Gesehen, Gelesen, Gewesen

Gesehen

Edgar Wallace: Das Geheimnis der gelben Narzissen (1961)

Ohne Eddi Arent. Und auch sonst ein Film, der mir nicht ganz zu den üblichen Wallace-Filmen zu passen scheint. Er wurde in England gedreht, in London, es gibt also viele Außenaufnahmen aus der Großstadt – nicht unbedingt völlig noir, aber doch ein bisschen ernsthafter als sonst. Joachim Fuchsberger spielt zwar wohl nominell die Hauptrolle, aber die tatsächliche Hauptfigur ist ein sehr jung aussehender Christopher Lee, der um Jahre jünger aussieht als in seinem Dracula von 1958. Lee spielt den Chinesen Ling Chu und spricht deutsch (mit leichtem Akzent). – Gleichzeitig mit diesem Film wurde eine englische Fassung gedreht, ohne Fuchsberger und Kinski, aber mit Lee und vielen der Nebenrollen-Darstellern.

Edgar Wallace: Die Tür mit den sieben Schlössern (1962)

Mit Heinz Drache, und eigentlich kein guter Film. Ich fand nur erstaunlich, wie viele Elemente der weird menace pulp fiction in dem Film enthalten sind: Ein nächtliches Grab; eine geheime Gruft unter dem Gruselschloss, mit einem wahnsinnigen Wissenschaftler, der Experimente an Menschen durchführt; Schusswaffe in der Armprothese; ein Labor, ein eingesperrter Affe im Labor; ein grotesker Gehilfe, gespielt von Ady Berber, der mich ungemein an Tor Johnson, etwa in Plan 9 From Outer Space, erinnerte (beide waren ursprünglich Ringer, bevor sie in Filmen auftraten):

Ady Berber in Die Tür mit den sieben Schlössern (1962)
Tor Johnson in Plan 9 From Outer Space (1959)

Mein Freund Bernhard wies mich darauf hin, dass der deutsche Horror-Heftroman die Edgar-Wallace-Filmreihe zu seinen Ahnen zählt. Die Filme wurden später farbig und enthielten immer mehr Gruselelemente und brutalere Darstellungen, Nähe zum italienischen Giallo, der wiederum selber durch die Wallace-Filme beeinflusst ist. Die Titel klingen bereits wie Heftromane: Der Teufel kam aus Akasava, Im Banne des Unheimlichen, Der Gorilla von Soho, Der Mönch mit der Peitsche – die gehen alle als John-Sinclair-Hefte durch.

Ist das so, gibt es diesen Zusammenhang? Spielen da nicht auch die englischen Fernsehserien der späten 1960er Jahre hinein? Mir fallen da allerdings nur Krimis mit Science-Fiction-Einschlägen ein, nichts mit Horror. Andererseits gehen die Abenteuer und Gimmicks von Mit Schirme, Charme und Melone, James Bond und Butler Parker auch als direkte Nachfolger von Doc Savage et. al. durch.

Der erste Horror-Heftroman war der Silber Krimi Nr. 747 von Dan Shocker. Der war so erfolgreich, dass in der Silber-Krimi-Reihe dann alle vier Wochen ein Gruselkrimi mit dem Helden Larry Brent erschien (arbeitet als Geheimagent mit paranormalen Fällen). Ab 1972 die eigene Heftreihe, 1973 dann Macabros, Dämonenkiller und der Gespenster-Krimi, unter anderem mit den Serienhelden John Sinclair und Tony Ballard, die später ihre eigenen Serien bekamen, 1974 Professor Zamorra. (Mehr zur Geschichte des Horror-Heftromans hier.)

Gelesen

Isak Dinesen, Last Tales.

Ich freue mich sehr darauf, dereinst Dinesens Seven Gothic Tales wiederzulesen. Aber dieser letzte Band mit restlichen Geschichten lässt mich eher kalt. Immerhin war es schön, noch einmal ein letztes Abenteuer der wandernden Opernsängerin lesen zu können. Ihrer Sangesstimme beraubt, zieht sie unerkannt von Dorf zu Dorf, verkleidet sich dabei immer als eine andere Gestalt, erlebt Abenteuer, und zieht am Ende wieder von dannen, verfolgt von einer Gestalt aus ihrer Vergangenheit. So eine Art Phantom der Oper kombiniert mit Auf der Flucht oder dem Unglaublichen Hulk oder Kung Fu.

Aber sie schreibt schon auch schöne Bilder, hier aus “The Cardinal’s First Tale”:

In the course of time the old Prince completed his role on the stage of life, draped his grandeur and loneliness round him in heavy folds of black marble, and lay down to rest in the mausoleum, at Dionysio’s side.

Kleine Fußnote, hier zum Festhalten: Mir ist ein Unterschied zwischen meiner englischen Ausgabe (Putnam 1957) und der amerikanischen (Random House 1957) aufgefallen, die ich als epub parallel lese. In der amerikanischen Ausgabe fehlt die zweite Hälfte des folgenden Satzes:

[Pizzuti, the philosopher, a small man, as shrunken and dark of hue, as if he had been hung up in a chimney to be smoked,] and to whom the people on account of his restless and silent movements had given the nickname of ‘Pipistrello’ – the bat.

Isak Dinesen, “Night Walk”. Last Tales. London: Putnam 1957, p. 60.

Gewesen

Beim Arzt. Bei zwei Ärzten. Alles okay. Beide: “Sie sehen aber jünger aus.” Mit oder ohne Maske, das kriege ich jedesmal. Dritter Arzt vielleicht im August, mal sehen, ob ich den hat trick hinkriege.

Aber auch gelernt, bei der Frage nach meiner Ernährung vorsichtig zu sein. Dass ich mehr Alkohol trinke, als gesund ist, ist mir klar, denn jedes bisschen Alkohol ist nicht gesund, und ich mag Cocktails und Wein. Aber man darf nie sagen: “Ja, wahrscheinlich trinke ich zu viel Alkohol.” Ich habe förmlich gesehen, wie die Ohren gespitzt wurden und der Tonfall bemüht war, ein besorgtes Timbre nicht zu deutlich werden zu lassen: ja, man habe sicher viel Stress im Beruf, gerade so als Lehrer, und manche würden Alkohol ja schon als Einschlafhilfe benutzen, und wie’s mit der Beziehung aussieht… Puh, ich denke, ich konnte meine Ärztin noch davon überzeugen, dass ich nur gerne esse und trinke und dass es mir ansonsten wirklich gut geht und kein Grund zur Sorge besteht.

Gefühl und Vernunft und der tägliche Charaktertest

Wenn ich in der Schule unterwegs bin und ich brav Maske in den Gängen trage und Abstand zu Kollegen und Kolleginnen halte, sagt mir mein Gefühl, dass keiner von uns mit SARS-CoV‑2 infiziert ist. Auch in meinen Klassen habe ich das Gefühl, ich glaube, an meiner ganze Schule ist niemand (mehr) infiziert.

In der S‑Bahn zur Schule sagt mir mein Gefühl, dass ich wahrscheinlich nicht infiziert bin. Der Mann gegenüber mit der heraushängenden Nase wahrscheinlich auch nicht, wenn auch nicht ganz so wahrscheinlich wie ich – erstens, weil ich ich bin, und zweitens, weil er ein Depp ist.

Auf der Geburtstagsfeier mit Freunden, im Freien, ist wahescheinlich auch niemand infiziert, sagt mir mein Gefühl.

Man sollte allerdings seinen Gefühlen misstrauen, gerade bei Wahrscheinlichkeiten, und gerade bei Dingen, die man sich wünscht. Das ist eine ganz wichtige Lektion. In diesem Fall hat das Gefühl aber völlig recht. Wahrscheinlich ist niemand an meiner ganzen Schule infiziert, und in der S‑Bahn auch nicht. Wenn man die eigene Maske vergessen hat, steckt man wahrscheinlich niemand an, wenn die anderen ihre Hände nicht gewaschen hat, kriegt man trotzdem wahrscheinlich keine Infektion.

Und wenn man Covid-19 kriegt, hat man das Gefühl, dass einem schon nichts passieren wird. Ich habe jedenfalls dieses Gefühl, und viele andere auch. Auch hier täuscht mich das Gefühl nicht – es wird wahrscheinlich so sein.

Muss ich mir also Sorgen machen, wenn ich eine Kollegin umarme? Nein, nicht wirklich .

Warum soll ich also trotzdem Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen, Ansammlungen meiden? Weil es vernünftig ist. Alle, die das hier lesen, wissen das ohnehin schon. Das Risiko, das ich jemand anstecke, ist ganz, ganz, ganz klein, aber die Probleme, die ich damit erzeuge, sind sehr, sehr, sehr groß. Das muss man miteinander verrechnen, und stellt sich heraus: es lohnt sich, das ganz, ganz, ganz kleine Risiko zu vermeiden. Wenn viele Menschen das sehr oft machen, ist das sehr gut. Wenn genügend Menschen das genügend oft machen, ist das ausreichend. Wenn ich das mal vergesse, ist das nicht dramatisch – aber je öfter und je mehr Menschen das vergessen, desto schlechter.

Wir sind wieder beim Gefangenendilemma: Wenn ich als einziger mich an keine Regeln halte, ist das völlig in Ordnung, solange genügend andere das machen. Insofern ist jeder Tag ein neuer Intelligenz- oder Charaktertest. Ich bestehe ihn nicht immer, aber ziemlich oft. Man kriegt ja immer eine neue Chance am nächsten Tag. (And yes, I will judge you.)

Kartoffelkombinatsessen, eine Woche lang

Frau Rau und ich kriegen ja jede Woche eine Kiste mit den Anteilen aus dem Kartoffelkombinat, der Gärtnereigenossenschaft, an der wir beteiligt sind (Blogeintrag dazu). Im Sommer und Herbst ist viel drin, im Winter und Frühling weniger, aber alles machbar. Ich schreibe hier mal mit, was ich mit der Kiste in der letzten Woche gemacht habe.

Donnerstag: Ein kleiner Eichblatt- und ein kleiner anderer Salatkopf, beide aus Ernteanteil. Den Salat macht Frau Rau, weil die sehr gut Salatdressings machen kann. Dazu Honigmelone, die noch im Haus war, und eigens gekaufter Parmaschinken. Foto vergessen.

Freitag: Tater tots nach Ottolenghi aus Ernteanteilkartoffeln, dazu ein Stück Fleisch vom Metzger. Nachtisch Erdbeeren.

(Tater tots: Das ist so eine US-amerikanische Tiefkühl- und Dinersache. Geriebene Kartoffeln, vielleicht etwas angekocht, mit ganz wenig Stärke zu Zylindern geformt und dann frittiert – bei der Ottolenghi-Abwandlung, an die ich mich gehalten habe, stattdessen im Ofen gebacken und davor mit Kreuzkümmel und Limettenschale gewürzt. Ganz Mutige googeln “Minnesota Hot Dish”.)

Samstag: Kartoffeln (Ernteanteil) und breite Bohnen mit Knoblauch (der auch aus Ernteanteil, aber einem früheren). Nachtisch Ananas.

Sonntag: Pasta mit Karottengrün-Pesto (Parmesan, Pinienkerne, Knoblauch; Olivenöl von der Nachbarin; Karottengrün aus Ernteanteilkarotten).

Montag: Den Rettich aus dem Ernteanteil in den Biergarten mitgenommen und dort gegessen, mit Breze und Bier.

Dienstag: Bolognese aus Salsiccia, italienischer scharfer Schweinebratwurst, Zwiebel, Karotten und Selleriestangen (die letzten beiden aus Ernteanteil), einer Tomatendose. Das Ziel war schon auch, das Gemüse aufzubrauchen. Karotten, Kartoffeln und Sellerie wiederholen sich zwar nie von Woche zu Woche und könnten auch noch liegen bleiben, aber ich bin immer froh, wenn ich die alte Kiste leer habe, bevor die neue kommt.

Im Uhrzeigersinn: Karotte, Sellerie, Salsiccia, Karotten, Zwiebeln; später Schuss Vermouth und 1 Tomatendose.

Es ist keineswegs so furchtbar viel, wie das hier vielleicht klingt; bei vielen der Gerichte oben ist ja nur ein Teil aus dem Ernteanteil, aber es erfordert schon Planung, das alles gut zu verarbeiten.

Auf dem Teller sah die Bolognese dann so aus und war sehr lecker:

In der Kiste waren auch noch Gurke und grüne Paprika, die hat Frau Rau zwischendurch zum Mittagessen gegessen. Blieb nur noch Petersilie: Da kochte ich Bulgur, hackte eine Tomate hinein und einen Rest selbst angelegte Salzzitrone, und eben den Petersil. Das gibt ein kleines Mittagessen morgen für Frau Rau und mich, wenn auch getrennt von einander.

Mittwoch: Leckere Nudelreste den Tag über, und abends… freie Wahl. Sushi vielleicht? Am Donnerstag kommt dann die neue Kiste. Salat!

Jane Austen, Emma: Die Schwangerschaft der Mrs. Weston

Kurz vor Beginn der Handlung hat die Erzieherin/Vertraute von Emma Woodhouse den Woodhouse-Haushalt verlassen, um zu heiraten; Emma lebt nun allein mit ihrem Vater, die Mutter starb vor vielen Jahren. Emma ist zwanzig Jahre alt, selbstbewusst, selbstständig, dezidiert nicht an Heirat interessiert – jedenfalls nicht an einer eigenen: Ansonsten bildet sie sich nämlich ein, eine gutes Auge dafür zu haben, wer zu wem passt und wer an wem interessiert ist, und versucht aktiv Pärchen zu verkuppeln, was alles nicht gut geht.

“Not for the world,” said Emma, smiling graciously, “would I advise you either way.”

Dabei manipuliert sie die arme Harriet ständig, die sie unter ihre Fittiche genommen hat. Selber täuscht sie sich selber, hier eine ironische Stelle, in der Emma ihrem Gegenüber genau das vorwirft, was sie selbst falsch macht:

“I thank you; but I assure you you are quite mistaken. Mr. Elton and I are very good friends, and nothing more;” and she walked on, amusing herself in the consideration of the blunders which often arise from a partial knowledge of circumstances, of the mistakes which people of high pretensions to judgment are for ever falling into; and not very well pleased with her brother for imagining her blind and ignorant, and in want of counsel.

Am Ende kommt es zu einer Liebeserklärung, nach der die zwei Beteiligten sich schon deutlich das Herz öffnen, die aber so behutsam und formelhaft und mit Worten anberaumt wird, wie Frau Rau sie immer als typisch für den Roman des frühen 19. Jahrhunderts und der Jahrzehnte zuvor zitiert:

She spoke then, on being so entreated.—What did she say?—Just what she ought, of course. A lady always does.—She said enough to shew there need not be despair—and to invite him to say more himself.

There need not be despair. Not absolutely despise you. Ein vergnüglicher Roman, mit einer fehlerhaften Heldin, intelligent geschildert. Fast durchgehen ist Emma die Fokusperson, fast alles ist aus ihrer Sicht erzählt, wenn auch in der 3. Person, mit ganz viel erlebter Rede. Aber darum geht es hier nicht.

Im Lauf des Romans wird Mrs. Weston, Emmas ehemalige Erzieherin/Vertraute, schwanger und bekommt ein Kind. Wir erfahren das – soweit ich das mitgekriegt habe – zum ersten Mal in Kapitel 42 (Kapitel VI von Band 3):

In the daily interchange of news, they must be again restricted to [other topics], such as the last accounts of Mrs. Churchill, whose health seemed every day to supply a different report, and the situation of Mrs. Weston, whose happiness it was to be hoped might eventually be as much increased by the arrival of a child, as that of all her neighbours was by the approach of it.

“The situation of Mrs. Weston” wird vorher nicht angesprochen, plötzlich wissen halt alle davon und Emma und die Leserin auch. Als Neuigkeit tritt diese Information nie in Erscheinung. Lediglich ein paar Kapitel vorher gibt es bereits eine zumindest im Nachhinein relevante Passage, in der eine Miss Bates, die stets viel, viel, viel redet, inmitten eines langen, kaleidoskopartigen, sprunghaften Monologs zu Mrs. Weston sagt:

“Very well, I thank you, ma’am. I hope you are quite well. Very happy to hear it. So afraid you might have a headache!—seeing you pass by so often, and knowing how much trouble you must have. Delighted to hear it indeed. Ah! dear Mrs. Elton, so obliged to you for the carriage!—excellent time.”

Aus diesem zweimaligen happy/delighted to hear it schließt die kundige Leserin wohl bereits auf die Schwangerschaft? Im gleichen Kapitel wird Mrs. Weston auch zum Tanz aufgefordert, lehnt aber ab. Weiß der Aufforderer da auch von der Schwangerschaft – im Dorfklatsch müsste das doch herumgehen? Und wäre die Aufforderung zum Tanz dann nicht unangebracht gewesen? Sie ist aus anderen Gründen ohnehin bereits schlechtes Benehmen, wird aber von Emma nicht auf die Schwangerschaft bezogen. Überhaupt ist das Schwangersein ihrer Freundin kein Thema und wird mit keiner weiteren Silbe erwähnt, bis dann das Kapitel 53 (Kapitel XVII von Band 3) dann unvermittelt mit der erfolgten Geburt beginnt:

Mrs. Weston’s friends were all made happy by her safety; and if the satisfaction of her well-doing could be increased to Emma, it was by knowing her to be the mother of a little girl. 

Wann und wie Emma davon erfahren hat, wissen wir nicht. Das irritierte mich beim Lesen, und Irritation ist erst einmal eine legitime, vielleicht begrüßenswerte Reaktion. War Schwangerschaft so ein Tabuthema? Das war mir weder bei deutscher noch englischer Literatur dieser Zeit aufgefallen, aber spontan fällt mir außer Kleists Marquise, sieben Jahre vor Emma, kein Beispiel ein. War das für Jane Austen ein Tabu?

Oder ist es Emma, die nicht davon erzählen will? Beim Recherchieren habe ich außer diesem einen Blogeintrag wenig gefunden, aber der hat es in sich: “Jane Austen’s Shadow Stories” gibt das Thema vor. Der Autor, Arnie Perlstein, postuliert für Austens Romane geheime Geschichten, die von der für uns erzählten Handlung verdeckt werden. Für Emma heißt das, dass die Mutter des Kindes in Wirklichkeit Jane Fairfax ist und nicht Mrs. Weston. Ich habe den Hintergrund des Blogeintrags nicht groß verfolgt, aber die Theorien scheinen vom Jane-Austen-Establishment nicht besonders enthusiastisch aufgenommen worden zu sein. Der Begriff “fan fiction” fiel anscheinend. Mich erinnern sie an diese Sache mit den Krimis und den verdeckten und offenen Geschichten in der Literatur (ausführlicher Blogeintrag dazu).

Und ja, es ist einerseits müßig, darüber nachzudenken, wann Emma von der Schwangerschaft erfuhr und warum wir nichts davon erzählt bekommen – ein Text ist ein Text und die Figuren darin haben kein Leben außerhalb des Textes. Andererseits… ungelöst und spannend ist doch auch gerade beim Maltese Falcon von Dashiell Hammett, ab wann genau Sam Spade wusste, wer seinen Partner umgebracht hat. (Hier ein interessanter Blogeintrag dazu.) Das lässt sein Verhalten im Großteil des Buchs über in unterschiedlichem Licht erscheinen – ich habe für mich noch keine abschließende Antwort darauf gefunden. Ob Hammett das selber wusste, weiß ich nicht.

Über Digitalkram: An manche Kolleg:innen

Warum soll ich diesen ganzen Digitalkram lernen? Was bringt mir das?

Nichts, möglicherweise. Sich mit Computern und ihren Möglichkeiten auszukennen, bringt so viel, wie eine neue Fremdsprache zu lernen oder ein neues Musikinstrument. Das ist vielleicht ganz schön. Aber du liest schon englische Literatur und du spielst schon klassische Gitarre, und dein Garten verschafft dir Entspannung und Befriedigung – wozu noch etwas Neues lernen? Wozu musst du Podcasts hören oder gar erstellen können?

Tatsächlich gibt es keinen Grund dafür. Die Frage darf aber nicht sein: Was bringt mir das?, sondern muss lauten: Was bringt das meinen Schülern und Schülerinnen? Die haben noch nicht für ihr Leben entschieden, welche und wie viele Fremdsprachen sie lernen wollen, welche und wie viele Instrumente sie spielen wollen, ob ein Garten das richtige für sie ist – und ob sie Podcasts hören oder gar erstellen wollen, ihre Nachrichten aus Onlinequellen beziehen werden, gerne ein Netzwerk aufbauen möchten, sich in einer digitalen Bibliothek zurechtfinden mögen. Die digitale Welt steht ihnen offen, man muss sie ihnen zeigen und ihnen den Zugang dazu ermöglichen. Ob und wie sie den dann später nutzen, das steht ihnen frei. So wie manche nach der Schule kein bisschen Französisch mehr nutzen.

Lernen die Schüler:innen das nicht von allein?

Ja und nein. Manche lernen manchen Digitalkram von allein so sehr wie vieles andere in der Schule, wofür sich Fächer zuständig fühlen. Das Fass aufzumachen hieße über Schule nachzudenken.

Ist es die Aufgabe der Schule, ihnen diese Möglichkeiten zu zeigen?

Ja. Muss ich das wirklich begründen? Die Schule macht ja jetzt schon Angebote für ein späteres erfülltes Leben: Sport, Musik, Kunst, Sprachen, Reisen, aktive Gestaltung der Gesellschaft.

Ist es die Aufgabe allein der Schule?

Nein. Anderes Thema.

Ist es die Aufgabe von mir als Deutschlehrer?

Das muss die Schule klären. Jemand muss das machen, ob das alle Fächer sind oder eines, ist im Prinzip nicht so wichtig. Nur: Praktisch wird das etwas sein, was viele Fächer machen müssen. Und dann darf sich der Deutschlehrer nicht drücken, nicht die Sozialkundelehrerin und nicht die Sport‑, Physik- und Mathematiklehrkraft. Ein paar Fächer und Kolleg:innen können sich drücken, aber halt nicht alle.

Aber das hat mit meinem Fach nichts zu tun.

Erstens: wahrscheinlich doch. Zweitens: egal.

Aber ich will das nicht.

Siehe oben.

Das habe ich mir in meinem Studium aber anders vorgestellt.

Kann schon sein.

Kann das nicht das Fach Informatik machen?

Erstens: Klar, aber nur, wenn Deutsch, Sozialkunde, Sport, Mathematik und Physik jeweils eine Stunde abgeben. Zweitens: Informatik bietet sich vielleicht an, weil die darin eingesetzten Lehrkräfte sich mit Computern auskennen; mit den Inhalten des Fachs und der Fachwissenschaft Informatik hat das eigentlich nichts zu tun. (Die Einschränkung rührt daher, dass sich Informatik wie viele andere Fächer gerne damit brüstet, dass ja eigentlich alles in ihr Fachgebiet gehört: Alles mit Information gehört zu Informatik, alles mit Kommunikation zu Deutsch, alles mit Menschen zu Sozialkunde, und Geschichte und Biologie ist ohnehin alles.)

(Tschuldigung, musste kurz raus. Im Lehrerzimmer meiner Schule bin ich ja diplomatischer.)

Twitterfundsachen zu Schulthemen, hauptsächlich

Nicht viel Neues aus der Schule, deshalb ein paar Fundsachen von Twitter:

Das wusste ich nicht. Ich habe mal halbherzig mit einem Plugin gespielt, um die Schulhomepage etwas barrierefreier zu machen, es dann wieder aufgegeben. Vielleicht kommt etwas Offizielles, ohnehin braucht die Seite mal eine Runderneuerung. Ohne Pandemie hätte ich mir das für die Sommerferienvorgenommen, oder es jedenfalls vorgehabt, jetzt brauche ich Erholung und das muss noch ein Jahr warten.


Auf Instagram bei einem Account meiner Schule gefunden: Zumindest bei der H5P-Aktivität “Quiz” steht die Lösung im Quellcode. Ich soll es zwar nicht weitersagen, aber es hat ja wohl ohnehin keine Lehrkraft etwas dagegen, wenn die Schüler und Schülerinnen das nutzen wollen:


Auf Twitter folgt mir seit ein paar Tagen 1 Mensch, der nur mir folgt, von niemandem gefolgt wird und noch überhaupt nichts getwittert hat. Und ich habe Fragen.


Nicht bei Twitter, aber es könnte ja bei Twitter sein: Ein kurzer Video, wie man zum Schuljahresende das Material aus den Klassenkursen sichert.

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Selber ist mir ja jede Form von textlicher Erklärung ungemein lieber als Videos, aber manche mögen halt die Filme lieber, oder behaupten das zumindest. Außerdem nutze ich die Gelegenheit zum Experimentieren mit Film – das ist wie bei Mind Maps oder zeichnerischen Unterrichtsskizzen, die finde ich ästhetisch ungemein ansprechend, aber für mich völlig unbrauchbar zum Lernen.


Gar nicht auf Twitter, und auch noch nicht auf der Schulhomepage, sondern nur in der Aula, “weil das da mehr Menschen sehen”: Unsere SMV hat eine Umfrage zur Pandemiezeit zu Hause gemacht. Über ein Drittel der Schüler und Schülerinnen haben sich beteiligt, als Online-Umfrage via Mebis haben sich vermutlich eher die beteiligt, die weniger Probleme mit Mebis und Online haben. Interessant: Der Unterricht zu Hause schneidet insgesamt etwas schlechter ab als der Präsenzunterricht, aber es gibt auch viele, die ihn viel oder etwas besser finden. Bei Mittel- und Oberstufe gibt es eine bimodale Verteilung: Wenige Schüler:innen sagten “gleich gut”, mehr sagten “viel/etwas besser” und (noch) mehr “viel/etwas schlechter”.