Sprachliche Bilder 2: Metonymie und Symbol

Im ersten Teil ging es um Vergleiche und Metaphern: dabei werden zwei Dinge miteinander verglichen, weil das eine eine Eigenschaft oder eine Reihe von Eigenschaften mit dem anderen teilt. In diesem Teil will ich nur kurz zwei andere Arten von Bildern nennen.

Die Metonymie

Auch hier geht es um ein Bild: man sagt das eine und meint etwas anderes. Anders als bei Vergleich und Metapher haben das Gesagte und das Gemeinte keine gemeinsame Eigenschaft, sondern sie haben unmittelbarer etwas… etwas miteinander zu tun. Am häufigstens ist das in der Form des pars pro toto: man nennt das Teil (einer Sache) und meint aber die (ganze) Sache.

Fünf Schwerter für die Freiheit ist der deutsche Titel eines Films, auch als Peking Opera Blues bekannt. Darin geht es aber gar nicht um fünf geheimnisvolle Schwerter, sondern um fünf Helden, die gemeinsam gegen Schurken kämpfen. Die Helden benutzen Schwerter, okay, aber sie sind keine. Man nennt also einen Teil von ihnen, meint aber das Ganze. Fußnote: natürlich könnte man Schwert auch als Metapher verwenden für jemanden, der lang und dünn ist, oder biegsam und doch fest, der sich benutzen lässt und verletzen kann und so weiter.

Die Schul-Standardbeispiele für Metonymie sind neben dem pars pro toto:

  • Ort statt Institution: „Einspruch aus Karlsruhe“ (gemeint: Bundesverfassungsgericht)
  • Autor statt Buch: „Bringt morgen den Shakespeare mit.“ (gemeint: Lektüre)
  • Behälter statt Inhalt: „Ich hab nur eine Packung gegessen!“ (gemeint: Inhalt der Packung)

Etwas poetischer ist Gottfried Benn in „Nachtcafé“:

Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

und:

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

In diesem Gedicht reduziert der Sprecher die bezeichneten Personen auf ihre Musikinstrumente (gemeint sind die Musiker in der Bar) beziehungsweise ihre körperlichen Missbildungen (gemeint sind die paarweise auftretenden Gäste).

Auch im bekannteren „Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“ sind viele Metonymien:

Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.

Hier reduziert der Sprecher – wohl ein Arzt – die Patientinnen auf ihre Erkrankung.

Manchmal mischen sich die Bilder auch. Bei „Rübennase“ als Beleidigung ist die Rübe metaphorisch (Nase sieht aus wie eine Rübe: runzlig, groß), die Nase selber metonymisch. Wenn das Quecksilber steigt, meint man damit die Temperatur: metonymisch, da mit dem Quecksilber die Temperatur gemessen wird. Allerdings enthalten Thermometer schon lange kein Quecksilber mehr, und ähnlich ist es mein Zelluloid, das man sagt, wenn man Film meint: der ist schon seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr aus Zelluloid.

Das Symbol

Anders als bei Vergleich und Metonymie ist bei einem Symbol: die Beziehung zwischen Gesagtem und Gemeintem willkürlich, meist kulturell festgelegt.

Eine Taube steht für Frieden. Warum? Ist halt so.
Ein Fisch steht für Christentum. Warum? Ist halt so. (Jaja, weiß schon.)
Ein Herz steht für Liebe. Warum? Ist halt so.
Schwarz steht für Trauer. Warum? Ist halt so. In unserer Kultur jedenfalls, anderswo steht Weiß für Trauer.

Diese Definition von Symbol ist allerdings eher die sprachwissenschaftliche. In der Literaturtheorie wird so ziemlich alles Symbol genannt, was zusätzlich zur normalen Bedeutung eine weitere Bedeutung für die Geschichte hat. Das grüne Kaninchenfutter am Schluss von Borcherts „Nachts schlafen die Ratten doch“ ist einmal wirklich nur grünes Kaninchenfutter (also keine Metapher oder Metonymie), gleichzeitig aber ein Symbol für Hoffnung. Der Falke in Boccaccios Falkennovelle ist einmal wirklich ein Falke (also keine Metapher oder Metonymie), gleichzeitig aber ein Symbol dafür, dass der Ritter bereit ist, alles zu opfern. Das Perspektiv – ein Vorläufer des Fernglases – in Hoffmanns „Der Sandmann“ ist einmal wirklich eines, aber gleichzeitig ein Symbol für die neue Sichtweise auf die Dinge, die Nathanael gewinnt. Diese Symbole können metonymisch oder metaphorisch oder keines von beiden sein.

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3 Thoughts to “Sprachliche Bilder 2: Metonymie und Symbol

  1. Für die Metonymie ist mir als erstes Beispiel der wunderbare Clip „Imbissbuden-Deutsch“ von Extra3 eingefallen – http://www.youtube.com/watch?v=cYH60NCCdLM

    In Lesson 4 heißt es „Sind Sie die Thüringer? — (Sprecher:) […] Achtung, sagen Sie nicht wer Sie sind, sondern was Sie wollen. — Ey nein, ich war das Schaschlick, und er ist die Pommes. — Aber Pils seid ihr beide!“

    Grüße aus den Staaten

  2. „Er ist die Pommes“ – schöne Metonymie. Den gleichen Clip habe ich schon mal auf einer Informatikfortbildung gesehen, da war mir das Metonymsiche gar nicht aufgefallen. Wie viel man doch rausholen kann.

    Das Herz: ah! Klar. Das erklärt auch die Ähnlichkeit von Pik und Herz beim Kartenspiel.

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