Dillingen 2018

Tablett mit Essen

Die letzte Woche war ich in Dillingen an der Donau auf Fortbildung. Dort gibt es die Akademie für Lehrerbildung und Personalführung. In einem früheren Blogeintrag habe ich ausführlich erklärt, was das ist.

Ich glaube, ich könnte mir das angewöhnen – eine Woche Fortbildung im Herbst. Ich kann länger schlafen als zu Hause (zumindest ein wenig) und komme am Abend zum Korrigieren (wenn ich nicht ausgehe oder in den Akademiekeller gehe, aber das bin ich nicht). Dafür habe ich den pädagogischen Tag an meiner Schule verpasst, der am Buß- und Bettag stattfindet, weil die Schüler und Schülerinnen da frei haben und die Lehrer und Lehrerinnen dafür einen Tag arbeiten müssen. Das muss nicht dieser Tag sein, aber der bietet sich an; lange Geschichte. Es mag sicher irgendwo pädagogische Tage geben, bei denen ich es schade finden würde, nicht dabei sein zu können. Aber bis dahin taugt mir der Termin.

In fast allen Bundesländern gibt es etwas, das Bildungsurlaub heißt – bis zu fünf Tage Urlaub im Jahr zur politischen oder beruflichen Bildung. Die Bundesrepublik hat sich 1974 verpflichtet, das einzuführen (sagt Wikipedia), aber wie das mit der Kulturhoheit der Länder ist: Bayern macht da nicht mit.

Dann eben so. Das Thema war Androidprogrammierung in Java, ein Thema, bei dem ich schon einige Vorkenntnisse hatte. Aber ich wusste, dass ich so oder so Zeit bekommen würde, vor mich hin zu programmieren, und da lerne ich am besten. Allerdings brauchte ich schon eine Einführung: Ich habe einfach keine Lust, über Tutorials oder gar – horribile dictu – Videos im Web mich in etwas einzuarbeiten.

Gelernt habe ich viel. Jetzt kann ich das so, wie ich möchte. Tatsächlich bietet einem der MIT App Inventor bereits viele wichtige Konzepte dafür, aber so ist man flexibler und kann vor allem eigene Klassen ergänzen.

Treppenhaus und Handtücher:

Collage aus Handtuch mit Aufschrift und Gewölbe-Treppenhaus

Genau so – nur etwas weniger gut erhalten – sah der Ausblick aus meiner alten Schule aus, ein sehr ehemaliges Kloster in Augsburg. Aber in diesen Hof kam man nicht hin, das gehörte dem Hausmeister. Hieß es damals immer. Und jetzt, wo ich mir das überlege, wird das wohl so nicht ganz korrekt gewesen sein, aber das fällt mir erst jetzt auf.

Ausblick auf Innenhof mit Gras

Abendessen. Das bunte rechts oben ist ein Krabbencocktail:

Tablett mit Essen

Insgesamt war das Essen der schwächste Teil der Fortbildung. Kaffee gab es nur zum Frühstück, und das bei Lehrern. Ach, die Lehrer. Die Leute, mit denen ich in der Fortbildung war, waren ganz normal. Aber so im großen Speisesaal, wenn alle Lehrer und Lehrerinnen sich versammeln, dann kommen sie mir schon komisch vor. Vielleicht sind sie nur einfach nicht mein vertrautes Kollegium. Oder man zieht sich besonders an, wenn man in Dillingen ist? Geht nur ein bestimmter Typ nach Dillingen? Vielleicht ist es auch das Ambiente, beruflich und doch außerschulisch – am Ende sind’s einfach die vielen Schwaben, die ich sonst nicht so treffe.

10 Videospiele, die mich beeinflusst haben

Screenshot Magnavox Odyssey Ski

Mein Freund Bernhard hat mir ein Stöckchen zugeworfen, bei dem ich jeden Tag ein Computerspiel, das mich beeinflusst hat, posten soll, zehn Tage lang. Und ich mache das lieber hier auf einmal im Blog, statt zehn Facebook- oder Twitter-Einträge zu schreiben. Ich denke, es sind typische Spiele ihrer Zeit und keiensfalls Insiderspiele – ich war halt nur früh dabei.

1. Magnavox Odyssey: Ski

Screenshot Magnavox Odyssey Ski

Tatsächlich steht das Spiel stellvertrend für die anderen Odyssey-Spiele. Das war 1972, 1973, und ich war zu jung dafür, aber ich will das hier stehen lassen als Beispiel dafür, wie cool mein Vater war (und noch ist). Das war die erste Spielekonsole überhaupt, und das eigentliche Spiel sieht man in der unteren Hälfte der Grafik: Ein weißes Kästchen, das man mit einem Controller bewegt. Die bunte Grafik darüber, das war eine selbsthaftende Folie, die man auf den Fernsehschirm geklebt hat. Das Ziel beim Skifahren: Das weiße Kästchen so bewegen, dass man immer auf der Bahn bleibt (das schwarze in der oberen Grafik sind die durchsichtigen Stellen). Ob man sich an diese Beschränkung hält und wie schnell man das schafft – das war den Spielern überlassen, die Konsole überprüfte das nicht. Ähnlich das Ping-Pong-Spiel mit tatsächlich drei Kästchen und Abprallen des Balles von den Schlägern – aber Punktezählung und dass man mit dem Schläger in der eigenen Spielhälfte blieb, das überprüfte das System nicht.
Die bunten Folien und der farbenfrohe, riesengroße Kasten mit dem Spiel faszinierten mich, obwohl es nicht oft eingesetzt wurde.

2. Commodore PET: Lunar Lander

Screenshot PET Lunar Lander
https://www.commodore.ca/commodore-gallery/commodore-pet-games/

Die Spiele auf dem PET und CBM 8032 Ende der 1970er Jahre waren die ersten Spiele, die ich aktiv gespielt habe, und für diese Geräte habe ich auch einfache Spiele programmiert – simple Rennspiele, Snake, ein halbfertiges, unzuordenbares Spiel mit schöner Grafik, aus dem dann nie etwas wurde. Alls nur Basic mit ein paar Peeks und Pokes für den Bildschirm. Lunar Lander fand ich nie gut, aber die Auswahl war nicht groß.

3. Intellivison: Auto Racing

Screenshot Intellivision Autorace

Diese Spiele-Konsole stand viele Jahre im Zimmer von mir und meinem Bruder. Auto Racing war besonders gut, weil es ein Spiel mit Scrolling in alle Richtungen war (eine Besonderheit damals, lang nicht erreicht), weil man gut zu zweit spielen konnte und weil man die Fahrbahn auch verlassen konnte, wenn man vorsichtig war, um zu anderen Bahnen zu gelangen: Gleich viele neue Konzepte, die mich beeindruckten.

4. Commodore 64, dann Commodore PET: CIA Adventure

Screenshot C64 CIA Adventure
https://www.mobygames.com/game/c64/cia-adventure/screenshots/gameShotId,119506/

Mein erstes Textadventure. Angefangen wohl auf dem Commodore 64 eines Freundes, noch bevor wir einen hatten, und mit Vaters Hilfe mühsam auf den Commodore PET oder 8032 kopiert, wo es – dann doch zu allseitiger Überraschung – tatsächlich funktionierte. (Gleiche Basic-Dialekte auf den Maschinen.) Damit begann meine Liebe zu Textadventures, auch wenn das ein sehr einfaches Spiel war.

5. Commodore 64: Blade of Blackpool

Screenshot C64 Blade of Blackpool

Jetzt hatten wir einen C64! Ein Textadventure mit Grafik, ich spielte mit meinem Freund Stefan, lernte das Wort “to pour”, und spielte das Spiel bis zum Ende. Das hatte mich Mühe gekostet, aber ich hab’s geschafft.

6. Commodore 64: PSI‑5 Trading Company

Screenshot C64 PSI5 Trading Station

Bei diesem Spiel lernte ich Multitasking: Man spielt einen Captain eines Raumschiffes, der seinen mehr oder weniger selbstständig agierenden Offizieren Befehle erteilen muss. Die IDee fasziniert mich bis heute. Man spielt sich quasi selber, Befehle gebend, taucht im Spiel als Figur nicht auf. Dazu das leicht Absurde und die Echtzeit-Hetzerei.

7. IBM PC: Doom

Screenshot MSDOS Doom

Das muss jeden Spieler meiner Generation geprägt haben, aus so vielen Gründen. Das war noch kein echtes 3D, aber man konnte sich frei (und ruckelfrei) in einer Welt bewegen, die sich um einen drehte. Freiheitsgefühl beim Spielen.

8. IBM PC: Alone in the Dark

Screenshot MSDOS Alone in the Dark

Und wieder: Freiheitsgefühl beim Spielen. Diesmal in Vektorgrafik, heute Standard, und das ahnte ich damals schon: das war die Zukunft, auch wenn nur ein kleiner Teil der Welt wirklich 3D und Vektorgrafik war. Dazu Lovecraft und Horror.

9. IBM PC: The Martian Chronicles

Screenshot Martian Chronicles

Das ist kein sehr bekanntes Spiel, aber als Bradbury-Gernleser habe ich es mir gekauft. Ein ruhiges, sehr atmosphärisches, enttäuschend kurzes Spiel. Man hatte eine Art Scanner, mit dem man den Bildschirm absuchen konnte, um auf verborgene Wahrheiten zu kommen. Das habe ich mal für ein Englisch-Hörspiel-Projekt übernommen, wo man mit einer Lupe über eine Karte des Landkreises Fürstenfeldbruck fahren konnte, um verborgene Wahrheit zu sehen – die Lupe zeigte dann Bishopsbridge statt Fürstenfeldbruck, Under Pig Brook statt Unterschweinbach.

10. Windows: Freedom Force

Screenshot Freedom Force
https://www.mobygames.com/game/windows/freedom-force/screenshots/gameShotId,41286/
Contributed by Alan Chan (3618) on Apr 28, 2003.

Ach war das cool. Superhelden-Action im Stil des Silver Age, mit fortschreitender Handlung in einzelnen Episoden. Das war ein taktisches Echtzeit-Rollenspiel, auch wenn es durch reichliche Benutzung der Pausentaste oft rundenbasiert wirkte. Man konnte sich frei in der ganzen Welt bewegen (damals noch selten), Bäume ausreißen und Straßenlaternen, mit Autos werfen und so lange auf Häuserblocks einhauen, bis sie ganz und gar zu Schutt wurden. Unmengen von Fan-Erweiterungen und Zusatzmissionen, neue und alte Charaktere, und meine erste Begegnung mit Python – in dieser Sprache waren die Episoden geskriptet.

11. Android: Pokémon Go

Screenshot Pokémon Go

Enorm großer Einfluss. Kriegt mich zum Fußlaufen (auch wenn ich ohnehin viel zu Fuß unterwegs bin). Kein Spiel habe ich so viel gespielt, auch wenn ich’s nur nebenbei mache.

Ehrenhalber noch zu nennen:

  • Lemmings
  • Mission Impossible
  • Bard’s Tale
  • Wing Commander
  • Zombies, Run (aber das ist wohl gar kein Spiel)

Keine Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes

Ich habe dieses Fundstück aus dem Heft 3 von Schule & wir aus dem Jahr 2016 zwar schon einmal erwähnt, habe aber immer noch keinen rechten Frieden damit gefunden:

Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen gelten nach der Rechtsprechung nicht als Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes (vgl §2 UrhG). Daher genießen sie auch keinen Schutz vor Vervielfältigung, Weitergabe oder öffentlicher Zugänglichmachung. Davon ausgenommen sind Angabentexte zentral gestellter schulischer Abschlussprüfungen wie etwa des Abiturs.

Tatsächlich habe ich auf Twitter von einer Schule gelesen, wo Eltern die gesammelten Schulaufgaben als Büchlein (für 15 Euro) veröffentlichten. Ich habe damit gar nicht so viele Probleme, aber der Gedankengang dahinter ist mir nicht klar: Inwiefern sind “Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen” denn keine Werke im Sinne von §2 UrhG? Darunter fallen:

insbesondere …
1. Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Ohnehin: Ist meine schöne Textaufgabe kein Sprachwerk? Ich habe auch schon mal Verse gedichtet für Arbeits- oder Prüfungsmaterial, glaube ich; ganz sicher schmuggle ich jedenfalls in mein Arbeitsblatt mit japanischer Lyrik immer wieder ein Haiku aus meiner Studienzeit und fordere die Schüler und Schülerinnen auf, es unter Werken von Bashō oder Issa zu herauszufinden (ohne dass ich übrigens deren Übersetzer oder Übersetzerin angegeben hätte).

Spoiler – Es ist das hier:

Selbst die Ameisen
kriechen langsamer, scheint es,
am Neujahrsmorgen.

Gedichtet während meines Jahres im Süden von England, milde Winter in der Studenten-WG. Kein Vergleich zu Bashō, natürlich; das Element des Vergänglichen fehlt ganz. Wenn ihr das auf einem kopierten Arbeitsblatt ohne CC-Lizenz seht: Ich hab’s nicht erlaubt!

Oder gilt das alles ohnehin nur für “Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen”, aber nicht für “Texte und Angaben von schulischen Übungsaufgaben”?

Ich könnte ja noch nachvollziehen, wenn der Dienstherr die Verwertungsrechte für sich beansprucht, nach dem Prinzip work for hire: was während der Arbeitszeit entsteht, gehört dem Arbeitgeber. Aber dass meine liebevollen Informatik-Textaufgaben nicht schützenswert sind, das verstehe ich nicht.

Leider schreibt Schule & wir einfach nur “nach der Rechtsprechung”, ohne auf ein konkretes Urteil hinzuweisen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich so pauschal stimmt.

(Ein weiteres Problem wird übrigens das sein, dass Inhalte aus Prüfungen immer wieder auch aus anderen Quellen stammen dürften – Schulbücher, Deutschtexte sowieso, Cartoons und Bilder ebenso. Theoretisch müssten wir dann immer korrekte Quellenangaben machen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das meistens nicht stattfindet. Vor dem Veröffentlichen müsste man das alles herausfiltern.)

Links, nach und nach hier gesammelt:

Stan Lee mit 95 Jahren gestorben

Und dann doch überraschend: Stan Lee ist gestorben, 2018, mit 95 Jahren. Stan Lee kenne ich seit Herbst 1978. da war ich gerade mal elf Jahre alt, Stan Lee 56 – aber für mich zehn bis fünfzehn Jahre jünger. Und das kam so:

In der 5. Klasse entdeckte ich Marvel Comics, namentlich die Serie Die Spinne aus dem Williams-Verlag. EIn Mitschüler brachte mich darauf, und ich war schnell regelmäßiger Leser. Die Hefte kriegte ich am Kiosk an der Endhaltestelle der Straßenbahn in meinem Stadtteil; da fuhr ich mit dem Bus hin und von da aus weiter mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Alle zwei Wochen gab es ein neues Heft, und neben Die Spinne las ich auch die anderen Hefte aus dem gleichen Haus – Die Rächer, Die Fantastischen Vier vor allem.

Auf Flohmärkten fand ich mit einigem Einsatz einen Großteil der zurückliegenden Hefte, und auch die der anderen, bereits eingestellten Serien – und wenige Monate später (nach meinem Gefühl: eine Ewigkeit später) wurden auch die restlichen Williams-Marvel-Serien eingestellt. Just my luck. Aber ich hatte ja die Jagd nach den alten Heften, hatte amerikanische Hefte, die ich – als Folge der vielen amerikanischen Soldaten in Augsburg – auch reichlich auf Flohmärkten fand, und in den Folgejahren bei Urlauben in den USA. Und einen Nachfolgeverlag gab es auch, der viel deutsche Ausgaben produzierte, dem aber völlig der Charme der Williams-Marvels abging. (Allein schon das Handlettering der Williams-Hefte, das nur von heute aus amateurhaft aussieht, und dabei immer noch besser ist als der Pseudo-Handsatz heute.)

Und dieser Charme, der war ein wesentliches Merkmal der Marvels: Die Autoren und Zeichner hatten überbordende Spitznamen, ich weiß nur noch die englischen: Smiling’ Stan Lee, Dazzlin’ Don Heck, Adorable Artie SImek, King Kirby, Stainless Steve Ditko, Rascally Roy Thomas, Big John Romita, alle mit lobpreisenden Adjektiven oder Spitznamen versehen. Diese Sprache der 1960er-Marvels übernahm auch das Redaktionsteam der deutschen Fassungen in den Übersetzungen der 1970er-Jahre, als die Geschichten mit zwölf oder fünfzehn Jahren Verspätung erschienen. Das großsprecherisch, markschreierisch – aber bei der Konkurrenz wurden die Namen der Autoren, Zeichner, Tuscher überhaupt nicht genannt. Marvel gab ihnen Identitäten. Ein gezeichneter Stan Lee sprach den Leser mit weitausladenden Gesten direkt an, “Excelsior” sein Schlachtruf. Marvel-Comics waren nicht einfach da, sie wurden erkennbar von Menschen gemacht.

Dass der amerikanische Bullpen – die künstlerischen Mitarbeiter im Verlag – gar nicht so war wie dargestellt, klar; und auch die Figur, die Stan Lee für sich erfunden hatte, entsprach sicher nicht der Wirklichkeit – aber die Unterschrift, der Schnurrbart, das liebenswert Großsprecherische, das war schon auch echt. Stan Lee war das Gesicht von Marvel, der Co-Erfinder fast aller frühen Marvel-Superhelden, der Autor vieler früher Geschichten – Stan Lee und Steve Ditko bei Spider-Man, Stan Lee und Jack Kirby bei The Fantastic Four, das sind zurecht legendäre Jahre. Mit Schmalz und Melodrama und Pathos. Schon im ersten Spider-Man-Heft schrieb Stan Lee: “With great power comes great responsibility”, und danach ging es nur noch aufwärts.

Marvel-Sammlung 1979
Meine Marvel-Sammlung 1979

Stan Lee verdiente als Executive viel Geld und stand gerne im Rampenlicht, andere Künstler behandelte der Verlag (“The House of Ideas”, im Vergleich zur “Distinguished Competition” von DC) stiefmütterlich biss schlecht; zwischen Kirby und Lee und Ditko und Lee gab es Streit. (“Funky Flashman” mit seinem “Houseroy” war danach eine Kirby-Parodie auf Lee im Mister-Miracle-Universum, Google-Bildersuche.) Manche Fans mochten ihn nicht, unterstellten auch, die anderen Künstler seien die eigentlich Produktiven gewesen. Aber die letztlich doch immer etwas enttäuschenden Hefte von Ditko ohne Lee, von Kirby ohne Lee zeigen, dass sein Beitrag als Erzähler nötig war, um Geschichten und das Marvel-Universum zu erschaffen. Die Auftritte im Marvel Cinematic Universe bezauberten dann auch wieder viele verstimmte Fans.

Angemalte Seite aus Schulbuch
Tiere in meinem Schulbuch Englisch 5./6. Klasse: Als Superhelden

Die Rolle, die Stan Lees Marvel-Comics in meiner Entwicklung spielen, ist groß. Toleranz, Nicht-Aufgeben, Umgang mit Niederschlägen, Verantwortung, Verlust. Avengers 32 und 33 mit den rassistischen Söhnen der Schlange. Pulphaft versunkene Reiche in Avengers 34 oder Fantastic Four 54. “This Man – This Monster” in FF 51. Amazing Spider-Man 33, in dem Spider-Man sich fünf Seiten lang aus einem eingestürzten Labor hervorarbeitet. Hachz.

Rollenspielem 2018, Rechenspiele, Hörsaalspiele (aber nicht wirklich)

Tisch mit Rollenspielunterlagen

1. Rollenspiele

Wie schon seit einem guten Jahrzehnt war ich zu den Allerheiligen-Tagen wieder beim jährlichen Rollenspiel, einer fortlaufende Call-of-Cthulhu-Kampagne. Zur Vorbereitung las ich noch einmal die Ereignisse des letzten Spiels nach, die eine Spielerin für uns zusammengefasst hat (um die 7000 Wörter). Das trug sich in der Mitte des Jahres 1940 zu – und in meiner Erinnerung waren diese Ereignisse, auf zwei, vielleicht sogar drei Jahre verteilt. Tatsächlich war einfach nur viel los, und wir kamen viel herum. Diesmal dagegen blieben wir in Nepal, genauer gesagt: in Mustang, einem damals noch autonomen Königreich innerhalb von Nepal. Verschiedene Hinweise steckten in nepalesischen und tibetischen Sagen, die wir umfänglich ausgehändigt bekamen und einander vorlesen mussten.

Tisch mit Rollenspielunterlagen

Alte Karte von Nepal

Die Karte oben enthielt zwar noch weite Bereiche, die als “UNEXPLORED” markiert waren, war aber wenigstens noch auf Englisch. Eine andere Karte stammte von einem ungarischen Reisenden Mitte des 19. Jahrhunderts, und alle Bezeichnungen waren auf Ungarisch.

Eintrag von 2017 (Edinburg, Suez, Sumatra, Nepal 1940), mit Links zu den Vorjahren.

2. Rechenspiele

Für das Englisch-Abitur gibt es bestimmte Aufgabenformen und Regelungen, und die gelten auch für die Prüfungen in der Oberstufe. Bislang war es so, dass man für eine Frage 20 Bewertungseinheiten erhielt (von, sagen wir, 80 Bewertungseinheiten insgesamt), und die setzten sich zusammen aus, einen Tick vereinfacht, 0–5 BE für den Inhalt, und 0–5 BE für die Sprache, und das ganze x 2, weil die Frage eben als gewichtiger betrachtet wird – macht just die 20 BE Maximum. Für eine einfache Frage mit 10 Bewertungseinheiten kriegt man wieder 0–5 BE auf den Inhalt und 0–5 BE auf die Sprache, diesmal aber nur x 1, weil es insgesamt ja nur 10 Bewertungseinheiten dafür gibt.

Nicht ganz einfach, aber auch nicht ganz kompliziert.

Ab der 11. Klasse in diesem Schuljahr ändert sich das. Das kultusministerielle Schreiben dazu begründet das mit einer Anpassung an die Vorgehensweise der meisten anderer Bundesländer, und jetzt sieht das Verfahren so aus:

  • Auf die Frage gibt es jetzt nicht mehr 20 BE (von 80, beispielweise), sondern: 25%.
  • Es gibt jetzt nicht mehr jeweils bis zu 5 Punkte auf Inhalt/Sprache, sondern bis zu 15 Punkte, entsprechend den Notenstufen der Oberstufe. Dabei wird der Inhalt jetzt mit 40% und die Sprache mit 60% bewertet. Bei 6 Punkten für den Inhalt und 12 Punkten für die Sprache heißt das, es gibt insgesamt 9,6 Punkte für diese Aufgabe.
  • Diese 9,6 Punkte gehen zu 25% in die Gesamtnote ein (siehe oben). Die Gesamtnote liegt weiterhin zwischen 0 und 15 Punkten.

Das ist differenzierter als das bisherige System. Ob es transparenter ist, bezweifle ich. Rechenarbeit ist es sicher deutlich mehr, so dass das Kultusministerium in Zukunft das hier vorschreibt:

Die Umsetzung des prozentualen Binnenverhältnisses der einzelnen Prüfungsteile wird durch die verpflichtende Verwendung einer excel-Tabelle (siehe Anlage 4) erleichtert. Den Schulen werden künftig mit dem Schreiben zur schriftlichen Abiturprüfung eigens für jede schriftlich geprüfte moderne Fremdsprache erstellte excel-Tabellen übermittelt, die für die Berechnung und Dokumentation der Schülerleistung zu verwenden sind.

Es scheint, als wäre die Berechnung so kompliziert, dass sie sich ohne Tabellenkalkulationssystem nicht durchführen ließe; zumindest traut man das Lehrern und Lehrerinnen nicht zu. Das klingt ein wenig überdifferenziert, aber von mir aus. Die eigenartige Schreibung von excel und die Nennung einer proprietären Software irritiert mich allerdings – aber trotz Fehlermeldung scheint di Datei wenigstens auch mit der (aktuellsten!) Version von Libre Office zu laufen.

3. Hörsaalspiele

Didaktische Reduktion: Das habe ich heute in der Informatikdidaktik-Vorlesung vorgestellt. Und weil ich mich ja auch immer gern selbst unterhalte, und weil ich die didaktische Reduktion – noch ohne diese Bezeichnung zu kennen – über Lessing kennengelernt habe, habe ich mit Lessing angefangen:

Drei Vorlesungsfolien zu Lessing

In “Die Erziehung des Menschengeschlechts”, einer späten, religionskritischen Schrift, die ich sehr mag, vergleicht Lessing das Alte Testament mit einem Schulbuch für Grundschüler, das Neue mit einem für die Sekundarstufe I, und am Ende erhofft er sich ein neues, noch zu schreibendes Buch für diejenigen, die auch diesem entwachsen sind.

Diese Vorstufen einer späteren Wahrheit sind für das jeweilige Publikum angepasst, enthalten notwendige Vereinfachungen, die aber nicht zu sehr vereinfachen dürfen, nicht auf falsche Fährten locken oder späteren Erkenntnissen den Weg verbauen dürfen, wobei gleichzeitig Fingerzeige auf diese späteren Erkenntnisse gern gesehen sind – quasi als Binnendifferenzierung für die schnelleren Schüler und Schülerinnen.

Das war natürlich nur der Einstieg, danach ging es schon informatisch weiter: Didaktische Reduktion heißt die Vereinfachung von Konzepten, so dass sie (1) für die geistige Struktur und Entwicklungsstufe der Lernenden angemessen sind, (2) trotzdem fachlich korrekt sind und (3) entwicklungs- und später erweiterbar sind, auf höherem Niveau und ohne vermeidbares Umlernen.