Padlet, und was die Schule zahlt

Padlet ist ein schönes Informatiksystem, browserbasiert, mit dem man wie an einer virtuellen Pinnwand Zettelchen mit Text und Bildern und anderen Inhalten auf einer Oberfläche verteilen und verschieben und verbinden und ergänzen kann: Eine schöne Sache, um die eigenen Gedanken zu sortieren; noch schöner, wenn man das mit anderen gemeinsam tut.

Padlet war bisher ein kostenloses Angebot; in Zukunft gibt es eine etwas eingeschränkte Grundversion, die kostenlos – aber mit Werbung – bleibt, sowie die Möglichkeit, den Dienst für Geld zu abonnieren. Da geht ja ohnehin der Trend hin: Man kauft Software nicht mehr, sondern abonniert sie; bei webbasierten Systemen ist das nachvollziehbar.

Bei vielen Lehrern und Lehrerinnen auf Twitter war Padlet sehr beliebt, und die finden es schade, dass das jetzt nicht mehr so einfach geht. Schade finde ich das auch, aber absehbar war es, und ist es bei ähnlichen Produkten auch. Ein paar Twitterer werden den vollen padlet-Preis vielleicht zahlen; man kann ihn dann sicher von der Steuer absetzen, so dass man einen Teil des Gelds zurück erhält – mit Fachbüchern ist das ja auch so. Manche wünschen sich, die Schule käme für so etwas auf.

Ja und nein. Ich stimme A.R. Krommer zu, der einen alten Text von sich dazu herausgekramt hat:

Software sollte man genau so betrachten wie andere Lehr- oder Lernmittel, und muss dafür Geld ausgeben. Dass Schulen verlangen können, dass Schülerinnen und Schüler spezielle Software auf ihren Smartphones zu installieren – soweit sind wir noch nicht, aber grundsätzlich hal eich das für legitim. Acht Euro für eine Schullektüre oder acht Euro für eine App: Von den Kosten her vertretbar. Sinn muss das eine wie das andere machen; Sinn kann auch das eine wie das andere machen.

Wenn eine Schule jetzt schon mit Padlet arbeiten möchte, sollte die Finanzierung ja auch kein Problem sein: In Bayern am Gymnasium hat jede Fachschaft einen kleinen Etat, mit dem sich solche Software-Abonnements bezahlen lassen; jede Schule hat einen etwas größeren Etat, der auch dafür ausgegeben werden kann; und beim Sachaufwandsträger (dem Landratsamt etwa) kann man Anträge auf teurere Produkte stellen. Im Vergleich zu anderer Ausstattung ist viele Software noch recht billig – wenn auch oft im Abonnement.

Für welche Produkte sollte die Schule dieses Geld ausgeben? Als Fachschaft, oder fachschaftsübergreifend: Wofür sie will. Gerne auch Padlet. Dann kann man auch das neueste digitale Spielzeug mitnehmen, und diese Spielzeuge können wirklich toll sein. Sobald es mehr und teurer wird oder gar mehrere Schulen betrifft oder bald vom aller-neuesten digitalen Spielzeug abgelöst zu werden droht, muss man aber überlegen. Und das heißt, auf Open-Source-Projekte zurückzugreifen. Nur weil es das Open-Source-Projekt Moodle gibt, konnte Bayern allen staatlichen Schulen Mebis mit integriertem Moodle zur Verfügung stellen. Wenn es offene Äquivalente gibt, kann sich die Schule das Produkt auf dem eigenen Server installieren, oder das Kultusministerium für alle Schulen. So bleiben Schulen flexibel.

Das erfordert, dass es an jeder Schule jemanden gibt, der so etwas aufsetzen kann. Das gibt es noch nicht; die IT-Ausstattung von Schulen wird zwar häufig – immer häufiger, glaube ich – von externen Firmen betreut, aber die kümmern sich noch selten um Webdienste. Bei richtig großen und dauerhaften Projekten ist es natürlich am besten, wenn das Kultusministerium so etwas zentral regelt, wie bei Mebis etwa. Microsoft, Apple und Google wollen natürlich alle, dass Schulen jeweils ihre Softwareprodukte nutzen, und bieten auch wirklich verlockende Sachen an. (Datenschutz ist da halt noch ein Problem, aber das betrifft eigene Server nicht viel weniger.)

Man kriegt dann halt nicht das neueste Produkt. Aber von konkreten Produkten sollte man sich eh so wenig wie möglich abhängig machen.

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