James Branch Cabell, Special Delivery

Mann, da war er aber schlecht gelaunt, der James Branch Cabell, als er dieses Buch geschrieben hat. (Man muss ihn nicht kennen, auch wenn er mal ein berühmter Schriftsteller war und ein Steckenpferd von mir ist.)

Im Jahr 1933 war Cabell schon nicht mehr so sehr berühmt und geschätzt wie in den 20er Jahren, aber Post bekam er immer noch viel. Und wenn man ihm glauben darf, dann waren das immer die gleichen Arten von Briefen.

In Special Delivery präsentiert Cabell seine zehn kurzen, ablehnenden Standardantworten auf zehn Ansinnen, die man in Briefen an ihn wohl häufig richtet. Alle Antworten beginnen mit: „It was wholly a pleasure to receive your letter.“ Die Briefeschreiber:

  • bitten um Material für ein Schul- oder Universitätsreferat,
  • bitten um Ratschläge, wie man ein Schriftsteller wird,
  • senden die Besprechung eines Buches von Cabell ein,
  • senden ihr eigenes Werk ein mit der Bitte um Lektüre und Besprechung,
  • wollen Bücher von Cabell signiert haben,
  • bieten eine heiße Liebesnacht an,
  • oder wollen eine kryptische Stelle in seinem Werk erklärt haben.

Auf die kurze maschinengetippten Antwort folgen jeweils die eigentlichen Kapitel, nämlich – vorgeblich – die Briefe, die er eigentlich lieber als Antwort geschrieben hätte. In denen erklärt er, manchmal nachsichtig, manchmal auch unfreundlich, warum es gar nicht in Frage kommt, dass er der Bitte entspricht. Da wirkt Cabell manchmal schon etwas misslaunig. Aber schön zu lesen ist es trotzdem. (Wenn man Cabell mag.)

Vielleicht auch mal eine Textform für die Schule. Meine Ausgabe oben ist übrigens ein moderner Nachdruck in Form eines Faksimiles der alten Bleisatzausgabe. Keine Ahnung, wie das technisch funktioniert. Es gibt einige Verlage, die sich auf so etwas spezialisieren. Diese Bücher sind in Ordnung, aber ich lasse nach schlechten Erfahrungen die Finger von Print-on-demand-Ausgaben, die manchmal nur den Gutenberg-Text der Quelle nehmen und ohne Rücksicht auf Typographie durch den Drucker jagen. Dann lese ich es lieber gleich am Computer.

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