Benotung von Hausaufgaben, Stand 2016/17

By | 26.1.2017

Vor zwölf Jahren habe ich mal einen Blogeintrag geschrieben, warum man Hausaufgaben nicht benoten darf. Das gefiel mir damals schon nicht, aber so war mir das beigebracht worden, und so hatte ich das auch in der Gymnasialen Schulordnung gelesen – dachte ich.

Tatsächlich steht in der GSO von 2008, § 52:

Schriftliche Hausaufgaben werden nicht bewertet; hiervon kann in den Seminaren abgewichen werden.

In der Fassung von 2007 fehlt beim gleichen Paragraphen dieser Satz, ebenso beim äquivalenten §42 von 1983. (Beim Lesen daran erinnert: Damals durfte man in Nichtkernfächern auch nicht regelmäßig schriftliche Hausaufgaben aufgeben.) Dazwischenliegende Fassungen, insbesondere die aus meiner Referendarszeit, habe ich leider keine.

Seit letztem Jahr gibt es ohnehin neue Regelungen, insgesamt sind das:

  • BayEUG (Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen)
  • BaySchO (Bayerische Schulordnung – die ist neu, gilt für alle Schularten)
  • BayGSO (Schulordnung für die Gymnasien in Bayern)
  • BayRSO (Schulordnung für die Realschulen in Bayern)

Der Paragraph zu den Hausaufgaben steht jetzt nicht mehr in der GSO, da steht sogar überhaupt nichts mehr zu Hausaufgaben, sondern in der allgemeineren BaySchO, § 28, und zur Benotung steht da nichts. Was ein Leistungsnachweis ist, steht in der GSO: „Schriftliche Leistungsnachweise sind insbesondere Kurzarbeiten, Stegreifaufgaben, fachliche Leistungstests und Praktikumsberichte“, aber ich interpretiere das „insbesondere“ als Zeichen einer nicht abgeschlossenen Aufzählung.

Also – darf ich jetzt Hausaufgaben benoten?

(Das mit der Pflicht, ein Hausaufgabenheft zu führen, steht übrigens auch nicht mehr drin. )

3 thoughts on “Benotung von Hausaufgaben, Stand 2016/17

  1. Ingo

    Das mit dem Hausaufgabenheft wird bei uns über die Schulordnung meiner Schule geregelt – denke ich, müsste ich aber mal nachlesen. Also muss jeder Schüler bis einschließlich der zehnten Jahrgangsstufe ein Heft führen. Wobei ich finde, dass man den Schülern mal sagen sollte, dass man die Hausaufgaben nicht für den Tag einträgt, an dem man sie aufbekommt. Sondern für den Tag, für den sie gedacht sind. Dann würde vielleicht weniger Hausaufgaben vergessen werden.

    Das mit dem Hausaufgaben benoten finde ich eine schwierige Situation: Mündliche Noten über das Prüfen von gelernten Vokabeln ist ja eigentlich auch eine versteckte Hausaufgabenkontrolle, denn der Schüler hat sie ja im Idealfall zu Hause gelernt. Hier kann ich auch differenzieren.
    Anders in Mathe: Wenn der Schüler es nicht begriffen hat, was ja durchaus sein kann, kann er auch die Hausaufgabe nicht machen. Das ist dann immer ein Alles-oder-nichts Spiel.

  2. Herr Rau Post author

    Ein Kollege hat mir eine Mail geschickt mit einem Ausschnitt aus dem Kommentar zur BaSchO: „Hausaufgaben sind grundsätzlich keine Leistungsnachweise.“ Bekanntlich heißt „grundsätzlich“ soviel wie: „außer bei Ausnahmen.“ Sie können aber dann benotet werden, zu Lernendes abgefragt wird – wie bisher. „Häusliche Hefteinträge“ können keine Leistungsnachweise sein. — Mit der freiestmöglichen Interpretationen dieser Sätze kann ich gut leben. Denn Hefteinträge will ich eh nicht benoten.

    Ansonsten:
    Hausaufgaben gibt es, um Gelerntes zu Üben. Das sollte man natürlich nicht benoten.
    Hausaufgaben gibt es, um den Unterricht vorzubereiten, der Kommentar nennt als Beispiel Rechercheaufgaben. Diese Art Hausaufgabe gebe ich am häufigsten auf, und da stört es besonders, wenn sie nicht gemacht ist. Wenn die nicht gemacht ist, gebe ich eine 6.
    Hausaufgaben gibt es als praktische Aufgabe zu Hause: Lesetagebuch, Lesekiste, Bild im Kunstunterricht, Referatspapier. Die benote ich auch, und die zu benoten, halte ich für eminent sinnvoll und nötig.

  3. S3

    „Wobei ich finde, dass man den Schülern mal sagen sollte, dass man die Hausaufgaben nicht für den Tag einträgt, an dem man sie aufbekommt. Sondern für den Tag, für den sie gedacht sind. “

    Herrlich. Ich habe mein Abitur 2015 gemacht und wusste das bis jetzt nicht. Wirklich.

    Meine Schlussfolgerung daraus: offenbar ist es völlig sinnbefreit Hausaufgaben aufzugeben oder abzufragen wenn den Schülern die Methodik fehlt. Und das glaube ich. Ich habe meistens erst in Retrospektive verstanden was der Sinn und Zweck bestimmten Unterrichts in der Schule war. Hausaufgaben habe ich sowieso nie gemacht, daher weiß ich auch bis heute nicht wie man einen Planer führt.

    Meiner Meinung nach wird mit den Schülern viel zu wenig auf die Form des Unterrichts eingegangen. Wenn der Lehrer z. B. erklären würde _warum_ er bestimmte Aufgabenformen ausgewählt hat, und offen ist für Vorschläge sehen die Schüler auch eher ein warum es sinnvoll ist so vorzugehen. Das fehlt dem Geist der Schule vollkommen. Es ist ein one-way channel.

    Da hilft es dann auch nichts die Hausaufgaben zu benoten. Meiner Meinung nach könnte man eine flächendeckende Benotung von Hausaufgaben ca. mit dem effekt einer Rodungsmaschine im Regenwald vergleichen. Bei mir an der Schule wäre dem zumindest so gewesen.

    Gruß

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