Bloggen, Root Beer Zahnpasta, Homo faber auf Google Earth

Gerade etwas erschöpft von allem. Letzte Woche 7 Zusatzstunden gemacht, diese Woche nur eine. Mit G9-Abitur und so ist gerade viel los.

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Root Beer mochte ich schon vom ersten Schluck an, als ich zehn Jahre alt war. “Schmeckt nach Zahnpasta”, war die erste Reaktion und einhellige Beschreibung des Getränks in meiner Familie. Aber Geschmäcker ändern sich, vor allem in der Zahnpastenmode. Es hat zwanzig Jahre gedauert, wieder eine Zahnpasta zu finden, die – diesmal eben andersherum – nach Root Beer schmeckt. Frau Rau, der ich herzlich danke, auch für die zwei Extratuben, hat sie entdeckt:


(blend-a-med natur frisch. Meereskraft mit Mineralien, übrigens.)

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Zu GoogleLitTrips habe ich schon mal geschrieben. Kurzfassung: auf Google Earth speichert man Markierungen für Handlungsorte, versehen mit Text oder Fotos, und kann sich so an einer Romanhandlung entlanghangeln. Der Q12-Kurs liest gerade Homo faber, und der Herr Faber reist nun wirklich sehr viel in diesem Roman, da bietet sich eine Veranschaulichung mit Karten an. Bei Lehrerfreund gibt es das schon fertig als schönes Unterrichtsmaterial zum Herunterladen. Ich habe lediglich die Blickwinkel zu den einzelnen Stationen geändert und meist näher an die Erdoberfläche gelegt – dann fährt die Kamera von einem Punkt zum nächsten tiefer über der Erde und man kriegt mehr die Reisendenperspektive mit.

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Leider ziehen die Rechner in der Schule nicht so recht mit, auch wenn Google Earth installiert ist. Aber irgendwo zwickt und zwackt es prinzipiell an Schulrechnern, egal an welcher Schule. Wenn man sich auskennt, kriegt man sie meistens auch dazu, das zu tun, was man als Benutzer will – wenn man weiß, welches Kabel wohin gehört, und wie man den Windows Explorer ohne Maus und Startknopf starten kann, und wenn man die Grafikkarteneinstellung anzupassen weiß und so weiter. Mit einer Kollegin in der S‑Bahn darüber gesprochen: muss sie eigentlich wissen, welches Kabel wohin gehört? Meine erste Reaktion: klar, weil, ist ja auch nicht schwer, Grundwissen und so. Aber dann habe ich nachgedacht. Und nein, muss sie nicht. In keinem vergleichbaren Beruf wird erwartet, dass der reine Computernutzer sich so weit auskennt. Wenn da im Büro etwas nicht funktioniert, wird die Technik gerufen. Bei uns erwartet man, dass der Lehrer das selber im Griff hat, oder der Systembetreuer, der aber auch nur ein Lehrer ist, das schnell mal repariert. Die IT-Ausstattung an Schulen ist nicht ausreichend – nicht so, dass man einen Computer als zuverlässiges Werkzeug nutzen kann. (Und das sage ich, auch wenn die Ausstattung an meiner Schule sicher überdurchschnittlich ist.)
Als Lösung sehe ich nur, aber erst in vielen Jahren, Schüler mit ihren eigenen Tablet-Rechnern im Klassenzimmer. Die Schule sorgt für eine Internetverbindung, alles andere liegt in der Cloud.

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Homo faber ist voll mit antiken Mythen, das sollen die Schüler in Referaten herausarbeiten und damit lernen, dass die griechische Antike eine der beiden Säulen unserer Kultur ist und überall Spuren hinterlassen hat. Die andere Säule ist eine orientalische Wüstenreligion, die hier viele Anhänger gefunden hat: das Christentum. Auch davon gibt es überall Spuren, im Kino etwa:


Kunsthistorikerin Lila: “Seit Jahren leite ich meine Stunde über christliche Ikonographie mit diesem Bild ein.”

– Angeregt dadurch ist mir wieder das Titelbild zu Uncanny X‑Men 136 eingefallen:

Das habe ich den Schülern gezeigt, zusammen mit zwölf anderen Titelbildern, die das gleiche Motiv zeigen. Kommt bekannt vor? In diesem Blogbeitrag, das noch längst nicht alle Titelbildvarianten zeigt, wird das Geheimnis gelüftet. Einige der Schüler haben das Orginal schon bei der Kursfahrt nach Rom gesehen.

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Was ich jetzt lieber machen würde: die alte Bodybuilding-Werbung von Charles Atlas umschreiben, so dass aus dem 98-pound weakling, der am Strand vom Muskelpaket verspottet wird, ein 98-page weakling wird, der nach hartem Training in der Lage ist, auch dickere und anspruchsvollere Bücher zu lesen, damit er dann am Strand die ehrfürchtigen Blicke der Mädchen auf sich zieht. Nachtrag: Das Atlas-Original ist ein 97-pound weakling, nur in der Rocky Horror Picture Show wird er als 98-pound zitiert.

Und ich habe eine tolle Idee für ein Gerüchte-Legenden-Entwicklungssystem für eine Fantasy-Computerspielwelt, das ich gerne umsetzen würde. Aber das zu beschreiben dauert länger.

10 Antworten auf „Bloggen, Root Beer Zahnpasta, Homo faber auf Google Earth“

  1. Das Computerproblem kenne ich natürlich auch. Heute bin ich dreimal umgezogen, bis ich endlich den Film gucken konnte. Im ersten Raum ging der Ton nicht, im zweiten das Bild nicht, im dritten ging zunächst gar nichts. Dann kam zum Glück unser toller Medienassistent, den zu haben ein Luxus ist, den wir alle schätzen. Der Name Assistent trifft es auch nicht im Mindesten, denn er macht alles alleine und super noch dazu. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das an Schulen ist, die so eine Person nicht haben. Soviel Entlastung kann kein Lehrer haben, um das ganze Netz in Stand zu halten.

  2. Abgesehen von den Rechnern, die nicht mitziehen ist das eine tolle Idee. Die Handlung einer Geschichte auf einer Karte verorten. Wäre es nicht auch denkbar, dass man die Orte von ihren Originalkoordinaten löst und um die Schule herum ansiedelt, um so das Reisen nachvollziehbar zu machen?

  3. Hallo, Thomas,
    mit dem Thema Root Beer provozierst Du schon wieder. Wenn auch noch eine Büchse Dr. Pepper dabei ist, kämen wir ins Geschäft… nur – was isst man da dazu…?
    Grüße, Bernhard.

  4. Was bei der verlinkten Cover-Galerie auffällt: Wenn sich die Ausrichtung des Körpers verändert (also der Kopf auf der linken Seite des Tragenden ist), dann ist man gleich verwirrt und empfindet das als unpassend. Geht zumindest mir so. Ob das nun an den anderen Covern liegt oder aber an der bestehenden Ikonographie, weiß ich nicht.

  5. Gibro, also die Entfernungen auf den Maßstab der Schulumgebung verkleinern und verorten? Oder äquivalente Orte suchen? Geht sicher beides.
    Dr Pepper trinke ich als Kuriosität. Schon auch gut. Aber mein Herz schlägt nur für Root Beer.
    Flint: gute Fragen für Kunstgeschichtler oder Psychologen. Oder liegt’s an der Leserichtung? Könnte alles in den Kunstunterricht.

  6. An meiner Schule in Italien gab es zwei Techniker, die für Schwierigkeiten dieser Art zuständig waren. In der Tat sollte man nicht alles auf die Lehrer abwälzen, allerdings wurde dort dann auch bei jedem Problemchen der Haustechniker gerufen. Ein bißchen Do-it-yourself schadet sicherlich auch nicht.
    Die Idee mit der Reisevisualiserung bei “Homo faber” finde ich ziemlich ansprechend, bei Regeners “Herr Lehmann” habe ich das auch mal eingebaut. Was macht ihr danach mit den Resultaten? Stichwort “Perspektivraum”.
    Generell finde ich “Homo faber” ein geniales Buch für den Deutschunterricht. Wird Frisch häufig bei euch an der Schule gelesen? Hier in den Niederlanden durften sich in diesem Jahr die Schüler beispielsweise an “Andorra” und “Biedermann” versuchen.

  7. Do-it-yourself… ich weiß nicht. Vor einem halben Jahr hätte ich das auch noch gesagt. Ich wechsle auch die Birnen am Tageslichtprojektor nicht selber aus. Aber ich schaue zumindest nach, ob Schüler die Batterien aus der Fernbedienung geklaut haben. Ich denke, alles Schülerstreichische müssen Lehrer können. Technikfehler als solche beheben: nein. Aber wer kann, der darf natürlich gerne.

    Ja, Max Frisch wird oft gelesen. “Biedermann” weniger, “Andorra” und “Homo faber” häufig. Letzteres gewinnt bei mir beim Wiederlesen.

  8. “Homo faber” wird für das Abitur 2013 ff (also nach dem Doppeljahrgangsabi) neue Pflichtlektüre in Ba-Wü, löst zusammen mit “Dantons Tod” und Peter Stamms “Agnes” den gefühlt ewig behandelten Schwerpunkt “Recht und Gerechtigkeit” (Kafka, Kleist & Co.) ab. Wer den Anfang von “Agnes” gelesen hat, ahnt, warum sie Walter F. zur Seite gestellt wird :) (und warum ein sonst in 10 oder 11 gelesenes Werk abiturrelevant wird wissen nur die Götter).

  9. Peter Stamms “Agnes” habe ich noch nicht gelesen. Was ist an der Erzählung so durchschlagend, dass sie fürs Abitur relevant ist?

  10. @Stefan: Entschuldigung, die Bemerkung bezog sich nicht auf die Qualität und ist wohl nur für KollegInnen in Ba-Wü nachvollziehbar. Wir sind konditioniert auf Suche nach Vergleichspunkten zwischen den Pflichtlektüren: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch/sprache/abitur/
    Der Anfang von “Agnes” erinnert halt sehr an Fabers Anschauen der Filmrollen mit der toten Sabeth:
    1. Satz, 1. Seite: “Agnes ist tot.” 1. Satz, 2. Seite: “Ich schaue mir – ich weiß nicht zum wievielten Mal – das Video an, das Agnes aufgenommen hat, als wir am Columbus Day eine Wanderung machten.”
    (ob das reicht, um mind. zwei entsprechende Abituraufgaben zu formulieren und wie “Danton” dazu ‘passt’ ist mir weiterhin ein Rätsel. Aber die entsprechende FoBi wird sicher kommen).

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