Terry Pratchett

Möglicherweise mein erstes Terry-Pratchett-Buch war Good Omens, ein paar Jahre, bevor ich Terry Pratchett oder Neil Gaiman als Namen kannte. Dann brachte mich ein Studienfreund auf die Scheibenwelt-Romane. Ich las die ersten drei, vier davon in den frühen 1990er Jahren. Nett, fand ich, sogar lustig. Die Bücher hatte ich ausgeliehen; selber brauchte ich keine Ausgabe davon. Ich fand mich ein bisschen unter meinem Niveau unterhalten. Auch wenn pro Buch mindestens ein genialer Witz dabei war.

Dann habe ich vielleicht fünf oder acht Jahre gebraucht, um wieder zurück zu Pratchett zu kommen. Immer noch fand ich ihn unterhaltsam, vergnüglich, aber ein bisschen zu eingängig, leichtlesig für mich. Die Bitterheit, die die Leichtfüßigkeit Vonneguts ausgleicht, die fehlte mir bei Pratchett.
Einigen Ausgaben warben mit einem Rezensentenzitat (David Pringle, White Dwarf):

less coarse than Tom Sharpe, less cynical than Douglas Adams

Aber ich mochte doch gerade den, uh, ist Zynismus das treffende Wort bei Adams? Ich mochte gerade die coarseness von Tom Sharpe, der absurde Grotesken schrieb, am bekanntesten und harmlosesten Wilt ((dt. Puppenmord), mit der wunderbaren Widmung „Für Fleisch I“. (Sharpe war Berufsschullehrer.)

Trotzdem kam ich immer wieder zurück zu Terry Pratchett. Die Serie wurde aber auch immer besser. Zugegeben: Ich glaube, Pratchett hat mein Weltbild nie in Frage, auf die Probe gestellt. Aber vielleicht hat er es, ohne dass ich das mitgekriegt habe, geformt? Pratchett war Humanist, und das zog sich immer mehr durch seine Bücher. Der Mensch steht bei im Mittelpunkt, das Diesseits; Toleranz und Menschlichkeit. Demokratie, Atheismus, Menschenrechte. Golems bekamen Rechte, Vampire wurden integriert, Zwerge und Trolle lernten miteinander auszukommen, Frauen . Pratchett hatte ein Weltbild, und er schrieb, um die Welt diesem Bild anzupassen.

In den letzten zehn, fünfzehn Jahren habe ich mich regelmäßig auf den neuen Pratchett gefreut, und das Lesen hat stets Spaß gemacht. Über ihn als Menschen habe ich immer wieder mal etwas gehört, auch nur Gutes.

Ich könnte mal wieder die Stadtwachen-Romane der Reihe nach lesen. Oder einfach nur mal wieder von vorne anfangen.

Danke für die Bücher.

4 Antworten auf „Terry Pratchett“

  1. Bin auch ein Riesen-Pratchett-Fan. Sein erstes Buch kam in meinem Geburtsjahr raus, aber ich habe schnell aufgeholt. Mein liebstes Zitat: “Sometimes it’s better to light a flamethrower than curse the darkness.”

  2. Ich habe gestern über Terry Pratchetts Bücher lange nachgedacht und für mich herausgefunden, dass seine Charaktere für mich lange schon die Seiten seiner Bücher verlassen haben und sich bei den „echten“ Bewohnern meines Universums herumtreiben. Vetinari, Vorbis, Ridcully, die Hexen, sogar Felmet mit seiner Käsereibe – für mich sind sie auch nicht fiktionaler als entfernte Bekannte oder Freunde, die ins Ausland gezogen sind.
    In manchen „echten“ Menschen erkenne ich deutlich Züge von Susan, Rincewind, Twoflower oder Angua – Pratchetts Charaktere „funktionieren“.
    Gegen Ende merkte man den Büchern Pratchetts Krankheit an, fand ich, ein bisschen zu oft für meinen Geschmack wurde die Magie bemüht und die GEschichten begannen, sich zu gleichen. Aber gerade lese ich in memoriam „Small Gods“ und bin eigentlich wieder ziemlich hingerissen.

    Für Terry ist der Tod sicherlich persönlich aufgetaucht, so wie immer, wenn eine wichtige Person das Zeitliche segnet. Ich wünsche ihm, er kann sich das Jenseits nach Gusto aussuchen, so, wie es der Tod in „Small Gods“ andeutet.

  3. Ja, sehr schade. Ich hatte auf einen weiteren Stadtwache-Roman gehofft. Ich gebe zu dass ich mit manchen Romanen Pratchetts nicht viel anfangen konnte, die Hexen finde ich z.B. doof, und auch Rincewind ist nicht so mein Fall. Aber Bücher wie „Der Fünfte Elefant“, „Weiberregiment“, und „Hohle Köpfe“ fand ich einfach super. Kommandant Mumm und seine Truppe sind meine Lieblingscharaktere.

    R.I.P.

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