Abiturfeier 2014

Gestern war die Abifeier. Ich kannte nur einen kleinen Teil des Jahrgangs und hatte nur wenige Schüler davon im Seminar (11. und die erste Hälfte der 12. Jahrgangsstufe), bin aber trotzdem hin.

abitur2014_gruppenfoto

Beste Rede des Abends: Die des Schülers, der für die Abiturienten sprach. Das Reden machte ihm sichtlich Spaß, aber er wirkte dabei nicht wie jemand, der sich grundsätzlich gerne reden hört. Sehr entspannt vorgetragen, mit einem überraschenden Einstieg. („Manche haben sich gewundert, als sie hörten, dass gerade ich die Rede halten würde. Ich bin kein besonders fleißiger Schüler, aber ich bin auch kein [Name eines Mitschülers]. Ich bin kein besonders schlechter Schüler, aber ich bin auch kein [Name eines anderen Mitschülers].“) Und so weiter. Das Gelächter unter den Erwachsenen war am Anfang etwas ungläubig, aber in der Situation hat die Rede gepasst.
Es folgte ein Blick zurück, mit angemessenem Maß an Selbstkritik, und ein Blick nach vorn, mit angemessenem Optimismus. Mir fehlte zumindest eine Note von Kritik an konkreter Schule oder Schulsystem, aber man man nicht alles haben.

abitur2014_pferd

Gegenpunkte dazu setzen Elternbeirat und die betreuende Oberstufenkoordinatorin, die die Abiturienten vorsichtig daran erinnerten, dass sie es doch eigentlich ganz gut hätten. Der stellvertretende Landrat wünschte den Abiturienten ein „Chillen Sie erst mal“, auch angesichts der vielen der Abizeitung zu entnehmenden Reisepläne nach Neuseeland. Nu. Besser gefiel mir der sehr authentisch wirkende neue Oberbürgermeister der Stadt, der nicht nur ein paar Spitzen gegen das G8 abließ, sondern den Abiturienten angesichts der Neuseeland-Popularität riet, sich doch mal per Zug in Europa umzusehen, nur so als Vorschlag.

Dauer: knapp 4 Stunden, mit einer halben Stunde Pause dazwischen. Gelobt sei ein Schüler, der wenigstens ein kleines anarchisches Zeichen setzte und die ganze Veranstaltung über, Zeugnisübergabe eingeschlossen, mit einem Eselskopf herumlief. Vielen Dank dafür!

Die Kleidung war bei den Herren etwas festlicher als die letzten Jahre, bei den Damen dominierte das Cocktailkleid, eine Handbreit überm Knie, aber auch ein paar lange Kleider gab es. Am besten gefielen mir aber die schlichten Sommerkleider, gepunktet oder mit Blumen. Bei der Abiturzeignisvergabe ist es im Gebäude immer recht warm, da passt die sommerfrische Kleidung vielleicht eher als die edle.
Beste Frisur des Abends: kurz. (Und gepunktetes Kleid dazu.) So richtig Jean Seberg in „Außer Atem“. Kurz gefällt mir überhaupt bei den meisten Frauen am besten. Populär scheinen zur Zeit aber Brautlocken zu sein.

14 Antworten auf „Abiturfeier 2014“

  1. Die Entlassfeier ist bei uns eine Dienstveranstaltung (weshalb man sich auch bemüht, die Veranstaltung auf 2 h zu begrenzen), die Teilnahme am Abiball dann freiwillig.

  2. Hm. Hat Vor- und Nachteile und hängt wohl auch mit der Tradition und der Anzahl sonstiger Dienstveranstaltungen an der Schule zusammen. Ich bin ja erst mal für Freiwilligkeit.

  3. Höre ich da richtig zwischen den Zeilen, dass Ihnen das alles einen Tick zu angepasst und Friede-Freude-Eierkuchen war?

  4. Stimmt, aber mir ist es ja auch schwer recht zu machen. Das andere Extrem, dass Abifeiern für Abrechnungen benutzt werden, mag ich noch weniger. Und es war deutlich weniger Selbstbeweihräucherung dabei als bei anderen Jahrgängen. Pluspunkte gibt es für gute Conferenciers und Schülerrede und dafür, dass möglichst wenig auf dem Abimotto herumgeritten wird.

  5. Es gibt einen Fortschritt. Was du beschreibst, hat mit dem Byzantinismus früherer Jahre (vor dem Vorhandensein einer feierfähigen Aula) nicht mehr allzuviel zu tun. Jetzt noch ein paar überflüssige Reden streichen (Oberstufenkoordinator, Elternbeirat, profilierungssüchtiger Politiker) und den albernen Catwalk mit Gedudel könnte man outsourcen, so als Videofilm, dann nähern wir uns einer zivilisierten Feier von zweieinhalb Stunden Dauer.

  6. Versuche mich gerade zu erinnern, wie das Ende der 80er war…Zeugnisse wurden verteilt, Reden wurden gehalten, ob von Schülern erinnere ich nicht. Sehr gut erinnere ich hingegen die Abrechnung des Direktors mit unserem Jahrgang, der, so sagte er, der schlechteste seit vielen Jahren gewesen sei, und ein Armutszeugnis für die Schülerschaft (die Lehrerschaft erwähnte er nicht). Einige Eltern rangen deutlich hörbar nach Luft. Nach der Veranstaltung sprach sich der Freund einer Mitschülerin von mir, der 2 Jahre vor uns Abi gemacht hatte und somit einer noch weit politisch-kämpferischen Abiturientengeneration entstammte, lobend über meinen rebellischen Akt und „das Zeichen“, was ich gesetzt hätte aus, weil ich in Jeans auf die Tribüne gegangen war, um mein Zeugnis entgegen zu nehmen. Ich war irritiert: Die Jeans hatte ich getragen, weil ich keine festlichen Klamotten in petto hatte. Allein aus diesem Grund.

  7. Hm, bei uns lief das alles sehr zivilisiert-kulturell wertvoll ab. Ich kann mich erinnern, Bockflöte gespielt zu haben, oder aber auch Klavier. Die Direktorin hielt eine zahme bis lahme Rede, wir bedankten uns zahm bis lahm, und dann wurde gefeiert und am späteren Abend der ministerielle Prüfer den Schülerinnen gegenüber etwas zudringlich. Wir hätten icht im Traum daran gedacht, an irgendjemandem oder etwas Kritik zu üben, der Rahmen schien uns dafür dezidiert zu feierlich. Und wir waren sehr wohlerzogen, glaube ich. Hm. Da steht es mir schlecht an, die angepasste Haltung der jetzigen Abiturientengeneration zu kritisieren.

  8. Hat der Schüler mit dem Eselskopf denn eine Titania gefunden, die sich spontan in ihn verliebt hat? Und hat er den Kopf auch bei der Überreichung des Abiturzeugnisses aufbehalten?

    Schön, dass der Schüler, der die Rede hielt, Mut zu etwas Originalität hatte. – Was die grundsätzliche Kritik an Schule oder Schulsystem angeht, so hoffe ich seit Jahren vergebens, dass irgendjemand mal auf die Idee kommt, in einer Abi-Zeitung so etwas anzugehen. Aber nein, da muss natürlich betont werden, wie cool man ist und zwei Jahre lang (oder acht) gewesen ist.

  9. Mitte der 1980er bei uns: Keine Rebellion, aber auch kein großes Drumherum. Schule war etwas, das nebenbei lief – wir trafen uns oft genug am Lech zum Grillen und Biertrinken und Singen, aber Facharbeitenabgabe und Zeugnisverkündung waren nichts Zelebrierenswertes. Mottos kannten wir nicht.

    >Und hat er den Kopf auch bei der Überreichung des Abiturzeugnisses aufbehalten?

    Aber klar. (Übrigens ein Informatiker und Programmierer.)

  10. Wie sah die Abizeitung/der Abibericht aus?
    Rückblickend war die damals fast das beste Produkt meiner Abizeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.