Sprechstunden

Jeder Lehrer hat eine Sprechstunde, und eine Schülermutter hat mich neulich dafür gelobt, dass ich so unkompliziert auch per Email zu erreichen sei und bereitwillig kommuniziert habe und die Einrichtung eines alternativen Termin so einfach gegangen sei. Anscheinend – das sage ich jetzt mal – ist das nicht so selbstverständlich. Fragte ich eine Kollegin oder einen Kollegen, jeder würde beteuern, dass er oder sie ganz leicht zu erreichen sei. Ich bin mir nicht sicher, ob die Selbst- udn Außenwahrnehmung da übereinstimmen.

Überhaupt, die Sprechstunden. Die wöchentlich vormittäglichen 45 Minuten, in denen ein Lehrer anwesend zu sein hat, weil vielleicht ein Elternteil vorbeikommt, die sind doch eigentlich überholt. Sie stammen aus einer Zeit, als ein Elternteil berufstätig war und eins nicht und letzteres deshalb bequem in die Schule kommen konnte. Warum nicht gleich nur nach Absprache?

(Ansonsten warte ich noch auf meine zweite Unterrichtsstunde in diesem Jahr. In der ersten habe ich vor allem eine Klausur zurückgegeben und besprochen. Kein Wunder, dass ich nichts zu bloggen habe. Ansonsten war ich beschäftigt mit der Korrektur von W-Seminar-Arbeiten und mit spannendem Unikram, über den ich nicht schreiben darf. Außerdem suchen wir gerade meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin an der Uni, weil meine fünf Jahre bald herum sind und ich wieder ganz zurück an die Schule gehe.)

9 Thoughts to “Sprechstunden

  1. Das ist ja ein Wahnsinn, wie schnell fünf Jahre herum sind. Es kommt mir vor, als hättest du gerade erst an der Uni angefangen…

  2. Hallo.

    Bisher habe ich es zwei Mal erlebt, dass ich von einer Lehrerin/einem Lehrer meiner Kinder eine Mail-Adresse bekommen habe. Für Sprechstunden, die ich besuchen möchte, vertritt mich meist eine verständnisvolle Kollegin oder meine Frau plant ihren Dienst nach den Sprechstunden der Lehrer.

    Schlimm aber vielleicht die negative Ausnahme.

    Ich als Lehrer habe die Erfahrung gemacht, dass man mit Eltern sehr gut per Mail kommunizieren kann. Das überrascht mich aber nicht. Auch mit den Schülerinnen und Schülern funktioniert das super. Bei dieser Gelegenheit entsteht auch die Art von Zusammenarbeit mit Eltern/Schülern, die ich mir vorstelle.

    Ivo

  3. Von Lehrern im Bekanntenkreis höre ich immer wieder, dass sie ihre E-Mail-Adressen auf gar keinen Fall herausgeben können, „wegen der Schüler“. Sie haben auch keinen Facebook-Account, „wegen der Schüler“ und, falls sie eine Mail-Adresse auf dem Server der Schule haben, dann sehen sie da nach eigenen Angaben „nur ganz selten“ rein. Bei einigen Schulen fiel mir auf, dass auf den Websites nicht mal die Namen der Lehrer auftauchen. Eine Grundschule, deren Website ich mir ansah, verzichtet sogar darauf, den Namen der Rektorin zu nennen. Es tauchen lediglich im Impressum zwei Nachnamen mit abgekürzten Vornamen auf. – Ich habe den Eindruck im Schulwesen ist Kommunikation der Feind.

  4. >Ich habe den Eindruck im Schulwesen ist Kommunikation der Feind.

    Da ist was dran, gilt aber für viele Bereiche – Kultusministerium-Schule, Schule-Lehrer, Lehrer-Eltern. Wer nichts sagt, kann auch nichts Falsches sagen.
    Rein rechtlich können sich nur Lehrer mit einer Funktion nach außen nicht gegen eine Nennung auf der Homepage wehren, insbesondere die Schulleitung. Die anderen schon. Rein rechtlich darf ich aber auch keine Fotos für den Sitzplan knipsen.

  5. „Rein Rechtlich“ ist eine Kommunikation mit Eltern via Email doch nur dann erlaubt, wenn keine personenbezogene Daten über möglicherweise nicht in der EU befindlichen Servern laufen? Das ist aber faktisch unmöglich, wenn alleine schon das „Schüler X ist in der Klasse von Kollegen Y“ als personenbezogen definiert wird. Von übermittelten Noten will ich gleich ganz schweigen. Facebook als Kommunikationskanal ist rechtlich sowieso tabu.
    Fazit: Jeder Kollege, der sich auf Email-Kommunikation mit Eltern einlässt ist flexibel und freundlich – aber in der Gefahr, hier einen auf den Deckel zu bekommen. Diese Gratwanderung sehen die Eltern (natürlich) nicht. Und natürlich gibt es auch kommunikationsverweigernde Lehrkräfte, teilweise auch als Generationenproblem.

    Anmerkung: Selbstverständlich gebe ich Schülern eine Email-Adresse heraus. Ich habe bei einem deutschen Gratis-Provider dafür eigens eine eingerichtet mit dem Hintergrund, sie bei „Belästigungen, Spammails o.ä.“ zwanglos „wegwerfen“ zu können. Das ist nach ~10 Jahren noch nie auch nur ansatzweise nötig gewesen.

  6. >Fazit: Jeder Kollege, der sich auf Email-Kommunikation mit Eltern einlässt ist flexibel und freundlich – aber in der Gefahr, hier einen auf den Deckel zu bekommen.

    Das stimmt, schafft leider auch den Geist von need-to-know, den ich angesprochen habe. Klar muss man bedenken: keine personenbezogenen Daten (und Informationen über Schüler bei anderen Lehrern betrifft eh mehr die Schulleitung als etwa mich), und sowieso: keine Auskünfte oder Beratung. Das klappt bei Email nur selten. Und man muss außerdem davon ausgehen, dass Emails weitergereicht werden, also öffentlich sind. Deshalb mache ich auch nicht (viel) mehr aus als Termine. Aber die schon, und problemlos. Spam oder auch nur viel Post gab es nie.

  7. Mit einer Terminvereinbarung per Email wäre vielen Eltern sicher schon geholfen. Die Grundschule meiner Kinder hat sich zusätzlich mit individueller Elternunterschrift zur Kenntnisnahme abgesichert. Zum einen durch die Information, dass Lehrkräfte von sich aus keine personenbezogenen Daten per Email kommunizieren werden. Falls Eltern Anfragen an die Lehrkräfte stellen, die personenbezogene Informationen enthalten, dürfen die Lehrkräfte zur Vereinfachung der Kommunikation, davon ausgehen, dass die Erziehungsberechtigten mit der Beantwortung der Fragen per Email ausdrücklich einverstanden sind. Das wäre für mich eine ordenltiche Klarstellung, zumal die Lehrkräfte ihre private Email-Adresse verwenden müssen.
    Ob Mailadressen oder Namen der Lehrkräfte auf der Homepage veröffentlicht sind interessiert mich nicht, so lange mir die mein Kind unterrichtenden Personen mit Namen und Email bekannt sind.

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