Inzell 2010

Die Schülerinnen und Schüler unserer 7. Klassen fahren am Anfang des Schuljahrs immer für eine Woche ins Sportcamp Inzell. Als Klassleiter einer 7. Klasse war ich diesmal auch wieder dabei.

Tag 1:
Anfahrt, Hütten beziehen, Mittagessen. Ein paar Schüler sprangen ins Schwimmbecken:

Danach Wanderung nach Inzell und zurück, abends Disco, organisiert von der Heimleitung. Selber sehr müde abends.

Tag 2:
Vormittags Rhönrad und Airtramp. Rhönrad sieht so aus, wenn es Schüler machen:

Und so, wenn ich im Rad hänge:

In der anderen Hälfte der Turnhalle Airtramp:

Je eine Seite des Quadrats versucht dabei, den Ball mit den Füßen über den Rand der gegenüberliegenden Seite zu bringen.

Danach Wanderung auf die Bäckeralm, eine Abkürzung hinauf – Abkürzung im Sinne von: da kommt dann irgendwo der Weg. Die Alm war noch offen, die Schüler vertilgten appetitlich Kaiserschmarrn und Käsebrote (mit Almkäse). Auf dem Rückweg großes Interesse der Schüler daran, die Kühe auf der Weide zu streicheln. Abends Spiel ohne Grenzen (wieder von dort organisiert), mit den Lehrern als Punktrichtern: Team-Aufgaben im Zirkeltrainingsformat in der Turnhalle.

Abends schon wieder müde, also ich jedenfalls.

Tag 3:
Vormittags ein wenig Nieselregen. Programm: Sport im Dorf. Beim Biathlon liefen die Schüler immer abwechselnd eine Runde ums Dorf und schossen dann mit Laserwaffen – keinen futuristischen, sie sahen aus und waren ähnlich zu bedienen wie herkömmliche Sportwaffen – auf Zielscheiben. Liegend, ohne Aufstützen. Danach gab es als Angebot: Bogenschießen, Hi-Ball, Kletterturm, Tennis. (Fotos davon in älterem Beitrag.) Noch mehr Rhönrad. Oder einfach einen Ball nehmen und irgend etwas damit spielen. Slackline, Beachvolleyball Lehrer gegen Schüler.
Abends dann eine geführte Nachtwanderung: die hat mich richtig wach gemacht. Es war stockdunkel. Sechzig Schüler, die meist nur den Vordermann sehen können, und nicht immer das. Und dann durch den Wald, vermutlich schon auf Wegen, aber wer weiß das nachts so genau? Die Anweisungen lauteten zum Beispiel: „Fünf Meter geradeaus, dann an einer Esche links vorbei, drei Meter vor, dann spürt man im Boden ein Holzbrett, auf dem sollte man gehen, weil es daneben matschig ist. Dann kommt eine Holzbrücke, bitte aufpassen, da fehlen zwei Bretter am Boden.“ (Und sie fehlten auch tatsächlich.) Im Dunkeln ist das schon aufregend, und unsere Schüler fanden das auch aufregend, einige sogar zu aufregend. Es ging recht stockend, weil die Verbindung zum Vordermann immer wieder abriss, und man nachts schon sehr vorsichtig ist, wo man seine Füße hinsetzt.
Aber danach war ich jedenfalls hellwach.

Tag 4:
Eine Ganztagswanderung auf den Rauschberg, Lunchpakete dabei. Die Schüler mit gutem Schuhwerk und ohne Erkältung, die hinauflaufen wollten – fünfzehn Leute etwa – stiegen die tausend Höhenmeter nach oben, der Rest fuhr mit der Seilbahn. Durch den Nebel kommend war das ein toller Anblick oben:

Wir Berghinauffahrer (das ist ähnlich wie Warmduscher) wanderten oben aber auch noch mal drei Stunden bis zu einem kleinen Gipfel und zurück. Da, auf dem Bild rechts oben:

Runter liefen dann wieder fast alle. Ich kriegte tatsächlich etwas Farbe ins Gesicht.
Abends Disco. Ich immer noch wach.

Tag 5:
Hüttenabnahme nach dem Frühstück, dann Heimfahrt. Einziger Programmpunkt dabei war der Besuch des Salzbergwerks Berchtesgaden. Hat mir sehr gut gefallen, seit meinem letzten Besuch sind einige Punkte dazu gekommen. Höhepunkte: die ziemlich flotte Einfahrt mit einer kleinen Grubenbahn durch enge Gänge, die Rutschen, mit denen man schnell nach unten kommt, die Fahrt über den Spiegelsee. Unser Führer war sehr gut, und die Schüler stellten gute Fragen.


Soviel zum Programm. Diesmal war beeindruckend viel Wandern dabei, wenig Hallensport, wenig organisierter Sport überhaupt. Jetzt ein paar persönliche Anmerkungen.

  1. Wenn es den Schülern gefällt, gefällt es auch den Lehrern. Das hängt bestimmt sehr vom Wetter ab; ich habe glücklicherweise noch nie eine verregnete Sportwoche erlebt. Das hängt aber noch mehr von den Schülern ab: es gibt nette und weniger nette Gruppen, freundliche und weniger freundliche, offene oder geschlossenere, alberne und ruhige. Unsere waren diesmal sehr freundlich und sehr brav, trotz kleinerer Ausrutscher. Aber ich bin stolz auf meine Schüler und empfinde es als ein Privileg, wie es der Kollege ausdrückte, ihnen in Inzell zuschauen zu dürfen. (Vermutlich zeige ich das nicht sehr, ich bin da eher etwas reserviert.)
  2. Warum ich das mit dem Müdewerden so oft geschrieben habe: ich schlafe gerne viel und werde ungerne, aber verlässlich, ab zehn Uhr abends sehr müde. In Inzell stehe ich zwar später auf als zu Hause, komme aber auch später ins Bett, und die Tage sind dann doch sehr anstrengend. Ich war beim Wandern dabei, habe Slackline ausprobiert und Bogenschießen (nach fünfundzwanzig Jahren Pause), eine Runde Volleyball auf dem Sandplatz habe ich auch gespielt. Zwei Tage habe ich gebraucht, um mich umzustellen, dann ging das abends. Nach zehn sollten die Schüler auf den Hütten sein, irgendwann später sollte dann das Licht aus sein, und irgendwann danach sollte dann auch wirklich jeder schlafen – und das heißt, dass die Lehrer recht lange aufbleiben und immer wieder nach dem Rechten schauen: regelmäßige Rundgänge. Manchmal gibt es etwas zu schmunzeln, wenn müde Fünftklässler vorbeikommen und nicht wissen, was sie tun sollen, wo doch einer bei ihnen im Zimmer so schnarcht.
  3. Das heißt jedenfalls, dass man mindestens von zehn bis zwölf Uhr nachts zusammensitzt und nicht viel zu tun hat. Man, das hieß in diesem Fall, ich und vier Sportlehrer. Und um uns herum an anderen Tischen Sportlehrer anderer Schulen. Das sind eigentlich ein bisschen viel Sportlehrer für mich, sagen wir mal so. Mit den Kollegen aus meiner Schule habe ich Glück gehabt, angenehme Zusammenarbeit, gute Stimmung. Aber das waren auch keine typischen Sportlehrer… womit ich bekenne: ja, ich glaube an typische Sportlehrer. Ich war auch schon mit typischeren Sportlehrern in Inzell. Sie sind etwas lauter als andere Lehrer. Spielen Mäxchen, jubeln ausgiebig, trinken Bier, erzählen Witze. Auch im Schulalltag glaube ich ein gewisses eigenes Verhalten zu erkennen. An sich nichts dabei, aber eben weniger meine Art. (Sportlehrerinnen sind manchmal anders, und natürlich sind ohnehin nicht alle Sportlehrer so. Aber genug für mein eigenes kleines Vorurteil. Über Deutsch- und Informatiklehrer habe ich natürlich auch eins.)
  4. Überhaupt, die Lautstärke. Ich habe schon mal über Geschrei im Sport geschrieben. Ich mag keine Massenauftritte, ich mag kein Geschrei. Auch nicht, wenn man gewonnen hat. Gehört zum Sport dazu, höre ich dann immer wieder. Ja, ja, erzählt das Gottfried von Cramm. Nein, das gehört nicht zum Sport dazu, das ist rein kulturell ausgemacht, dass man in bestimmten Ländern bei bestimmten Sportarten grölt und bei anderen nicht.
  5. Trotzdem glaube ich, dass Sport an der Schule eine sinnvolle Einrichtung ist. Soweit habe ich mich inzwischen durchgerungen, nachdem der Sportunterricht für mich als Schüler völlig für die Katz war, ebenso wie der Musikunterricht. Wie in anderen Fächern kann man natürlich immer noch etwas verbessern.
  6. Wenn es auch den meisten Schülern gut gefallen haben wird, gab es natürlich auch altersgemäße Dramen. Aber nach dem Wochenende ist hoffentlich alles wieder gut. Als Parole schlage ich vor: Was in Inzell geschieht, bleibt in Inzell. (Kommt eigentlich von „What happens in Vegas stays in Vegas.“ Der Vergleich Inzell-Las Vegas gefällt mir.)

19 Antworten auf „Inzell 2010“

  1. „Rule No. 743: What happens in Vegas only stays in Vegas until it winds up on YouTube.“
    (tweet von TheRules, via Anke Gröner)
    Gab/gibt es damit Probleme, mit den „neuen Medien“?
    Vielen Dank für’s anschauliche Berichten. An meiner Schule gibt es leider keine „alle X. fahren…“. An der meiner Kinder fährt man gleich zu Beginn der 5. für drei Tage (toll zum Kennenlernen), außerdem fahren alle 7. ins Kleinwalsertal zum Skifahren, auch blutigste Anfänger kommen begeistert wieder. Also lohnt der Einsatz der schlaflosen Stunden… gute Erholung!

  2. Neue Medien: nein, keine Probleme. Aber der Chef dort hat Gruselgeschichten von anderen Klassen erzählt; manchmal gibt es durchaus Fälle. Aber unsere Schüler waren sehr korrekt. Handys hatten die meisten dabei, mp3-Spieler auch, einige wenige Schüler vertieften sich manchmal sehr in ihren Nintendo DS.
    Wir raten von Handys ab – sind dort auch nicht versichert – aber natürlich nehmen Schüler sie mit.

    (Neuentwicklung seit meiner letzten Fahrt: im Bus werden Lieder per Bluetooth getauscht. Gar nicht so unkommunikativ.)

  3. Schöner Bericht! Wetter schöner, Sportlehrer anscheinend weniger „typisch“ Sportlehrer, Schüler interessierter. Tolle Fotos von der Wanderung über den Wolken! Zum Thema Wachbleiben: ich hab mich von Mäxchenspielen etc ab Mitternacht ausgeklinkt (das hat den geselligeren Sportlehrern nicht so sehr gefallen), hab dann nochmal eine Abschlussrunde durch die Blockhäuser meiner Mädels gedreht und für Ruhe gesorgt und bin dann in mein Bett gefallen. Eine Runde geschlafen, damit ich um 4 Uhr nachts beim leisen und zaghaften Klopfen von besorgten Schülerinnen auch gleich wieder hellwach sein konnte..eine Hütte voller Aufgaben Richtung Magen, Darm, Hals, Herzschmerz. Wir begleitenden Kollegen waren uns nicht einig darüber in welcher (schulrechtlichen) Verpflichtung wir Lehrer stehen was die nächtlichen Kontrollgänge anbetrifft..Gibt’s da eine Ideallösung?

  4. Es war echt cool in Inzell! Am besten fand ichs, dass wir unsere eigenen Blockhütten hatten, auch wenns da manchmal Streit gab. Wandern war eigentlich auch ganz ok. :)

  5. Schön beschrieben – danke, Herr Rau – und interessant, das Ganze aus Sicht eines Nicht-Sportlehrers berichtet zu bekommen :)! Spricht mir aus der Seele!

  6. Danke für die Bilder und die vielen Worte. Hat mich gerade wieder ein bisschen in die fünfte Klasse zurückversetzt und die Erinnerungen an Inzell sind doch eigentlich ganz nett. :)

  7. Kein Kommentar zu Inzell sondern ein aktueller Programmtipp heute abend 3sat/nano:
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    Geschichte der Schule: Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Preußen das Schulwesen revolutioniert. Die bisher privat oder kirchlich betriebenen höheren Schulen nahm der Staat selbst in die Hand. Es entstand ein effizientes Schulsystem, das weltweit seinesgleichen suchte. Nur die besten Köpfe sollten es bis zum Abitur schaffen. Den wenigen exzellenten Gymnasien standen Tausende von erbärmlichen Volksschulen gegenüber, die Kluft dazwischen blieb jedoch gewaltig. Denn weder im Schulsystem noch in der Gesellschaft gab es damals eine Mittelschicht. War das Schulsystem anfangs auch ein Erfolgsmodell, so ist es heute stark reformbedürftig.
    und: Vision einer guten Schule – Der Pisa-Schock brachte die Bürokratie ordentlich auf Trab. Die von Bundesland zu Bundesland ganz unterschiedlichen Lehrpläne sollten durch gemeinsame Bildungsstandards einheitlicher werden. Doch trotz der Standards sind die Lerninhalte immer noch verschieden. Dagegen hat sich an der Basis einiges getan: Schon 10 Jahre vor dem Pisaschock ist das Netzwerk „Blick über den Zaun“ entstanden und ist seitdem von 20 Schulen auf 110 angewachsen. Schulen, die sich gegenseitig besuchen und sich helfen, Schwächen auszubügeln und von den anderen Schulen gute Ideen abgucken.
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    Gibt es später bestimmt auch online.

  8. Nächtliche Kontrollgänge: ich denke, wenn die Schüler schlafen, dann sind keine weiteren Gänge nötig. Wecker stellen für halb vier kann man eh nicht verhindern. Man sollte nur vorher gesagt haben, dass sie nachts in den Hütten bleiben müssen und schlafen sollen. Aber wie das rechtlich genau aussieht, weiß ich nicht. Das hängt auch vom Alter ab, und wie sehr es Anzeichen für Unruhe gibt.

    Nachtrag: Feuersalamander haben wir gesehen, gleich mehrere. Gitarren hatte meine Klasse auch zwei Datei, die Jugend von heute ist also noch nicht verloren. Und die grob fahrlässigen Sachbeschädigungen hielten sich in Grenzen, mutwillige waren keine dabei.

  9. Ich war in der gleichen Woche mit unseren 13ern auf Studienfahrt. Schon von der Klientel her also kaum vergleichbar. Aber eins fiel mir gleich auf und ließ mich schmunzeln: Die 2 bis 3 Stunden zwischen dem Zeitpunkt, an dem man selbst gern schlafen gehen würde, und der Kontrollrunde durch die Zimmer machten auch mir zu schaffen. Ein paar Mal nickte ich weg und der mitgenommene letzte Wallander war auch wenig geeignet, mich wach zu halten…

  10. Sehr schöner Artikel!
    Aus Interesse: Was sind denn die Klischees über Deutsch- und Informatiklehrer?
    Wär das nicht mal einen eigenen Blogeintrag wert? „Fächer und ihre Lehrerstereotypen“ :)

  11. @ Moe: Au ja! Oder lieber doch nicht? Bestimmtl würde das ein Blogeintrag mit vielen Kommentaren werden. On verra.

  12. Deutschlehrer können sich nicht kurz fassen, Mathelehrer nicht lang. Informatiklehrer gibt es in zwei Arten, die Elektrobastler mit Bärten und die anderen. Mehr fällt mir im Moment nicht ein. Vielleicht sammle ich tatsächlich mal meine Erkenntnisse.

  13. @ der Clownfish: noch ein interessanter Lehrerblog. Was man alles findet, wenn man mal einen ganz lockeren Stundenplan mit wenig Stunden hat ….(bin bekennende „Teilzeittussi“ ;-)

    Den beschriebenen Lehrererklärreflex kann man sich ganz gut behandeln lassen indem man sich seinen pubertierenden -eigenen!- Kindern stellt. Die sind nämlich in der Hinsicht absolut gnadenlos.. gnadenloser als jeder Kollege, Freund, Ehepartner…und das wirkt tatsächlich als Gegenmittel.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie einen Erziehungsberater und befragen Sie andere Eltern und einen Psychologen..

    Ich selbst lasse mich übrigens sehr gerne belehrern. Also Kollegen und Kolleginnen, bin weiterhin froh über euer Wissen. Dürft mir weiterhin Dinge erklären, in die ich als reine Fremdsprachlerin keine oder nur rudimentäre Einblicke habe. I love it. J’adore. Mi piace.

  14. @ Herr Rau. Erdstrahlenfreie Webseite? ?? ??
    Soll ich deinen Lehrererklärreflexnerv kitzeln, oder lass ich es lieber bleiben?

  15. @Barbara, jüngst vermittelter Periodensysteme eingedenk (reflexhafte Erinnerung): du willst das vermutlich gar nicht so genau wissen. Ein gut gemachter Spoof halt.

  16. Schon verstanden, mein liebes Belzebübli ;-). Spoof war mir neu. Wie gesagt, meine klugen Kollegen….

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