Yikes! Grusliges Podcastverhalten, Lovecraft BBC 4

Ein ganz kleines bisschen habe ich mich schon erschreckt. Aber dazu muss ich ausholen.

Es gibt einen Kurzroman von H. P. Lovecraft, The Case of Charles Dexter Ward. Nichts für Lovecraft-Einsteiger. Es geht darin um den merkwürdigen Fall des Charles Dexter Ward, der sich im Jahr 1928 – so die Rahmenhandlung – in einer psychiatrischen Anstalt befindet. Sein Arzt recherchiert, wie es dazu gekommen ist, und findet immer mehr über den Fall heraus, zu weiten Teilen mittels Aufzeichnungen von Ward und anderen Personen.

Die BBC hat daraus eine tolle Hörspielreihe gemacht. Die Geschichte ist dabei in die Gegenwart versetzt und auch in anderen Punkten aktualisiert worden. Wards Arzt gibt es immer noch, aber den Hauptteil der Recherchearbeit und Fokusperson für die Hörer und Hörerinnen sind jetzt zwei Podcaster, die – in der vergleichbaren Ausgangssituation wie im Original – nach und nach herausfinden, was es mit dem Fall Charles Dexter Ward auf sich hat. Die Hörspielepisoden bestehen (zumindest in den ersten Folgen, danach wird es komplizierter) aus ihrem Podcast, der ganz im Stil von echten True-Crime-Podcasts gehalten ist – am bekanntesten Serial.

Aus… Gründen… wurde der Charles-Dexter-Ward-Podcast nicht mehr fortgesetzt – extradiegetisch gesprochen: Die Charles-Dexter-Ward-Hörspielreihe war zu Ende. Das war Anfang 2019, glaube ich.

Aber heute rührte sich etwas in meinem iTunes, das ich – ganz Dinosaurier – noch zum Verwalten meiner Podcasts nutze. Plötzlich stand da eine neue Episode. Und der Titel des abonnierten Podcasts hatte sich geändert, da stand nichts mehr von Charles Dexter Ward, plötzlich hieß er: The Whisperer in Darkness, und eine neue Episode war da, getitelt “Reactivating your feed.” Inhalt: Hundegebell, Geflüster, Kryptisches.

Kurzum: Es gibt neue Episoden! “An investigation into witchcraft, the occult and secret government operations. From H.P. Lovecraft.” Bin schon sehr gespannt.

(Die alten Folgen, also die mit Charles Dexter Ward, sind auch noch da.)

Nachtrag: Die alten Folgen sind besser.

2 Antworten auf „Yikes! Grusliges Podcastverhalten, Lovecraft BBC 4“

  1. Oh cool! Ich tu mir bitte heute mit Lovecraft etwas schwer. Vieles ist mir zu kryptisch, um gruslig zu sein. Vieles langatmig. Vielleicht tut sich da bei mir etwas, wenn ich mich auf diese Weise annähere. Hast du eine Lovecraft Empfehlung zum Einstieg?

  2. Die Hörspiele sind sicher ein guter Einstieg. Ansonsten… der frühe Lovecraft war neoromantisch, beeinflusst von Lord Dunsany, der wiederum Teil des Celtic Revival in Irland war. Mag ich gern, aber nichts für den Einstieg, und nicht das, wofür man ihn kennt.

    Der mittlere Lovecraft kennt unverständliche Wesenheiten/Monster und gruslige Geschehnisse, die mit dem Wahnsinn des Protagonisten enden. Neu hierbei das Weltbild: Der Mensch ist unwichtig, irrelevant, vom Kosmos bedroht, zur Erkenntnis der Wahrheit gar nicht fähig (weil sonst: Wahnsinn). Also nichts so tröstliches wie Geister und Gespenster und Vampire, die ein Leben nach dem Tod implizieren, und eine Seele, und einen christlichen Gott.

    Beim späten Lovecraft wird das Unerklärlich-Übernatürliche mehr und mehr ersetzt durch Unerklärlich-Unverständlich-Außerirdisches.

    Es gibt ein paar Werke, mit denen man auf keinen Fall anfangen sollte. Es gibt ein paar andere, in denen Lovecrafts Rassismus zu sehr hervortritt; auch nichts für Einsteiger.

    Am typischsten und tatsächlich immer noch gut: The Call of Cthulhu.
    Poe-haft morbide: The Outsider.
    Am wenigsten kosmisch: The Music of Erich Zann, oder Pickman’s Model.
    Typisches Frühwerk, leichte Kost: The Cats of Ulthar.

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