Wie viel wissenschaftliche Arbeit muss ich lesen?

Der Lehrerfreund weist auf eine Studie hin, laut der 70% der Zitate von studentischen Hausarbeiten aus den ersten zwei Seiten einer Quelle stammen, egal wie umfangreich diese Quelle ist. Man könnte jetzt böse darauf schließen, dass diese Studenten nur den Anfang der Arbeiten anschauen, bis sie ein Zitat gefunden und dann das Gefühl haben, der bibliographischen Checkliste genüge getan zu haben – mit oder ohne Bewusstsein dafür, oberflächlich gearbeitet zu haben..

Alternative Erklärungen oder Ergänzungen, die man untersuchen könnte:

  • die wichtigen Sachen und knackigen Formulierungen stehen tendenziell auf den ersten beiden Seiten von Arbeiten
  • das ist wahr, aber keine neue Entwicklung, sondern war schon immer so (oder ist gar eine Verbesserung)
  • das ist wahr, gilt aber für den akademischen Betrieb allgemein und nicht nur für Studenten

Aber als Forschungsaufgabe gefällt mir das gut. Überschaubar, klar definiert, potentiell aussagekräftig, mit klarer Trennung zwischen Ergebnissen und deren Interpretationen.

Wenigstens kann das nicht mehr passieren, wenn wir uns vom Leitmedium Buch emanzipiert und zum Leitmedium WWW gewechselt haben: da kann dann keiner mehr jemandem vorrechnen, nur die ersten Seiten zu zitieren.

(Links zur Studie und mehr dazu beim Lehrerfreund.)

6 Thoughts to “Wie viel wissenschaftliche Arbeit muss ich lesen?

  1. Die erste Erklärung scheint mir sehr plausibel, zumal studentische Hausarbeiten qua Natur der Sache weniger in der Tiefe gehen als Arbeiten bejahrterer Akademiker/innen und die zusammenfassenden Formulierungen am Anfang (die wichtigen Ergebnisse stehen da ja immer!) relevanter sind als die Details in den folgenden Kapiteln und Abschnitten. Angesichts dessen finde ich 70% noch überraschend wenig.

  2. Wie wärs mit einer Erweiterung in der Zukunft: Ändert die Möglichkeit von E-Books (und damit der gezielten Suche nach Wörtern) daran etwas?

  3. Daher mein Tipp: Beginnt jede Arbeit von hinten zu lesen. Da steht die Zusammenfassung und das Literaturverzeichnis, also das Wichtigste.

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