer mit so trivialen Mitteln wie einmal mit PDFill Tools drübergehen und neu abspeichern. Herrgott, was soll das denn?

Datenschutz ist ein wichtiges Thema. Überhaupt: Information und wer sie haben darf und welche man nicht kriegen darf. Trotzdem sind diese Bestimmungen unrealistisch. Von Smartphones und PDA ist gar nicht die Rede, und externe Speicherung geht dann ja wohl schon mal gar nicht.

(Gefunden bei lehrerforen.de)

25 Antworten auf „Hessen: Verarbeitung personenbezogener Daten am häuslichen Arbeitsplatz der Lehrkraft“

  1. In NRW ist die Regelung zum Glück besser. Dort gibt es ein Formblatt, mit dem der Schulleiter die Datenverarbeitung zu Hause erlauben kann. Bedingung ist Virenscanner und Firewall. Smartphones können unter gleichen Bedingungen erlaubt werden.

  2. … und dann gibt es im schulinternen Netzwerk eine Sicherheitslücke, über die sich ein Schüler Zugang u. a. zu Notenlisten beschaffen kann. Kommt auch vor. Ich halte die Daten bei einem Lehrer zu Hause auch nicht für ungesicherter als in der Schule, vorausgesetzt er hat Grundkenntnisse im Umgang mit Virenscannern ;-)
    Trotzdem zeigen diese Vorschriften für mich, dass durchaus folgendes Bild für die Zukunft erwartet wird: Künftige Arbeitgeber, Versicherungen usw. der Schüler versuchen, mit allen Mitteln an solche Informationen zu kommen. Denn wer bitte soll sonst so viel Interesse an diesen Informationen haben?

  3. Ich spiele gerade mit der Vorstellung, wie ein Mitarbeiter der Behörde mein Linuxsystem mit verschlüsselter Partition für derartige Daten versteht.
    Allein die Tatsache, dass eine Firewallsoftware empfohlen wird, regt mich zum Nachdenken an. Firewalls, die Software realisiert sind, halte ich für sinnbefreit – einerseits wiegen sie den Nutzer in Sicherheit, andererseits laufen sie oft unter einem priviligierten User und werden so selbst ein lohnendes Ziel für Attacken Als halbwegs kluger Trojaner setze ich doch meinen Müll eh über vertrauenswürdige Anwendungen ab, die die Firewall standardmäßig umgehen dürfen. Viel sicheres ist das radikale Abschalten von Diensten, die zwar laufen, die aber niemand braucht. Alle anderen Dienste halte ich aktuell und schon braucht es keine Software-Firewall mehr.

    “Echte” Firewalls kosten vierstellige Beträge und scannen/filtern als Appliance (Hardware- und Softwarelösung) bis auf TCP/IP-Paketebene den Müll weg. Das macht dann auch Sinn – wenn die Umgebung den Aufwand lohnt.

  4. Dazu dieses Zitat:

    Eine Infektion mit einem Computervirus kann mit einem Virenschutzprogramm verhindert werden. Zusätzlich schützt eine Firewall vor einer möglichen Ansteckung mit einem Computervirus.

    Na ja, also irgendwo zwischen falsch und irreführend. Eine Infektion kann mkit einem Virenschutzprogramm verhindert werden, kann aber auch nicht. Sicher nicht jede. Eine Firewall schützt nur am Rande insofern, als sich eine bereits installierte Schadsoftware vielleicht – vielleicht, wie mccab99 schon schreibt – davon abhalten lässt, weitere Schadsoftware zu laden.

    DJH: Soll an mehreren Schulen vorkommen. ;-)

  5. “Eine Firewall schützt nur am Rande insofern, als sich eine bereits installierte Schadsoftware vielleicht – vielleicht, wie mccab99 schon schreibt – davon abhalten lässt, weitere Schadsoftware zu laden.”

    So wie Softwarefirewalls beworben werden, sollen sie eigentlich dafür da sein, Mist gar nicht erst auf den Rechner zu lassen. Wenn ich als Schädling schon im warmen Häuschen sitze und z.B. den Virenscanner oder die Firewall selbst manipulieren kann, haben beide Komponenten in meinen Augen schon versagt. Auf meinen virtuellen Windowsmaschinen fange ich mir immer etwas ein, wenn ich mit einem bestimmten Browser surfe – trotz aktuellem Virenscanner und trotz aktivierter Firewall… (Weil es sich aufgrund der hohen Verbreitung des Browser eben lohnt, dafür Schadprogramme zu schreiben – das wäre bei Linux und Mac OS nicht anders, wenn das mehr Leute nutzten).
    Skype zeigt ganz toll, wie man es macht: Das bohrt sich – aus Nutzerfreundlichkeit – sogar durch Proxysetups durch und schafft es dabei sogar Rückkanäle für Video und Ton offenzuhalten… Von diesem geschickten Tunneling bin ich immer wieder hin und weg…

  6. aehm also diese Liste klingt realistisch und sinnvoll, ueber Sinn oder Unsinn von Firewalls kann man streiten ich gebe dem der argumentiert, das sie sinnlos sind recht. ABER Schueler daten sollten nur auf verschluesselten medien, die sich bei nichtgebrauch vom rechner trennen lassen sein. Wer einen usb-Stick nicht verschluesseln kann, sollte Schuelerdaten garnicht auf dem pc haben. Das Schulrechner mit sensiblen Daten ueberhaupt am internet haengen ist ein Skandal.

  7. Die Forderungen sind vollkommen unrealistisch. Es ist Alltagssituation, dass schülerbezogene Daten auf dem Privat-PC erzeugt und verarbeitet werden, der Dienstherr fordert diese Prozedere ja auch stillschweigend dadurch ein, dass er nicht dafür sorgt, dass an der Dienststelle ausreichend Computer und Drucker bereitstehen.

    Darauf aufbauend jetzt im Sinne des Datenschutzes zu fordern, dass landesweit ein ganzer Berufsstand prophylaktisch der möglichen Durchsuchung ihres Arbeitsplatzes durch Landesbeauftragte zuzustimmen und sein eigenes Recht auf die Unverletzlichkeit privater Daten aufzugeben hat (denn das würde ja ein “eben mal auf dem PC nachschauen, ob da Schülerdaten sind” bedeuten), das ist eine Infamität und ein vollkommen absurdes Ansinnen.

    Das Recht auf Datenschutz gilt für Lehrer genauso wie für Schüler, und von dem Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung will ich gar nicht erst anfangen.

  8. Ja, finde ich auch – völlig unrealistisch und überzogen. Dass Rechner mit sensiblen Daten am Internet hängen ist kein Skandal, sondern unvermeidlich. Schon mal deshalb, weil diese sensiblen Daten per Internet übermittelt werden.

  9. Welche Daten werden in Schulen per internet uebermittelt und auf welchem Wege?

    Zum Thema Datenschutzbeauftragten: jede Stelle die Daten verarbeitet und eine gewissen Anzahl Mitarbeiter ueberschreitet (ich glaub 5) muss einen solchen haben, also auch das Land. Dieser darf niemanden direkt unterstellt sein und natuerlich muss er Zugang zu jeder Stelle haben wo Daten gespeichert und verarbeitet werden. Das ist geltendes Recht und waere kein bischen anders wenn sie in der freien Wirtschaft einen Heimarbeitsplatz betrieben, und da Personenbezogene Daten verarbeiten. Es heisst auch nicht “eben mal auf dem PC nachschauen ob da Schuelerdaten sind, sondern danach fragen wie die ablaeufe sind, wie Schuelerdaten verarbeitet werden, jedes moderen OS hat eine Trennung von Nutzern niemand muss also seine privatdaten mit schuelerdaten vermengen und dann bekommt der Datenschutzbeauftragte die auch nicht zu sehn.

  10. @StS
    Vielleicht ist das ein Missverständnis – es geht hier nicht um Schulrechner, sondern es geht um die Privatrechner, die Lehrer zu Hause in ihrem privaten Arbeitszimmer stehen haben. Und bei den sensiblen Schülerdaten geht es um die Klassenliste der 8a oder den Elternbrief an Herrn und Frau Hugendubel, in dem die über irgendwelche Probleme ihres Schülers im Unterricht informiert werden.

    Und mit getrennten Nutzern ist das beileibe nicht getan, das ist schon durch die Forderung nach externen Festplatten ausgeschlossen, denn das hessische Bildungsministerium möchte außerdem von all ihren Lehrern gerne, dass die sich verpflichten, Vertreter des Dienstherren zu Hause in ihren Arbeitszimmern herumschnüffeln und vor allem ihre PCs durchsuchen lassen – denn wie bitteschön soll man feststellen, dass keine Schülerdaten auf den PCs liegen, außer man durchsucht die?

    (Die Forderung nach externen Festplatten ist übrigens naiv, denn vom technisch unbedarften Standardbenutzer ist nicht zu erwarten, dass er die Temp-Verzeichnisse von der Hauptfestplatte nach extern umleitet; dass auch “sensible” Daten auf der Festplatte lagern, ist de facto für Otto Normallehrer nicht zu vermeiden.)

  11. Danke für die zusätzliche Erklärung. Sehe ich auch so. Die personenbezogenen Daten sind die Noten fürs Gedichteaufsagen. Die dürfen als (verschlüsselte) Kopie auf der Festplatte liegen, aber das Original muss extern sein, damit das Ministerium im Krankheitsfall rankommt. Völlig unrealistisch. Wird nicht passieren.

    Daten auf Rechner, der ans Internet angeschlossen ist: Dürfte auch in der Wirtschaft so sein. Und im Arbeitsamt. Auch in der Schule: Regelmäßig fließen statistische Daten zwischen Schule und Kultusministerium – allerdings keine personenbezogen, soweit ich weiß, und natürlich verschlüsselt. Aber natürlich von Rechnern, von denen aus auch Zugriff auf personenbezogene Daten möglich ist.

    (Dass darüber hinaus Daten in E‑Mails geschickt werden, die nicht öffentlich sein sollten, ist klar.)

  12. ich versteh schon das es um privat PCs geht, aber wenn da personenbezogene Daten verarbeitet werden, dann fallen die eben in den kontrollbereich des Datenschutzbeauftragten, man darf in Deutschland (zum glueck) nicht ohne Kontrolle personenbezogne Daten verarbeiten. Wenn es zuviel verlangt ist, dass ein 2. Account angelegt wird um Arbeit und Privat zu trennen, dann seh ich da wohl ein Problem, der D.Beauftragte wird sich fuer den Privataccount nicht interessieren, weil er nur die Ablaeufe pruefen soll. Tempverzeichnisse sollten sich bei jedem ordentlichen Anwendungen beim beenden von selbst loeschen und da der Account nur fuer die arbeit verwendet wird, ist das auch kein problem wenn nicht und das der USB-stick verschluesselt ist halte ich fuer selbstverstaendlich, die Dinger kommen nunmal leicht weg.

    was die verbindung zum Internet betrifft, computer mit wirklich sensieblen Daten sind in Aemtern – duerfen in Aemtern – nicht mit dem Internet verbunden sein. Fuer Statistiken werden oft Daten von ausdrucken abgetippt, das wird sich auch so schnell nicht aendern. Inwiefern Schuelerdaten wie Noten zu diesem bereich gehoeren, sollte man mal diskutieren – ich denke das tun sie, da man damit ganze Leben in sehr fruehen stadien stoeren kann.

    Die Sorglosigkeit mit der mit fremden Daten umgegangen wird stoert mich ungemein. Ich frag mich warum wir ueberhaupt Forschung in diese Richtung betreiben es scheint ja keinerlei Wert zu haben…

  13. das seh ich ja jetzt erst: “Dass darüber hinaus Daten in E‑Mails geschickt werden, die nicht öffentlich sein sollten, ist klar.”

    ich vermute einfach so unverschluesselt, wurde frueher ja auch auf postkarten gemacht.

  14. Wenn ich eine Wandkarte holen gehe, stehen die personenbezogenen Daten nicht nur in einer Datei, nein, sie stehen in meinem klassischen Notenbuch der Kreisparkasse, das jeder Schüler sofort erkennt, welches sich in meiner Schultasche befindet, die in diesem Augenblick völlig unbewacht, eingekreist von einer Horde böswilliger Datendiebe, letzteren hilf- und völlig schutzlos ausgeliefert ist…
    Jedermann könnte sich, bei entsprechend krimineller Energie, das Büchlein schnappen, sich ein paar Einser eintragen oder einige Vierer streichen.
    Datenschutz, der abgehoben von jeder Realität, so tut, als wären Noten so zu behandeln wie Nummernkonten, ist nicht praktikabel. Bloß weil Schüler bei schriftlichen Prüfungen abschreiben könnten, stecken wir sie doch auch nicht prophylaktisch in Einzelhaft. Erst bei den Abiturprüfungen sind die Sicherheitsvorkehrungen besonders gründlich durchdacht. Aber selbst da gilt: Wer unbedingt auf dem Betrugsweg Leistungen erschleichen will, konnte das vermutlich schon immer.

  15. Notenbuecher und digitale Daten vergleichen, ist ein mehr als schiefer Vergleich. Ein Notenbuch ist naemlich weg und man sieht ihm die Manipulation an, waerend digitale Daten nicht weg sind und (weil einem Lehrer cryptographie ja nicht zumutmar ist) manipulation spurenlos. Es geht hier nicht um Leistungserschleichung sondern um die Wahrung von Grundrechten, naemlich dem der informationellen Selbstbestimmung. Deutschland ist darin einzigartig, aber dieses Grundrecht scheint ja keinen Wert zu haben.

  16. “Notenbuecher und digitale Daten vergleichen, ist ein mehr als schiefer Vergleich.”

    Der Vergleich ist schon ganz gut – worum es geht, und da ist der Grundgedanke des hessischen Datenschutzbeauftragten ganz richtig – ist ja nicht, dass Daten gefälscht sondern missbräuchlich angewendet werden. Und dazu ist der Papierweg ein klassisches Einfallstor für Datenspione – anders als im Film “Wargames” aus den 80ern “hacken” sich die Bösewichter im wirklichen Leben ja nicht zunächst per Modem in “ein System” sondern sie durchsuchen Papiercontainer, lesen Post-Its auf Monitoren oder telefonieren mit Empfangsdamen etc. Wenn man Informationen zum Missbrauch sucht, ist der klassische Lehrerkalender aus der Altpapiertonne des Oberstudienrates Gertenstreich ein wahrer Fundus – was man da alles drin finden kann!

    Was ich bemängele ist ein völlig Missverhältnis seitens des Dienstherren, der schon hysterische Züge annimmt, so dass eine dramatische Fehleinschätzung bei der Abwägung von Rechtsgütern eintritt. Einerseits verlangt der Dienstherr de facto von uns, dass wir das Gros unserer Verwaltungsarbeit abends mit dem eigenen PC im heimischen Arbeitszimmer erledigen. Andererseits soll den hessischen Kollegen dafür ein völlig normales Alltagswerkzeug aus der Hand genommen werden – um es noch einmal zu wiederholen: diese Forderungen würden dazu führen, dass ich den Eltern Hugendubel nicht per Email mitteilen darf, dass ich ihren Filius in den Englisch-Förderkurs aufgenommen habe (persönliche Daten werden übers Internet geschickt), bzw. für Grundschullehrerin Meyerbrink wird es schwierig, die Milchgeldliste der 2a in Word zu tippen, da sie nicht weiß, wie man das Temp-Verzeichnis auf den externen Datenträger umlegt.

    Unrealistisch das ganze. Aber noch viel wichtiger, und darauf gehst du mir gegenüber leider nicht ein, ist deine folgende Bemerkung, es ginge hier “um die Wahrung von Grundrechten, naemlich dem der informationellen Selbstbestimmung. Deutschland ist darin einzigartig, aber dieses Grundrecht scheint ja keinen Wert zu haben.”

    Eben! Um die Klassenliste der 8a zu schützen und die Klausurnoten des 12GK Deutsch, sollen die hessischen Kollegen auf fundamentale Grundrechte verzichten, nämlich erstens die Unverletzlichkeit ihrer Wohnung – auch gegen ihren Willen sollen dort Vertreter der Staatsmacht Einsicht in ihr Arbeitszimmer bekommen, wozu bräuchte man sonst eine selbstverpflichtende Bereitwilligkeitserklärung? Und sie sollen auf das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung verzichten, denn sie sollen Vertretern der Staatsmacht die Kontrolle ihrer privaten PCs gestatten. Nota bene! Nicht etwas im Verdachtskontext einer konkreten Straftat, sondern als potenzielle Routinekontrolle.

    Das kann es ja nun wohl wirklich nicht sein.

  17. zum Papiervergleich: auch damals galt schon solche Daten haben nichts im Papierkorb zu suchen und meine Schule hatte dafuer auch einen Schredder. Das Ding war sicher nicht zur deco da.

    Per Mail geht Heute de facto nichts, denn kaum jmd von den Eltern hat einen sicheren eMailzugang. Mir stellt sich auch eine Sinnfrage schliesslich laeuft jeden Tag ein Bote von der Schule zu den Eltern und zurueck.

    Zur Kontrolle privater PCs: Lehrer sollen also ohne jede Kontrollmoeglichkeit private Daten andere verarbeiten duerfen? Dazu kommt erschwerend das einem Lehrer nicht zuzumuten ist Daten zu verschluesseln und Privates von Beruflichen zu trennen.

    Jetzt wuerde ich gern wissen wie eine sinvolle richtlinie aussaehe.

  18. Zettelchen schreiben und kriegen ist zuviel Aufwand, und Schüler lassen sich ungern und unzuverlässig als Boten gebrauchen.

    Sinnvolle Richtlinie: Keine Besuchsberechtigung bei mir zu Hause. Zu meiner Dienstpflicht gehört der korrekte Umgang mit Daten ohnehin. Dann: Erst mal weg mit dem externen Datenträger für Schülerdaten. Das hat mit Datenschutz nichts zu tun, sondern damit, dass die Schule an die Noten rankommt, wenn ich tot umfalle. So oft falle ich nicht tot um, dann muss halt ein Kollege zu meiner Witwe kommen und Zugang zu den Daten verlangen. Physikalische Trennung von Daten und Internet: wird nicht verlangt, ist auch komplett unrealistisch. Schülerdaten nur verschlüsselt: okay, damit kann ich leben. Unrealistisch bleibt auch das, Unterschrift hin oder her – geht es denn um die Unterschrift oder die Realität? Letztere ändert man durch das Sammeln von Unterschriften in dieser Art nicht. Dann eher durch Aufklärungsarbeit wie in Blogs. Ernsthaft. Zumindest ist mir jetzt das Problem präsenter, auch wenn ich noch keine Lösung weiß.

  19. Die Boten laufen eben nicht oder manchmal auch nicht schnell genug. Und außerdem hat die Lehrkraft vielleicht noch was anderes zu tun, als Rundschreiben-Rückmeldungsabschnitte zu sammeln, zu sortieren und abzuhaken oder Schülern zwecks Korrespondenz nachzulaufen.
    Wenn der der Schredder im Sekretariat für jeden Lehrer laufen würde, könnte man sicher noch einen Verwaltungsangestellten, gerne einen arbeitslosen Informatiker, einstellen, der das dann beaufsichtigt und die Daten schützt.
    Und dann noch etwas: Die Daten sind nicht die Daten anderer, sondern meine eigenen privaten Daten, bis ich sie als glaubwürdiger und qualifizierter Zeuge (z.B. beamtet mit Lehrbefähigung) an die Schule melde. Zur Urkunde werden die Daten in Bayern erst, wenn sie auf einem Notenbogen eingetragen, von der Klassenkonferenz bestätigt und von der Lehrerkonferenz festgesetzt werden. Danach allerdings werden sie auch aufwändiger geschützt. Was ich persönlich mir schriftlich merke, geht keinen etwas an, auch keinen Datenschutzbeauftragten. Das sind sinnvolle Richtlinien.

  20. @StS
    Du hast vollkommen Recht, die Datenschutzbestimmungen galten und gelten genauso für die Papierform wie für die elektronische Form – das ist genau mein Punkt; nehmen wir mal, es wären analoge Vorschriften für die Papierdaten erlassen worden: Schülerlisten und Aufzeichnungen über Schüler dürfen nicht auf beliebigem Privatpapier geführt werden, es darf nur eine begrenzte und genau kontrollierte Anzahl von Kopien dieser Zettel geben, Lehrerkalender müssen zu Hause in fest verschlossenen Stahlschränken aufbewahrt werden, transportieren darf man sie nur in sicher verschlossenen Taschen, nach Vorankündigung verpflichtet sich der Lehrer, Beauftragten des Ministeriums Zugang zu seinem Arbeitszimmer und zu seinen Unterlagen zu gewähren, damit die rechtmäßige Aufbewahrung der Dokumente überprüft werden kann. So etwas hätte kein Mensch gefordert, weil die Absurdität auf den ersten Blick erkennbar ist.

    Ich persönlich glaube, der Verlust an Augenmaß hängt sehr stark damit zusammen, dass die Computertechnologie angstbesetzt, weil in ihren Möglichkeiten und Grenzen bei Entscheidungsträgern nicht richtig verstanden wird – dazu kommt, dass die Vorschriften zur Computerverwendung zu einem guten Teil in den 80ern novelliert worden sind, also was die Existenz und den Alltagseinsatz von Computernetzwerken angeht, vollkommen archaisch sind. Es war damals einfach nicht abzusehen, welche Rolle (und Alltäglichkeit!) der elektronische Datenaustausch ein Vierteljahrhundert später annehmen würde. Was oben beschrieben worden ist, dass Listen ausgedruckt, transportiert und händisch erneut in den Computer eingegeben werden, ist ja nichts weiter als die gewissenhafte Umsetzung obsoleter Vorschriften – und de facto mutwillige Vernichtung von Arbeitszeit, d.h. von öffentlichen Mitteln. Die Arbeit der meisten Behörden, z.B. der Polizei (und auch der Schulministerien!), wäre ohne den vernetzten Transport sensibler elektronischer Daten überhaupt nicht mehr denkbar – Stichworte Datenbanken für KFZ-Halter, Zentralabitur. Der erste Schritt wäre also eine sorgfältige Neuformulierung veralteter Vorschriften zur Computernutzung – unter genauer aber realistischer Einbeziehung der tatsächlichen Möglichkeiten, Notwendigkeiten und Gefahren.

    Zweitens möchte ich ins gleiche Horn tuten wie Herr Rau. Es ist ja nicht so, dass der verantwortungsvolle Umgang von Lehrern mit sensiblen Informationen eine brandheiße Sache wäre, die erst mit Computern aufgekommen ist. Wir sind qua Amt zur Verschwiegenheit verpflichtet, das ist sowohl pädagogisches als auch verwaltungsrechtliches Alltagsbrot für uns. Der Dienstherr ist zunächst einmal darauf angewiesen, darauf zu vertrauen dass der Beamte verschwiegen ist – es gibt keine Möglichkeit, das durch Kontrollen prophylaktisch sicherzustellen; das einzige, was getan werden kann, ist, Fehlverhalten nachträglich dienstrechtlich zu sanktionieren. Ich sehe ehrlich gesagt keinen Grund, warum von diesem Prinzip im Zusammenhang mit dem Arbeitseinsatz von Computern abgerückt werden soll.

    Was kann man tun? Ich denke, man kann ziemlich sicher behaupten, dass das Gros der Verstöße gegen den Datenschutz bei der Verwendung von Computerdaten nicht auf Pflichtvergesessenheit oder auf Gleichgültigkeit sondern auf Unwissenheit beruht. Der Arbeitsethos von Lehrern ist trotz aller gegenteiliger Öffentlichkeitsarbeit des Dienstherren sehr gut ausgebildet. Unwissenheit kann man aber nicht mit Forderungen und Kontrollen beheben, sondern nur durch Aufklärung. Was Lehrer, die z.T. immer noch nicht besonders technikaffin sind, benötigen, sind Fortbildungen und Hilfen, praktische Software-Pakete, Ansprechpartner (d.h. NICHT noch eine weitere Zusatzaufgabe für den Informatikkollegen, sondern Regionalbeauftragte, die telefonisch oder per Mail erreichbar sind.) Ich denke, das würde die Datensicherheit in der Alltagsarbeit langfristig sehr viel besser steigern als unmäßige Überwachungsansprüche und Drohszenarien in Form von Unterschriftsleistungen.

    Abschließend – ich glaube übrigens, dass diese ganze Aktion in Hessen nichts weiter als eine populististische Luftnummer ist. Ich habe zufälligerweise recht genaue Einblicke in die Arbeitsweise von Ministerien und weiß um die Schnellschusspolitik, die da heutzutage en vogue ist. Dienstaufsicht, wie sie in dem Erlass angekündigt ist, ist aus materiellen Gründen überhaupt nicht zu leisten. Hessen ist ein kleines Bundesland, aber trotzdem arbeiten dort Abertausende von Lehrern. Behörden leiden unter extremer Stellenknappheit – nicht einmal die nun wirklich notwendigen vor-Ort Kontrollen durch Gesundheitsämter können in ausreichender Zahl durchgeführt werden. Selbst wenn die Dienstaufsicht bei den Tausenden und Abertausenden von Kollegen nur stichprobenartig gemacht werden soll – woher sollen denn jetzt bitte die Sachbearbeiter kommen, die diese Kontrollen durchführen? Die Bezirksregierungen arbeiten jetzt schon an der Grenze ihrer Belastbarkeit, genauso die Ministerien. Die Arbeitszeit ist einfach nicht da. Warum also diese Maßnahme?

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