James Branch Cabell, Jurgen

Vermutlich habe ich zum ersten Mal von Cabell gehört durch das Buch Von Atlantis bis Utopia: ein Führer zu den imaginären Schauplätzen der Weltliteratur von Alberto Manguel und Gianni Guadalupi. Von A‑Z gelesen; kaum Fantasyreiche drin, viele Utopien der frühen Neuzeit, viel Weltliteratur. Keine Science Fiction, keine Märchen. Gelesen habe ich ihn einige Jahre später, zuerst ein oder zwei deutsche Bastei-Lübbe-Ausgaben, und dann, 1991 in England, Jurgen. Das ist Cabells bekanntestes Werk, letztlich wohl nur deshalb, weil es 1920–1922 einen vielbeachteten Prozess darum gab. (“Represents and is descriptive of scenes of lewdness and obscenity, and particularly upon pages 56, 57, …

James Branch Cabell, Figures of Earth

1. Inhalt Manuel – groß, blond, Schweinehirt, nervöser Tic im Auge (oder zwinkert er einfach nur oft?) – bemüht sich, eine Auflage seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen, die er als bindend ansieht: Er muss eine gute Figur machen in der Welt. Seine ersten Versuche sind wenig erfolgversprechend, immer wieder töpfert Manuel an einer Figur aus Lehm herum, die aber nie seinen Ansprüchen genügt. Bald gerät er in Abenteuer, verliebt sich in die unscheinbare junge Niafer und verliert sie gleich wieder (an den Tod, der einen von beiden mitnehmen muss – und so sehr der junge Manuel Niafer liebt, sein Leben …

John Updike, Gertrude and Claudius (or, hello James Branch Cabell)

Ich merke schon, wenn ich jetzt nichts aufschreibe, vergesse ich das meiste wieder. Also gut: In diesem Buch erzählt Updike die Vorgeschichte von Hamlet. Im ersten der drei Teile wird Gerutha (Getrude) von ihrem Vater an den plumpen Edelmann Horwendil verheiratet (den zukünftigen Vater Hamlets). Gerutha ist alles andere als begeistert, lässt die Hochzeit aber trotzdem geschehen. Am Ende des Abschnitts ist Gerutha Mitte dreißig, sie hat ihrem Mann einen Erben geboren, Amleth (Hamlet). Nur ihrem Kämmerer Corambus (Polonius) hat sie anvertraut, dass sie nicht wirklich glücklich ist mit ihrem Mann. Heimlich findet sie dessen Bruder Feng (Claudius) faszinierender, eine …

James Branch Cabell, Ladies and Gentlemen (“…und dazu die Menge Vieh”)

Cabells letztes Buch mit Briefen hat ihm wohl so viel Spaß gemacht, dass er gleich wieder eines schreiben wollte. Diesmal sind es zwanzig Briefe an historische Personen, ähnlich wie Christine Brückners historische und fiktionale Personen in Wenn du geredet hättest, Desdemona – aber anders als dort sind es Botschaften an diese Personen, und damit immer mit Cabell als Absender und Sprecher, und das ist dann schon etwas weniger reizvoll. Trotzdem, für Cabell-Freunde ist das Buch interessant, und für andere – und für mich – will ich kurz einige Punkte zusammenfassen. Von König Salomon stehen in der Bibel gar nicht so …

James Branch Cabell, Special Delivery

Mann, da war er aber schlecht gelaunt, der James Branch Cabell, als er dieses Buch geschrieben hat. (Man muss ihn nicht kennen, auch wenn er mal ein berühmter Schriftsteller war und ein Steckenpferd von mir ist.) Im Jahr 1933 war Cabell schon nicht mehr so sehr berühmt und geschätzt wie in den 20er Jahren, aber Post bekam er immer noch viel. Und wenn man ihm glauben darf, dann waren das immer die gleichen Arten von Briefen. In Special Delivery präsentiert Cabell seine zehn kurzen, ablehnenden Standardantworten auf zehn Ansinnen, die man in Briefen an ihn wohl häufig richtet. Alle Antworten …

Neil Gaiman, The Sandman

School Matters schreibt über FORA.tv (“so etwas wie YouTube auf intellektuell”) und verweist auf eine Videoaufzeichnung mit Neil Gaiman: An Evening’s Entertainment with Neil Gaiman celebrating Fragile Things: Short Fictions and Wonders. Tolle Sache, sowohl FORA.tv als auch Neil Gaiman. Ich lese im Moment wieder die Sandman-Reihe (von Gaiman), in der Hoffnung, doch einmal einen Band in der Schule verwenden zu können. The Sandman erschien in 75 Heften von 1989 bis 1996. Gesammelt wurden die Hefte in zehn Bänden (also doch ein Amazon-Link, etwa 15 Euro pro Band). The Sandman ist eine tolle Serie: Alles geschrieben von Gaiman, wechselnde Zeichner, …

Storisende No. 1113

(Eine Buchgeschichte.) Ich habe mir einen Wunsch erfüllt. Vor zwölf Jahren stand ich in der Unibibliothek in Augsburg und betrachtete ehrfürchtig-liebevoll achtzehn grün eingebundene Bände im Regal: Die Storisende-Ausgabe der Biographie von Manuel von James Branch Cabell. Cabell hat später noch viele weitere Bücher geschrieben, aber sein Hauptwerk ist die Biographie von Manuel, ein Roman in 18 Bänden. Sozusagen. Man könnte sie auch realistischer als 18 Bände mit Romanen, Kurzgeschichten, Essays und ein wenig Lyrik zu einem gemeinsamen Thema und mit einem verbindenden Element nennen: Es geht um den legendären Dom Manuel und seine Nachkommenschaft durch die folgenden Jahrhunderte. Die …

Cabell, The Eagle’s Shadow

Ich bin gerade völlig entzückt von James Branch Cabells Frühwerk, The Eagle’s Shadow (1904). Das Buch ist eine nette, geistreichelnde Komödie um Erbschaft, Liebespaare, und ein Landhaus, in dem sich alle Beteiligten befinden: Bezaubernde junge Damen; Mütter, die ihre Töchter verheiraten wollen; alte Herren mit Zigarren; junge Dichter. Darüber Sonnenschein und darum ein weitläufiger Garten, und am Schluss haben sich doch die richtigen zwei Paare gefunden. Kurz: Die bezaubernde Margaret Hugonin hält Hof in ihrem Südstaatenanwesen. Sie ist nicht nur bezaubernd schön, sondern auch eine reiche Erbin, und seitdem wimmelt es bei ihr nur von heiratswilligen jungen Männern. Andere Leute …

James Branch Cabell

“Der Optimist glaubt, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben. Und der Pessimist fürchtet, dass das stimmt.” Cabell hat eine kleine, rege Fangemeinde; in den Uni-Bilbliotheken gibt es einige Bücher über ihn. Im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war sein Name in vielen amerikanischen Haushalten ein Begriff, nicht zuletzt wegen der versuchten Unterdrückung seines Buches Jurgen wegen des vermeintlich obszönen Inhalts. Ansonsten kennt man Cabell vage aus der phantastischen Literatur, da sein Hauptwerk im fiktiven mittelalterlichen Land Poictesme angesiedelt ist. Seine Romane strotzen vor (mitunter durchaus auf die Nerven gehender) sophistication, vor Bildung, Ironie, Zynismus und feinen Anspielungen. …