Neue Oberstufe in Bayern; Süßigkeiten aus Weißrussland

1. Die neue Oberstufe

Bayern stellt ja gerade wieder von acht- auf neunjähriges Gymnasium zurück, mit mittlerem Schulabschluss nach der 10. Jahrgangsstufe, Oberstufenreife nach der 11. Jahrgangsstufe. Die soll wohl eine Art Festigungs-/Wiederholungs-/Orientierungsstufe sein, die man wohl nicht getrost, aber doch möglichst glimpflich überspringen können soll – das ist auch das Feigenblatt für das Abitur im eigenen Tempo, damit niemand sagen können soll, das mit dem achtjährigen Gymnasium sei keine gute Idee gewesen.

Gestern sind erste Eckdaten für die Jahrgangsstufen 12–13 veröffentlicht worden:

  1. Eine Rückkehr zu zwei Leistungskursen gibt es nicht, allerdings wählt jeder Schüler und jede Schüler ein Fach als Leistungsfach, das dann mit größerer Stundenausstattung und hoffentlich entsprechender Vertiefung unterrichtet wird. Das kann jedes Fach sein, hieß es ursprünglich, sofern das halt als Vertiefungsfach von der jeweiligen Schule angeboten wird…
  2. …aber es sieht so aus, als gelte das nicht für Deutsch und Mathematik. Denn in diesen Fächern können interessierte oder begabte Schüler und Schülerinnen in Jahrgangsstufe 12 einen Vertiefungskurs mit 2 Stunden belegen, der als Wahlpflichtfach zählt. Das heißt, es gibt eine Note (die zum Abitur gezählt werden kann), so wie jetzt etwa mit den Wahlpflichtfächern Philosophie oder Englische Konversation .
  3. In Jahrgangsstufe 13 können alle leistungsschwächeren Schüler und Schülerinnen zwei Differenzierungsstunden Deutsch oder Mathematik belegen – als Wahlfach, ohne Note, ohne Auswirkung auf die Oberstufen-Mindeststundenzahl. Das heißt: Es sind so ein bisschen Nachhilfestunden.

Keine Angaben gibt es darüber, welche Fächer im Abitur verpflichtend sind. Aber das riecht schon nach Leistungsfach und Deutsch und Mathematik. Deshalb gibt es ja die Unterscheidung in Leistungsfach und Vertiefungskurs, und deshalb gibt es die Differenzierungsstunden – weil man in Mathematik und Deutsch bisher halbwegs zum Abitur durchrutschen kann und vor allem das Abitur dan plötzlich Schwierigkeiten macht, weil das in diesen beiden Fächern – bisher – rein schriftlich abzulegen ist.

Denn die unselige Regelung, dass große und kleine Leistungsnachweise (de facto: schriftliche und mündliche Noten) im Verhältnis 1:1 gewichtet werden statt wie früher 2:1, zu der kann ja wohl keine Regierung jemals mehr zurück, ohne Proteste in Kauf zu nehmen. Denn die mündlichen Noten fallen nun mal didaktisch undiskutiert besser aus als schriftliche (Blogeintrag).

Welche Leistungsfächer werden die Schulen anbieten? Welche werden gewählt werden? Bei 100 Schülern und Schülerinnen werden es höchstens 6 sein (16–17 Teilnehmer pro Kurs). Sport, Musik, Wirtschaft, Englisch, Mathematik, noch eines – das hängt von den Interessen ab und von den Noten, denke ich. So große Wahlmöglichkeiten sehe ich jetzt nicht für die einzelnen Schüler oder Schülerinnen. Bei zwei Leistungskursen war die Chance größer, dass man einen oder sogar beide Wünsche erfüllt bekam, mit dem neuen Modell kann man nur hoffen, dass von den 15 oder so Fächern der eigene Wunsch bei den Top 6 dabei ist.

Wie viele werden den Vertiefungskurs Deutsch oder Mathematik besuchen? Schon ein paar. Diese Kurse stehen in Konkurrenz zu Wahlpflichtfächern wie Chor oder vielleicht sogar einer zweiten Naturwissenschaft oder Informatik. Die Gesamtzahl der angebotenen Wahlpflichtkurse wird sich kaum ändern, aber jetzt gibt es neben Englischer Konversation dann vielleicht auch Lesen und Reden – man müsste wissen, wie viel Freiraum man beim Inhalt dieser Vertiefungskurse hat. Mein Wunsch: Gespräche über Literatur und Sprachwissenschaft; bloß keine Aufsatzklausuren, sondern Präsentationen (gerne mit guten Noten, damit der Kurs auch gewählt wird) oder Wissenstests, gerne zum Ankreuzen. Das halt leider nur ein Jahr lang. Zu attraktiv darf das auch nicht werden: Wenn Schüler und Schülerinnen tatsächlich das Recht dazu haben sollen (anders als auf ein bestimmtes Leistungsfach), dann würden da viele Stunden aus dem Pool dafür ausgegeben werden müssen. Na, packt man 30 Leute rein, dann erledigt sich das mit der Attraktivität eh.

Wie viele werden die Differenzierungsstunden Deutsch oder Mathematik besuchen? Viele, denke ich. Im Moment gibt es an vielen Schulen das Phänomen, das Schüler und Schülerinnen, die sich das Abitur noch nicht zutrauen, die 11. Jahrgangsstufe freiwillig wiederholen; in einem neunjährigen Gymnasium macht man das wohl weniger, aber denen helfen dann vielleicht diese – freiwilligen, unbenoteten… – Zusatzstunden. Da wird der Kultusministeriumswunsch sicher sein, möglichst viele Aufsätze zu schreiben und zu korrigieren und sonst nichts. Schönen Dank auch.

Laut KMK muss eine bestimmte Anzahl an Fächern auf erhöhtem Anforderungsniveau unterrichtet werden. Früher waren das in Bayern die Leistungskurse, im G8 waren das aufgrund der vorgeschriebenen Stundenzahl ohne Wahlmöglichkeit Deutsch, Mathematik und Englisch (bzw. fortgeführte Fremdsprache). Mit dem G9Plus sind diese Fächer automatisch Deutsch, Mathematik und Leistungsfach – Englisch ist nicht mehr standardmäßig dabei. Aus diesem Grund kann auch Deutsch oder Mathematik nicht Leistungsfach sein, weil man sonst nicht auf drei davon kommt. Wird es eigene Lehrpläne für, sagen wir, Englisch auf normalem und auf erhöhtem Niveau geben, wie zu Leistungskurszeiten, oder läuft das über zusätzliche Additum-Inhalte oder gar implizit?

Nachtrag: Inzwischen weiß man ein bisschen mehr. Man muss weiterhin eine 2. Fremdsprache oder eine 2. Naturwissenschaft oder Informatik belegen, jetzt aber alle 4 Semester statt nur 2 wie bisher. Das allerdings nur, wenn man kein Vertiefungsfach Deutsch oder Englisch hat. Das heißt, es konkurrieren jetzt alle Fächer um diese 2 Stunden – aber immerhin gibt es jetzt die Möglichkeit, 4 Semester Informatik zu belegen.

2. Buß- und Bettag, Medienkonzept

Am Mittwoch bildeten wir uns über unser Medienkonzept fort. Manche Fächer sehen die digitale Transformation (so sagt man jetzt, nicht mehr Digitalisierung) als Chance oder vielleicht auch als Bedrohung, jedenfalls als Thema, andere Fächer haben deutlich weniger Interesse daran. Mich würde sehr interessieren, ob das von den Einzel-Persönlichkeiten abhängt oder vom Fach, aber ich kann hier natürlich nicht laut schreiben, welche Fächer ich meine.

Dieser Tage dann viele Treffen mit Sachaufwandsträgern und Arbeitsgruppen.

3. Besuch aus Weißrussland (Republik Belarus)

Die letzten drei Wochen war eine Gastlehrerin aus Weißrussland/Belarus bei uns zu Besuch und hat bei verschiedenen Kollegen und Kolleginnen hospitiert. Und wenn ich Kollegen sage, meine ich Kollege, also mich. Gestern waren wir zum Abschied Mittagessen, die Schulleitung und alle Kollegen und Kolleginnen, die mit unserem Gast etwas zu tun hatten, also wieder nur ein Kollege, nämlich ich.

Das liegt sicher auch am Fach Deutsch, wo es mehr Lehrerinnen als Lehrer gibt, aber es waren auch andere Fächer vertreten. Ich mein ja nur.

4 Antworten auf „Neue Oberstufe in Bayern; Süßigkeiten aus Weißrussland“

  1. Gibt es weitergehenden Kontakt mit der Kollegin aus Bjelarus?
    Frau H. hatte in den 90ern Kontakt mit einer ukrainischen Deutschlehrerin. Bis heute sind sie befreundet und besuchen sich.

  2. Ob der Kontakt erhalten bleibt, muss man schauen. Der Gast war bei einer Kollegin untergebracht, die einen Gegenbesuch plant (im Urlaub, nicht offiziell). Selber werde ich wahrscheinlich nicht groß dazu beitragen, aber mal sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.