Nachrufe

Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C‑Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen.

Rutger Hauer ( † Juli 2019) als Roy Batty in Blade Runner

Ich habe diese Zeilen zum ersten Mal 1982 gehört; ob sie mir da sofort aufgefallen sind oder erst ein Jahr später, das weiß ich nicht mehr. SIe leuchteten mir sofort ein und führten dazu, dass ich als Teenager über Sterblichkeit nachdachte, vermutlich zum ersten Mal ernsthaft.

Batty trauert nicht um sich, sondern um all das, was mit ihm sterben wird: Seine Empfindungen, seine Erinnerungen, das Schöne und Aufregende und Überwältigende, das er gesehen hat. Jeder Mensch ist eine eigene Welt, die mit ihm stirbt.

Hinterfragt habe ich die Zeilen erst jetzt. Dieser fast solipsistische Ansatz gefiel mir als Teenager, und dass ich weniger wichtig bin als meine Erinnerungen, das passte zu meinem Selbstbild. Aber den Menschen um dich herum ist es völlig egal, ob du C‑Beams gesehen hast oder nicht, ob du vor der Schulter des Orion warst oder nicht oder dir das nur eingebildet hast.

Ach. Sophie, ich vermisse dich. Dreimal habe ich dich getroffen; du warst auf unserem Fest, hast das Geschenk besorgt; du warst klug und lieb, und wohl krank. Und jetzt bist du tot und wir hätten vielleicht mehr tun müssen.

Schuljahresende 2019 und Malteserfalken

“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” – ja, aber manchem Ende auch. Heute war Schuljahresende, das dienstlich und privat mehr gefeiert wird als Ferienanfang, glaube ich. In den ersten sechs oder sieben Jahren meines Lehrerseins brauchte ich immer ein paar Tage, um mich an die Ferien zu gewöhnen. Ich glaube, dieses Jahr habe ich einfach schon in der vorletzten Woche angefangen, mich in die Ferien zu verabschieden, also gedanklich und emotional.

Die letzten zehn Tage und mehr findet ja eh nur eine Art Schule spielen statt. Wandertag, die sogenannten Projekttage, Konferenzen mit effizienzorientierten (quasi automatisierten) Abstimmungen. Da wird nicht viel gedankliche Anwesenheit von mir gefordert. Zugegeben: Ich könnte mit gedanklicher Anwesenheit dafür sorgen, dass etwa die Projekttage besser wären. Aber schon zu meiner Schulzeit waren diese SMV-Tage anarchische Phasen ohne ordentliche Aufsicht und ohne nachvollziehbares Programm; diese Erfahrung will ich den Schülern und Schülerinnen nicht nehmen.

- Dieses Jahr wieder ausgezählt, wieviel Unterricht ich tatsächlich gehalten habe und wieviel Prozent durch schulinterne Aktionen ausgefallen ist (zwischen 5,7% und 21% je nach Klasse; Nachmittagsunterricht ist immer ein Problem, aber das hört im G9 ja auf). Bevor ich das der Schulleitung noch einmal explizit mitteile warte ich sicherheitshalber, bis mir die nächste Fortbildung genehmigt ist. Ich gehe nämlich auf drei Fortbildungen pro Jahr; die machen aber nur einen kleinen Teil der ausfallenden Stunden aus. Krank bin ich eh nie.

- Frustrierend die sich abzeichnende Zukunft von Bring Your Own Device der Schule. Was man von Sachaufwandsträger und Kultusministerium hört, sieht das so aus, als werden Schüler und Schülerinnen zumindest im nächsten Jahrzehnt nie mit eigenen Handys oder Tablets ins Internet dürfen. Keine Moodle-App, keine Süddeutsche-Zeitung-App. Nicht mal freiwillig. Ich glaube ja immer noch, dass das der Einfluss der Hardwarelobby ist. (Datenschutz, Sicherheitsbedenken.)

- Rein technisch bietet das bayrische Mebis-Moodle ja schon eine Art datenschutzsichere Schulcloud. Alle Schüler und Schülerinnen haben 1 GB Speicherplatz, es müsste doch auch zu machen sein, dass sie Daten kursweise freigeben können. So oder so ist das aber nicht einsetzbar, da die Interfaces dazu – die Webseite und die Moodle-App – zu umständlich dazu sind. das müsste doch einfach per Kommandozeile gehen, und dann halt mit ordentlicher grafischer Oberfläche dazu. Das KuMi schreibt auch regelmäßig Stellen zur technischen Weiterentwicklung aus, am End wissen die noch, was geboten ist.

- Da Frau Rau drei Wochen auf Reha war, habe ich an langen, einsamen Abenden einige der Filme nachgeholt, zu denen ich sonst nicht komme. Unter anderem die ersten zwei Verfilmungen von Dashiell Hammetts The Maltese Falcon:

The Maltese Falcon (1931). Gar nicht schlecht, gar nicht schlecht. Ich mag das Buch sehr gerne, und die Verfilmung von 1941 ist zu Recht ein Klassiker. (Sydney Greenstreet in seiner ersten Filmrolle!) Die Fassung von 1931 dagegen kennt kaum jemand, dabei ist um Längen besser als die von 1936 (Satan Met A Lady) – eine freiere Fassung mit Bette Davis und Screwball-Elementen: Mit dem Stetson-Hut und dem weiten Mantel sieht da das Spade-Äquivalent (“Shane”) den Großteil des Films über wie ein Schäfer aus. Es geht auch nicht um einen Falken, sondern ein Horn mit ähnlich historischer Vorgeschichte, und statt Casper Gutman gibt es eien sehr interessante Madame Barabbas (Alison Skipworth, viermalige Filmpartnerin von W.C. Fields). Alle drei Filme zeigen mehrfach Zeitungsseiten zur Informationsvermittlung, aber nur 1936 hat – in ähnlichem Stil – eine Art Poster außerhalb der Filmhandlung, das die gegenwärtige Situation zusammenfasst: “Who Will Be Next -”, gefolgt von Fotos der Schurken.

Die Fassung von 1931 sieht weit mehr als zehn Jahre älter aus als die von 1936. Die Kleidung ist älter. Die Möbel. Alte Telefone, und auf der Post schreibt man noch mit Feder und Tintenfass seine Adresse auf. Und weil der Film entstand, bevor der Selbstzensur-Code Hollywoods (“Hays Code”, “Motion Picture Production Code”) umgesetzt wurde, gibt es anzügliche Stellen – halbnackte Frauen, deutlichere Anspielungen auf Homosexualität. Die Schauspieler sind nicht so gut, die Handlung zieht sich, die Gesichter sind manchmal fast noch stummfilmhaft. Aber Ricardo Cortez, der den Sam Spade spielt, hat ein sehr unsympathisches Lachen, und das passt gut zum Buch; und eine Gefängnis-Coda am Ende illustriert das Verhältnis zwischen Spade und Brigid O’Shaughnessy sehr schön.

- Damit ist der gleiche Roman 1931, 1936 und 1941 verfilmt worden, und damals hat wohl auch keiner gemeckert und ich finde das voll in Ordnung. Auch Romane sollte man in verschiedenen Versionen haben, finde ich, aber da kenne ich nur die Fantasy-Fassung von Der Richter und sein Henker, ein paar Gottfried-Keller-Reminiszenzen bei Walter Moers und Übersetzungen wie der Simplicissimus in modernem Deutsch.

Ich glaub mich laust der Affe! (Abizeitungen)

Ich glaube, ich muss mir einen lustigen Spruch zulegen. Ich werde nämlich nie in Schülerzeitungen oder Abizeitungen zitiert, wirklich nie. Wahrscheinlich bin ich nicht witzig. Hier sind so Sachen, die in der Abizeitung stehen:

Wer Jogginghosen draußen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Physik ist schön, man muss es halt können.

Wie seid ihr eigentlich in die 9. Klasse gekommen?

Zum Teil halten die Schüler und Schülerinnen diese Sprüche für witzig; sicher auch, weil sie sie – im Gegensatz zu Lehrern und Lehrerinnen – zum ersten Mal hören. Zum Teil sind sie sicher auch mit der Situation und dem Wesen der Lehrkraft verbunden und aus diesem Zusammenhang heraus erinnernswert oder witzig. Als Außenstehender kriegt man das nicht so mit.

Überhaupt, Außenstehender. Ich glaube, ich werde nächstes Jahr keine Abizeitung kaufen. Lehrer und Lehrerinnen sind nicht Adressaten, das sind alles Insidertexte und Insiderwitze, und dafür zahle ich keine 12 Euro. Da gebe ich diesem Tweet recht und ziehe halt die Konsequenz:

An jedem Gymnasium dürfte es etabliert sein, dass jeder Schüler und jede Schülerin zwei Seiten in der Abizeitung kriegt, eine mit Interviewfragen und Antworten, eine selbst oder von Freundinnen kreativ gestaltete, persönlichere Seite. Interessante Fragen sind die nach bester Schullektüre, was man in 12 Jahren Schule gelernt hat, was man nie verstehen wird, was einen vom Schulabbruch abgehalten hat, was man einem zukünftigen Fünftklässler/einer Fünftklässlerin raten würde. Interessante Antworten sind die, die Fragen ernst nehmen, die meisten sind allerdings aber nur launig-oberflächlich. Alle Fragen bis auf as Geburtsdatum betreffen die Schule, also nichts zu Hobbies (finde ich okay), aber auch nichts zu Instagram oder gar Twitter. Das machen sicher einige Schüler, aber nicht viele, und das ist wohl eher nichts, das man vorzeigen, für das man bekannt sein möchte.

Zu diesem Thema im Telegraph gelesen: Einer Studie zufolge wünschen sich viele Jugendliche, dass alle ihre Internaktivitäten, die sie getrieben haben, als sie noch keine 18 Jahre alt waren, mit der Volljährigkeit gelöscht werden sollten. Weil es so wichtig ist, Fehler zu machen und Dinge auszuprobieren, aber als Erwachsene soll das nicht mehr gegen sie verwendet werden können. Hm, ich sehe das anders.

Die meisten Abizeitungen werfe ich kurz nach dem Lesen weg. Ich würde sie schon aufheben, so als Forschungsgegenstand, wie ich überhaupt gerne alles archivieren würde, habe aber keinen Platz. (Und digital, gerne auch adaptiv statt pdf, ist noch keine Alternative.) Also weg damit, aber zwei oder drei Jahrgänge habe ich noch, darunter meinen eigenen. Hier eine kurze Gegenüberstellung:

1987:

  • Erster Satz: “Und hier in der Hallstraße, meine Damen und Herren, sehen Sie das Schmuckkästchen unserer schönen Fuggerstadt, ein Musterbeispiel abendländischer Kultur.”
  • 115 Seiten A5, DM 3,-
  • Fließtextseiten: 42
  • Motto: keines

2009:

  • Erster Satz: “Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder, Was Sie hier in den Händen halten ist die Abiturzeitung des ersten Abiturjahrgangs des neuen Graf-Rasso-Gymnasiums.”
  • 307 Seiten A4, €5
  • Fließtextseiten: 18
  • Motto: abistokratie

2019:

  • Erster Satz: “Liebe Leser*innen, an unserer Verleihung wurden vermutlich genug kitschige Reden gehalten und unsere StufenkameradInnen haben durch die langen WhatsApp-Nachrichten in den letzten Wochen sicher auch erstmal genug von uns gehört.”
  • um die 300 Seiten A4 (keine Seitenzahlen), € 12,-
  • Fließtextseiten: 1
  • Motto: Westminster Abi – der Adel dankt ab

Das mit dem Fließtext ist auch bei dem Abijahrgang meines Neffen so, ebenfalls 2019. Schön gestaltete Abizeitung, aber keine Fließtexte; Beiträge zu Kursfahrten, aber nur als Fotocollagen. Daneben gibt es Balken- und Kreisdiagramme, Zitatschnipsel, Kurz- und Kürzesttexte.

Ich finde das schade und verspüre den Wunsch, darin den Untergang des Abendlandes zu sehen. Aber nun, Zeiten ändern sich. Gute Tweets mag ich selber, Texte diesseits des “erweiterten Textbegriffs” der Lehrpläne schreiben macht Arbeit, und es verspüren wohl weder die Ersteller der Abizeitungen noch das Publikum ein Bedürfnis danach. Aber schade isses doch.

Können wir mal etwas Schwierigeres lesen?

Im Moment liest mein Kurs gerade Theodor Fontane, Irrungen, Wirrungen. Ein guter, nicht ausgelasteter Schüler fragte mich danach, ob wir nicht mal etwas Schwierigeres lesen könnten.

Leseempfehlungen gebe ich immer gerne, das geht hoffentlich allen Lehrern und Lehrerinnen so, insbesondere mit dem Fach Deutsch. Was heißt schwierig? Ist Irrungen, Wirrungen nicht schwierig genug? Faust ist schwierig und Iphigenie und Nathan, weil die Sprache den Schülern und Schülerinnen fremd ist, aber das war nicht gemeint.

Für die Schule musste ich vertrösten: Im bürgerlichen Realismus gibt es nichts, was sprachlich schwierig ist, da müsse er bis zur Moderne warten. Und dann, ja, Ulysses, Berlin Alexanderplatz, Lyrik des Expressionismus… aber war es das, was er meinte? Wann ist Literatur schwierig? “The past is a foreign country; they do things differently there” ist der berühmte Anfangssatz von The Go-Between von L. P. Hartley. Die Vergangenheit verstehen, das ist doch immer schwierig; und jedes Werk der Literatur ist auch immer eine andere Welt, die fremd sein kann, auch wenn sie einfach ist.

Mit darstellender Kunst ist es doch auch so. Das hier ist einfach:

Dass ich das nicht malen könnte, darum geht es nicht; das Bild ist einfach zu verstehen. (Glaube ich.) Und trotzdem sehe ich mich nicht satt daran und es fordert mich heraus.

Auf weitere Nachfrage an einem anderen Tag präzisierte der Schüler: Ein Weltbild suche er, das ihn herausforderte, an dem er lernen könnte, und ein Buch präsentiere ja auch immer ein Weltbild. (Ich glaube, das habe ich denen letztes Jahr mal so gesagt, bin mir aber nicht mehr ganz sicher.)

Erzählende Literatur ist für mich zumindest außerhalb der Schule kein Werkzeug, um zu lernen; aber ein Mittel, sich zu bilden – im Sinn der Aufklärung – ist sie auf jeden Fall. Wenn mich Fontane und die von ihm beschriebene Welt auch heute reizen, als Schüler hätten sie mich gelangweilt, gebildet, geformt hätten sie mich nicht. (Unterhalten schon gleich gar nicht.) Das gilt übrigens nicht für den Schüler.

Welche schwierigen Bücher, anders schwierig als Fontane, empfehle ich jetzt dem jungen Mann? Am liebsten im Original auf Deutsch; mir fallen nur Übersetzungen ein. Kurz meine gelesenen Bücher der letzten Jahre durchgesehen:

  • Homer, Odyssee
  • Ted Chiang, Stories of Your Life and Others
  • Isak Dinese, Seven Gothic Tales
  • Charlotte Brontë, Jane Eyre
  • Salomon H. Mosenthal, Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben
  • Robert Menasse, Die Hauptstadt
  • Kazuo Ishiguro, The Remains of the Day
  • Rudyard Kipling, Stalky & Co
  • Ursula K. Le Guin, The Left Hand of Darkness
  • Philip K. Dick, Do Androids Dream of Electric Sheep?
  • Martin Amis, Time’s Arrow

Ja, wenig auf Deutsch. Max Frisch? Thomas-Mann-Novellen? Ich suche weiter.

Weitere Empfehlungen aus den Kommentaren zusammengetragen:

  • Gabriel García Márquez, Hundert Jahre Einsamkeit
  • Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini
  • Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter
  • Herta Müller: Atemschaukel
  • Saša Stanišić: Wie der Soldat das Grammofon repariert
  • Pia Ziefle: Suna
  • Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens
  • Stefan Zweig: Die Welt von Gestern
  • Arno Schmidt: KAFF auch Mare Crisium
  • Franz Kafka: Der Prozess
  • Jonathan Safran Foer
  • Christoph Hein
  • Raoul Schrott: Tristan da Cunha (Einsamste Insel der Welt, missglückter Roman rückwärts)
  • Matthias Politycki: Der Herr der Hörner (Voodoo in Santiago de Chile; hierzu auch Hubert Fichte?)
  • Chris Kraus: Sommerfrauen, Winterfrauen (Subjektive Perspektive auf die Filmavantgarde der 80er Jahre in New York und anderswo)
  • Josef Bierbichler: Mittelreich (Bayern Post 1945)
  • Herbert Achternbusch: Die Atlantikschwimmer
  • Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts (Post-DDR)
  • Seiler: Kruso (Wende und Post-DDR)
  • Thomas Hettche: Pfaueninsel (Vor-DDR Preußen)
  • Juri Brezan: Krabat oder Die Verwandlung der Welt (Sorbischer Mythos)
  • Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut (Minderjähriges Flüchtlingsmädchen in Wien)
  • Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste
  • Timothée de Fombelle: Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle.
  • Robert Musil, Die verwirrungen des Zöglings Törleß
  • Marlen Haushofer, Die Wand
  • Gabriele Tergit: Effingers
  • Andreas Moster: Wir leben hier, seit wir geboren sind (Wenn es ganz modern zugehen darf. Aber harter Stoff.)
  • Heimito von Doderer, Die Strudlhofstiege
  • Alexander Lernet-Holenia, Der Baron Bagge
  • Karl Philipp Moritz: Anton Reiser. Grosse Empfehlung.
  • Gottfried Keller, Das Meretlein
  • Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicissimus
  • Günter Grass, Das Treffen in Telgte
  • Bettina Brentano: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde
  • Max Frisch, Homo Faber / Gantenbein / Montauk (keine „guten“ Bücher, aber mit Weltbild)
  • Fritz Zorn, Mars (siehe Frisch)
  • Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (siehe Frisch) (Ich rate ab. Auch, weil zu Gemisch aus Fiction und Nonfiction. Herr Rau)
  • Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne
  • Albert Meyer, Berndeutsche Odyssee parallel zur klassischen deutschen Übersetzung
  • Walter Kempowski
  • Herbert Rosendorfer, Der Ruinenbaumeister
  • Steffen Mensching, Schermanns Augen

Bogenschießen 2019

Inzwischen Tradition: Um diese Zeit im Jahr fahre ich mit unserer Bogenschießen-Schulsportmannschaft (nur aus Frauen bestehend) zur Bayerischen Bogenschießen-Schulsportmeisterschaft. Diese Tag hat etwas Meditatives. Um fünf Uhr aufstehen, Zug fahren, den Tag über zusehen, wie viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen schießen. (Ich habe das selber als Teenager gemacht.)

Neu ist nicht viel. Unsere Mannschaft hat den zweiten Platz gemacht, wir haben einige sehr gute Schützinnen dabei.

Der freundliche Wegweiser zum Schießplatz in Feucht
Am Anfang alles noch etwas trübe
Später viel sonniger
Dazwischen Mittagspause

Beim modernen Bogensport sind viele Hilfsmittel am Bogen zugelassen: Visier, Stabilisatoren, Tabs (ein lederner Schutz, damit die Fingerkuppen nicht unmittelbar an der Sehne ziehen, weil das weh tut), Klicker (eine Art Metallzunge an der Pfeilauflage, die die Kontrolle ermöglicht, den Bogen jedesmal exakt gleich weit anzuziehen, wenn man schießt). Diese Mittel nutzten die meisten Schützen; die Einsteiger dürfen aber noch nicht damit arbeiten. Außerdem verzichten Feld- und Jagdschützen darauf und andere Vertreter eines ursprünglicheren Bogenschießens. Ein paar hatten wir am Nebentisch, ohne Visier und sogar ohne Tab, dafür mit einem ganzen Handschuh an der Schusshand. Beim Feldschießen schießt man oft auch auf unbekannte Entfernungen oder leicht bergauf oder bergab.

Gerade bei Wikipedia gelesen: Gibt auch 3D- und 4D-Bogenschießen. Was alles gibt inzwischen, bei mir gab’s immer nur Regen am traditionellen 1.-Mai-Turnier.

Tag der Informatiklehrer und ‑lehrerinnen 2019

Seit zehn Jahren oder so gehe ich jedes Jahr auf den TdI an der LMU, eine familiäre Veranstaltung inzwischen. Seit acht Jahren habe ich zum ersten Mal keinen Workshop angeboten. Unüberraschend war das so viel entspannender, und ich konnte mit zwei Workshops anschauen.

Ich war in einem Workshop zu Capture the Flag. Darunter versteht man Wettbewerbe aus dem Bereich Computersicherheit; man versucht den eigenen Server zu schützen und den der anderen Teams zu hacken, indem man Schwachstellen ausnützt. In einer anderen, häufigeren Variante erfüllt man verschiedene Aufgaben aus dem Bereich der Computersicherheit, die Hartnäckigkeit und Computer-Fachwissen erfordern – SQL-Injection, Quellcode analysieren, versteckte Botschaften finden, Programme decompilieren, verwundbaren Code erkennen.

Links zum Thema:

Wir haben das auch spielerisch ausprobiert, der Workshopleiter hatte auf einem Server ein paar Aufgaben für uns vorbereitet. Ganz wichtig für die Motivation: Es gab eine Highscoreliste, man sah also, wie weit die anderen (Teams) schon waren. Das spornt viele an, jedenfalls, ahem, wenn man gleich von Anfang vorne mitspielt. Zu den Aufgaben gehörten: Webshortener analysieren, Bilddateien mit Hexeditor betrachten, SQL-Injection, Java-Bytecode decompilieren, Cäsar-Chiffre und andere Codierungen (Base64) – lauter Sachen, die ich schon mal gemacht hatte, aber mir war nicht klar, dass ich dazu gar nicht meine Software brauche, sondern alles webbasiert zur Verfügung steht. Aber es waren natürlich alles simple Aufgaben, und alle haben wir auch nicht geschafft. Erinnert haben sie mich an diese wbbasierten Rätselspiele, die vor ein paar Jahren aufkamen: Notpron etwa, wo man von einer Seite aus jeweils zur nächsten kommen muss. Eigentlich auch nur eine Form von virtuellem Escape Room.

Und ich war in einem Workshop zu Snips (https://snips.ai/). Das ist eine Plattform, auf der man Apps erstellen kann, die dann zum Beispiel auf dem Raspberry Pi ausgeführt werden. Der Raspi kann danach Sprachanweisungen ausführen. Was der Raspi macht, programmiert man selber, in Python; mit der Webseite führt man die Komponente der Spracherkennung hinzu, also: welche Kommandos oder Varianten davon mit welchen Argumenten zu welchem Methodenaufruf führen sollen. Schwierig war an den Unirechnern, die App auf den Raspi zu kriegen, aber das interessiert mich eh weniger als die Softwareerstellung.

Kartoffelkistenwoche

Frau Rau ist derzeit nicht zu Hause und ich muss diese Woche alleine mit der heute abgeholten Kartoffelkiste zurechtkommen. Deshalb habe ich einen Plan gemacht, was ich die Woche über kochen werde. Mal sehen, was daraus wird; Bilder und Rezeptlinks reiche ich nach. Falls wer mal vorbeikommen möchte zum Essen: Jederzeit.

Donnerstag

Der schwierigste Tag, weil: Salat. Ich mag Salat in kleinen Portionen. Kleine Salatportionen gibt es bei uns nicht, selbst wenn ich mir den Salatkopf mit Frau Rau teile. Diesmal ist es ein ganzer Salatkopf nur für mich. Gibt also: Sandwiches (so viel Toast war noch da, von Experiment gestern) mit dick Mayonnaise und Käse und so viel Salat wie möglich.

Danach ein vielleicht etwas passiv-aggressiv geratener, aber nicht böse gemeinter grüner Salat auf Glasteller:

Nachtisch: Schokolade.

Freitag

Geplant: Zucchini aus der Kiste nach einem Rezept aus dem Guardian. Optional dazu noch Apfelkompott, selbst gekocht aus Schwiegergartenäpfeln, und Joghurt aus Kühlschrank, noch von Frau Rau. Zuzukaufen: Mozzarella, Ricotta.

- An Plan gehalten, Apfelmus und Joghurt war Frühstück, tagsüber Fortbildungstag an der Uni, abends dann den Auflauf:

Etwas zu viel Semmelbrösel oben, insgesamt aber schon okay. Aber mit Zucchini gibt es andere schöne Sachen. Ich habe nur die Hälfte des Rezepts gemacht, davon knapp die Hälfte gegessen, Rest für morgen tagsüber.

Samstag

Geplant: Dim Sum mit roter Beete aus der Kiste. Die tiefgefrorenen Teigblättchen müssen mal weg. Zuzukaufen: Frühlingszwiebeln. Speck? Tofu? Als Reserve Kartoffelrösti.

- An Plan gehalten. Den Tag über die Zucchinireste gegessen, abends eine Rote Bete gehackt, mit Frühlingszwiebeln, Ingwer, Fischsoße, Sesamkörnern, Honig, getrockneten Pilzen, Gewürzen (Chili, Five-Spice-Mischung, Piment, Kreuzkümmel, Koriander) zu einer Füllung verarbeitet. Kein Speck, kein Tofu. Rezept abgewandelt aus: Lee Anne Wong, Dumplings All Day Wong.

Sonntag

Geplant: Socca (so eine Art Kichererbsenpfannkuchen?) nach Ottolenghi mit Kombinats-Mangoldgemüse. Reserve wieder Kartoffelrösti. Kichererbsenmehl und Kichererbsen sind im Haus.

- Nicht ganz an Plan gehalten. Für morgen Reis gekocht; für irgendwann mal (Mittwoch?) aus den letzten Schinkenresten Brühe gekocht. Mit dem Socca-Rezept hatte ich pfannenmäßig meine Schwierigkeiten. (Die Kichererbsen-Zitronen-Salsa ist aber eine gute Idee.) Darüber habe ich dann ganz den Kombinatsmangold vergessen!

Die Rückseite sieht viel besser aus, ist aber etwas zu dunkel geworden. Insgesamt bleibe ich lieber bei meinem bisherigen Rezept, mit einer dickeren Socca/Farinata.

Montag

Geplant: Noch nicht sicher. Pasta mit chinesischer Keule aus der Kiste – heißt auch Spargelsalat und ich habe noch nicht viele Ideen, was ich damit machen kann.

- Statt Pasta Reis, gebratener Reis, weil Frau Rau sich nicht so viel aus Reis macht. Die chinesischen Keule geschält und in Stücke geschnitten, ist innen saftig und lindgrün; die Blätter kleingeschnitten und angebraten, später alles zu gebratenem Reis verarbeitet. Spätnachmittags gegessen, weil Mittagessen quasi ausfiel. (Joghurt und Kombinatsgurke.)

Den gebratenen Reis habe ich so gemacht, wie mein Studienfreund Wai mir das in Brighton gezeigt hat: Reis vom Vortag; das Ei in der Mitte verquirlen und recht fest werden lassen, bevor man es dann in Stückchen unter den Rest verteilt. Und nicht zu viel Sojasoße! Nicht im Bild: Die süßscharfe chinesische Soße dazu. Macht man ja vielleicht nicht, aber Wai schon.

Nachtisch/zweites Abendessen: Käsesoße aus der Jamon-Brühe im Kühlschrank (statt Wasser), Käse und Natriumcitrat – da kommt dann so etwas heraus wie die Nachosoße im Kino. Warum? Weil ich’s kann. Dazu drei Weizentortillas, weil ich noch Hunger hatte.

Dienstag

Wahrscheinlich aushäusig. – Jawohl, Bogenschießen gewesen.

Mittwoch

Geplant: Tsatsiki. Joghurt und Knoblauch sind Haus, dazu Kombinatsgurke. Und spätestens jetzt Rösti aus Kombinatskartoffeln dazu.

- An Plan gehalten. Herr und Frau Hauptschulblues und Frau Klugscheißer waren da und halfen beim Bewältigen der Kartoffeln. Dazu den vergessenen Mangold (Kichererbsen am Vortag eingeweicht, gekocht; Knoblauch, scharfer geräucherter Paprika, Kreuzkümmel, Olivenöl, etwas Essig) und eine Salsa aus Petersilie und den just an diesem Tag zu öffnenden eingelegten Salzzitronen.

Ich hatte mich schon darauf gefreut, das als Museumsführung zu betrachten und darüber zu twittern: “Und hier sitzt Frau Rau immer und macht die Glastellerfotos.” “Und da, da liegt immer ihre Süddeutsche.” (Würde mir Attrappe besorgen müssen.) War dann aber gar nicht so.

Am Donnerstag kommt dann die nächste Kiste.