Streichungswünsche ans bayerische Kultusministerium

Klar: im Prinzip ist es schon sinnvoll, dass das Kultusministerium, wenn es eine Zulassung für Schulbücher gibt, sich die Bücher anschaut und dass es Grenzen für die Inhalte gibt. Ich weiß leider zu wenig über den aktuellen Kreationisten-Fall, aber das Argument, die Behandlung des Thema sei eine „einseitige Interpretation“, überzeugt mich nicht. Es gibt keinen Grund, Kreationismus anders als einseitig zu sehen. Das erinnert mich an eine Parabel von Raymond Smullyan über zwei Jungen, die gemeinsam einen Kuchen finden. Der erste will ihn mit dem anderen teilen, der zweite will ihn ganz alleine haben. Ein vorbeikommender Erwachsener meint: „Schließt doch einen Kompromiss. Der eine kriegt ein Viertel, der andere drei Viertel.“ (Aus Buch ohne Titel, glaube ich.)

(Etwas mehr bei tagesspiegel.de.)

Im letzten Schuljahr gab es schon eine Mitteilung vom Kultusministerium, dass Aufgabe 6 auf Seite 46 im Workbook Green Line New 4 E2 (das ist Englisch als 2. Fremdsprache, glaube ich) nach Elternbeschwerden bitte nicht mehr zu verwenden sei und in zukünftigen Ausgaben auch vom Klett-Verlag gestrichen werde. Ich habe mir die Aufgabe daraufhin angeschaut: eine harmlose „Mediation“ (mit dem Arbeitsauftrag: Translate this text into German…) unter dem Titel: „How to make sure your parents go on complaining!“ Ironie, aber die gehört wohl nicht in die Schule. Vielleicht werden das mal antiquarisch gesuchte Sammlerausgaben. Das Workbook, wissen Sie… aber die ungeschnittene Ausgabe.

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12 Thoughts to “Streichungswünsche ans bayerische Kultusministerium

  1. Das mit dem Kreationismus ist echt übel. Ich habe mich bisher nicht näher damit beschäftigt, weil ich das fanatische Ami-Zeug, das darüber oft kursiert, einfach nicht in Augenschein nehmen will. Jetzt bin ich aber in einer erzfundamentalistischen Gemeinde, und eine hat uns schon vor etlichen Wochen etliche Bücher zum Thema -herausgegeben von dem Verein wortundwissen.de – in die Leihbücherei gebracht. Das guck‘ ich mir vielleicht mal an.
    Aber ansonsten ist dieses Thema so dermassen emotional belegt, es ist nicht zu fassen.

  2. Ich habe mich immer noch nicht entschieden, ob ich darüber bloggen soll, oder lieber doch nicht. Die Antwort auf die Anfrage der Grünen wird darüber wohl den Ausschlag geben. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es allerdings ziemlich unfassbar, wobei mich die „Ehrfurcht vor Gott“ auch ziemlich kalt erwischt hat.

  3. Die Beweggründe des Ministeriums bleiben zurzeit dummerweise vielen Spekulationen überlassen, was zu der Auffassung führen muss, der Druck der christlichen Gruppe sei ausschlaggebend gewesen.
    Der Verweis auf den Art.131 ist meiner Meinung nach zulässig. Während aber der entscheidende Initiator des Medienechos, der scienceblog, gleich auf der „Ehrfurcht vor Gott“ rumreitet, wird der wohl entscheidende Teil des Artikels übersehen: „Achtung vor religiöser Überzeugung“!
    Ob die Überzeugung nun darin besteht, dass ein toter Jude nach drei Tagen mit seiner wiederbelebten Leiche in den Himmel aufgefahren ist und dort darauf wartet alle anderen toten Leichen wiederzubeleben und zu richten, oder man nun der Meinung ist, dass die Erde 6000 Jahre alt ist -ist das entscheidend?

    „Ehrfucht vor Gott“, das viel zu schwammig ist um direkt ANwendung zu finden, war ja hier wohl nicht das Problem, oder?

  4. (Fußnote: Als in einem amerikanischen Bundesstaat die Kreationismuslehre in die Biologielehrbücher aufgenommen werden sollte, hat Bobby Henderson einen Brief an den Gouverneur geschrieben, mit der Bitte, doch bitte auch die Lehre des Fliegenden Spaghettimonsters aufzunehmen. Eine schöner Rebound der Logik der Kreationisten -und in der Parabel der dritte Junge, der auch ein Teil vom Kuchen will :)
    (Fußnote 2: http://xkcd.com/154/)

  5. Wobei sie, streng genommen, aufgenommen werden müssen, solange man den Beutelsbacher Konsens auch nur halbwegs ernst nimmt.

  6. Das Schreiben zum Workbook hab ich sicherheitshalber gleich mal in selbiges gelegt, damit ich nicht doch in Versuchung komme :))) Allerdings steht da nix von einer Strafandrohung im Zuwiderhandlungsfall… Der Bitte, „die Lehrkräfte in geeigneter Form diesbezüglich zu sensibilisieren“ wurde bei uns in der sehr geeigneten Form einer Fotokopie des Schreibens, das etwas von Außerachtlassung grundsätzlicher pädagogischer Überlegungen in der betroffenen Übung schwurbelte, nachgekommen – vielleicht sollte man es in einem Akt zivilen Ungehorsams drauf ankommen lassen. Es liegt im Wesen einer Bitte, dass man ihr nachkommen kann oder eben nicht.

  7. Selbige Aufgabe ist auch in der aktuellen Auflage des Klett Green Line New 5-Workbooks, Seite 38 Nr. 6. Wurde dieses Jahr aber noch bei uns verwendet.

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