Rollenspielen 2016

Tisch mit Rollenspielutensilien

Und wieder retteten wir die Welt, wie jedes Jahr um diese Zeit. Ich war automatisch davon ausgegangen, dass wir im Jahr 1940 weitermachen würden, ein Jahr nach dem letzten Mal, wie immer – aber dieses Abenteuer schloss unmittelbar an das letzte von 1939 an. Und wieder war es ein wenig gruslig, mit originalen Vorkriegs-Straßenkarten von Shell zu arbeiten, auf denen ganz selbstverständlich auch noch Ostpreußen als Teil des deutschen Reichs eingezeichnet ist.

Shell-Straßenkarte mit Ostpreußen

Diesmal waren wir vor allem um Aachen herum unterwegs, ein alter Erzfeind brauchte unsere Hilfe. Mehr will ich nicht verraten; vielleicht will unser Spielleiter das ganze ja mal als Kampagne veröffentlichen. Höhepunkte waren für mich:

  • Der Einstieg mit dem Brief von Nick Douglas, einer zwei Jahre zuvor gestorbenen Spielfigur (und zwar meiner), den uns ein Notar überbrachte. In Nicks Londoner Stadtwohnung fanden wir außerdem ein Artefakt, das er (also ich) sechs Jahre zuvor eigentlich über Bord eines Schiffes geworfen haben wollte – weil es zu mächtig war und seine Benutzer zu kontrollieren versuchte. Es scheint, als habe das damals nicht so recht geklappt. Und auch diesmal sorgte das Artefakt für Gelüste und merkwürdiges Verhalten bei der labilsten Spielerfigur, wahnhafte Klettereien durch Hotelfenster und dergleichen. Alles augenscheinlich nicht wirklich nötig für den Plot, aber schön gespielt.
  • Die heimliche Überquerung der Pyreneen Anfang November, um unbemerkt in Francos Spanien einzureisen, mit viel Lokalkolorit und Fotos von Bergdörfern und -klostern, mit französischen Grenzern (harmlos) und spanischen (gefährlicher).
  • Der erste Besuch in den Traumlanden. Die sind der Versuch, Lovecrafts Nicht-Horrorgeschichten unter einen Hut zu bringen – die Art Geschichten, die schwer von Lord Dunsany beeinflusst sind und in einer eigenen Traumwelt spielen, die dennoch lose mit unserer und mit den berühmteren Horrorgeschichten von Lovecraft verbunden sind. Wir können uns als Spieler entweder in die Traumlande träumen (dann können wir nichts mitnehmen, und ein Tod dort führt nur dazu, dass wir nie wieder dorthin gelangen können), oder – unter größeren Schwierigkeiten und mit größerem Risiko – tatsächlich selbst dorthin reisen. Der erste Besuch war kurz, aber merkwürdig. Das Finale des Abenteuers spielte dann mehr oder weniger gleichzeitig dort und bei uns, auch sehr schön.

Bonusmaterial: Anscheinend gibt es tatsächlich noch kein Bild im Web von Zellautomaten, visualisiert anhand von Toffifee. Deshalb präsentiere ich hier rechts unten einen Gleiter aus Conways Game of Life (Blogeintrag dazu).

Toffifee mit Glider-Muster

Rückblick:
2007 – nur eine Zeile nebenbei.
2008 – etwas ausführlicher, mit Bild.
2009 – nur eine Zeile nebenbei (New York 1933).
2010 – einigermaßen ausführlich (Mandschuko 1934).
2011 – etwas Text, zumindest mit Bild (New Mexico, 1935).
2012 – nur ein Absatz (Görlitz, 1936).
2013 – ausführlicher (Venezuela, 1937).
2014 – in Afrika, mit Telegramm (1938).
2015 – in Italien und Polen (1939).

5 Thoughts to “Rollenspielen 2016

  1. Hört sich total spannend an. Was ist denn das für ein Rollenspiel? Oder ist das privat initiiert?
    Cool, daß sich die Herrenrunde da jedes Jahr ein paar Tage Auszeit für nimmt, damit man
    richtig ins Spiel kommt.

  2. Herrenrunde: Von wegen! Na ja, größtenteils schon, aber eine Frau ist auch dabei.

    Über Rollenspiele (Pen & Paper, nicht LARP, nicht Cosplay) habe ich immer wieder mal im Blog geschrieben. Die gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, von interaktiver Traumreise bis zum Herumschubsen von Zinnfiguren; klassisch gibt es Regeln, einen Spielleiter (der sich einen Plot ausgedacht hat) und Spieler mit begrenztem Wissen, die jeweils eine Spielfigur steuern. Das beste Rollenspiel ist Call of Cthulhu, sage ich mal – aber natürlich Geschmackssache. Anfang des Jahres habe ich das auch mal mit (freiwilligen) Schülern gemacht:

    https://www.herr-rau.de/wordpress/2016/01/call-of-cthulhu-rollenspiel-in-der-schule.htm

    Die Fast-Herrenrunde: Das sind ein paar ehemalige Spieler von vor mehr als dreißig Jahren, die noch ab und an spielen; nicht im Rahmen eines Cons, sondern nur so. Ich bin einmal im Jahr dabei.

  3. Aha hört sich gut an….
    Was psielt ihr denn? Call of Cthullhu?
    Ich bin ein bisschen neidisch auf die alten Straßenkarten… köntnenwi fü KULT auch ganz gut gebrauchen. wo bekommt man denn sowas her?

    Viele liebe Grüße
    Franzy

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