Harharharhar.… nein, ernsthaft, richtig breit grinsend…

Heute Vertretungsstunde in einer 6. Klasse. Angenehme Klasse: Fenster waren geschlossen, Rollläden unten. Habe sie gelobt für ihren einsichtigen Umgang mit Sommerhitze. Außerdem Sitzordnung gelobt, weil ein großer Gruppentisch dabei war. Ich gebe zu, ich war überrascht worden von der Vertretungsstunde, hatte mir keine großen Gedanken gemacht, für den Computerraum war nicht wirklich genug Zeit. (Dort gibt es immer genug zu tun.) Und Hausaufgaben machen oder gar spielen lassen, das mag ich nicht.

Aber man ist ja digital und methodenkompetent. Computer und Beamer funktionierten im Klassenzimmer, also angeworfen und – ziemlich kommentarlos – auf diese Seite gegangen:

http://ifwizz.de/allein-mit-kai-%282010-de%29-play-online-726.html

Dort kann man online das Textadventure “Allein mit Kai” von Ingo Scharmann und Joana Markus spielen. (Das stand ohnehin auf meiner Leseliste.) Man spielt darin Arndt, der in Berlin seine neue Flamme Tanja zum ersten Mal in ihrer Wohnung besucht. Einen Kuss hat es schon gegeben, dann ruft ein Telefonanruf Tanja aus der Wohnung. Sie bittet uns, eine halbe Stunde in der Wohnung zu warten und auf Kai aufzupassen, Tanjas vierjährigen Sohn. Der mache bestimmt keine Probleme.

Uh-oh. Zuerst klaut uns Kai das Feuerzeug. Dann riecht es nach Rauch. Und wenn Tanja zurückkommt, möchten wir einen guten Eindruck machen…

Das war richtig schön. Die Schüler kannten die Geschichte nicht, ich kannte die Geschichte nicht. Die Geschichte war in kurzen Absätzen an die Wand projiziert und nicht kleingeschrieben im Schulbuch, das doch in erster Linie immer nach Pädagogik riecht und dann erst nach Geschichte. Da war es völlig natürlich, dass immer ein Schüler den aktuellen Abschitt laut vorlas – so machen wir das bei unseren Spielen auch. Beim brennenden Papierkorb haben die Schüler abgestimmt, was wir versuchen sollen: vom Balkon werfen, mit nassem Handtuch aus Badezimmer ersticken, mit unserem Hemd (das wir bereits aus anderen Gründen, nämlich einfach so, ausgezogen hatten) ersticken. Das erste ging nicht, mit dem zweiten hatten wir Erfolg. Das Spiel ist auch so gut geschrieben, das wir auf all unsere Versuche, ob erfolgreich oder nicht, sinnvolle Antworten bekamen statt lapidarer Sätze wie “Das habe ich nicht verstanden” oder “Das funktioniert nicht.”

War sehr lustig. Kann ich für Vertretungsstunden in der Unterstufe auf jeden Fall empfehlen.

(Siehe auch “Why should IF be considered by English Departments?”)

Wochenbericht, und Abitur-Ergänzungsprüfungen

Gestern mit dem Unikurs und Unikollegen am Gymnasium Pullach gewesen, wo der Systembetreuer uns das Rechnernetz und die Software an seiner Schule gezeigt hat. Toll. Also, im Prinzip so ähnlich wie bei uns, nur mit kürzeren Wegen, und vor allem WLAN im ganzen Schulbereich. Die Kabel durch unterirdische Heizungsgänge verlegt, dass man sich vorkommt wie bei Die Hard.

– Am Tag davor war der Schulleitungsstellvertreter bei mir im Unterricht, Stunde beobachten. Das muss nämlich sein, früher dreimal, jetzt eventuell nur zweimal alle vier Jahre, im sogenannten Beurteilungszeitraum. (Steht alles irgendwo im Blog hier noch von den letzten Beurteilungszeiträumen.) Das war eine Informatikstunde, und da es gefühlt niemanden an meiner Schule gibt, der sich irgendwie dafür interessiert, was ich in Informatik mache oder auch nicht mache, nutzte ich die Gelegenheit, meinem unfreiwilligen Zuhörer danach mein Konzept und meine Planung und überhaupt alles mögliche zu erklären.
Eine Fußnote zum Beurteilungszeitraum, mit der ich beizeiten meine Schulleitung erschrecken möchte: “(Teil-) Abgeordnete Lehrkräfte werden im Einvernehmen mit der aufnehmenden Schule oder Behörde beurteilt. Im Fall der (Teil-) Abordnung oder Beurlaubung zu einer Dienststelle eines anderen Dienstherrn oder einer Privatschule erfolgt die Beurteilung im Benehmen mit der aufnehmenden Stelle.” (Verkündungsplattform) Im Benehmen heißt: die andere Stelle muss gehört werden, im Einvernehmen: man muss sich einig sein. Ob das irgendwer weiß?

– Andere Bundesländer haben Sommerferien, meine Blog-Besucherzahlen treten in die jährliche Flaute ein. Ich bin zwar noch nicht wirklich ferienreif, habe aber schon das Aufräumen aufgegeben: bis Pfingsten hab eich Papiere gleich gescannt, eingeordnet oder weggeworfen, jetzt liegt einfach alles auf einem Stapel, der bis zum Ferienanfang wachsen darf.

– Letzte Woche waren die mündlichen Abitur-Ergänzungsprüfungen, kommende Woche geht es weiter. Das sind die Prüfungen, die man ablegen muss, wenn man im Abitur zu wenig Punkte erreicht und also nicht bestanden hat. Dann kann je nach Situation die mündliche Prüfung noch ein paar Punkte bringen; man kann sie auch freiwillig zur Punkteverbesserung ablegen, theoretisch kann sich die Note dadurch aber auch verschlechtern. Die LEV hat laut dieser Pressemitteilung erfahren, dass es dieses Jahr besonders viele Schüler sind, die in die Ergänzungsprüfung müssen, die also mindestens vorerst ihr Abitur nicht bestanden haben.
Wenn das bayernweit so sein sollte, würde mich das nicht wundern. Kultusminister Spänle sagt zwar, “dass viele Schüler die Nachprüfung als Chance genutzt haben, ihren Abiturschnitt noch zu verbessern,” aber das kann ich mir so recht nicht vorstellen.
Die LEV nennt auch eine nachvollziehbare Ursache für die große Zahl an Ergänzungsprüfungen, wenn es sie denn gibt: In der Oberstufe zählen im G8 die kleinen Leistungserhebungen insgesamt ebenso viel wie die Semester-Klausur. In der Unter- und Mittelstufe ist das anders, da zählen die Entsprechungen zur Klausur insgesamt doppelt. Und im Abitur wird in Deutsch und Mathematik nur schriftlich geprüft. Wer also mit mündlichen Dreiern und schriftlichen Fünfern erfolgreich durch die Oberstufe laviert, wird auch beim Abitur schriftliche Fünfer kriegen.

In dieser Rechnung habe ich – eben so wie die LEV – “kleine Leistungserhebung” mit “mündlich” gleichgesetzt. Tatsächlich gehören zu den kleinen auch schriftliche Prüfungen; tendenziell sind es aber doch Ausfrage- und Mitarbeitsnoten. Und die fallen historisch immer besser aus als die schriftlichen. Deshalb wurde die 1:1‑Regelung ja auch eingeführt, und an der möchte die LEV nicht rütteln, weil “diese Regelung […] die Antwort auf die Herausforderungen [ist], die die heutige Zeit an unsere Kinder stellt.” Aber ich vermute eher, dass es daran liegt, dass die Noten dadurch besser werden. Richtig transparent sind mündliche Noten jedenfalls selten.

Wie geht man jetzt damit um, dass es so viele Schüler gibt, die zur Ergänzungsprüfung müssen? Ein Lösungsvorschlag der LEV: Nicht mehr Stunden Deutschunterricht, aber mehr Aufsätze schreiben. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Deutsch ist im G8 arg beschnitten, was die Stundenzahl betrifft, und das wirkt sich aus. Aber mehr Aufsätze können nicht schaden. Nur: Wer soll die korrigieren? So nebenbei lässt sich das nicht machen.

Was mich viel mehr interessiert: Warum war das beim letzten Jahrgang anders? Was haben wir Lehrer da richtig gemacht und diesmal falsch? Oder: was haben die Schüler da richtig gemacht und diesmal falsch? Wenn man jetzt etwas dran ändert, muss man nicht rückwirkend die Abischnitte der letzten Jahre raufsetzen?

Ansonsten bei Stefan Niggemeier lesen, wie viel Bild das Urheberrecht wert ist: nichts. Da sagt der stellvertretenden Bild-Chefredakteur: Wer ein Bild ins Internet stellt, muss damit rechnen, dass Bild es nimmt und ungefragt und unerlaubt veröffentlicht, weil der wollte es ja nicht anders. Und selber ein Leistungsschutzrecht für sich reklamieren. Unfassbar.

Podcasttipp: Lexicon Valley

Lexicon Valley (at Slate.com): Inzwischen bei Episode 13, jeweils um die dreißig Minuten. Die ersten Episoden waren nur so mäßig interessant, aber die letzten beiden fand ich gut.

– In Episode 12 ging es um die Sprache von Abraham Lincoln, insbesondere der berühmten Gettysburg Address anlässlich der Einweihung eines Soldatenfriedhofs mit Gefallenen einer Schlacht des Bürgerkriegs. Die Rede beginnt “Four score and seven years ago our fathers brought forth, upon this continent, a new nation, conceived in Liberty, and dedicated to the proposition that all men are created equal”, und endet mit: “that this government of the people, by the people, for the people, shall not perish from the earth.”

Der Podcast gibt der Rede etwas Kontext. Als junger Redner hatte Lincoln noch mit dem zu seiner Zeit geschätzten und üblichen blumigen Stil begonnen; erst später fand er zu schlichteren, moderneren Worten. Der Hauptredner bei der Einweihung des Friedhofs war auch gar nicht Lincoln, sondern Edward Everett, einer der berühmtesten – und typischeren – Redner seiner Zeit. Sprach zwei Stunden lang. Danach Lincoln, zwei Minuten.

– Noch interessanter ist Episode 13. Dort geht es um die Arbeit des graduate student Ben Schmidt. Der hat einen Algorithmus entwickelt, um anachronistische Äußerungen in Texten zu finden. (Der Algorithmus nutzt als Datenbasis Google Ngrams, Blogeintrag dazu.) Angewendet wird das zum Beispiel auf die Fernsehserie Mad Men, die Anfang der 1960er Jahre spielt. Oder auf die englische Fernsehserie Downton Abbey, frühes 20. Jahrhundert. Oder auf historische Romane von Edith Wharton, die fünfzig Jahre vor deren Erscheinen spielen.

Übergreifend scheint es so zu sein, dass sich tendenziell Anachronismen in manchen Bereichen häufen, in anderen weniger. Von einigen Ausnahmen abgesehen, gibt es im Bereich der Technik weniger sprachliche Anachronismen – vielleicht, weil Autoren bei technischen Neuerungen eher im Kopf haben, dass diese erst zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeführt wurden. Anders ist das bei wirtschaftlichen und finanziellen Themen.
Im Podcast werden auch einige Fragen zur Untersuchungsmethode angesprochen. Wie sehr entspricht die geschriebene Sprache einer Zeit (und der Google-Korpus bezieht sich ja auf diese) der mündlichen? Das wird durch Vergleiche zwischen Hörspielen und Filmen mit zeitgleichen Druckwerken untersucht. Aber auch diese sind natürlich nicht wirklich gesprochene Sprache; am nächsten kommt noch ein Korpus von Aufnahmen nichtöffentlicher Gespräche der amerikanischen Präsidenten der letzten Jahrzehnte.

Im Großen und Ganzen bemüht sich Mad Men um möglichst wenig anachronistische Sprache. People of Colour heißen Negroes, und das kann auch nicht anders sein. Einen Ausdruck hat Schmidt allerdings gefunden, den er – so heißt es – ohne seinen Algorithmus nicht entdeckt hätte, und der in vielen Fernsehserien auftaucht, und zwar anachronistisch verwendet. Und zwar “need to” statt “must/have to/ought to”.

Schmidt fand heraus, dass in Filmen der 1960er “I ought to” wesentlich häufiger auftaucht als “I need to”, und in Filmen dieses Jahrtausends, die in den 1960ern spielen, ist es genau andersherum. Ein Blick in Google Ngrams zeigt, dass “I need to” erst spät im 20. Jahrhundert in Fahrt kommt und das ehemals viel häufigere “I ought to” verdrängt – mit der Mitte der 1980er Jahre als Zeitpunkt, in dem “I need to” häufiger wird:

Das wusste ich aber auch schon aus dem Slate-Artikel How need to vanquished have to, must, and should von Ben Yagoda aus dem Jahr 2006. Dort gibt es auch kluge Gedanken zu den Ursachen dieses Wandels. Unter anderem liegt es eben daran, so Yagoda, dass wir uns im Laufe des 20. Jahrhunderts daran gewöhnt haben, dass unser aller needs so überaus wichtig zu nehmen.

Subversion mit BlueJ (mit Beispielprojekt Sequenzdiagramm)

(Die gute Nachricht für Informatiklehrer vorweg: Wer BlueJ zu Hause installiert hat, kann das gleich ausprobieren, ohne irgendetwas installieren zu müssen.)

Die schlechte Nachricht 2015: Google stellt das Codehosting ein, so dass die Links unten nicht mehr funktionieren. Eine Alternative ist sourceforge.net, wo allerdings – anders als bei Google – kaum ein Schüler bereits einen Account haben dürfte.
Die Adresse für das Beispielprojekt lautet jetzt:
svn.code.sf.net/p/informatik/code/trunk/
Das einfach in BlueJ beim Auschecken als Adresse angeben, Pfad und Passwort leer lassen, Benutzername ist egal – den will wohl nur BlueJ haben, falls überhaupt. Dann kann man BlueJ alle unter dieser Adresse vorhanden Projekte anzeigen lassen.

Subversion mit BlueJ.

Ist leider nicht so subversiv, wie es sich anhört. BlueJ: Das ist eine Entwicklungsumgebung für Java-Programme, die speziell für Lernende entwickelt wurde und eines der wichtigsten Werkzeuge im Informatikunterricht der 10. Klassen darstellt. Subversion: Das ist ein Programm, das es erleichtert, in einem Team gleichzeitig an einem Softwareprojekt zu arbeiten. Ein Softwareprojekt besteht normalerweise aus vielen verschiedenen Dateien, und jedes Teammitglied werkelt an seinen zugeteilten Dateien herum, muss aber gleichzeitig die Dateien der anderen benutzen. Dabei entsteht leicht ein Durcheinander, wenn es darum geht, die jeweils aktuellsten einzelnen Dateien von den verschiedenen Mitgliedern zu holen und zu einem gemeinsamen Projekt zusammenzusetzen. Außerdem will man vielleicht noch einmal auf eine alte Version einer Datei zurückgreifen können.

Subversion ist ein Programm, das auf einem Server läuft, und auf diesem Server liegen dann auch die Dateien des Softwareprojekts. Jedes Teammitglied lädt sich mehr oder weniger automatisch alle zum Projekt gehörenden Dateien in der jeweils aktuellsten Fassung von diesem Server auf den eigenen Rechner herunter, bastelt an einigen Dateien davon herum, und lädt danach mehr oder weniger automatisch die von ihm geänderten Dateien wieder auf den Server hoch. So hat jedes Teammitglied jederzeit Zugang zu aktuellen Fassungen aller Dateien. Wenn zwei Mitglieder gleichzeitig an einer Datei gearbeitet haben, dann unterstützt Subversion das Team so weit wie möglich dabei, aus den beiden konkurrierenden Version eine neue, gemeinsame Datei zu erstellen, die alle bisherigen Änderungen enthält. Das kann man bei Programmierprojekten in der 10. und 11. Jahrgangsstufe brauchen.

Das BlueJ Teamwork Tutorial (pdf) erklärt, wie man BlueJ zusammen mit Subversion einsetzt; das BlueJ Teamwork Repository Configuration (pdf) erklärt, wie man Subversion so konfiguriert, dass es mit BlueJ zusammenarbeiten kann. (Unterstützt wird von BlueJ das veraltete CVS, aber nicht das jüngere Git, die ähnliche Aufgaben wie Subversion haben.) Beide Dateien gibt es auf den BlueJ-Dokumentationsseiten.

Hier kommt aber die Kurzfassung:

I. Einrichten eines Subversion-Servers

Habe ich mir geschenkt. Stattdessen habe ich ein Projekt bei Google Code eröffnet. Google Code ist ein Dienst von Google, mit dem man Softwareprojekte kostenlos verwalten kann. Für jedes Projekt gibt es ein Wiki, Downloadmöglichkeit, Issue Tracking, und eben auch einen Subversion- oder Git-Server für die einzelnen Dateien. Zwei Nachteile: Alle Teammitglieder müssen ein Google-Konto haben, und das Projekt muss open source sein. Es kann sein, dass Schüler das nicht möchten; es kann auch sein, dass man Material bei dem Projekt verwenden möchte, zu dem man keine Veröffentlichungsrechte hat, etwa weil es aus einem Schulbuch stammt. Dann geht Google Code nicht und muss anderswoher an einen Subevrsion-Server kommen.
Für mein Projekt gilt das nicht. Es ist auch kein großes oder wichtiges Projekt; weiter unten im Blog beschreibe ich es – ein BlueJ-Beispielprojekt für die 10. Jahrgangsstufe.

Die Projektseite ist hier: http://code.google.com/p/sequenzdiagramme-mit-bluej/

II. Einrichten von BlueJ

  1. Standardmäßig sind die Teamwork-Schaltflächen ausgeblendet, deshalb erst einschalten:
    Tools/Preferences/Miscellaneous/Show teamwork controls.
  2. Zu Subversion hochladen: Tools/Team/Share this project. Muss einer einmal am Anfang machen, wenn man nicht auf anderem Weg die Dateien zu Subversion übertragen hat. Zum Testen diesen Schritt weglassen.
  3. Mit Subversion verbinden: Müssen alle Teammitglieder einmal machen. Danach wird man aufgefordert einen Speicherort für das Projekt zu erstellen. Das aktuelle Projekt bleibt unberücksichtigt, es wird auf jeden Fall ein neuer Ordner mit einem neuen Projekt angelegt. Geht so:
    Tools/Team/Checkout Project…

    Schritt 1: Daten eingeben.

    Dabei muss man Benutzernamen, Passwort, Protokoll und Adresse für den Subversion-Server eingeben. Oder wer es einfach ausprobieren möchte, nimmt als anonymer Gast an meinem unten angegeben Projekt teil. Dann kann man fast alles machen – nur eben keine Änderungen auf den Subversion-Server hochladen, weil man ja kein Teammitglied ist.
    User: anonymous (oder was auch immer)
    Passwort: leer
    Server type: Subversion
    Server: sequenzdiagramme-mit-bluej.googlecode.com/svn/trunk/
    Protocol: http (anders als Teammitglieder, die mit https arbeiten)

    Schritt 2: Projekt auswählen.

    Einfach auf “Show” klicken und nehmen, was kommt.

  4. Fertig.

Jetzt kann man mit dem Knopf “Status” die Dateien auf dem eigenen Rechner mit denen bei Subversion vergleichen.
Oder man kann mit dem Knopf “Commit…” alle selbst geänderten oder gelöschten Dateien nach Subversion hochladen. (Die Möglichkeit von Konflikten besteht.)
Oder man kann mit dem Knopf “Update…” alle von anderen Mitgliedern aktualisierte Fassungen vom Subversion-Server herunterladen.
Zur Vermeidung von Konflikten bietet es sich an, unmittelbar vor dem eigenen Arbeiten ein Update durchzuführen, und so rasch wie möglich nach dem Abschluss der eigenen Arbeit ein Commit.


Im Bild sieht man hinten die Statusmeldung, wenn man selber etwas geändert und noch nicht an den Server übertragen hat (nächster Schritt: commit), und vorne die Statusmeldung, wenn auf dem Server jemand etwas geändert hat, das man selbst noch nicht übernommen hat (nächster Schritt: update).

Subversion kann noch viel mehr, aber das sind die Features, die von BlueJ unterstützt werden und die für Schülerprojekte auch ausreichen.


Mein Beispielprojekt.

Beim objektorientierten Modellieren und Programmieren packt man Aufgaben und Eigenschaften in Portiönchen zusammen, die man Objekte nennt. Ein Objekt allein übernimmt dabei meist keine großen Aufgaben, sondern es gibt viele Objekte, die zusammenarbeiten. Zusammenarbeiten heißt: Ein Objekt bietet an, Aufträge zu erledigen. Das nennt man die Methoden des Objekts. Und ein Objekt kennt andere Objekte, deren Methoden es aufrufen kann – die es also beauftragen kann, die angebotenen Aufgaben auszuführen.

Der Ablauf dieser Zusammenarbeit, also der Kommunikation der Objekte untereinander, wird in einem Sequenzdiagramm dargestellt. Das sieht, wenn man es hinschmiert, so aus:

Ich könnte jetzt sagen, dass das so unfertig und hingeschmiert ist, weil ich in meinem Blog keine Musterlösung vorgeben möchte. Tatsächlich bin ich nur zu faul, die Skizze fertigzustellen.

Das Diagramm soll darstellen, wie sich Frau Holle von Heinz eine Party für 30 Leute organisieren lässt. Heinz beauftragt dazu seinen Freund Max, eine Musikanlage aufzutreiben, die der wiederum von seinem Freund Herbert kriegt, so dass Max sie Heinz geben kann, der damit aber noch nicht fertig ist mit der Organisation. Genauer ist das in diesen Aufgabenkärtchen für ein Rollenspiel organisiert, das ich vor der Einführung des Sequenzdiagramms durchgeführt habe:

Die Datei mit den Kärtchen – es gibt insgesamt 5 Rollen – kann man hier herunterladen. Der Auftrag für die Schüler lautet: Fünfergruppen bilden, jeder schnappt sich ein Kärtchen und führt das auf, was darin steht. Die Schüler sollen das dann in einem Rollenspiel vorführen und – ganz ohne weitere Erklärungen – einen Entwurf für ein selbst erdachtes Diagramm überlegen, in dem sie den Ablauf festhalten.

Ich habe das parallel in ein BlueJ-Projekt umgesetzt. Und dieses Projekt ist eben das, das ich bei Google Code eingestellt und oben verlinkt habe.

Wochen-Ende

Am Montag eine Runde Kolloquium als Zweitprüfer, am Dienstag Zweitprüfer an der Uni (bei Professor, bei dem ich selber studiert habe und den ich über Sprechstunden an meiner Schule kenne), am Mittwoch dann noch ein Nachmittag Kolloquium. Am Donnerstag Uni, vor allem die Vorbereitung des Praktikums – eine Studentengruppe bereitet bei diesem Praktikum unter anderem ein Projekt für Schüler vor und führt es mit ihnen durch. Es hat sich so ergeben, dass das mit Inform 7 ist, und ich bin froh, dass bisher hat noch keiner laut gelacht und gesagt hat, dass das ja gar keine richtige Informatik ist.

Bin im Übrigen rechtschaffen erschöpft und der Hals kratzt etwas.

Ein Nachteil, wenn man nur Informatik unterrichtet: Kein Kollege interessiert sich dafür, was man da macht. Bei Deutschprojekten oder anderen lustigen Sachen, die man im Deutschunterricht macht, kann man mit den Kollegen beim Kaffeetrinken darüber reden. Aber so diese eine schöne Idee in Informatik, mit Kreuzprodukt zum Selberzusammenbauen am Smartboard, da gibt es höchstens einen Kollegen, der weiß, wovon man da spricht.

Immerhin bin ich in einem semi-offiziellen Akt eingeladen worden, bei der traditionellen Fahrradtour der Mathematiklehrer mitzumachen, quasi ehrenhalber.

Ray Bradbury

Letzte Woche starb, 91-jährig und von meinem Teil des Web wenig beachtet, Ray Bradbury. Ich lernte ihn kennen als Science-Fiction-Schriftsteller, und zwar einen der ganz großen – neben Asimov, Heinlein und vielleicht noch Arthur C. Clarke.

Ich kannte Bradbury schon während meiner Schulzeit. In meinem Leistungskurs-Macbeth ist neben den Zeilen “By the pricking of my thumbs/Something wicked this way comes” der Name Bradburys gekritzelt; einer seiner Romane heißt so. Gelesen hatte ich damals aber nur wenig von ihm. Ich kannte ihn aus der einen oder anderen Anthologie und vor allem aus der SF-Sekundärliteratur.

(Es ist ganz erstaunlich, wieviel man als Sechzehnjähriger erfährt, wenn man eine Essay-Sammlung von Asimov oder Der Millionen-Jahre-Traum liest, eine Literaturgeschichte der Science Fiction von Brian W. Aldiss. Meine erste Begegnung mit Aristophanes, Cyrano, Horace Walpole, Mary Shelley, Wells, Bradbury und vielen anderen.)

Aber richtig lieben gelernt habe ich Bradbury in den zwei Jahren nach der Schule. Ich bin so etwas wie ein Bradbury-Fan. Einen knappen Meter zu ihm habe ich im Regal – ein bisschen Biographie, ein wenig Sekundärliteratur, ein paar Theaterstücke, Gedichte und Essays, und vor allem die Kurzgeschichtensammlungen und Romane. Bradbury war vor allem ein Autor von Kurzgeschichten; die meisten seiner Romane entstanden daraus, eben Fahrenheit 451 und Something Wicked This Way Comes, daneben die Mischformen aus Roman und Kurzgeschichtensammlung The Martian Chronicles und Dandelion Wine. In den letzten Jahrzehnten fassten Bradbury oder sein Verleger viele seiner alten Geschichten mit einer Romanhandlung zusammen; selten war das eine Verbesserung gegenüber den einzelnen Geschichten. Ein waschechter und sehr gelungener später Roman ist der Krimi Death Is A Lonely Business von 1985.

Kaum eine Geschichte von Bradbury ist klassische Science Fiction. Aber es geht fast immer um Träume, Wünsche, Magie, die Zukunft, Erfundenes. In der dunklen Variante sind das seine Halloween-Geschichten, sommerlicher die vielen Coming-of-Age-Geschichten, allen voran Dandelion Wine. (Die muss man sich zeitlich so wie bei den frühen Waltons vorstellen, Anfang der 1930er Jahre.) Es ist vor allem Bradburys blumige, metaphernreiche Sprache, die es mir angetan hat. Hier die Anfänge seiner besten Romane:

Dandelion Wine:

It was a quiet morning, the town covered over with darkness and at ease in bed. Summer gathered in the weather, the wind had the proper touch, the breathing of the world was long and warm and slow.

Fahrenheit 451:

It was a pleasure to burn. It was a special pleasure to see things eaten, to see things blackened and changed. With the brass nozzle in his fists, with this great python spitting its venomous kerosene upon the world, the blood pounded in his head, and his hands were the hands of some amazing conductor playing all the symphonies of blazing and burning to bring down the tatters and charcoal ruins of history.

The Martian Chronicles:

One minute it was Ohio winter, with doors closed, windows locked, the panes blind with frost, icicles fringing every roof, children skiing on slopes, housewives lumbering like great black bears in their furs along icy street. And then a long wave of warmth crossed the small town.

Death Is A Lonely Business:

Venice, California, in the old days had much to recommend it to people who liked to be sad. It had fog almost every night and along the shores the moaning of the oil well machinery and the slap of dark water in the canals and the hiss of sand against the windows of your house when the wind came up and sang among the open places and along the empty walks.

Und natürlich Something Wicked This Way Comes:

The seller of lightning-rods appeared just ahead of the storm.

Muss man mögen. Ich habe es geliebt. Bradbury schrieb lyrisch, sentimental, witzig, voller Energie, immer bereit, das Gruselige im Normalen zu sehen (“The Small Assassin”) oder das Schöne im Grusligen (“The April Witch”, “Uncle Einar”). Auch wenn seine späteren Romane und Zusammenstellungen von Kurzgeschichten nicht an die ersten vierzig Jahre seines Schaffens heranreichen: toller Autor.


The Martian Chronicles

Kann ich als Schullektüre nur empfehlen. Es geht ein bisschen um Raumschiffe, das spricht die technikbegeisterten Gemüter an. Es ist auch ein bisschen traurig, das ist dann etwas für die anderen. Es ist ein Gebilde aus thematisch und zeitlich verbundenen Kurzgeschichten, mit kleinen lyrischen Kapitelchen dazwischen, das man als Roman betrachten kann, aber nicht muss – zu Not kann man einzelne Geschichten heraussuchen und bearbeiten lassen, ganz binnendifferenzierend. Themen bietet sich sehr viele an; Material gibt es viel dazu – Kunststück, das Buch ist seit Jahrzehnten eine beliebte Schullektüre (hier, da, dort), wenn auch wohl eher in den USA als bei uns. Gesichtspunkte sind etwa:

  • Finden Sie Ungereimtheiten innerhalb und zwischen den Geschichten.
  • In welchen Geschichten tauchen Marsianer auf, und welche Rolle spielen sie jeweils?
  • Teilen Sie das Buch in drei oder vier große Teile. Begründen Sie Ihre Unterteilung.
  • Welche Elemente verbinden die einzelnen Geschichten miteinander?
  • Welche Elemente weisen auf spätere Geschichten hinaus, oder zurück zu früheren?
  • Beschreiben Sie marsianische Technologie und vergleichen Sie sie mit irdischer.
  • Welche Elemente des Frontier Myth finden Sie im Buch? Wer war Johnny Appleseed?
  • Martian Chronicles und Manifest Destiny.
  • Welche Geschichte ist für Sie die zentrale der Sammlung? Warum?
  • Vergleichen Sie (eine Auswahl aus jeweils zwei geeignenten Geschichten)?
  • Welches Bild der Marsianer haben die Menschen zu welchem Zeitpunkt?
  • Metamorphosen als zentrales Motiv.
  • Eine Geschichte des Mars in der Science Fiction.
  • Die Geschichte “Usher II” und Edgar Allan Poe.
  • Die Geschichte “Usher II” und Zensur in den USA der 1950er Jahre.

Zum letzten Punkt: “Usher II” kann man als Vorläufer des späteren Fahrenheit 451 sehen. Es geht darin um das Verbieten von Literatur, erst weil bestimmte Aspekte diesen nicht gefallen, dann weil andere etwas gegen andere Punkte haben… es fängt an mit phantastischer Literatur und Filmen, mit Poe und Märchen, und nach und nach müssen alle Geschichten daran glauben. Die Martian Chronicles erschienen 1950, nehmen aber schon die Kommunistenjagd und Zensur während der McCarthy-Zeit der kommenden Jahre voraus. Zu McCarthy siehe meinen Blogeintrag zum Film Good Night, and Good Luck; dort ist auch eine Seite aus dem EC-Comics The Haunt of Fear (1954) abgedruckt. EC, das hieß ursprünglich Educational Comics, seit 1950 spezialisierte sich dieser Verlag aber auf inzwischen berühmt gewordenen Science-Fiction- und Horrorcomics, teilweise mit recht grauslichem Humor. Bald gerieten die Hefte unter politischen Beschuss, das Phänomen der Jugendkriminalität der 1950er Jahre wurde ihnen angelastet. Sie versuchten sich zu wehren (“Nur Kommunisten wollen Comics verbieten!”), half aber nichts:

– Digital habe ich viele Hörspiele nach Bradburys Werken, ältere und jüngere. Online gibt es einige Martian-Chronicles-Episoden in den Serien Dimension X und X Minus One aus den 1950er Jahren:

Dimension X (1950–1951)
Episode 11: There Will Come Soft Rains & Zero Hour
Episode 14: Mars Is Heaven
Episode 20: The Martian Chronicles
Episode 26: And the Moon Be Still As Bright

Episode 14 versucht, die ganze Kurzgeschichtensammlung in eine halbe Stunde zu packen; die anderen Episoden nehmen sich jeweils einzelne Geschichten vor. Weitere Bradbury-Episoden, die nichts mit den Chronicles zu tun haben, sind 8, 40, 43, 46, 48.

X Minus 1 (1955–1958)
Episode 03: Mars Is Heaven
Episode 19: And the Moon Be Still As Bright

Die Tonqualität ist bei dieser etwas jüngeren Serie meist besser. Weitere Bradbury-Episoden sind 12 (“The Veldt”, sehr zu empfehlen), 24, 26, 29, 30.


Überhaupt, der Mars

Der bietet sich für ein W‑Seminar an, auf Basis von Das Jahrhundert der Marsianer von Helga Abret und Lucian Boia, eine Art Rezeptionsgeschichte des Mars. Das Jahrhundert der Marsianer dauerte von 1877 bis 1977. Den Anfang machte die Entdeckung der Marskanäle – auch wenn sie keine waren – durch Giovanni Schiaparelli, die Folge waren Spekulationen über eine alte Zivilisation dort – der Mars als Projektionsfläche – bis zu Wells’ Invasion und später der von Welles’ (Blogeintrag dazu), mit Edgar Rice Burroughs als fantastischem Zwischenspiel. Dann verlor der Mars nach und nach seine Glaubwürdigkeit als bewohnter oder ehemals bewohnter Planet und wurde, wie bei Bradbury, ganz zur Metapher. 1977 landeten die Viking-Sonden und meldeten endgültig: kein Leben. “Blues für einen roten Planeten” heißt dann auch passend dieUnser-Kosmos-Folge von Carl Sagan dazu.

(Vor ein paar Jahren wurde dann doch gefrorenes Wasser gefunden wurde. Vielleicht sogar fließendes. Der Mars ist wieder da.)

Bücher der letzten Zeit

Susanne Picard, Die Leichen des jungen Werther.

Zombies hatte man in den letzten zehn Jahren ja sehr. Der Ausgangspunkt sind für mich die beliebten Computerspiele des Urban-Horror-Genre. Für solche Spiele sind klassische Zombies ideale Gegner: sie bewegen sich langsam, stellen keine großen Anforderungen an die zu programmierende künstliche Intelligenz, und man darf auf sie mit Schrotflinten schießen, weil es ja Zombies und keine Menschen sind. Im Zuge der Spiele gab es dann auch verfilmte Spiele, neue Filme, Comics und Bücher, etwa 2003 den Zombie Survival Guide. Und eben auch solche Sachen wie Zombies bei Jane Austen, viktorianische Zombies, Abraham Lincoln als Vampirjäger und auch deutsche Abenteuer: Winnetou unter Werwölfen und Sissi, Die Vampirjägerin: Scheusalsjahre einer Kaiserin.

Eins davon habe ich mir, quasi dienstlich, angeschaut: Die Leichen des jungen Werther. Hm, ja. Die Perspektive eines Schüler würde mich interessieren. Kommt das gut an bei Schülern? Ist danach die Lektüre des originalen Werther interessanter oder gar gewinnbringender? Letzteres kann ich mir vorstellen. Die Reihenfolge andersherum, erst den Werther, dann die Leichen, kann ich weniger empfehlen. Als Roman selber war es für mich nicht interessant genug, fühlte sich an wie ein Buch-zum-Film, und für 280 Seiten war mir auch zu wenig Handlung; ich habe dann auch großzügig den Mittelteil ausgelassen und bin erst wieder für die letzten zwanzig Seiten eingestiegen. Das Original auf 280 Seiten wäre für mich aber auch nicht besser.
Als Antwort auf Werther ist es leider auch nicht interessanter. Die Prämisse: Werther wird nach Wahlheim versetzt und soll eigentlich merkwürdige Vorfälle von Viehtötungen aufklären. Stattdessen verliebt er sich in oh so blassen Teint von Lotte.


Wolfgang Herrndorf, Sand.

Hat mir gut gefallen. Der Der Name der Rose ist ein postmoderner Krimi, in dem der Leser durch ein Labyrinth von rätselhaften Szenen geschleift wird, die zum Schluss eben doch noch ihre traditionelle Auflösung erfahren. Sand ist ein – von mir aus postmoderner – Abenteuerroman, in dem Held und Leser durch ein Labyrinth abenteuerlicher Szenen gehetzt werden, die am am Schluss nicht mehr alle aufgelöst werden können. Spannend, wenn auch einen Tick zu lang. Einmal den MacGuffin auf blöde Weise verlieren, das geht ja noch, aber dreimal kurz hintereinander, das sieht nach Absicht aus.

Und dann hatte ich noch ein Problem beim Lesen, aber da weiß ich nicht, ob das an mir oder am Buch lag. Ich las das Buch durch die Brille eines Autors von Interactive Fiction, Textadventures. Ging nicht anders, tut mir leid, aber mein Kopf ist zur Zeit nun mal voll davon. Die Schlüsselszene, am Ende der Exposition sozusagen, war für mich die: der Held wacht auf und weiß erst mal nicht, wo er ist und wer er ist. Eine typische Textadventure-Startposition. Schaut sich erst mal an. Dann um. Ein Dachboden, ein paar Gegenstände werden beschrieben. Er schaut sie sich der Reihe nach an. Dann entdeckt er ein Loch im Boden, aber es geht zu tief nach unten. Sucht die Leiter. Die Leiter musst erst geschickt manipuliert werden, bevor er nach unten kann. – So ging es mir mit einer Reihe von Szenen. Wie würde ich die im Spiel umsetzen? Erstaunlich leicht, schien es mir oft. Was für ein Spiel würde daraus entstehen? Denn im Roman hat die Hauptfigur keine Auswahlmöglichkeit, er tut, was er tut, und die Handlung wird dadurch beeinflusst. Im Spiel kann der Spieler, und damit die Spielerfigur, seine Handlungen wählen, und wenn man diese Freiheit zu sehr einschränkt, wird tatsächlich nur eine herkömmliche Geschichte daraus. Aber das ist mir alles noch nicht ganz klar.


Aaron A. Reed, Creating Interactive Fiction With Inform 7.

450 Seiten, daran habe ich lange gelesen. Wer’s nicht mitgekriegt hat: meine letzte Marotte ist das Schreiben von Textadventures mit der Programmiersprache Inform 7. Ich hatte zuvor schon das Inform 7 Handbook von Jim Aikin gelesen, dazu das erste Drittel der sehr umfangreichen Dokumentation in der Entwicklungsumgebung, und Inform for Programmers von Ron Newcomb. Grundwissen war also schon da, aber das ist gar nicht so nötig, Reed macht einem den Einstieg leicht.

Ein erstes Kapitel erklärt, was Interactive Fiction ist, für welche Art Geschichten das geeignet ist und für welche nicht. Dann stellt Reed ein Konzept für ein Spiel vor: die ausführliche Beschreibung des Spiels, wie es am Schluss dastehen soll, und wie man es sich vor dem Schreiben eines Spiels anlegen sollte. Reeds Beispiel-Geschichte heißt “Sand-dancer”; der Quelltext zu den einzelnen Kapiteln steht – falls man ihn nicht abtippen möchte – jeweils im Web.
In den weiteren Kapiteln wird nach und nach dieses Spiel programmiert. Das erste Drittel sind die Grundlagen: Gegenstände und Schauplätze anlegen und erste einfache Rätsel. Im zweiten Drittel geht es um das, was am ehesten an traditionelle Programmierung erinnert: spezielles Verhalten von Objekten und Nichtspielercharakteren. Das letzte Drittel enthält weitere Manipulationen der Spielumgebung und Feinheiten zum Abschluss und zur Veröffentlichung von Spielen, zur Rolle von Betatestern und zum Debuggen.
Gut, aber spärlich, sind die kleinen “Programmer’s Notes” zwischendurch, die jemandem, der vom traditonellen Programmieren kommt, einige Inform-Konzepte auf technischere Weise erklären.

Insgesamt sehr gut. Es stecken noch viele Einmerker im Buch an Stellen, die ich mir später noch einmal anschauen muss. Auch wenn sich Reed auf die wichtigsten Funktionen beschränkt, waren mir manche Punkte zuviel beim ersten Durchgang. Ich habe nebenbei natürlich immer wieder programmiert, bis mir der Kopf geschwurbelt hat vor Code. In manchen Kapiteln werden Objekte mit dem bisher vermittelten Wissen vorbereitet für spätere Kapitel; mir wäre es lieber gewesen, die Vorbereitung auch auf später zu verlegen, aber das ist vielleicht Geschmackssache. Ein dickes Plus auf jeden Fall für die Kapitel zu Erzählweise bei Interactive Fiction – welche Äquivalente es zu Exposition, steigender Handlung, fallender Handlung und so weiter gibt. Aber da werden mir sicher die zwei Bücher noch mehr sagen, die ich mir im Zuge der Reed-Lektüre besorgt habe: Hamlet on the Holodeck. The Future of Narrative in Cyberspace von Janet H. Murray und die Anthologie Second Person. Role-Playing and Story in Games and Playable Media von Pat Harrigan und Noah Wardrip-Fruin.

Tag der Deutschlehrer 2012

Oder von mir aus auch der Tag der Englischlehrer 2012. Wo bleibt der denn?

Im Fach Informatik gehe ich auf viele Fortbildungen, es werden auch viele angeboten. Die LMU München hat eine größere jährliche Fortbildungsveranstaltung für Informatiklehrerinnen und ‑lehrer, die TU München auch, daneben kleinere Veranstaltungen. Andere Unis machen das ebenso. Es gibt einen großen bayerischen Informatiklehrertag, der von Jahr zu Jahr von Uni zu Uni wechselt – ich war schon in Passau und München dabei, im Oktober bin ich in Würzburg.

Referenten sind da geschätzt zu drei Vierteln Schullehrer, die Projekte oder Werkzeuge vorstellen; zu einem Viertel sind es Hochschullehrer, meist Didaktiker. Kann je nach Veranstaltung anders sein.

Für die naturwissenschaftlichen Fächer kenne ich zumindest ansatzweise vergleichbare Konzepte. Für Deutsch oder Englisch kenne ich nichts in dieser Art.

  1. Entweder es gibt so etwas, und ich nehme das nicht wahr.
  2. Oder es gibt so etwas nicht, weil es kein Angebot dazu gibt.
  3. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Nachfrage danach besteht.
  4. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Notwendigkeit dazu besteht.

Zu 1: Kann schon sein. Fortbildungsangebote gibt es schon immer wieder mal, aber gefühlt weit weg oder zu speziellen Themen. Ein kurzer Blick in den Schulbriefkasten: “Wie schreibt man einen Brief? Theorie und Praxis der antiken Epistolographie”, eine Lehrerfortbildung in Weimar, vierstündiges Seminar “Freies Erzählen”; das Programm der Akademie Dillingen mit allenfalls “Journalistische Schreibformen im Deutschunterricht”, das aber gleich fünf Tage lang.

Zu 2: Kann auch sein. Haben die Unis da kein Interesse? Also, ich könnte als Referent schon einen Workshop anbieten. Die Rolle der Metrik im Deutschunterricht (Blogeinträge: Germanische Langzeilen, fünfhebige Jamben, Metrik und Musik, Robert Gernhardt) etwa. Und zu bloggen. Jochen hätte sicher genug zu Englisch, und mir fallen auch Kollegen ein, die zu Deutsch etwas zu sagen hätten. (Baskerville-Workshop, Herr Kollege?)

Zu 3: Kann auch sein. Vielleicht bilden sich Deutschlehrer eher weiter, indem sie Fachzeitschriften lesen… Das Verhältnis des Kultusministeriums zu Fortbildungen ist ambivalent, so richtig ermuntert, Fortbildungen zu machen, werden Lehrer nicht – jedenfalls nicht zu fachwissenschaftlichen/didaktischen Themen, mehr so Qualifizierung für Führungspositionen. Ich denke aber doch, dass sich auch Deutschlehrer gerne mal zum Austausch träfen.

Zu 4: Zugegeben: Informatik ist ein junges Fach mit vielen Fragen, die noch diskutiert werden müssen. Da bieten sich Fortbildungen an. Vielleicht haben sich Fachdidaktik und Schule im Fach Deutsch nichts mehr zu sagen? Vielleicht sind Deutschlehrer schon voll qualifiziert und brauchen keinen Austausch?
Oder es liegt daran, dass an einer Schule selten mehr als zwei, manchmal sogar noch weniger Informatiklehrer sind. Deutschlehrer dagegen gibt es an Schulen zuhauf, die können sich ja eh gegenseitig fortbilden, sollte man meinen. Mhja. Trotzdem, man könnte ja mal so etwas überlegen. Man bräuchte für den Anfang, ganz klein gehalten, nur eine Schule mit Mensa, ein paar frei zu machende Räume (auch mit Computern), einen Hauptvortrag von der Uni und Referenten für ein paar Workshops. Kollege Z., Interesse?

Lektüre in Physik, Mathematik, Biologie

Was sagt das eigentlich über den Stellenwert von Büchern aus, wenn nur im Sprachenunterrricht Lektüren gelesen werden – in Deutsch, Englisch und wohl auch noch Französisch?

Ein Schüler muss doch den Eindruck bekommen, dass es in Informatik, Mathematik, Physik, Biologie und Chemie nichts gibt, das man aus oder anhand von Büchern lernen kann. Ich glaube nämlich nicht, dass Schulbücher als reguläre Bücher gesehen werden.
Gibt es denn Bücher, die sich als Lektüre begleitend zum (natur)wissenschaftlichen Unterricht eignen? Ich vermute schon. Lässt der Lehrplan die Lektüre zu? Sicher. Lässt die Stofffülle das zu? Kann ich nicht beurteilen, klingt aber häufig so man braucht ja auch Zeit zum experimentieren.
Vielleicht stimmt meine Prämisse nicht und es lässt sich aus Büchern in diesen Fächern in diesem Alter nichts lernen.

Fußnote: Es wird kolportiert, dass gelegentlich im Geschichts- oder Ethikunterricht doch Lektüren gelesen werden. Soll sein, soll sein. Ich kenne allerdings das Phänomen, das Deutsch-Geschichtslehrer als Deutschlektüre bevorzugt zu historischen Themen greifen. Finde ich auch völlig in Ordnung, solange an dem Buch trotzdem Inhalte des Deutschunterrichts herausgearbeitet werden (Perspektive, Aufbau, Bildersprache, Motive, Personenkonstellation) und nicht des Geschichtsunterrichts.