Einfach nur Lehrer, und andere Umstellungen – erste Woche 2017/18

By | 16.9.2017

Die ersten dreieinhalb Schultage sind herum. Bei der Unterrichtsverteilung hat die Schulleitung ein paar mutige* Entscheidungen getroffen, aber ich bin mit meinen Klassen recht zufrieden – nur die 10. Informatik, die vermisse ich. An Informatik-Oberstufe habe ich nur eine 12 dieses Jahr.

Mein Stundenplan ist voll in Ordnung – die letzten Jahre war er immer ganz wunderbar: das ist er diesmal nicht, aber ich unterrichte auch so viele Stunden wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Das ist schon eine gewisse Umstellung. Ich bin kein Personalrat mehr, nicht mehr an die Uni teilabgeordnet; die ISB-Arbeitsgruppen von vor meiner Uni-Zeit sind auch ohne mich ausgekommen; die Fachbetreuer haben nach einer Umstellung weniger Respizienzarbeit und weniger Anrechnungsstunden; das Arbeitszeitkonto, von dem ich noch letztes Jahr zehrte, ist auch vollständig zurückbezahlt. (Da musste man mal fünf Jahre Mehrarbeit machen, um danach fünf Jahr lang weniger arbeiten zu müssen. Eine Schweinezyklus und G8-Sache.)

Kurz: Ich bin jetzt ein ganz normaler Lehrer mit nur wenigen Zusatzaufgaben, und einer Vorlesung nebenbei. Zum ersten Mal seit vielen Jahren unterrichte ich nicht nur Deutsch und Informatik, sondern auch wieder Englisch. Ich habe mich schon gefragt, ob ich da wieder reinkomme. Nach der ersten Doppelstunde: ist wie Radfahren, das geht gleich wieder. Aber den Lehrplan und die Abfolgemöglichkeiten im Semester, die kenne ich überhaupt noch nicht.

Neu ist auch, dass ich jetzt einen eigenen Klassenraum habe. Die Tische habe ich gleich mal so weit in U-Form gebracht, wie möglich, also ein wenig. Dekoriert und bepostert ist noch nichts, aber es fehlt auch noch die Möblierung – ich habe um eine Art Sideboard ersucht, wie es sie in anderen Räumen auch gibt, wo man Zeug hinein- und vor allem daraufstellen kann. Ein Gipskopf, unbedingt.

Wie jedes Jahr bin ich am Anfang voller Enthusiasmus: Diesmal kopiere ich nicht so viel, sondern nutze das Buch! Diesmal mache ich meine Noten rechtzeitig und eifrig! Diesmal gehe ich ganz strukturiert vor! Mal sehen, wieviel davon übrig bleibt.

Von meinen acht Klassengruppen habe ich schon die meisten gesehen, und freue mich sehr über sie. Wir haben wirklich freundliche und motivierte Schülerinnen und Schüler. Also, am Anfang, und was danach passiert, dafür bin ich ja auch mit verantwortlich.
Sitzpläne sind erstellt. Datenschutzrechtlich kläre ich meine Schüler auf, dass ich, wenn ich sie für den Sitzplan fotographiere (nicht einzeln, sondern einmal die linke Klassenraumhälfte, einmal die rechte), mich laut Datenschutzbeauftragtem in einer hellen Grauzone befinde. Das Foto mache ich trotzdem.

Und jetzt muss ich erst einmal viel Stunden vorbereiten. Das dauert bei mir am Anfang doppelt so lang wie später, wenn ich die Klasse und die Richtung kenne, in die ich mit ihr will.

*nicht wörtlich zu verstehen

12 thoughts on “Einfach nur Lehrer, und andere Umstellungen – erste Woche 2017/18

  1. Hauptschulblues

    Das ist allerdings eine Umstellung, eine gewaltige!
    Hoffentlich sind die übrigen Informatikstunden in guten Händen. Schule und Digitalisierung sind ja zwei zur Zeit sehr heiße Eisen.
    Ein eigenes Zimmer ist Gold wert. Frau Hauptschulblues beneidete Hauptschulblues deswegen jahrzehntelang.

  2. Sud92

    Das klingt wirklich spannend. Welche Englischklasse(n) unterrichten Sie denn, wenn ich fragen darf?
    Ich würde mich auch sehr darüber freuen, wenn es einige Artikel zum Englisch-/Fremdsprachenunterricht gibt. Da gibt es sicher auch interessante Überschneidungen mit Informatik bzw. dem Einsatz digitaler Medien im FSU.

  3. Herr Rau Post author

    Ich unterrichte einen Kurs in der Q11 in Englisch. Hoffentlich macht er mir genug Freude, dass mir viel Interessantes dabei einfällt, so dass ich dann darüber schreiben werde – früher habe ich jedenfalls viel zu Englisch geschrieben. Überschneidungen mit Informatik… in Deutsch habe ich festgestellt, dass im G8 in der Oberstufe wenig Spielraum für Spielerei ist. Mal sehen, wie das mit Englisch wird.

  4. Lempel

    Haben bei Ihnen Studiendirektoren für die Fachbetreuung noch Anrechnungsstunden? Bei uns wurden die abgeschafft. Mich würde deswegen interessieren, was mit „weniger Respizienz“ genau gemeint ist.

  5. Herr Rau Post author

    Bei den Anrechnungsstunden für die Fachbetreuung gibt es in Bayern keine Vorschriften, glaube ich. Trotzdem kenne ich keine Schule, die aus ihrem dafür vorgesehenen Stundenpool nicht an die Fachbetreuung Stunden gibt, egal welcher Dienstgrad. Dann gibt’s doch hoffentlich für Sammlungsleitung Biologie auch keine Stunden… Weniger Respizienz heißt, dass wir jetzt nicht mehr jeden Schulaufgabensatz gründlich anschauen müssen, sondern die Möglichkeit haben, einen Teil durchzuwinken und nur etwa von jedem Lehrer, jeder Lehrerin einen Satz pro Klasse oder so gründlicher anschauen müssen – nach Augenmaß und Notwendigkeit, ohne weitere detaillierte Regelung. Hat wohl immer auch mit der Ansicht des jeweiligen MBs zu tun.

  6. Lempel

    Bei uns haben Studiendirektoren als Fachbetreuer keine Anrechnung. Die Begründung ist, dass A15 schließlich einen ziemlichen Gehaltszuwachs bedeutet. Dafür seien dann die Zusatztätigkeiten als Fachbetreuer auch zu leisten. Ist für mich nachvollziehbar. A15 ist meiner Meinung nach ein richtig gutes Gehalt (mag aus Münchner Sicht vielleicht anders gesehen werden) und dafür kann man dann auch ruhig etwas mehr leisten als ein A13er. Gerade wenn ich auch sehe, was z.B. die Realschulkonrektoren an Einsatz bringen oder die Kollegen Schulleiter an großen Mittelschulen in Brennpunkten…

  7. Herr Rau Post author

    >dafür kann man dann auch ruhig etwas mehr leisten als ein A13er.
    Psychologisch verständlich, und auch sonst. Rechtlich dürfte das aber nicht haltbar sein, mich wundert, dass da der Personalrat mitmacht. Es gilt für alle die gleiche Arbeitszeit, und wer eine Zusatzaufgabe übernimmt, mit oder ohne Funktion, darf auch mit dieser nicht über die festgelegte Arbeitszeit für Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst arbeiten müssen. Ohne Anrechnungsstunde würde ich die Prüfungen einsammeln, mir die Themen anschauen, und das wär’s. Und das würde vermutlich kein schlechteres System sein als das der vollen Respizienz. (Dass ein stellvertretender Schulleiter am Gymnasium trotz mehr Anrechungsstunden mehr arbeitet als ein zweiter Fachbetreuer, stimmt aber sicher.)

  8. Lempel

    Meine rechtliche Auffassung dazu ist eine andere.
    >Es gilt für alle die gleiche Arbeitszeit: ja, das stimmt, aber für die Einhaltung dieser 40-Stunden-Woche aufs ganze Jahr gesehen ist jede Lehrkraft selbst zuständig. Dies wird von den Dienstvorgesetzten jedenfalls mantramäßig vorgetragen, wenn man beispielsweise darauf abhebt, dass TZ-Kräfte unteilbare Aufgaben genauso übernehmen müssen wie die Vollzeitleute. Wir haben (leider) keine Arbeitszeitverordnung, die genau regelt, wie bestimmte Aufgaben zeitlich zu beurteilen sind. Bei den Studiendirektoren wird davon ausgegangen, dass diese die „Standardaufgaben“ wie Unterricht und Korrektur schneller und effizienter erledigen als die A13/A14er. Schließlich hätten sich diese als vergleichsweise belastbarer erwiesen, was ihnen auch durch diverse Beurteilung bescheinigt worden sei. Ansonsten wären sie ja schließlich nicht A15 geworden. Außerdem könnte eine Lehrkraft, die die stundenmäßige Belastung durch die Fachbetreuung nicht innerhalb der 40-Stunden-Grenze schafft , diese ja auch zurückgeben. Geht völlig formlos und ohne Schwierigkeiten. Falls sich eine Lehrkraft trotzdem dauerhaft stundenmäßig überlastet fühlt, gibt es die Möglichkeit der Überlastungsanzeige. Dann muss der Schulleiter im Rahmen seiner Fürsorgepflicht für Entlastung des Kollegen sorgen.

  9. Tinchen

    Das ist ja interessant, dass Sie nun wieder ein ziemlich normaler Lehrer mit normaler Stundenmenge sind. Bin gespannt, wie es Ihnen ergeht.
    Erleichtert hat mich die Feststellung „ist wie Radfahren“ – starte nun das vierte Jahr Elternzeit und bin irgendwie nicht mehr sicher, ob ich ein Abitur korrigieren kann oder ein Kolloquium bestreiten. Alles zuvor mehrfach gemacht.

  10. Lempel

    Ich habe es gerade beim Herrn Kubiwahn gelesen: Alles Gute und meine herzlichsten Glückwünsche, Herr Rau!

  11. Herr Rau Post author

    > Alles zuvor mehrfach gemacht.

    Kommt alles wieder, denke ich. Kann es ja noch nicht sicher sagen… :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.