11 Fragen

Das Szlauszaf Thomas Hochstein hat zum wiederholten Mal bei dieser Sache mit den 11 Fragen mitgemacht, und weil das schon das dritte Mal ist, nimmt er das mit den Regeln nicht so genau. Ich war auch schon Teilnehmer, glaube ich, deswegen spiele ich jetzt gar nicht richtig mit, aber Thomas‘ Fragen, die er allen seinen Lesern freigestellt hat, will ich doch beantworten. Denn sie beziehen sich eher technisch aufs Bloggen, das mag ich, und es sind noch Sommerferien, so dass ich nichts von der Schule zu erzählen habe.

1. Welches Blogsystem nutzt du, und wie hast du dich dafür entschieden?

WordPress (offiziell: WordPress, und es ist gar nicht so leicht, das WordPress-System „WordPress“ schreiben zu lassen). Angefangen hatte ich vor zwölf Jahren mit Greymatter, weil es dafür keine SQL-Datenbank im Hintergrund brauchte, über die ich damals noch nicht verfügte, und weil ich Greymatter von dem einen Blog, dem ich folgte, bereits kannte. Bald stieg ich auf den damaligen Platzhirsch MovableType um – wie ich darauf kam, weiß ich auch nicht mehr. Als MT nach ein paar Jahren nicht mehr wirklich kostenlos zu benutzen war, stieg ich – wie viele, viele andere MT-Nutzer – auf WordPress um. Warum MT? Ich weiß es nicht mehr; sah mir einfacher aus als Typo3.

2. Gibt es daran etwas, was du besonders schätzt oder was du vermisst, und wenn ja: was?

Ich schätzte die Einfachheit, die vielen Plugins und die aktive Community. Ganz schlecht ist aber die Verwaltung von Bilddateien.

3. Welche (max. 5) Plugins für dein Blogsystem kannst du empfehlen, und warum?

Für Schulhomepages mit WordPress: Global Post Password, damit kann man für alle passwortgeschützten Beiträge das gleiche schulöffentlich bekannte Passwort setzen. Limit Login Attempts zur Sicherheit, um Brute-Force-Angriffe auf die Anmeldeseite zu verhindern. Remove WordPress to WordPress filter, um in Ruhe „WordPress“ mit kleinem „p“ schreiben zu können, wenn ich will.
Ansonsten habe ich noch viele Plugins installiert, aber keine sehr dringenden.

4. Hostest du Dein Blog selbst oder nutzt du einen Blogprovider, und: warum?

Selbst gehostet, unbedingt. Ein Provider hat den einen Vorteil, dass das Blog auch einem plötzlichen Ansturm von Anfragen gewachsen ist, wenn man überraschend von einer großen Seite verlinkt wird. Ansonsten will ich selber wissen, wie das System funktioniert, will mich selber um Backups kümmern, will an meinem Blog gestalten können, was ich will. Wenn mein Blog bei WordPress gehostet wäre, könnte ich nie „WordPress“ schreiben.

5. Worüber schreibst du, und wie hat sich die Wahl deines Themas (oder deiner Themen) ergeben?

Das hat sich im Lauf der Jahre geändert und wird sich sicher auch weiter ändern. Ich schreibe manchmal über meine Interessen (Bücher, Essen, Comics, Filme, Musik), meine Erinnerungen, aber vor allem über die Schule. Ergeben hat sich das, weil ich einen Kanal für meine Auslassungen über diese Themen brauchte, in deren Genuss sonst nur S-Bahn-Mitreisende und Frau Rau kamen. Ich schreibe keine Anekdoten aus der Schule, weil mich die nicht interessieren, und immer weniger über Erlebnisse udn Erfahrungen dort, weil die sich dann doch mit den Jahren wiederholen.

6. Wie entstehen deine Artikel: Geplant und recherchiert oder eher spontan? Schreibst du lange Berichte oder kurze, knackige Statements?

Inzwischen fast nur geplant und recherchiert. Nachdem es inzwischen andere Möglichkeiten für kurze Statements gibt, sind es eher lange Berichte. Jedenfalls machen die mir selbst am meisten Spaß.

7. Bleibst du in Deinem Blog streng fachlich oder schreibst du auch über Persönliches?

So in der Mitte. Mehr Fachliches als Persönliches, aber auch das Fachliche ist persönlich geprägt.

8. Wertest du die Aufrufe Deines Blogs statistisch aus, und wenn ja, wie?

Ich habe Piwik installiert, schaue aber immer nur phasenweise rein, manchmal wochenlang nicht. WordPress selber bringt noch eine Auswertung mit, mit der ich aber auch nicht viel arbeite.

9. Wie ist deine Sozialisation im Netz verlaufen, wie hast du es kennengelernt, welche Dienste hast du zuerst genutzt?

An der Uni tauchte etwa 1994 eine Mitteilung auf, dass jetzt jeder einen Zugang zu den Internet-Rechnern im Computerraum kriegen könnte. Also hörte ich mir dort eine Einführung an, schreib fleißig mit und ließ mir Zugangsdaten geben. An einem der Rechner war sogar ein Browser fürs noch ganz frische WWW installiert, ansonsten gab es vor allem E-Mail (mit dem Programm NuPOP, auch für zu Hause – der Datentransport erfolgte mit eigens dafür reservierter Diskette) und Gopher (eine Art Web-Vorläufer). Auf einer Linux-Shell habe ich mir das Usenet angeschaut und ein wenig Telnet getrieben, lud mir RFCs (Nummer 1402, „There’s Gold in them thar Networks!“) herunter und füllte Ordner mit den Ausdrucken.
Gleichzeitig war mein Vater bei Compuserve, später dann bei AOL. In den Jahren zuvor hatte ich schon den einen oder anderen Akustikkoppler bei ihm gesehen (das war eine Art Modem-Vorläufer). Aufgewachsen war ich ohnehin mit Computern. 1998 bastelte ich meine erste Homepage und brachte mir dabei HTML bei. (Und zwar, indem ich den Code anderer Seiten bertrachtete und veränderte. Das geht heute leider nicht mehr so einfach – zuviel JavaScript und CSS drumherum.) An Diensten nutzte ich nur E-Mail, bei AOL, und natürlich FTP für die Homepage. Twitter, Facebook, Flickr, Google kamen dann erst auf, als mein aktuelles Blog schon stand, ich weiß gar nicht, in welcher Reihenfolge ich die ausprobierte.

10. Wie nutzt du das Netz heute?

Zum Recherchieren, zum Bloggen, zur Lektüre – da vor allem Nachrichten-Webseiten und mein RSS-Reader. Ich versuche, bei Blogs auch zu kommentieren. Bei Blogger.com geht das meist gar nicht, jedenfalls solange ich nicht mit meinem Google-Konto unterzeichne. Mein Google-Konto ruht allerdings. Ich kommentiere auch sonst nirgendwo, wo ich mich anmelden muss – nicht bei Facebook, nicht bei Google+. Das ist so ein Dilemma: Wenn man möglichst viele Leute erreichen möchte, kommt man um Google+ und Facebook nicht herum. Ich will ja gar nicht möglichst viele Leute erreichen, deshalb muss ich da nicht hin. Netzpolitisch ist es sicher gut, wenn dort auch kundige Leute präsent sind; und wer irgendwas mit Bildung macht, ist natürlich auf Öffentlichkeit angewiesen – trotzdem finde ich es kurzsichtig, seinen Diskurs diesen Plattformen zu übergeben. Schlimmer ist nur noch noch, am Sterben von RSS beizutragen durch gekürzte RSS-Feeds – ich habe inzwischen ein paar Kollegen, die ihren Feed auf einen Satz beschränkt haben, aus der Blogroll geworfen.
Ich twittere einigermaßen regelmäßig, aber spärlich; meine Tweets werden nach Facebook weitergeleitet, mit dem ich ansonsten nicht arbeite. Aber die Kollegen lesen dort.

11. Wie viel Privates gibst du im Netz preis – wie sieht bspw. dein Umgang mit privaten Fotos aus?

Unwissentlich gebe ich allein mit dem Smartphone Unmengen privater Daten preis. Bewusst: wohl so mittelviel. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass alles, was im Web ist, öffentlich ist. Ich stelle nicht viel private Fotos online, eigentlich nur Profilfotos für die Webseite. Ich mache aber auch nicht viele Fotos.

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9 Thoughts to “11 Fragen

  1. Danke für die interessanten Antworten!

    „Schlimmer ist nur noch noch, am Sterben von RSS beizutragen durch gekürzte RSS-Feeds […]“

    Ist ein Argument. Ich habe meinen Feed jetzt einmal auf „vollständig“ umgestellt, damit auch in den – seltenen – Fällen, in denen sehr lange Einträge auf der Startseite nur angerissen bzw. nur teilweise dargestellt werden, der Feed vollständig ist.

  2. Ich habe natürlich extra vorher geschaut, wie du das mit dem Feed hältst. :-) War aber okay, weil auf jeden Fall lang genug. Aber ich kenne ernsthaft Leute, im Web aktive Lehrer, die exakt fünfzehn Wörter anbieten. Dann halt nicht.

  3. Ich habe – gleichfalls natürlich – auch deshalb nach meiner Konfiguration geschaut. :-)

    Dabei ist mir bewusst geworden, dass ich Blogs in der Regel im Feedreader lese, schon deshalb, weil sie dort auch auf Mobilgeräten zur Verfügung stehen und v.a. gesammelt sind, und dass ich mich bei einigen Blogs ärgere, regelmäßig nur den halben Artikel oder gar nur einen kurzen Teaser zu sehen. „Bonuspunkte“ gibt es für einige wenige, die noch nicht einmal einen Hinweis darauf im Feed haben – da muss man jeweils nachschauen, ob das jetzt ein sehr kurzer Beitrag oder nur der „Anreißer“ war.

    Kurz und gut: wenn ich selbst nach Möglichkeit volle Beiträge, egal wie lang, im Feedreader haben möchte, dann sollte ich das sinnvollerweise auch selbst so halten.

    Und klar, Kurztexte von einer Handvoll Wörtern gehen gar nicht.

  4. Danke für die Antworten. Finde das immer spannend zu hören und überlege, wie das bei mir aussieht und wenn anders, warum (bspw. die Schul-Anekdoten).
    Das mit den gekürzten RSS-Feeds kann ich auch nicht leiden :-/

  5. Nabend!

    Sterbendes RSS? Ja, ich bin einer von den Kollegen, der – sind es wirklich? – 15 Wörter im Feed bereit stellt. Ja, ja, ich weiß, Asche auf mein Haupt! :-( Nicht schön und ich hadere immer wieder mit mir. Aber letztlich ist es für mich die Sicherheit, dass die Leser immer die aktuellste Version eines Artikels zu lesen bekommen. Denn so ein Feed zwingt mich leider dazu, immer perfekt überarbeitete Artikel abzuliefern. Denn einmal veröffentlicht, werden nachträgliche Veränderungen im Feed selbst nicht mehr erfasst.
    Vor ein paar Jahren hatte ich mal ein Plugin von bueltge installiert, das einen „veröffentlichten“ Artikel erst nach einer Anzahl Stunden X tatsächlich veröffentlichte. Leider stellte das Plugin mit irgendeinem WordPress-Update seine Arbeit ein. Das Plugin war natürlich klasse! So konnte ich immer noch mehrere Stunden nachträglich am Artikel herumdoktern, bevor der Feed tatsächlich ins WWW gepustet wurde. Und das kam wiederum meinem Schreibverhalten sehr entgegen. ;-)

    Eine gute Woche allen!

    Marek

  6. Immer wieder cool: das Plugin, mit dem man seine eigenen Kommentaren noch 5 Minuten lang editieren kann! Musste ich oben 2x schon nutzen. ;-)

    Wie heißt das Plugin?

  7. Das Plugin ist Simple Comment Editing, die Kurzfassung eines größeren und mächtigeren Plugins, die mir aber ausreicht.

    RSS: Klar, kann jeder halten, wie er will. Aber dass mir dann in ein paar Jahren keiner weint, wenn’s damit vorbei ist! Im Moment lese ich halt die meisten deiner Einträge nicht.

  8. Da du es ansprichst: Genau genommen sind es drei Möglichkeiten, zwischen denen ich regelmäßig hin und hergerissen bin:

    a) den gekürzten RSS-Feed belassen
    b) RSS-Feed vollständig veröffentlichen
    c) RSS-Feed einstampfen – wie ich es immer häufiger sehe

    Ich würde mich nicht wundern, wenn die RSS-Feeds tatsächlich in wenigen Jahren ein Nischendasein fristen werden. Seitdem ich keine RSS-Feeds mehr lese, habe ich zumindest gefühlt mehr Zeit, weil ich mich immer mehr auf die für mich relevanten Dinge fokussiere. :-)

  9. Loben muss man dich immerhin noch dafür, dass du überhaupt ein Blog hast, statt das nach Facebook oder Google+ auszusourcen. Das ist dann der nächste Schritt, den ich zu häufig sehe.

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