Letzte Schulwoche 2011, Notizen

Aus meinem spärlichen Unterricht habe ich wenig zu berichten. Der Deutschunterricht fehlt mir, da hatte ich Spielraum für Projekte, da gab es mehr vorzuzeigen. Informatik macht schon auch viel Spaß und deutlich weniger Arbeit, aber in den 9. Klassen unterrichte ich das Fach zum ersten Mal, da halte ich mich eher ans Buch. Die 10. Klasse mache ich jetzt zum vierten Mal und scheine endlich eine Reihenfolge gefunden zu haben, mit der ich zufrieden bin und die die Schüler nicht zu sehr abschreckt.

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In der letzten Woche mache ich regulär Unterricht, wenn auch nie mit allen Schülern – Konzertproben, Nachholtermine, unerklärte Abwesenheiten. Videofilme und Plätzchen und Lieder gibt es am Freitag, das reicht. Karaoke mit Youtube, denke ich.

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Weihnachten: Zwei ehemalige Schüler haben sich per Mail gemeldet und erzählen vom Studium. (Informatik beziehungsweise Filmhochschule.) Freut mich.

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Habe heute erfolgreich eine Schülerin entsetzt, die meine neue Brille des Ray-Ban-Tums zieh; ich leugnete und verwies auf eine andere, ähnlich bekannte Marke – bei der der Optiker so nett war, mir das Logo abzufeilen. Dann habe ich den Schülern das Konzept des Sponsoring erklärt: den neuen Kindle Touch gibt es für 100 Dollar mit “Special Offers & Sponsored Screensavers”, also Reklame, oder ohne Reklame für 140 Dollar. Skifahrer kriegen Geld dafür, dass Markennamen auf Ihrern Anzügen prangen. Da werde ich doch nicht kostenlos Werbung laufen für eine Marke.
(Ansonsten: Bin ich in der Midlife-Krise, weil ich im letzten halben Jahr mit Bart experimentiert und jetzt eine neue Brille habe? Ist ein Motorrad der nächste Schritt?)

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Lehrer werden mehr oder weniger bekanntlich alle vier Jahre beurteilt. Für den aktuellen Beurteilungszeitraum (2011–2014) gilt das nicht mehr nur für die verbeamteten Lehrer bis zu einer bestimmten Altersgrenze, sondern diesmal eben für alle. Eine Feedbackkultur und Personalgespräche wären deutlich sinnvoller, zumal völlig unklar ist, welche Rolle diese Beurteilungen etwa für angestellte Lehrer haben. Außerdem wurden die Notenstufe wieder mal geändert. Es sind weiterhin 7, aber die Bezeichungen sind teilweise neu:

HQ in allen Belangen von herausragender Qualität
BG erfüllt Anforderung besonders gut
UB übersteigt die Anforderungen
VE entspricht voll den Anforderungen (früher: entspricht)
HM wird Anforderungen in hohem Maße gerecht (früher: im Wesentlichen)
MA weist Mängel auf
IU insgesamt unzureichende Leistungen

Ich nehme mal an, dass die Stufe 5 attraktiver gemacht werden soll, da die jetzt schöner klingt. “Wird Anforderungen in hohem Maße gerecht” ist nämlich schlecht, weil eben nur hoch und nicht voll oder überdrüber.

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Ich hätte gerne einen internen Referatslehrplan an meiner Schule. Welches Fach in welcher Jahrgangstufe für Referate zuständig ist, und welche Kriterien wichtig sind. Am liebsten hätte ich es ja, wenn jeder Schüler ein Portfolio hätte und mir etwa in der 10. Klasse zeigen könnte, was er in den letzten Jahren alles an schönen Sachen gemacht hat. Scheitert an fehlender Kontinuität der Lehrer, fürchte ich, und am mangelnden Interesse der Schüler an solch einer Dokumentation.

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Der Unterricht in der Deutsch-Oberstufe ist sehr an den literaturgeschichtlichen Epochen orientiert ist. Sollte man da nicht in der Q11 den Schülern beibringen, wie man sich das nötige Wissen um eine Epoche selbstständig aneignet (lehrergeführt durch Klassik, Romantik, Realismus) und wie man überprüfen kann, ob man genug von einer Epoche weiß, um über sie sinnvoll reden zu können? Dann könnte man in der Q12 von den Schülern verlangen, das an neuen Epochen (Naturalismus, Expressionismus) dann auch selber zu tun. Der Lehrplan sieht das nicht vor und lässt wenig Zeit dazu, und Zeit würde das brauchen.

4 Antworten auf „Letzte Schulwoche 2011, Notizen“

  1. In Ö. wird man nur ein Mal, ganz am Anfang beurteilt, dann gibt es kein feedback und auch keine Noten mehr. Es ist auch völlig unklar, wer sich anmaßen könnte, unseren Unterricht zu bewerten. Es gibt einfach keine brauchbaren Maßstäbe.

    Trotzdem fehlt was …

  2. Randnotiz zur letzten Notiz: seit G8 haben wir nicht einmal mehr eine einheitliche Bezeichnung der Klassenstufen in der Oberstufe… hier in Hessen heißen die letzten vier Halbjahre Q1, Q2, Q3, Q4. In Niedersachens heißen die letzten zwei Jahre Q1 und Q2 und bei euch in Bayern? Dann Q11, Q12, Q21 und Q22 ??? Da soll mal noch einer durchblicken.. furchtbar, dieser Bildungsförderalismus…

  3. Ich wundere mich, wieso bei den Beurteilungen BG Erfüllt Anforderungen besonders gut eigentlich besser ist als UB übersteigt die Anforderungen. Bin ich nicht besser, wenn ich die Anforderungen übersteige?
    Und warum zerbreche ich mir gerade heute den Kopf darüber?

  4. Warum nicht wieder Oberprima und Unterprima, das wäre doch nett?

    Ja, die Anforderungen besonders erfüllen ist viel besser als sie zu übersteigen, und ganz schlecht ist das Hohe Maß. Vielleicht ist das ja für Wirtschaftslehrer sofort einsichtig.

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