Updates am Computer: Warum eigentlich immer und immer wieder? Und: Will ich einen Dienstrechner?

(Eher grundsätzlich als konkret.)

Maschinen, die etwas berechnen können

Aus Neugier oder um sich mühsame Arbeit zu erleichtern, erfanden Leute immer wieder Maschinen, die etwas berechnen konnten. Eine einfache Registrierkasse zum Beispiel:

Oder, schon viel komplizierter, aber acht Jahrzehnte zuvor, die Differenzmaschine von Charles Babbage, die mit, uh polynomialen Funktionen rechnen kann. Aber die Maschine war umständlich und konnte sicher nicht alles berechnen, was sich berechnen lässt.

Eine andere solche Maschine ist der Taschenrechner meiner Jugend. Der kann auch Sachen berechnen, aber ebenfalls nicht alles, was sich berechnen lässt. Und letzten Endes kann man damit natürlich ganz viel berechnen, wenn man zusätzlich viel Bleistift und Papier hätte und mitdächte – aber es geht ja hier um Maschinen. So ganz von selber und ganz alleine kann mir der Taschenrechner nur das mit den Grundrechenarten abnehmen.

Maschinen, die alles berechnen können (das berechenbar ist)

Und dann gibt es Maschinen, die tatsächlich alles berechnen können, was sich überhaupt berechnen lässt. Eine solche Maschine ist das Spielzeug Turing Tumble, bei dem man sich Rechenmaschinen zusammenstecken kann:

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Mit diesem Gerät kann man – wahrscheinlich – alles berechnen, was sich berechnen lässt. Prinzipiell jedenfalls, mit enorm viel Murmeln, enorm viel Zeit und enorm großer Steckfläche, auch wenn die schon mal von der Physik her gar nicht möglich ist, aber das sehe ich jetzt mal nur als technisches und nicht grundsätzliches Problem. Aber ich könnte mir das Ding so zusammenstecken, dass es mir Zahlen addiert oder multipliziert oder pi bis auf die zehnte Nachkommastelle ausrechnet, oder die ersten hundert Primzahlen ausgibt. Also, rein theoretisch. Als wäre das ein Taschenrechner mit beliebig vielen Knöpfen, für jede Art von Berechnung ein eigener Knopf.

Allerdings muss ich für jede Aufgabe das Spielfeld neu anlegen, alle Bauteile neu stecken. Das ist nicht sehr praktisch. Man braucht sozusagen für jede neue Maschine eine neue Konfiguration, oder anders gesagt: für jede neue Berechnung eine neue Maschine. Wenn es nur so etwas wie eine Universalmaschine gäbe… also eine Maschine, die alles berechnen kann, was sich berechnen lässt, ohne dass ich groß an ihr herumstecken muss, ohne dass ich Kabel neu verlegen muss… statt hundert verschiedener Rechenmaschinen für hundert verschiedene Arten von Aufgaben hätte ich nur eine Maschine, die diese hundert Rechenmaschinen in sich vereinigt, oder simuliert, oder wie auch immer.

Das heißt also: Also ein programmierbarer elektromechanischer oder elektrischer Computer: die Universalmaschine. Denn ein Computer ist eine Rechenmaschine, die sich verwandeln kann, die zu allen anderen vorstellbaren Rechenmaschinen werden kann.

Maschinen, die alles berechnen können, ohne dass sich an der, uh, Verkabelung etwas ändern muss

Zwei technische Einschränkungen: Man kann mit einem gegebenen natürlich Computer nicht wirklich alles Berechenbare berechnen: Computer können langsam und schnell sein (ein mechanischer ist sehr langsam, und selbst ein schneller moderner Computer ist immer noch zu langsam für viele Aufgaben), und Computer können größer oder kleiner sein (wenn der Computer zum Rechnen mehr Zahlen braucht als er Platz hat, dann geht das halt nicht). Aber im Prinzip kann so ein Universalrechner alles Berechenbare berechnen, kann so eine Universalmaschine alle möglichen anderen Rechenmaschinen nachbauen.

Zum Teil kann man sogar selbst als unbedarfter Nutzer selber bestimmen, welche anderen Maschinen die Universalmaschine nachahmen soll: Die Libre-Office-Writer-Maschine, die Excel-Maschine, die Doom-Maschine. Das liegt daran, dass ein Betriebssystem gibt (zum Beispiel Windows). Damit muss ich nicht jedesmal die gesamte Maschine neue aufbauen beim Starten des Rechners, sondern bestimmte Aspekte sind vorgegeben, nämlich das Betriebssystem. An sich ist der Computer im ausgeschalteten Zustand trotzdem ein unbeschriebenes Blatt, das einem alle möglichen Arten von Maschinen präsentieren kann, keinesfalls nur die Windows-Maschine.

Das heißt aber auch, dass man mit jeder kleine Änderung am Computer, mit jedem neuen Programm, eine neue Maschine vor sich hat. Man nimmt eine kleine Änderung vor, installiert ein neues Programm, verändert ein bestehenes Programm ein bisschen, und schon hat man eine neue Maschine. Die nicht funktioniert, wenn man Pech hat, und dann ärgert man sich.

Aber braucht man denn wirklich alle paar Tage eine neue Maschine? Könnte man nicht einen Computer haben, der funktioniert, der so bleibt wie er ist – verweile doch, du bist so schön? Klar, kann man! Ich habe einen Freund mit Rechnern, die seit den 1980er Jahren unangetastet geblieben sind. Die laufen noch so perfekt wie damals. Die Geräte können genau das gleiche wie früher, und das zuverlässig.
Aber sie können halt auch nicht mehr als früher. Können kein mpeg und kein jpeg, kein docx und vielleicht nicht einmal doc, können kein Internet.

Aber es gibt halt doch immer wieder Neues, und so möchte man immer wieder neue Maschinen. Theoretisch könnte man natürlich selber seine Maschine programmieren, aber das kann kein einzelner Mensch mehr. Praktisch kriegt man fertige neue Software, die man installiert. So oder so kriegt man dadurch eine neue Maschine – entweder eine ein bisschen neue Maschine (wenn das Betriebssystem das alte bleibt), oder ein bisschen mehr neue Maschine (wenn sich das Betriebssystem ändert) oder eine wirklich ganz neue Maschine (wenn man ein ganz neues Betriebssystem bekommt).

(Manchmal funktioniert dann etwas nicht. Immer daran denken: Jedes Update, jede Änderung, macht eine neue Maschine aus der alten.)

Also wird man regelmäßig neue Software installieren und neue Betriebssysteme. Auch deshalb, weil die alten Maschinen dann halt doch nicht so gut sind, wie man gedacht hat: weil sie fehlerhaft sind oder unsicher. Und weil man nicht seine eigenen Maschinen bauen will (physisch umstecken muss man, wie gesagt, ohnehin nichts, aber neu programmieren), muss man auf die vorgefertigten virtuellen Maschinen zurückgreifen, die einem die Anbieter anbieten: Windows, Android, IOS, MacOS, Unix, Linux in verschiedenen Varianten. Windows kann man ein bisschen anpassen, Linux noch mehr, zur Not müsste man sich selber ein OS programmieren oder in Maschinensprache schreiben… was für einzelne nicht mehr realistisch möglich ist.

Anbieter haben natürlich Hintergedanken – sie wollen es den Nutzer:innen einfach machen, aber sie denken auch an Marketing (Kacheln bei Windows) und Abgrenzung und Kontrollmöglichkeiten. Man kauft zwar eine Universalmaschine, wenn man einen Computer kauft, aber nicht alle möglichen Maschinen mit, die durch die Universalmaschine nachgebildet werden können. Also kriegt man nicht alle Maschinen, die man gerne hätte und haben könnte. (Tatsächlich versuchen sowohl Microsoft als auch Apple immer wieder, ihre Geräte so zu gestalten, dass man eben nicht alle möglichen Maschinen damit bauen kann, also nicht etwa zusätzliche oder andere Betriebssysteme darauf laufen lassen kann. Anderes Thema.)

Fußnote: Warum läuft die Corona-Warn-App bei mir nicht?

Grundsätzlich könnte sie. Aber die App setzt auf ein Betriebssystem auf, man möchte ja, dass die Benutzer ihre bisherige Universalmaschine um eine weitere Maschine ergänzen können und nicht völlig ersetzen müssen. Warum gibt es dann die App nicht für alle möglichen Betriebssysteme und ‑versionen? Zu viel Aufwand.

Warum kann ich auf meinem Smartphone kein aktuelles Betriebssystem installieren? Weil die Entwicklungsabteilung irgenwann mal sagt, das lohnt sich nicht mehr, und weil man in der Regel und gerade bei iPhones nicht die Herrschaft über die Universalmschine hat, um so etwas selber entscheiden zu können. Ob das jeweils klug und nötig ist, das kann ich nicht beurteilen.

Fußnote: Maschinen für Lehrer und Lehrerinnen an Schulen

In Folge der Schulschließungen haben viele Lehrer und Lehrerinnen von zu Hause mit eigenen Geräten gearbeitet, mehr oder weniger freiwillig. Datenschutzrechtlich ist das bedenklich: Grundsätzlich möchte man ja auch nicht, dass der Finanzbeamte personenbezogene Daten zu Hause auf dem eigenen Rechner speichert und bearbeitet, und die Polizeibeamtin soll das eigentlich auch nicht. Aber Lehrer und Lehrerinnen dürfen das aufgrund von Ausnahmeregelungen, weil und solange das nicht anders geht.

Ich weiß nicht, ob ich das geändert haben möchte. Ich arbeite am besten, wenn ich so weit wie eben möglich Herr über meine Universalmaschine bin. Klar, ich schränke mich ohnehin auf ein Betriebssystem ein. Oder zwei. Und klar, ich kann mit beliebig vielen Einschränkungen leben und Unterrricht machen – aber jede Einschränkung führt zu weniger Spielraum und weniger effizientem Unterricht.

Ein Dienstrechner hieße wohl:

  1. Ich darf nicht privat darauf arbeiten, und ich darf nur diesen für dienstliche Zwecke, insbesondere zur Verarbeitung personenbezogener Daten benutzen. (Und die Verlage könnten sich wieder leichter wünschen, einen Verlagstrojaner darauf zu installieren, der danach illegalen Kopien sucht.) Ich bräuchte also zwei Geräte und würde sehr oft Daten vom Privat- auf den Dienstrechner bewegen müssen: Meine Urlaubsbilder aus dem Ausland, meine Audio- und Hörspiel- und Textsammlung, das sind alles Dinge, die ich privat und dienstlich nutze.
  2. Dürfte ich meine Dienst-Emails dann auf dem Privathandy oder dem Privatrechner abrufen? Vermutlich nicht. Im Moment kriege ich alle Mails auf allen Geräten, jeweils mit einem ordentlichen Programm. Sobald etwas webbasiertes wie OWA dazu käme (das die bayerischen Schulleitungen für dienstliche Kommunikation mit den vorgesetzten Behörden nutzen), wäre das schon wieder äußerst unpraktisch. Aber zur Not ist das natürlich machbar, ich müsste halt, ächz, jeden Tag einmal kurz den Dienstrechner hochfahren und würde sonst alles mit dem eigenen machen. (Dann würde mir aber ein virtueller Rechner reichen. Oder einfach ein verschlüsselter Container. Zur Not ein verschlüsselter Dienststick.)
  3. Ich bräuchte einen richtigen, leistungsfähigen Rechner, nicht nur ein iPad oder so etwas. Eclipse muss laufen, Android Studio, und ich muss beliebig neue Software installieren können – in Informatik kommt laufend etwas Neues zum Ausprobieren, etwa in der KI, die nach und nach in die Schulen kommen wird. Und so etwas wie mein Inform-7-Projekt geht auch nur, wenn ich die Software installieren kann. Für viele Kolleg:innen tut es sicher auch ein kleineres Modell. Man müsste also differenzieren.
  4. Klar: Wenn die Schüler:innen mit iPads arbeiten, brauchen die Lehrer:innen auch welche. Für manche reicht eine Dockingstation zu Hause, andere brauchen zusätzliche Geräte.

Es gibt nur wenige Vorteile, die ein Dienstrechner hat:

  • Anerkennung durch den Dienstherrn.
  • Sicherheitsrelevante Software wäre vorinstalliert. (Für mich kein Vorteil… vermutlich regelmäßiger Passwortwechsel und Virenschutzprogramm, hm? Nutze ich beides nicht.)
  • Mehr Rechtssicherheit? Vermutlich bin ich besser geschützt, wenn mir der Dienstrechner verloren geht?
  • Leichtere Trennung von Beruf und Privatleben. Nun ist die für jemand, der privat und beruflich liest und programmiert und Filme anschaut, ohnehin illusorisch.

3 Antworten auf „Updates am Computer: Warum eigentlich immer und immer wieder? Und: Will ich einen Dienstrechner?“

  1. Spannend. Den letzten Gedanken kenne ich von der anderen Seite: Unternehmens-IT, die ein paar tausend Anwender betreut. Und allein der Gedanke dass auch der letzte und verpeiltste Mensch mit seiner Virenschleuder-Privatmaschine auch nur in die Nähe des Intranets kommt – mir wird ganz schwummrig. Oder anders gesagt: größer Vorteil aus Organisationssicht: man kann den Rechner soweit zumachen, dass auch der schlimmstmögliche Anwender kein großes Sicherheitsrisiko darstellt. Nachteil: es wird alles reichlich umständlich und bürokratisch.

  2. Ich hätte das gerne getrennt. Ich mache meine Arbeit, weil ich damit Geld verdiene (auch wenn das im Beamtenverhältnis strenggenommen etwas anders ist), ich mache meine Arbeit nicht um Geld dafür auszugeben, damit ich arbeiten kann.
    Also würde ich schon einen Dienstrechner wollen, ein Dienstmobiltelefon und auch eine Dienstdatenleitung, gerne auch in strikter Trennung von der privaten Nutzung.
    Weil

    - dann im beruflichen Bereich alle auf die selben Standards verpflichtet wären (z.B. Dateiformate) und der digitale Darwinismus, der zwischen Abgehängten und Vorndrans unterscheidet (siehe Corona-App), zumindest abgemildert würde.

    -ich mich nicht darum kümmern müsste, wenn wieder ein neues Betriebssystem durchs Dorf gejagt wird.

    - der Dienstherr u.U. erheblich mehr Verhandlungsmacht gegenüber den Kleinstweichs und Äpfeln hätte, als es ein einzelner Kunde jemals haben kann.

    - dann klar wäre, dass die Digitalisierung nicht mein Hobby, sondern Teil meiner beruflichen Praxis ist.

  3. Manchmal bin ich etwas entsetzt wenn ich sehe wie die Lehrer in meinem Freundeskreis ohne jegliche Bedenken alles auf dem privaten Notebook machen. Da werden auch persönliche Daten gespeichert, verarbeitet und und und.
    Eine Abhilfe würde ein Dienst-Laptop aber garantiert nicht schaffen. Die IT in der Schule an der meiner Freundin arbeitet ist ein Graus und in sich teilweise inkompatibel.

    Ich denke daher, dass die Lösung für einen Lehrer der ja doch ganz anders arbeitet als viele andere Berufsgruppen nicht ein vorgeschriebener Dienst-Laptop ist, sondern im Zweifelsfall Unterstützung im Bereich der IT-Sicherheit. Ein Virenscanner würde schon helfen und ein paar Grundlagen zum Thema Datenschutz. Ob denn nun der einzelne Anwender auch wirklich diese Angebote nutzt ist dann auch wieder so eine Sache, aber zumindest würde das ja den ein oder anderen Anwendern unterstützen können.

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