Rollenspielen 2015

Rollenspiel_2015_Rom

Die letzten dreieinhalb Tage war ich wieder Rollenspielen, so wie seit etlichen Jahren immer um dieser Zeit. Pen & Paper, Call of Cthulhu: Inzwischen schreiben wir das Jahr 1939. Wir trafen uns in St. Paul, Minnesota, um von dort aus nach Rom aufzubrechen. Ein Brief eines Kardinals, mit dem uns ein gemeinsamer Bekannter aus vorhergehenden Spielen verband, brauchte unsere Hilfe.
Leider war der Kardinal genauso falsch wie seine Absichten. Ein alter Feind von der SS agierte im Hintergrund, und um herauszufinden, was er eigentlich im Schilde hatte, verfolgten wir die Spuren seiner Aktivitäten sozusagen rückwärts. Zuerst nach St. Gallen, dann wieder Rom, schließlich Marienburg in der Nähe von Danzig. Die Marienburg, der größte Backsteinbau Europas, ist die ehemalige Ordensburg des Deutschen Ordens, und in dessen Geschichte hatten wir herumgewühlt. Marienburg lag 1939 in der Provinz Ostpreußen, vom übrigen deutschen Reich durch einen polnischen Korridor getrennt. Und natürlich schickte uns der Spielleiter nicht zufällig im September 1939 dorthin: Da überfiel Deutschland Polen.

Als die Kampagne vor 6 Jahren begann, ahnte ich nicht, dass das ein Geographie- und Geschichtskurs werden würde. Mit Kopien historischer Bahntickets, in Originalgröße ausgedruckten historischen Landkarten, Grundrissen, Fotos, Biografien, Hintergrundmaterial. Damit wir auch wissen, wie die Straßenbahnen 1939 in Rom fuhren und wie groß St. Gallen war und wie es im Vatikan aussah. Der ebenfalls griffbereite zweibändige Baedeker für Rom war allerdings noch eine Ausgabe von vor dem ersten Weltkrieg.

Nachtrag: Mein liebstes Rätsel betraf vier lateinische Inschriften, deren Inhalt wir herausfinden mussten. Meine Spielfigur konnte als einzige Latein, aber etliche Würfe misslangen, so dass Teile unübersetzt blieben, darunter der wichtigste. Auch die außerspielweltlichen Lateinkenntnisse der Spielerrunde reichten nicht aus für diese Stelle. Kunststück, nach einigem Herumknoben – es war auch schon spät nachts – erkannten wir, dass das der lateinische Name einer polnischen Stadt war, die wir unter deren deutschen Namen kannten.

Rückblick:
2007 – nur eine Zeile nebenbei.
2008 – etwas ausführlicher, mit Bild.
2009 – nur eine Zeile nebenbei.
2010 – einigermaßen ausführlich.
2011 – etwas Text, zumindest mit Bild.
2012 – nur ein Absatz.
2013 – ausführlicher.
2014 – in Afrika, mit Telegramm.

6 Antworten auf „Rollenspielen 2015“

  1. Klingt mal wieder ganz großartig und sieht auch so aus! Dreieinhalb Tage? Wow! Magst du nicht noch ein bisschen mehr von der Kampagne erzählen, für so entwöhnte Ex-Spieler wie mich?

  2. Ha, ich weiß, was du mit Geschichtslektion meinst. Als Cthulhu-Spielleiterin musste ich mich tief in die Gegebenheiten der Antarktis und ihrer Expeditionen in den 20ern einarbeiten. War riesig spannend! Vielleicht spielen wir irgendwann ja auch mal zusammen.

  3. Mehr von der Kampagne: Eine Mitspielerin schreibt immer akribisch auf, was an welchem Tag im Spiel geschieht. (Ich tu mich etwas schwerer damit, weil ich von halb zehn bis elf ein eher passiver Spieler bin.) Das tippt sie dann ab und schickt es an uns, damit wir nächstes Jahr noch wissen, was passiert ist. Auch so bleiben manche Szenen gut im Gedächtnis, andere weniger. Aber veröffentlichen darf ich die wohl nicht. Vielleicht schreibe ich selber mal mehr dazu.

  4. Dieses Aufschreiben habe ich in meiner Gruppe früher auch gemacht.
    Ich habe zu jedem Spielabend ein paar Notizen gemacht, und die grobe Handlung und ein paar lustige Szenen immer in ein paar wenige Sätze (ok, eher Seiten) zusammengefasst. Diese „Chronik“ der Ereignisse (teilweise aus der Sicht von NPCs geschildert) wurde dann immer mal wieder den Spielern gegeben.
    Es hilft sehr, die Spieler bei Beginn einer Session wieder auf den – ungefähr – gleichen Stand zu bringen. Spielt sich dann flüssiger.
    Kennen Sie eigentlich „Order of the Stick“, „Darths and Droids“ oder „DM of the Rings“?
    Zum einen aufgrund der Erzählform (Webcomic, in zwei der Fälle Screencap-Comic) interessant, zum anderen für Rollenspieler (zumindest die meisten die ich kenne) zum brüllen komisch. Und auch die Kommentare der Autoren die drunterstehen, und die sich oft mit rollenspielspezifischen Phänomenen auseinandersetzen, sind meines Erachtens sehr lesenwert. Kann die nur empfehlen.

  5. „Order of the Stick“ kenne ich, habe ich eine Zeitlang gelesen, aber die letzten Jahre nicht mehr – gleich mal wieder abonniert. Die Ästhetik von Screencap (wusste nicht, dass das so heißt) mag ich nicht, deshalb habe ich die gar nicht versucht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.