Blogparade und anderes Lesenswertes

1. Blogparade

Eine Blogparade: Da schreiben viele Blogger zu einem Thema und verlinken ihre Beiträge zentral. Ausgerufen hat Herr Larbig das Thema Reflektierende Praktiker: Wie sieht für mich als Praktiker meine routinemäßige Reflexion des Unterrichts aus? Schon viele Lehrende haben daran teilgenommen. (Lesen zum Beispiel: Miss Wirtschaft, Abulafia), ich bisher noch nicht, weil – ja, weil ich nicht viel dazu zu sagen habe.

Ich führe kein Arbeitsjournal, in das ich meinen Unterricht eintrage und das ich als Basis für Reflexion nutze. Ich führe sehr selten und keineswegs systematisch Fragebogen-Feedbackrunden mit Schülern durch.

Ich archiviere mein Material gründlich (digital) und notiere mir dabei, was ich beim nächsten Mal anders machen sollte. Das gilt vor allem für Informatik, da sich da der Stoff von Jahr zu Jahr wiederholt und ich zum Beispiel Informatik in der 10. Jahrgangsstufe jetzt zum fünften Mal hintereinander haben werde. Reflexion geschieht durch Gespräche an der Theke im Lehrerzimmer, wie sie wohl jeder führt, und durch unsystematisches Nachdenken. Ich nehme als Maßstab dabei gerne, vielleicht zu gerne, Klassen aus vergangenen Jahren, was mit denen ging und was nicht. Natürlich ist jede Klasse anders, und ich versuche auch selten, etwas direkt zu wiederholen, weil mir die Erfahrung gezeigt hat, dass das nicht klappt.
Trotzdem stelle ich Unterschiede zwischen den Klassen fest. Oder sollte ich das nicht tun und davon ausgehen, dass mit den richtigen Methoden aus jeder Klasse das gleiche herauszuholen ist, und ich die Methoden nur noch nicht gefunden habe?


2. Programmieren wie Hemingway

Via einem Tweet von Ich bin Off: If Hemingway wrote Javascript von Angus Croll. Das Schreiben von Gedichten oder Geschichten und Programmcode ist ja näher verwandt, als man vielleicht glaubt, wenn man sich nur für eines davon interessiert. (Gerade beim objektorientierten Programmieren kann das ein dramatisch Hin- und Her zwischen Akteuren sein, bis endlich klar ist, wer was macht.) „Code is Poetry“ lautetder WordPress-Slogan; und Jon Bentley fragte 1986 provokativ: „When was the last time you spent a pleasant evening in a comfortable chair, reading a good program?“, um zu einer anderen Art des Programmierens aufzufordern.

Croll untersucht, tongue-in-cheek natürlich, wie Ernest Hemingway, William Shakespeare, der Surrealist André Breton, Roberto Bolano und schließlich Charles Dickens Progammcode geschrieben hätten, und zwar jeweils anhand der gleichen Aufgabe: die Fibonacci-Zahlenfolge auszugeben.

Das kann man auf mindestens drei grundverschiedene Arten machen, und man kann knapp und präzise schreiben wie Hemingway, oder mit reichlich Kommentar versehen wie Shakespeare, oder mit irreführenden Variablenbezeichnern wie bei Breton.
Selber neige ich zumindest inzwischen zu Shakespeare, denke ich, und meine Schüler zu Breton.


3. Sollten Schüler Lehrer mögen?

Andreas Kalt stellt die spannende Frage: Sollten Schüler Lehrer mögen? Darin verlinkt ist ein Blogartikel von Michael Kaechele. Dessen Meinung, die Andreas teilt: ja. „Our first job as educators is to build relationships with students. How can students learn from or with us if they do not like us?“ Wenn ich an meine eigene Schulzeit denke: Ich kann mich auf jeden Fall besser an den Unterricht erinnern bei Lehrern, die ich gemocht habe. Heißt das, dass ich da auch mehr gelernt habe? Allerdings kann ich mich auch gar nicht an Lehrer erinnern, die ich nicht gemocht hätte. Vermutlich gab es keine solchen; ich war nicht anspruchsvoll. Gemerkt habe ich mir ohnehin vor allem Anekdotisches, also alles, was mit Geschichten verbunden war – unabhängig davon, wie ich zum Lehrer stand. Verehrt habe ich zwei Lehrer.

Ich glaube, dass Schüler gerne zur Schule gehen sollten, und dass dazu unter anderem gehört, dass sie die mindestens ein paar Lehrer mögen. Ich glaube nicht, dass es der Freude an der Schule Abbruch tut, wenn viele Lehrer dabei sind, die den Schülern völlig egal sind. Ich glaube auch nicht, dass man bei solchen Lehrern weniger lernt. Es sollte aber auf keinen Fall so sein, dass Schüler Lehrer aktiv nicht mögen; dann lernt man schlecht.

„But I do believe that teachers should get to know students personally,“ schreibt Kaechele. Weiß nicht. Mich hat keiner gekannt, und das war völlig in Ordnung.


4. Schüler Blogs lesen lassen

Auch bei Andreas Kalt (zefix, die anderen schreiben gerade alle viel Interessanteres als ich): Horizonterweiterung und Berufsorientierung mit Blogs.

Der Ausgangsgedanke war, dass Andreas‘ berufliche Weiterbildung zu einem Großteil auf Blogs zum Thema Bildungs basiert. Meine übrigens auch. Er erklärte seinen Schülern das Konzept personal learning network und gab ihnen sechs Wochen Zeit, Blogs zum eigenen Interessensgebiet zu verfolgen. Hintergrundwissen: Blog, Blogroll, RSS.
Nach diesem Projekt hat Andreas die Schüler dazu befragt; nun veröffentlicht er die Antworten.

Das habe ich bisher nur mal im Informatik-Kurs gemacht, aber eigentlich gehört das auch in meine nächste Deutsch-Oberstufe.

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5 Thoughts to “Blogparade und anderes Lesenswertes

  1. Klar. Aber an der Mittelstufe kennen die Lehrer ihre Schüler wohl tatsächlich besser, so klang das jedenfalls. Und in den USA sieht man als Lehrer seine Schüler fünfmal pro Woche und nicht drei-, zwei oder einmal, wie bei uns.

  2. Genau das macht es eben etwas schwierig. Dass es sinnvoll ist, ’seine‘ Schüler zu kennen (sofern diese das wollen – aber was genau man da dann kennt, ist wiederum eine andere Frage) würde doch keiner bezweifeln. Nur den nötigen Rahmen zu schaffen (d.h. kleinere Klassen, bessere Betreuung, mehr Wahlangebote, lockere Atmosphäre, weniger Druck etc.) will wohl keiner.

  3. Für die meisten Schüler macht es m.E. keinen wesentlichen Unterschied, ob der Lehrer sie kennt oder nicht. Ich kenne freilich eine sehr gute Schülerin, der für ihr ganzes Leben wesentlich geholfen hat, dass eine Lehrerin ihre private Situation verstanden hat.
    Deshalb halte ich es für wichtig, dass man als Lehrer lernt, Schüler möglichst gut zu verstehen. (Das ist manchmal wirklich nicht leicht.) Ein wichtiges Hilfsmittel dafür – und für anderes – ist Supervision (http://fontanefan.blogspot.de/2012/08/supervision-als-wichtiges-hilfsmittel.html)

  4. Ein guter Freund ovn mir hat ein ähnliches Problem mit Facebook und nicht umbedingt mit Blogs. Ich denke, dass heutzutage Blogs eher abnehmen (außer unter jungen Mädchen). Allerdings ist es egal ob der Lehrer mit in FB befreundet ist oder Blogs liest. Er erzeugt immer ein Problem, weil er quasi in das Privatleben reinleuchtet. Auf Facebook verstößt er sogar formal gegen das „Verbrüderungsverbot“, welches in der Regel für Lehrer gilt.
    Allerdings sind Lehrer auch Personen, die Probleme oftmals früh sehen und vielleicht sogar reagieren können. Deshalb ist es ein zweischneidiges Schwert. Ich denke der beste Weg ist Lehrer im Umgang mit Social Medias zu schulen und auf die Risiken aber auch Vorteile aufmerksam zu machen. Ein Verbot ist sowieso nicht wirklich möglich.

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