Hack the Web: Unterrichts- und Fortbildungsformat?

Vor ein paar Wochen war in meiner 9. Klasse in Informatik nach einem Test noch eine Stunde Zeit; Wiederholung und Vertiefung passte danach nicht. Glücklicherweise hatte einer der Praktikanten eine schöne Idee: Er hatte als Projekt eine Webseite erstellt mit gemischten kleinen Aufgaben aus der, hm, Web-Bearbeitung? Informatik? Angewandten Informatik? – Benutzer legen sich dabei ein Konto an und haben dann 30 Minuten Zeit, auf Hack the Web möglichst viel Aufgaben zu lösen und viele Punkte zu erreichen. Die Punkte kann man dann auf einer High-Score-Liste vergleichen. So ähnlich habe ich das als “Capture the Flag” mal auf einer Fortbildung kennengelernt. (Das mit den 30 Minuten nur bei Anmeldung als Klasse, wenn man das nur einfach so macht, gibt es keine Zeitbeschränkung.)

Auf jeder Aufgaben-Seite muss man ein Codewort eingeben und abschicken. Das Codewort zu finden ist meist die eigentliche Aufgabe. Anders etwa als bei dem ebenfalls webbasierten Rätselspiel Notpron eröffnet die Lösung einer Aufgabe meist mehrere andere Aufgaben, so dass man ausweichen kann, wenn man mal nicht weiter weiß oder mag.

Ansonsten war da nichts von einem Lehrpfad oder einer Webquest. Kein Kontext. Keine Kompetenzorientierung. Einfach nur Aufgaben. Hat voll funktioniert, und die Schüler und Schülerinnen kamen auch recht weit. Ich habe das eine Woche später auch meine Informatiklehramt-Studentinnen und ‑Studenten machen lassen; auch da viel Vergnügen.

Die Aufgaben sind alle nicht sehr schwierig; sie richten sich auch an Schüler und Schülerinnen oder Studierende, keine Hacker. Die erste Aufgabe – ich spoilere jetzt, aber nur wenig – ist besonders einfach: Das Codewort auf der Webseite ist in der gleichen Farbe geschrieben wie der Hintergrund; man soll es sichtbar machen, indem man einfach einen Bereich selektiert und markiert, worauf der Text ja standardmäßig im Browser hervorgehoben wird.

Und da dachte ich mir: Wie weit würden wohl die Lehrer und Lehrerinnen eines Kollegiums, irgendeines, bei so einem Spiel kommen? Sozusagen, wenn man das als Fortbildungsmaßnahme anböte? Mein Respekt vor den Schülern und Schülerinnen wächst bei dieser Vorstellung. Sie haben wahrscheinlich genau so viel Angst, sich zu blamieren, wie Erwachsene, aber sie trauen sich das Arbeiten mit dem Rechner zu; außerdem haben sie keine Scheu, Aufgaben zu lösen, auch wenn das keinen unmittelbaren Sinn hat. Ein Kollegium… würde zögerlicher an so eine Aufgabe herantreten. Und vielleicht würden, ahem, schon manche bei der ersten Aufgabe Probleme haben, der mit dem Sichtbarmachen durch Auswählen und Markieren.

Und doch lässt mich der Gedanke nicht los, das Format für die Schule zu nutzen, für Unterricht oder Fortbildung. Es würde nicht sehr um informatische Dinge gehen, aber um die Nutzung von digitalen Werkzeugen, webbasiert oder lokal installiert. (Ich nähere mich damit auch dem Konzept Esape Room, das wird ein eigener Eintrag mal.) Man könnte im Rahmen der Aufgaben:

  • QR-Codes dekodieren
  • bei einem Bild den Kontrast erhöhen, um Unsichtbares sichtbar zu machen
  • für Fortgeschrittene: zwei oder mehr Bilder übereinander legen (als Ebenen), um Text lesbar zu machen – eventuell muss man sie auch erst auf die gleiche Größe skalieren
  • die Geschwindigkeit einer Audiodatei verändern, um den Text verständlich zu machen
  • eine Bilddatei mit einem Hexeditor öffnen, um eine darin versteckte Nachricht zu lesen
  • eine Java-Datei decompilieren, um sich den Quellcode anzuschauen
  • die Lösung auf Chinesisch präsentieren – erfahrene Webnutzer haben ja keine Probleme, sich das übersetzen zu lassen

So als Ergänzung zu den Mebis-Fortbildungskursen… aber nicht zu Hause zu machen, sondern zusammen mit anderen im gleichen Raum. Ist dann auch gleich viel gemütlicher. Zugegeben: Damit gibt man Gelegenheit zu zeigen, was man bereits kann; Lernaufgaben sind das keine.

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