Gesehen, Gelesen, Gewesen

Gesehen

Edgar Wallace: Das Geheimnis der gelben Narzissen (1961)

Ohne Eddi Arent. Und auch sonst ein Film, der mir nicht ganz zu den üblichen Wallace-Filmen zu passen scheint. Er wurde in England gedreht, in London, es gibt also viele Außenaufnahmen aus der Großstadt – nicht unbedingt völlig noir, aber doch ein bisschen ernsthafter als sonst. Joachim Fuchsberger spielt zwar wohl nominell die Hauptrolle, aber die tatsächliche Hauptfigur ist ein sehr jung aussehender Christopher Lee, der um Jahre jünger aussieht als in seinem Dracula von 1958. Lee spielt den Chinesen Ling Chu und spricht deutsch (mit leichtem Akzent). – Gleichzeitig mit diesem Film wurde eine englische Fassung gedreht, ohne Fuchsberger und Kinski, aber mit Lee und vielen der Nebenrollen-Darstellern.

Edgar Wallace: Die Tür mit den sieben Schlössern (1962)

Mit Heinz Drache, und eigentlich kein guter Film. Ich fand nur erstaunlich, wie viele Elemente der weird menace pulp fiction in dem Film enthalten sind: Ein nächtliches Grab; eine geheime Gruft unter dem Gruselschloss, mit einem wahnsinnigen Wissenschaftler, der Experimente an Menschen durchführt; Schusswaffe in der Armprothese; ein Labor, ein eingesperrter Affe im Labor; ein grotesker Gehilfe, gespielt von Ady Berber, der mich ungemein an Tor Johnson, etwa in Plan 9 From Outer Space, erinnerte (beide waren ursprünglich Ringer, bevor sie in Filmen auftraten):

Ady Berber in Die Tür mit den sieben Schlössern (1962)
Tor Johnson in Plan 9 From Outer Space (1959)

Mein Freund Bernhard wies mich darauf hin, dass der deutsche Horror-Heftroman die Edgar-Wallace-Filmreihe zu seinen Ahnen zählt. Die Filme wurden später farbig und enthielten immer mehr Gruselelemente und brutalere Darstellungen, Nähe zum italienischen Giallo, der wiederum selber durch die Wallace-Filme beeinflusst ist. Die Titel klingen bereits wie Heftromane: Der Teufel kam aus Akasava, Im Banne des Unheimlichen, Der Gorilla von Soho, Der Mönch mit der Peitsche – die gehen alle als John-Sinclair-Hefte durch.

Ist das so, gibt es diesen Zusammenhang? Spielen da nicht auch die englischen Fernsehserien der späten 1960er Jahre hinein? Mir fallen da allerdings nur Krimis mit Science-Fiction-Einschlägen ein, nichts mit Horror. Andererseits gehen die Abenteuer und Gimmicks von Mit Schirme, Charme und Melone, James Bond und Butler Parker auch als direkte Nachfolger von Doc Savage et. al. durch.

Der erste Horror-Heftroman war der Silber Krimi Nr. 747 von Dan Shocker. Der war so erfolgreich, dass in der Silber-Krimi-Reihe dann alle vier Wochen ein Gruselkrimi mit dem Helden Larry Brent erschien (arbeitet als Geheimagent mit paranormalen Fällen). Ab 1972 die eigene Heftreihe, 1973 dann Macabros, Dämonenkiller und der Gespenster-Krimi, unter anderem mit den Serienhelden John Sinclair und Tony Ballard, die später ihre eigenen Serien bekamen, 1974 Professor Zamorra. (Mehr zur Geschichte des Horror-Heftromans hier.)

Gelesen

Isak Dinesen, Last Tales.

Ich freue mich sehr darauf, dereinst Dinesens Seven Gothic Tales wiederzulesen. Aber dieser letzte Band mit restlichen Geschichten lässt mich eher kalt. Immerhin war es schön, noch einmal ein letztes Abenteuer der wandernden Opernsängerin lesen zu können. Ihrer Sangesstimme beraubt, zieht sie unerkannt von Dorf zu Dorf, verkleidet sich dabei immer als eine andere Gestalt, erlebt Abenteuer, und zieht am Ende wieder von dannen, verfolgt von einer Gestalt aus ihrer Vergangenheit. So eine Art Phantom der Oper kombiniert mit Auf der Flucht oder dem Unglaublichen Hulk oder Kung Fu.

Aber sie schreibt schon auch schöne Bilder, hier aus “The Cardinal’s First Tale”:

In the course of time the old Prince completed his role on the stage of life, draped his grandeur and loneliness round him in heavy folds of black marble, and lay down to rest in the mausoleum, at Dionysio’s side.

Kleine Fußnote, hier zum Festhalten: Mir ist ein Unterschied zwischen meiner englischen Ausgabe (Putnam 1957) und der amerikanischen (Random House 1957) aufgefallen, die ich als epub parallel lese. In der amerikanischen Ausgabe fehlt die zweite Hälfte des folgenden Satzes:

[Pizzuti, the philosopher, a small man, as shrunken and dark of hue, as if he had been hung up in a chimney to be smoked,] and to whom the people on account of his restless and silent movements had given the nickname of ‘Pipistrello’ – the bat.

Isak Dinesen, “Night Walk”. Last Tales. London: Putnam 1957, p. 60.

Gewesen

Beim Arzt. Bei zwei Ärzten. Alles okay. Beide: “Sie sehen aber jünger aus.” Mit oder ohne Maske, das kriege ich jedesmal. Dritter Arzt vielleicht im August, mal sehen, ob ich den hat trick hinkriege.

Aber auch gelernt, bei der Frage nach meiner Ernährung vorsichtig zu sein. Dass ich mehr Alkohol trinke, als gesund ist, ist mir klar, denn jedes bisschen Alkohol ist nicht gesund, und ich mag Cocktails und Wein. Aber man darf nie sagen: “Ja, wahrscheinlich trinke ich zu viel Alkohol.” Ich habe förmlich gesehen, wie die Ohren gespitzt wurden und der Tonfall bemüht war, ein besorgtes Timbre nicht zu deutlich werden zu lassen: ja, man habe sicher viel Stress im Beruf, gerade so als Lehrer, und manche würden Alkohol ja schon als Einschlafhilfe benutzen, und wie’s mit der Beziehung aussieht… Puh, ich denke, ich konnte meine Ärztin noch davon überzeugen, dass ich nur gerne esse und trinke und dass es mir ansonsten wirklich gut geht und kein Grund zur Sorge besteht.

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