Typische Schulwoche: Nathan, Fahrenheit, Lyrik, Konferenzen

Am Montag Datenbankentwürfe in der 9. Klasse – die Schüler haben Klassendiagramme für ein Fantasy- oder Science-Fiction-Spiel gezeichnet und präsentiert, dann in einem Diagramm-Editor verfeinert; nächster Schritt: Umsetzen in Tabellen für eine Datenbank. In der 11. Jahrgangsstufe: Vorbereitung für Fahrenheit 451 im Englischunterricht, einen Radio-Beitrag zu Ray Bradbury angehört und Fragen dazu gestellt oder beantwortet. Davor noch abgestimmt, mit welchem englischsprachigen Land außerhalb UK/USA wir uns beschäftigen – ich bot Irland und Indien an, dazu kamen die Vorschläge Neuseeland, Südafrika, Australien. Wär mir auch recht gewesen, aber die Entscheidung fiel für Indien. In Deutsch 10 die Ergebnisse des Mebis-Workshops besprochen. Workshop: Das ist eine bestimmte Moodle-Aktivität, bei der Schüler und Schülerinnen die Lösung einer Aufgabe abgeben, die dann von zugewiesenen anderen Schülern und Schülerinnen nach gegebenen Kriterien kommeniert wird. Thema war: Einen Fernseh-Fünfteiler entwerfen, mit kurzen Inhaltsangaben zu den Episoden, jeweils den Akten eines klassischen Dramas entsprechend, also mit Exposition, steigender Handlung, Wendepunkt, fallender Handlung, Katastrophe. Danach weiter Nathan.

Am Dienstag Informatik-Klausur in Q11. In 7 mit Algorithmik weitergemacht, ohne das Wort zu verwenden – zweite Schritte mit Scratch. Am Nachmittag Lehrerkonferenz. Schön fand ich, dass auch SMV-Vertreterinnen da waren, um bestimmte Punkte anzusprechen. In Bayern ist das nicht vorgeschrieben oder üblich, aber ich freue mich über jeden Kontakt. Ein weiteres Thema war das Medienkonzept, von dem ich über Twitter mitkriege, dass das auch bei anderen Schulen angekommen ist und zu laufen scheint. Meine Rede: Wenn so etwas endlich mal top-down kommt, dann wird das auch gemacht.

Mittwoch: Weitermachen mit Lyrik in 6. Klasse. Anlass: Einige Schüler und Schülerinnen mussten aus Gründen Gedichte aufsagen. Aber Gedichte stehen ja eh im Lehrplan. Erst mal Begriffe geklärt: Silbe (und der Unterschied Sprechsilbe und Silbentrennung), Betonung (und damit erklärt, warum der Schüler im Vortrag „Penelope“ und „Persephone“ falsch, nämlich nach deutschem Muster, betont hatten), Verteilung von betonten und betonten Silben. Ich kann nie vorhersagen, welche Schülerinnen ein Ohr für Metrik haben und welche nicht, aber das Thema interessiert sich, und ein paar wussten schon, dass man später irgendwann mal Aufsätze über Gedichte schreiben würde; der Gedanke faszinierte sie sichtlich ob dessen Unvorstellbarkeit. – Mittags kurzes Team-Treffen, danach noch ein paar Informatik-Reste in 11.

Donnerstag: Nathan-Analyse, close reading. Die Schulaufgabe (Prüfung) mit dem Thema Drama ist war erst im Mai, aber dazwischen liegen Austausch und Berlinfahrt und Ferien, deswegen muss das alles jetzt schon vorbereitet werden. Thema der Prüfung ist immer ein Ausschnitt aus einem unbekannten Drama, der Übungsaufsatz auch, aber geübt wird anhand des bekannten Nathan. Der fällt dieser Klasse leichter als sonst; sprachlich ist das nämlich kein leichtes Stück, aber dafür geht das dann im Jahr darauf mit dem Faust besser. Meine Lieblingsstelle: „Denn ist nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt? – Zu sagen: – ausgenommen, was die Kirch‘ an Kindern tut.“ Deckt sich mit meinem Menschenbild. Danach weiter Lyrik.

Freitag: Konkretes Arbeiten an Fahrenheit 451. Ich hatte mir beim Lesen Arbeitsaufträge gesammelt, dazu Vorschläge von den SuS, Paare gebildet, die die Ergebnisse jeweils präsentieren müssen. Ein Schüler fragte, ob Guy Montags Entwicklung als Heldenreise gesehen werden könnte. Habe ich so noch nie gesehen, ist aber dann doch ein verfolgenswerter Gedanke; schauen wir uns an, was er am Montag erzählen wird. – Sicher sind nur wenige meiner Arbeitsaufträge originell, die meisten sind offensichtlich: Symbole im Roman, Parallelen zwischen konkreten Neben- und Hauptfiguren, das ist alles naheliegend. Und die Lösungen dafür gibt es zuhauf im Web. Das wird mit diesem Kurs kein Problem sein – aber grundsätzlich ist es schon möglich, die Antworten zu recherchieren und einfach abzuschreiben. Das bringt wenig; Ziel ist ja nicht, dass die SuS die Symbolik in Fahrenheit 451 kennen (obwohl das dann später im mündlichen Abitur vorausgesetzt werden wird), sondern dass sie Symbolik in einem Werk erkennen können. – Die meisten SuS haben Papierausgaben, nur ganz wenig Kindle ist im Gebrauch.

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6 Thoughts to “Typische Schulwoche: Nathan, Fahrenheit, Lyrik, Konferenzen

  1. Zum Thema Medienkonzept/Mediencurriculum: Hat die Schule, an der ich arbeite online für alle (Eltern usw.) einsichtig auf der Webseite der Schule nach Fächern und Jahrgängen strukturiert: https://elearning-mcg.de/pluginfile.php/42040/mod_resource/content/1/Mediencurriculum.pdf

    Zum Thema Algorithmen und Scratch: Wir haben uns in Klasse 8 sehr eng an http://inf-schule.de/programmierung/scratch orientiert, das klappt wunderbar. Der Begriff „Algorithmus“ fällt, aber nicht zu Beginn und nicht an zentraler Stelle, sondern im Laufe der praktischen Arbeit mit der Programmierumgebung. Problemlösen steht an erster Stelle und später auch Projektorientierung.

  2. Danke dir, hab’s mir gleich herunterladen, hilft beim Orientieren. Ich hatte auf Twitter mitgekriegt, dass Hamburg auch gerade daran bastelt; ich nehme an, dass die Länder jetzt alle mit einem Medienkonzept auf das KMK-Strategiepapier reagieren. Glücklicherweise haben wir hier schon ein Pflichtfach Informatik, in dem Teile der digitalen Bildung umgesetzt sind, und das noch ausgebaut wird. Ansonsten lässt sich Bayern die digtale Bildung etwas kosten, ich hoffe, der Schwung bleibt erhalten.

    Manche Schulen wünschen sich, das Kultusministerium würde einfach einen Plan vorgeben; tatsächlich ist mir aber gar nicht so wichtig, was zum Lehrplan passt, sondern andere Dinge – insofern finde ich das in Ordnung, dass das den Schulen überlassen bleibt.

  3. Indien. Toll. Das habe ich auch immer sehr gerne unterrichtet. Ein paar kleine Filmtipps falls noch nicht bekannt. In dem indischen Film Salaam Bombay geht es um einen Straßenjungen. Am Anfang kommt die Hauptperson nach Mumbai und da wird alles schon mal so angedeutet: Das koloniale Bombay mit der britischen Architektur, die Hitze, die Armut, Strassenkinder. Die ersten so ca. 10 Minuten stellen einen schönen Einstieg ins Thema dar. Dann natürlich der Film Outsourced, der auch mal im Kanon des Niedersächsischen Zentralabiturs war. Der Anfang zeigt Indien sehr klischeehaft und bietet ebenfalls einen tollen Einstieg. Das Thema Outsourcing wird in dem Film gut präsentiert. Wenn man mal was anderes als so Mainstream machen möchte, ist der Film Earth ganz gut, der die Partition gut anhand von Einzelschicksalen zeigt.

  4. Indien habe ich im Englischunterricht noch nie wirklich gemacht. Eine Rushdie-Kurzgeschiche werde ich auf jeden Fall machen. Salaam Bombay kenne ich wenigstens dem Namen nach; Outsourced klingt sehr interessant. Überhaupt, Film habe ich noch nicht viel gemacht, das kommt mir zupass. Danke!

  5. Gerne. Wir mussten damals für das Zentralabitur von Rushdie Good Advice is Rarer than Rubies machen. War okay, hat mich und die SuS nicht vom Hocker gerissen. Ich habe sie durch Joseph Conrads „An Outpost of Progress“ gequält. Ich finde die Geschichte großartig, die SuS eher weniger. Ist auch zu lang und vor allem eigentlich wohl auch zu schwer für Sek II. Kann man aber eine Menge mit machen. Empfehlen kann ich noch Outsider von Meher Pestonji für eine Kurzgeschichte, die auch Indien als Setting hat.

  6. Good Advice fand ich toll, habe ich in der Rushdie-Kurzgeschichtensammlung entdeckt, gleich als erste, Signal gebende Geschichte. Ansonsten ist mir nur eine aus der Sammlung in Erinnerung geblieben, wo Star Trek durchgehend als Metapher herangezogen wird (ich glaube, auch von den Personen).

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