Ach, ach. Adrian Mole war mir schon in meiner späten Jugend ein Begriff, weil ich regelmäßig von A-Z die Penguin-Kataloge las, die ich gelegentlich in Buchhandlungen bekam, und die für Buchhändler gedacht waren, nicht für Endkunden.
Aber gelesen habe ich The Secret Diary of Adrian Mole, Aged 13 3/4 und The Growing Pains of Adrian Mole dann erst zu Anfang des Studiums. (Der Kurs Übersetzung 1 begann mit den ersten Seiten des ersten Buchs.) Die Bücher waren toll. Später las ich dann die mittleren zwei Bände der Reihe, an die ich wenig Erinnerung habe und die mich nicht sehr beeindruckten, und erst vor einem Jahr las ich auf Empfehlung meines Freundes Bernhard die nächsten Bände, die sehr gut waren.
Und heute las ich den letzten Band. Ach, ach. Townsend starb 2014, es gibt keinen weiteren Mole mehr. The Prostrate Years ist ein würdiger und frustrierender letzter Band. Wie so oft geht es Adrian am Anfang noch ganz gut und im Verlauf des Buches immer schlechter. Diesmal zieht es ihn besonders herunter – seine Frau verlässt ihn, sein Bruder ist pleite, Krebs, kein Job, und das bisschen Geld so falsch investiert, wie man es nur aus dem Rückblick erzählen kann, die Familie hat Probleme, und auch der Lichtblick am Ende ist nicht gar so hell wie in den letzten Bänden. Er weint viel in diesem Buch.
Natürlich ist das ein lustiges Buch. Aber wenn man als 23-3/4-Jähriger über die Eskapaden eines zehn Jahre Jüngeren lacht, fällt das leichter, als mit 51 über die Sorgen eines Mannes im mittleren Alter zu schmunzeln. Adrian ist Hypochonder und Pedant, sozial ungeschickt, naiv, ein Möchtegernschriftsteller, der seine Grenzen nicht kennt, eine treue Seele, macht sich Sorgen um alles und jedes und gibt sein letztes Hemd für Freunde, Fremde und Familie. Die perfekte Identifikationsfigur. Man wünscht sich so, es möge alles gut gehen, aber Adrian bleibt weitgehend glücklos.
Aber einen Lichtblick gibt es: Pandora, seine große Jugendliebe, unerreichbar schön und selbstständig, tritt wieder in sein Leben. Und es wird heftig symbolisch: Adrian findet den Schlüssel zu einem Koffer wieder, den er von Bert Baxter in einem früheren Band erhalten haben muss. Inzwischen steht der Koffer bei Pandora, auch sie findet diesen zufällig auf dem Speicher, hat aber keinen Schlüssel dazu. „Then we must get together soon and you can put your key in my box,“ sagt Pandora zu Adrian, als sie davon erzählt — eine deutliche sexuelle Anspielung. Am Ende des Buches tritt der noch immer kranke Adrian auf die Straße, Pandora entgegen, die ihm entgegenfährt. Ende.
Und der nächste, nicht vollendete, vielleicht kaum richtig begonnene Band, an dem Townsend zur Zeit ihres Todes 2014 arbeitete, trug den Arbeitstitel Pandora’s Box. Aaaaargh! Was ist in dem Koffer? Wann haben Adrian und Pandora ihn gekriegt? Werden die beiden je ein richtiges Paar? Das ist die Karotte, die Townsend jahrelang vor den Lesern baumeln ließ, und es wäre doch so schön.
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