Wochenrückblick

Am Dienstag war ich den ganzen Tag auf Fortbildung, danach mit den Fortbildnern noch auf ein Bier weg. Richtig viel gelernt habe ich nicht viel, aber mit anderen Lehrern geredet, das ist was wert. Tatsächlich neu war mir: die Kontaktformulare auf unserer Homepage dürften eigentlich nur verschlüsselte Mails verschicken. Das Verschlüsseln von Mails ist technisch ganz wenig aufwendig (mit OpenPGP, auch mit Thunderbird-Plugin), aber wenn die verschiedenen Empfänger das bei ihrem Programm nicht eingerichtet haben, funktioniert der Empfang nicht. Selber nutze ich die Verschlüsselung deswegen auch nicht, obwohl alles Nötige installiert ist.

Der Donnerstag gestern war dann ein sehr langer Tag. Zuerst eine Besprechung in dem einen Büro. Dann eine Besprechung mit anderen Leuten in einem anderen Büro. Dann vier Stunden Unterricht. Praktisch an der Doppelstunde Deutsch in der Q12: die anderen Kurse liegen parallel, und da meine Kurse etwas zum Vorzeigen hatten und ein Parallelkurs auch, haben wir uns gegenseitig besucht. (Fotos folgen.)
Nach der Mittagspause noch einmal drei Stunden Unterricht, so dass ich um viertel nach vier fertig war.
Und danach wiederum war Klassenelternabend: ab halb sechs bekamen die einen, ab halb sieben die anderen Jahrgangsstufen eine Stunde Einführung. Ab halb sieben beziehungsweise halb acht waren die Eltern dann in den Klassenzimmern ihrer Kinder und alle Lehrer stellten sich vor. Die meisten davon versuchten erfolgreich, sich kurz zu fassen, trotzdem hat das bis zehn gedauert.
Nach einer etwas angestrengten Diskussion im Plenum waren die Klassensitzungen, die ich mitgekriegt habe, dann durchweg angenehm; ich hätte gerne noch mit den Eltern geplaudert und mich für ihre Sicht vieler Dinge interessiert, aber es war halt schon spät.

(Ich habe den Eltern auf Wunsch meine E‑Mail-Adresse gegeben und dabei ganz automatisch meine Privatadresse verwendet, da die von der Schule zur Verfügung gestellte Adresse für mich etwas umständlich zu benutzen ist. Mitten im Schreiben fiel mir auf, dass die vielleicht ein wenig zu pompös ist: himself AT vornamenachname PUNKT de. Aber die habe ich seit zwölf oder dreizehn Jahren.)

Um elf Uhr war ich zu Hause, noch schnell ein Fundstück Käse gegessen und zwei Löffelchen Sauerrahm, mehr war in der Schnelle nicht aufzutreiben.

14 Antworten auf „Wochenrückblick“

  1. Den kurzen, aber netten Austausch unter Kollegen auf der Heimfahrt erwähnst du nicht. Kleine “Dienstbesprechung” im Auto also auch noch in den Tag gepackt..

  2. Ja, das war auch noch schön. Kollegin barbara hat mich mit dem Auto mitgenommen und mit mir geplaudert.

    (Habe gehört, dass es nicht bei allen Klassen so harmonisch war. Wäre gerne da und dort dabei gewesen, wo ich doch auch gerne meinen Senf dazu gebe und mich einem deutlichen Meinungsaustausch nicht immer verschließe.)

  3. Meinungsaustauch, ja, zum Beispiel darüber, ob man dem gestrigen Ansinnen der Eltern nachgeben solle, unsere E‑Mail-Adressen zu veröffentlichen. Ich selber mach das ja durchaus auch, allerdings mit der Maßgabe, dass dies organisatorischen Zwecken dient, nicht um das persönliche Gespräch in Sprechstunden zu ersetzen. Genau das aber wollen manche Eltern anscheinend. Wenn Eltern anfangen mich zuzutexten, weil sie mit einer Note ein Problem haben, dann wird’s erstens auf diesem Weg keine Antwort geben, außer, dass meine Sprechstunde dann und dann ist und zweitens wird es in Zukunft ganz garantiert niemals nicht eine E‑Mail-Adresse von mir geben und meine Telefonummer lasse ich dann auch aus dem Telefonbuch nehmen.
    Theoretisch und praktisch würde dann jede schriftliche Äußerung zu einer schulpolitisch oder (schul-)rechtlich verwertbaren Aussage umdefiniert werden können. Im Fach Deutsch reichen schon die Aufsatzbemerkungen als Gelegenheit zum Einhaken, wenn man sozusagen auch noch E‑Mails als Ergänzung heranziehen muss, um einen konkreten Zusammenhang oder Fall (als Fachbetreuer auch bei Kollegen) beurteilen zu können, dann Gute Nacht!
    Natürlich sind die meisten Eltern gar nicht so, manche aber schon.

  4. Ach die Schulregularien. Bei den verschlüsselten Kontaktformularen fällt mir wieder ein, dass wir eigentlich auch keine schülerbezogenen Daten (Anwesenheitsliste, Notenliste etc.) auf dem heimischen Rechner haben dürfen, wenn dieser ans Internet angeschlossen ist, oder?

  5. Das dürfte von Bundesland zu Bundesland verschieden sein; Hessen ist da, glaube ich, besonders realitätsfern. Aber ich müsste immerhin alle digital gespeicherten Schülerdaten ein halbes Jahr nach dem Ende des jeweils Schuljahres löschen – Noten, Schulaufgabenkommentare, Listen aller Art.

  6. Die Sache mit der schwierig zu nutzenden Dienst-Emailadresse geht gar nicht. Ich finde es offen gestanden völlig befremdlich, dass nicht alle Lehrkräfte ganz selbstverständlich für die Eltern per Mail zu erreichen sind. Das hat den Vorteil, dass auch schulinterne Mailkommunikation deutlich erleichtert wird: Bei uns hat jeder Lehrer eine Mailadresse der Form kürzel@schulname.de. Die Fachschaften haben dann z.B. fs-deutsch@schulname.de. Steuergruppen etc. dito. Die Mails sind wahlweise per Webfrontend oder über IMAP abrufbar. Technische Grundlage: BRN-OX. Das sollte mal Schule machen.

  7. Die Grundlagen für Dienstadressen haben wir schon auch. Aber im Prinzip nur über Webzugang – das reicht vermutlich vielen Kollegen, aber ohne IMAP oder wenigstens POP3 fange ich gar nicht an. Schulinterne Kommunikation… manchmal wird sie dadurch auch erschwert, je nachdem, wie vertraut alle mit der Technik sind.

    Aber das grundsätzlichere Problem ist das, wie mit Lehreradressen umgegangen werden soll. Wir fangen gerade an, das zu diskutieren. Das ist zusätzliche Arbeit für Lehrer, je nachdem, wie das genutzt wird. Der Lehrer muss die Mails dann regelmäßig lesen, muss sie auch beantworten. Innerhalb angemessener Zeit. Bei kurzen Anfragen und zum Informationsaustausch: sehr praktisch. Aber Diskussionen per Mail dürfte es nicht geben – ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut gehen würde.

  8. @ tobias

    Neulich fragte mich eine Elterin ganz ungeniert nach meiner Handynummer. Erstens habe ich kein Mobiltelefon und zweitens stehe ich nur ganz wenigen Menschen und aus besonderen Gründen 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Schülereltern, Kollegen, Schüler gehören definitiv nicht dazu. Dies gilt auch für die E‑Mail-Kommunikation. Meine Arbeitsbelastung schwankt zwischen 45 und 60 und mehr Stunden pro Woche (und komme mir da niemand mit dem dummen Geschwätz, ich würde etwas falsch machen), da muss ich mir nicht auch noch einen fünften Briefkasten aufmachen…
    Bei der schulinternen Kommunikation gibt es bei uns entschieden zu viel Wildwuchs mit zu vielen Programmen, jeweils eigenem Passwort und unklaren Prioritäten und Prozessen. Gleichzeitig sitze ich Woche für Woche meine Sprechstunden ab, zu denen kaum jemand erscheint, dessen Auftauchen wirklich erforderlich oder hilfreich wäre.

  9. @Beelzebub Bruck: Doch, ich finde, da machst du etwas falsch. Rechnest du auch die Ferien ein? Wie hoch ist die Jahresgesamtarbeitszeit? (In BaWü haben wir diesbezüglich eine Vorgabe von 1804 Zeitstunden – die Buchführung diesbezüglich hilft ungemein.)
    Ich finde es völlig ok, seine Handynummer nicht weiterzugeben. Aber eMail-Kommunikation lässt sich vermutlich nicht mehr verweigern. Zumal du ja viel besser als mit anderen Medien steuern kannst, wann und wie du antworten willst. Auf eine Diskussionsrunde per Mail sollte man sich z.B. tatsächlich nicht einlassen.
    Viele Grüße
    :-) Dirk

  10. An der Tatsache, dass wir uns per E‑mail schon wieder eine Kommunikation aufzwingen lassen, bei der schon allein wegen der möglichen Masse nicht der Empfänger, sondern die Absender die Bedingungen bestimmen, kommen auch die Lehrerbefürworter der E‑Mail-Kommunikation nicht vorbei.
    Und wie in anderen Bereichen gilt auch hier: Macht man erstmal diese Tür auf, wird man gezwungen das Zeug zu lesen, höflich zu beantworten und sich ein paar nichtssagende Formulierungen einfallen zu lassen.
    In der aktuellen Diskussion um Elternforderungen wird immer wieder unterschlagen, dass unser Auftraggeber gerade nicht der konkrete Steuerzahler ist, sondern eine gewählte Regierung. Dieser ist ein Beamter Rechenschaft schuldig, den Eltern schuldet man lediglich Auskunft. Wenn wir aus jeder Note ein Stuttgart 21 machen, können wir gleich das imperative Mandat der Elternschaft einführen. (OK ist verkürzt gedacht, aber man versteht mich schon.)

  11. Ich verstehe dich schon, stimme aber nicht zu. Mit derselben Argumentation haben viele Lehrer seinerzeit bestimmt auch die Herausgabe der Telefonnummer abgelehnt: Sollen die Eltern sich doch über das Sekretariat in meiner Sprechstunde anmelden (ich habe das aufgrund meiner späten Geburt nicht selbst erlebt)! Heute ist die Telefonnummer für die meisten Lehrer gar kein Problem, denn die meisten Eltern halten sich auch an vernünftige Regeln – ich denke, spätabends kann kein Elternteil erwarten, dass man einen Anruf ganz selbstverständlich entgegennimmt.
    Wir schulden den Eltern in der Tat Auskunft – warum nicht per Mail? Das ist in vielen Fällen sogar auch für die Lehrer ein einfach zu handhabender Kommunikationsweg.
    Ich gebe schon seit Beginn meiner Tätigkeit vor 14 Jahren meine eMail-Adresse an den Elternabenden heraus. Inzwischen haben wir eine Schul-Adresse, die ich weiterleiten lasse an eine private Adresse. Sooo häufig sind Elternanfragen nicht. Meist geht es auch um Kleinigkeiten. Und wenn sie tatsächlich mal nicht kurz zu beantworten wären, hätte ich auch keine Scheu, den Eltern per Mail Terminvorschläge für ein persönliches Gespräch zu machen.

  12. @Dirk
    So wie du das hier darstellst, erfahre ich das derzeit auch noch. Das heißt aber eben nicht, dass das so bleibt. Denn: was für eine Kommunikation da dann abläuft, bestimmen eben nicht wir oder die zahlenmäßig mehrheitlich vernünftigen Eltern.
    Es gibt an unserer Schule mehrfache Belege für gutgemeinte Dialogangebote, die mittlerweile immer wieder entgleisen. Und es gibt zahlreiche Kollegen, die mit gutem Grund weder ihre Telefonnummer weitergeben, noch im Telefonbuch stehen.

  13. Man kann das auch noch von einer anderen Seite sehen: Dadurch, dass wir (Schulleitung) Information an unser Kollegium zunehmend nur noch per Mail rausgeben (und ihnen selbstredend auch die notwendige Infrastruktur bieten; d.h. es stehen z.B. genügend Rechner rum, dass nie jemand anstehen müsste), entbinden wir sie von der Aufgabe, ständig am schwarzen Brett nach den neuesten Zetteln suchen zu müssen. In unserem Kollegium sind viele junge Mütter, die Teilzeit arbeiten, einige davon nur an zwei Tagen in der Woche. Die sind sehr froh drum, dass wichtige Info nicht an ihnen vorbeifließt, nur weil sie z.B. ab Mittwoch Nachmittag nicht mehr in der Schule sind.

    Und ja: Wir geben die dienstlichen Mailadressen auch an die Eltern raus. Maßgabe der Schulleitung ist, dass mind. alle 2 Tage Mails gelesen werden müssen. Wie der Lehrer auf eine Elternmail reagiert (Mailantwort, Zettel ans Kind, Brief übers Sekretariat, Rückruf, …) ist ihm selbstverständlich selbst überlassen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase fanden die Lehrkräfte das zum größten Teil angenehmer, als z.B. während der Pause ans Telefon gebeten zu werden, was vorher regelmäßig vorkam.

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