Alltag: Schulinformatik, Praktikum, Hasenöhrchen

In meiner Unterstufenklasse tragen einige Schülerinnen seit ein paar Wochen Hasenöhrchen. Hat man das jetzt? Es gefällt mir jedenfalls, weil es für ein gewisse Absurdität steht und dennoch ernsthaftes Arbeiten nicht behindert.

Am Dienstag waren wieder die Praktikanten bei mir. Viel gibt es gerade nicht zu tun; diese Woche steht ganz unter dem Zeichen des Bibers: Meine Klassen nahmen nach und nach am so genannten jährlichen Informatik-Wettbewerb Teil.
In einer 6. Klasse hatte ich eine Vertretungsstunde, da stellten sich die Praktikanten vorne hin und beantworteten Fragen der Schüler (und, weniger, Schülerinnen) zu Studium allgemein und Informatik speziell. Ein Drittel der Fragen waren Varianten von “Habt ihr schon mal ein Spiel programmiert?”, ein weiteres Drittel drehte sich um “Habt ihr schon mal gehackt?” Das geht durchaus vierzig Minuten lang mit einer neugierigen Klasse. (“Was ist DDOS?” war eine Frage. Respekt, Sechsklässler.)

Am Donnerstag wieder Vorlesung an der Uni. Ich sage ja doch ungefähr jedes Jahr das gleiche, aber wenigstens bringe ich regelmäßig neue und aktuelle Beispiele – Twitter ist da eine wunderbare Quelle. Diesmal war es ein vielkommentierter und retweeteter Tweet von @manomama (von der ich übrigens gerade eine Jeans trage):

Der Tweet ist ja okay, obwohl es wohl nicht viel für ein oh-my-god braucht. Die Kommentare dazu versuchen allerdings einander zu übertreffen mit Spott auf diesen Informatikunterricht. Die arbeiten ja nicht mal mit Raspberrys! Die lernen ja gar nicht programmieren! Informatik ist ja auch nicht Programmieren. (Zugegeben, der bayerische Informatikunterricht hat es auch dadurch in den Pflichtfachstatus gefasst, dass er relativ wenig programmiert und mehr abstrakte Konzepte herausarbeitet. Ich hätte schon gern ein wenig mehr Programmierung. Ein Informatiklehrer auf Twitter präsentiert stolz die Hardware, mit der er arbeitet – aber in einem Bundesland, in dem Informatik auch nur Wahlfach ist und nicht Pflicht.

Zugegeben, ich würde auch nicht gerade Word nehmen, aus Prinzip, sondern nur freie Software. Die Eltern hätten in der Regel lieber Microsoft-Produkte, denke ich. Aber man kann Informatik auch ganz ohne Rechner machen, “Unplugged” heißt das, pädagogisch ganz vorzeigbar, und da hätte dann wieder keiner auf Twitter gemeckert. Oder doch?

(Was das für die Uni hergibt: Bildungsgehalt von Lehrplaninhalten herausarbeiten; Notwendigkeit von Kommunikation innerhalb und außerhalb des Unterrichts – ganz offiziell gehört zur Didaktikausbildung an der Uni auch “fachliche Fragen … innerhalb und außerhalb der Schule kommunizieren können”.)

Wahlen in den USA. Ich hab’s befürchtet. Eine Kombination von Die-Zeit-Zurückdrehen (ohne Homoehe, ohne einen Schwarzen als Präsidenten, Frauen und Minderheiten wieder an ihren Platz) und Es-Denen-Da-Oben-Zeigen – aus Unzufriedenheit über die Situation, und weil man nicht glauben will, dass ein System an Situationen schuld sein kann, sondern weil man glaubt, es gäbe eine Gruppe von Leuten da oben, die das so arrangieren.

4 Antworten auf „Alltag: Schulinformatik, Praktikum, Hasenöhrchen“

  1. Ein paar kleine Anmerkungen:
    Hasenöhrchen? Echt? Also dauernd? Ich werde wohl alt. Habe nichts dagegen, aber begreifen tu ich es nicht. :D

    Zum Tweet: Wow. Da bleibt einem schon ein wenig die Spucke weg.

    Zum Lehrplan im Allgemeinen: Ich glaube man kann es nie allen Recht machen, soweit ich das überblicken kann sehen aber die Lehrpläne heutzutage fast alle recht annehmbar oder sogar gut aus. Klar, mancher wird vieles nie mehr brauchen, aber man muss es trotzdem lernen, das ist gut so.
    Dazu passend ein böser Comic: http://www.smbc-comics.com/comic/why-i-couldn39t-be-a-math-teacher

    Achja, und im Titel haben Sie Praktiktum statt Praktikum stehen, sowie im dritten Absatz ein “udn” anstatt eines “und”. Im letzten Absatz steht außerdem “Dehnen” statt “Denen” Nicht böse gemeint, ich muss Sie einfach darauf hinweisen.

    Zur US-Wahl nur kurz: Unangenehme Situation, hoffe für meine Freunde in den USA (und den Rest der Welt) dass da auch nicht ganz so heiß gegessen wie gekocht wird.
    Hier ein wie ich finde sehr lesenswerter, erklärender Artikel (ungewöhnlich für die verlinkte Seite, lese die normalerweise nicht, wurde selbst nur darauf verlinkt), ich denke viele Leute außerhalb der USA haben das nicht so auf dem Schirm:
    http://www.cracked.com/blog/6‑reasons-trumps-rise-that-no-one-talks-about/

    Gruß
    Aginor

  2. Danke, ich habe die vielen Schreibfehler korrigert, und bitte um Entschuldigung. Den SMB-Cartoon, so neu er ist, habe ich schon zweimal zitiert, und werde ihn wohl in der Schule aufhängen. Als Gegenargument gegen die Kompetenzorientierung.

    Cracked.com habe ich tatsächlich im Feedreader und lese es regelmäßig. Als Teenager hatte ich ein paar Ausgaben von Cracked, als es noch ein Magazin war, ein lange erfolgreicher Mad-Magazine-Nachahmer, den es aber seit der Jahrtausendwende oder so nur noch online gibt. Habe jedenfalls die freundlichsten Erinnerungen daran, und viel Vokabeln daraus gelernt. Und auch bei Cracked.com finde ich immer wieder sehr lesenswerte Beiträge, ganz erstaunlich.

  3. Die Studentinnen hier in Irland tragen auch gern Hasenohren und jetzt ganz neu Kunstfellmützen in Wolf oder Tigerform, die sich kapuzengleich über den Kopf gezogen werden und so hat das Seminar immer auch etwas von Menschen im Zoo.

    Ich finde es sehr erstaunlich, was doch alles im Informatikunterricht Platz hat. Fast alles was dieses Fach umfasst habe ich hier bei Ihnen gelernt und staune immer wieder neu. Natürlich gibt es auch noch Zeichnen mit Word aber doch offensichtlich auch ganz viele, ganz wunderbare Angebote und Lernmöglichkeiten. Chapeau!

  4. Es ist mir eine Ehre und eine Freude, dass Sie hier mitlesen. Vielleicht schreibe ich auch mal über die Dinge, die nicht funktionieren im Unterricht oder nicht sinnvoll sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.