Hoffmanns Erzählungen

Gestern kamen Hoffmanns Erzählungen im Fernsehen, die Wiederholung einer Aufnahme aus der Bayerischen Staatsoper von 2011. Hoffmanns Erzählungen ist eine Oper von Jacques Offenbach mit etwas turbulenter Textgeschichte. Uraufführung 1881, Libretto von Jules Barbier, nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré, basierend auf Motiven aus Novellen von E.T.A. Hoffmann.

Die Rahmenhandlung: Der Schriftsteller Hoffmann ist unglücklich verliebt und hat auch noch einen Widersacher. Die Muse der Dichtkunst glaubt trotzdem, dass er ihr abtrünnig werden könnte. Deshalb begleitet sie Hoffmann in menschlicher Gestalt. Hoffmann sitzt mit Studenten in der Kneipe und erzählt von seinen früheren unglücklichen Liebesgeschichte: drei von einander unabhängige Einzelhandlungen, verbunden allerdings dadurch, dass nicht nur Hoffmann in jeder Geschichte auftaucht, sondern auch seine jeweilige Geliebte und der jeweilige dämonische Widersacher von denselben Künstlern dargestellt werden.

Die erste dieser Geschichte ist an den „Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann angelehnt. Von seiner Muse etwas ermuntert erwirbt Hoffmann (nicht Nathanael, wie in der Novelle) vom Augen- und Brillenhändler Coppelius eine Brille (in der Novelle: eine Art Fernglas), durch die er die Welt anders wahrnimmt. Insbesondere die lebensgroße Puppe Olympia des Mechanikers Spalanzani hält er für einen Menschen und verliebt sich in sie.

Wenn ich den „Sandmann“ von Hoffmann mit Schülern lese, was ich schon lange nicht mehr getan habe, spiele ich ihnen auch zwei Arien aus der Oper vor. Die erste ist ein Lied, das Olympia auf einem Ball singt – abgehackt, mechanisch, und mit zwei Unterbrechungen, als sie erst wieder aufgezogen werden muss. (Der verliebte, immer noch die Brille tragende Hoffmann sieht das natürlich ganz anders.)

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(Diana Damrau, Bayerische Staatsoper 2011)

Olympias Lied

OLYMPIA
Phöbus stolz im Sonnenwagen,
Nachtigall, im grünen Hage,
Alle jungen Mädchen sagen
Von Lieb!
Ach, sie sprechen von Lieb, ach!
Ja, das sind des Liedes Klagen,
So singt auch Olympia!
Ach.
Alles jubelt laut, es klinget:
Wenn es immer nur so blieb!
Ach, das Herz es sanft durchdringet
Mit Lieb!
Ach, sie sprechen von Liebe.
Das sind ja Liebeslieder,
Es singt auch Olympia!
Ach.
Ach, ja dieses Lied auch singet Olympia.
Ach.

Und dann ist dann der wilde Tanz zum Ende des Balls. Auf dem Höhepunkt stürmt Coppelius herein, der die Augen für Olympia geliefert hat, aber um das Geld dafür betrogen worden ist. Er zerstört die Puppe, Hoffmann wird ausgelacht, nachdem er die Wahrheit erkannt hat. Sein melodramatische „Ein Automat! Ein Automaaaaat!“ ist – Frau Rau zu danken – sprichwörtlich in meinem Haushalt geworden.

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COCHENILLE
Der mit den Brillen ist da!
SPALANZANI
Allmächtiger Himmel, Olympia!
Spalanzani eilt hinaus und kehrt sogleich mit Coppelius wieder zurück.
HOFFMANN
Olympia!
SPALANZANI
Ha! Tod und Teufel, sie ist zerbrochen.
HOFFMANN
Zerbrochen?
COPPELIUS
Ha, ha, ha, ha! In Stücken, ja.
SPALANZANI
O Schelm!
COPPELIUS
Du Dieb!
SPALANZANI
Brigant!
COPPELIUS
Du Strolch!
SPALANZANI
Bandit!
COPPELIUS
Pirat!
HOFFMANN
Ein Automat!
CHOR
Ha, ha, ha, das ist geraten,
Er liebt einen Automaten.

Bislang habe ich den Schülern eine deutsche AUfnahme vorgespielt; vielleicht zeige ich in Zukunft die Aufnahme dieser französische Aufführung, weil einige Stellen – auch in den anderen Akten – schön gruslig dargestellt sind.

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2 Thoughts to “Hoffmanns Erzählungen

  1. In Zeiten, in denen sich Menschen leidenschaftlich in ein virtuelles Profil verlieben können, sicher keine schlechte Wahl für den Unterricht ;)

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