Aus meiner Vergangenheit

Vor zwei Wochen war ich auf der Geburtstagsfeier eines meiner ehemaligen Englischdozenten. Unter den Gästen waren Leute, die ich fünfzehn Jahre nicht mehr gesehen und an die ich gar nicht mehr gedacht hatte. Aber schön war’s. Viele Erinnerungen kamen auf.

Es gibt (das weiß ich schon länger) sehr viele sehr nette und interessante Menschen. Und ich halte Kontakt nur zu wenigen davon, denke aber oft an sie. Manchmal stöbere ich ihnen im Internet nach, aber ich finde die wenigsten. Da ist mein Seminarlehrer Herr B., da ist Claudia aus Düsseldorf, Christiane (die tatsächlich alleine in einem Loft über einer nicht mehr genutzten Fabrik gewohnt hat, und das nicht in New York, sondern in Augsburg). Die Leute aus dem Fandom, Udo F. zum Beispiel, über den ich noch mal mehr schreiben werde. Die vielen anderen, die ich mehrmals jährlich auf Cons getroffen habe: Katja, Anja, Tackleberry, Robert V.

Mit anderen, aber viel zu wenigen, tausche ich wenigstens Geburtstagsgrüße aus. Mit meiner ersten Rollenspielergruppe, mit denen ich immerhin auf Facebook Kontakt halte und von denen ich nur einige beim jährlichen Spiel sehe; die kleine Freundesgruppe danach, die ich auch einmal im Jahr Anfang August sehe; die Freunde aus Studientagen, die ich noch am häufigsten treffe.

Es gibt auch einige wenige Schüler, deren Laufbahn ich so ein bisschen verfolge. Corinna etwa, die ich in der 11. Klasse mal unterrichtet habe. Las Nabokov. Sie musste bei mir für Der Name der Rose ein Referat über Jorge Luis Borges halten; danach habe ich mal ein Buch von ihr geschenkt bekommen. (Coco, melden Sie sich doch mal. Ich kriege immer nur mit, wenn irgendwo ein Stück von Ihnen aufgeführt wird.)
Ich erinnere mich auch deshalb an sie, weil mir eine Note für sie viel Sorgen gemacht hat. Es ging um Der Name der Rose (war aber nicht die Klasse mit den Referaten), und damals gab es noch einen Aufsatz, den die Schüler zu Hause schrieben, und der wie eine der anderen drei regulären großen Prüfungen – „Schulaufgaben“ – gezählt wurde. Später wurde das dann abgeschafft; ich weiß selber nicht warum – diese Aufsätze machten den Lehrern viel Arbeit, aber das kann es ja nicht gewesen sein. Eher der immer wieder zu hörende Vorwurf, es seien die Eltern, die die Texte schrieben.
Ich mochte diese Arbeiten jedenfalls immer, es waren die ersten längeren selbstständigen Arbeiten in der Oberstufe, noch vor der Facharbeit, und man übte darin bereits korrekte Gliederungen, Zitiertechnik und Bibliographie.

Nur dass mir diese Schülerin dann ein wunderschönes Werk präsentierte, das nur eben keine literarische Erörterung war, keine Zitiertechnik demonstrierte und auch sonst an den Angaben vorbeischrammte:

Gelblich geflecktes, mit Lederband zusammengebunden; die Ränder mit der Kerzenflamme angesengt. Das Bild oben ist nur eine eingefärbte Schwarzweißkopie. Inhaltlich schon auch etwas lyrisch, aber gut gemacht. Nur eben nicht das, was es hätte sein sollen.
Die Note in der 11. Klasse war ja tatsächlich nur Rückmeldung und zählte zu nichts. Schweren Herzens und voller sicher nicht ausreichender Erklärungen habe ich als Kompromiss eine 4 gegeben. War das richtig?

Viel geschadet habe ich sicher nicht. Corinna scheint es gut zu gehen, sie studiert und schreibt und veröffentlicht und kriegt auch schon Preise.

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One thought to “Aus meiner Vergangenheit”

  1. Hihi, so eine Idee hatte ich auch mal als Schülerin, zum Glück hat sie mir jemand rechtzeitig ausgeredet.
    Eine 4 finde ich okay. Immerhin hat sie Herzblut investiert.

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