Einführungsveranstaltung für das Lehramt Informatik

an der LMU. Da war ich heute. Zusammen mit einer Kollegin stellte ich den Studiengang Informatik für Gymnasium/Realschule vor. In einer Präsentation habe ich etwas übers Informatiklehrersein am Gymnasium erzählt – 50%-Chance, dass man Systembetreuer wird; schöne Kombinationen mit dem Zweitfach möglich; sehr kreatives Fach.

Dann erzählte die Kollegin etwas über die Realschule. Im Studium macht man fast das gleiche wie beim Gymnasium; in der Schule braucht man davon aber kaum etwas – anders als beim Gymnasium, wo man aus allen Bereichen zumindest die Grundlagen anwenden kann. Programmiert wird an der Realschule übrigens kaum.

Und zum Schluss, für die Studenten sicher am interessantesten, ging es um das Studium. Das Lehramtsstudium ist weiterhin ein Staatsexamen, kein Bachelor. Das heißt, die Note am Schluss kommt erst durchs Examen, nicht durch Klausuren während des ganzen Studiums. Benotete Klausuren gibt es allerdings schon. Bologna ist nicht spurlos am Staatsexamen vorbeigegangen; es gibt Module, die man in mehr oder weniger flexibler Folge erledigen muss, und dafür kriegt man dann Credits.

Eine Studentin stellte sich am Schluss als die Schwester einer Schülerin heraus, Abitur vor ein paar Jahren, die ich etliche Jahre unterrichtet habe. Kleine Welt.

– Danach ging’s in die Schule. Der Stundenplan will es dieses Jahr, dass ich mittwochs erst um 14 Uhr anfange, dafür bleibe ich bis viertel nach fünf. Luxuriös. Es mussten heute also gar keine Stunden ausfallen trotz meiner Abwesenheit. Mit der einen Klasse habe ich wieder Textadventures gemacht, durch technische Schwierigkeiten im Computerraum aufgelockert.

Und in der Tagesschau ging es darum, dass Algorithmen für automatisierten Börsenhandel öffentlich gemacht werden sollen. Habe ich mir gleich heruntergeladen für den Informatikunterricht. Und dabei gesehen, dass ein Fenster auf einem Computerschirm, das ganz toll technisch aussieht, voll mit Pings an 127.0.0.1 ist. Um, braucht man das auf so einem Rechner, oder ist das nur Show fürs Fernsehteam, damit es ordentlich blinkt?

10 Antworten auf „Einführungsveranstaltung für das Lehramt Informatik“

  1. Hat sich eigentlich an der Verteilung Männlein / Weiblein bei den Schülern, die am Informatikunterricht teilenehmen, was geändert? Frage würde sich natürlich erübrigen, wenn das inzwischen Pflichtfach wäre (bin seit mehr als 2 Dekaden aus der Schule raus ;)…

  2. In Bayern ist das in 6./7. und im naturwissenschaftlichen Zweig in 9./10. tatsächlich Pflichtfach. Danach kann man das bis zum Abitur wählen, und da ist die Frauenquote sehr gering. Deutlich geringer als bei der Einführungsveranstaltung übrigens, mit einem Drittel Frauen.
    Dieses Jahr sind’s an meiner Schule etwas mehr. Ich beobachte die Entwicklung in diesem Kurs sehr interessiert.

  3. Ah, interessant…soviel hat sich also nicht geändert. In den späten 80ern war Informatik an dem Gymnasium, das ich besuchte, ein brandneues Fach. Damals lernte man noch Pascal ;)

    A pros pos Naturwissenschaften: Ein Freund von mir ist gerade im Referendariat Physik an einer Realschule tätig. Er erzählte, dass es in seiner Truppe tatsächlich mehr weibliche als männliche Referendare in Physik gäbe. Jessas, hätte ich nicht erwartet! so meine Reaktion. Und, um das Klischee zu vollenden: Vermutlich der graumäusige, geschlechtsneutrale Typ weibliches Wesen, der früher vornehmlich in den Naturwissenschaften anzutreffen war? Er darauf: Mitnichten! Hohe Absätze, langes Haar & kurvenbetonte Kleider seien nicht unüblich unter den angehenden Physiklehrerinnen. Ich: ?!?!!! Er: Osteuropa. ACH SO.

  4. Pascal… Luxury! Wir hatten damals ein paar Monate Pflicht innerhalb des Mathematikunterrichts, mit BASIC. (Die armen Mathematiklehrer.)
    Bei uns gibt’s immer noch mehr männliche Physiklehrer, Tendenz fallend, und nicht mit viel Vorsprung. Überraschend flott (für so alte Leute wie mich) sind immer wieder viele der Referendarinnen.

  5. Ich weiß jetzt nicht, ob das verallgemeinerbar für alle bayerischen Realschulen ist, aber von den 11 neuen Lehrkräften, die wir heuer bekommen haben, waren 10 Frauen. Der eine Mann hat Deutsch und Erdkunde.

    BTW und nur der Korrektheit halber: An der Realschule gibt es gar kein Fach “Informatik”. Das heißt eigentlich Informationstechnologie (IT) und ist ursprünglich aus dem Bereich Tastschreiben/Steno/TZ entstanden. Ist aber ein ganz tolles Fach, weil die Inhalte zwar wenig technisch, dafür aber sehr praxisnah sind und man immer nur halbe Klassen unterrichtet, die zudem in aller Regel sehr motiviert sind.

    Die Lehrberechtigung für dieses Fach wurde in den letzten Jahren den Referendaren während des Seminarjahrs (wir haben 1 Jahr Seminarschule, 1 Jahr Einsatzschule) in einem Zusatzkurs mehr oder minder hinterhergeworfen, was sich leider ziemlich auf die fachliche Qualität der Lehrenden ausgewirkt hat. Wenn man aber ein, zwei gute Leute an der Schule hat, die den anderen weiterhelfen, klappt das recht gut.

    Falls jemanden interessiert, was da gemacht wird:
    http://tiny.cc/ejzclw

  6. Stimmt, das Fach heißt IT, und ist zusammengewürfelt, was man aber nicht sagen soll, weil das dann nicht so gut wirkt. Der Studiengang heißt Informatik, aber zumindest zur Zeit haben das die wenigsten IT-Lehrer an der Realschule studiert. Dafür kommen viele der IT-Inhalte im Studium gar nicht dran, CAD etwa.

    DIe LMU München hat vor ein paar Jahren die Informatik-Realschullehrerausbildung übernommen, und seit diesem Jahr gibt es unter den teilabgeordneten Lehren auch eine Realschulkraft, damit wir etwas mehr für diesen Studiengang tun können. (Link dazu.)

  7. » Dafür kommen viele der IT-Inhalte im Studium gar nicht dran […]

    Das ist jetzt mal leider kein Alleinstellungsmermal des Studienfachs Informatik…

  8. Und: An der Realschule ist das Fach IT von 6 bis 10 Pflicht.

    Die Zusatzausbildung habe ich zur Hälfte auch genossen – die Anstellungslage damals war schlecht – habe es aber nicht beendet, weil ich hörte, dass man später gern dann nur in IT eingesetzt wird. Und das wollte ich nicht.

    CAD wird übrigens gern auch von den Kunst-/Werkenlehrern unterrichtet – was die aber im Studium auch wenig gesehen haben.

    Anmerkung zum Geschlecht: Wir haben ein Kollegium von 45 und mehr Mitgliedern (mit Aushilfen schwankt es), 7–9 davon Männer (je nach dem, ob man mit Reffis zählt, Reffizahlen: 2m/2w).

  9. Moin, hast Du vielleicht noch einen Link zu der Tagesschau Sendung ? Das würde bei mir in der E‑Phase gerade perfekt in den Unterricht passen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.