Virtuelle Video-Woche und die erstaunliche Frage, ob Lehrkräfte ihre Kamera auch mal ausmachen dürfen

Videos in der Videokonferenz

Mit der zehnten Klasse ein bisschen die ersten fünfzehn Minuten der Unterrichtsstunde von Herrn Böhmermann: geguckt:

Für Erwachsene zumindest eines gewissen Alters cringeworthy und lustig. Für die Schüler:innen tatsächlich eher so mittel. Keine Fans dabei, anscheinend.

Das meiste davon ist Karikatur und zumindest an meiner Schule überholt. Tageslichtprojektoren wie den im Eck gibt es bei uns nicht mehr. (Warum haben die alle so orange Kabel? Warum hat nichts sonst so orange Kabel?) Meinen Namen habe ich seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr an die Tafel geschrieben. “7 Minuten habt ihr jetzt zum Lösen der Aufgaben” – was ich für eine Armbanduhr hielt (habe ich auch schon lange nicht mehr, alles mit dem Handy), identifizierten Schüler gleich als Smartwatch, auf der Lehrer Böhmermann die Zeit einstellt. Armbanduhr wäre passender gewesen. Tee und Korrektur nebenbei kenne ich auch nicht.

Lustig fand ich aber die leeren Phrasen. Die Wiederholungen. Klar, man ist es gewohnt, dass viele Schüler und Schülerinnen nicht zuhören und man alles dreimal sagen muss, und die Schüler:innen sind es auch gewohnt. Lustig, dass die angekündigten 7 Minuten halt doch länger waren, wie sie es gerne mal sind. Lustig das sinnlose Tafelputzen, nah an der Realität. Die ungenauen Fragen, das “einfach mal”, “einfach reinrufen”, “spontan”, das belanglose “richtig” und “super”.


Partnerprüfung in der Videokonferenz

An drei Nachmittagen anstregende mündliche Prüfungen in englischer Konversation abgehalten, jeweils zwei zu Prüfende mit monologischem und dialogischem Teil, dazu zwei Lehrkräfte. Anstrengend, weil das immer anstrengend ist – online aber tatsächlich weniger als in der Schule. Da haben dann mal die Schüler:innen die Kamera an, wenn sie sich miteinander unterhalten, und die Lehrkräfte haben sie aus.


Wer die Kamera anhat und wer nicht in der Videokonferenz

Und so hielt ich es an einem weiteren Tag mit einem Referat in der Oberstufe: Da musste der Referent die Kamera anschalten, seine Präsentation zeigen, und ich schaltete meine Kamera aus – nachdem ich andere im Kurs gebeten hatte, ihre Kamera anzumachen, wenn nichts Dringendes dagegen spräche. Und so hatten dann auch sechs oder so ihre Kamera an.

Denn bei Video-Unterrichtssitzungen ist es meist so: Die Lehrkraft hat die Kamera an (vermutlich freiwillig, ich kenne mich da rechtlich nicht aus, ist aber in meinem Kollegium wohl kein Problem), die Schüler und Schülerinnen haben sie aus (rechtlich wohl in Ordnung – teilnehmen müssen sie, zum Bild zwingen kann man sie wol nicht). Auf Wunsch machen etliche Schüler und Schülerinnen aber doch stets die Kamera an.

Das wird viel diskutiert. Ich finde es völlig verständlich, wenn die Schüler:innen die Kamera lieber aus haben. Dann kann man gähnen, sich kratzen, Augen rollen, Suppe schlürfen, im Bett liegen. Und leichter chatten, surfen, was man halt so nebenbei macht. Ohne Kamera ist es angenehmer, und ich will es so angenehm wie möglich für die Schülerinnen und Schüler machen. (Deswegen muss sich auch niemand melden wie wohl bei anderen Sitzungen üblich. Die sollen reinrufen, wie in einem Team, sofern nicht zu viel Durcheinander ist. Zu viel Durcheinander ist übrigens nicht.) Aber ich würde mich da jederzeit an Hausregeln halten, so wichtig ist mir das alles nicht.

Ich war überrascht, auf wie viel Unverständnis mein Verhalten, also bei einem Oberstufenreferat die Kamera auszuschalten und den Referenten nur Mitschüler:innen sehen zu lassen, auf Twitter stieß. “Ich habe meine Kamera immer an” sagten alle Lehrkräfte, und es schien geradezu skandalös, das anders zu halten. Ich verspreche auch ernsthaft, in mich zu gehen, aber ich gestehe: Ich habe die Kamera nicht immer an.

  • Bei einer Konversationsprüfung, wo sich zwei Prüflinge miteinander unterhalten sollen zu einem bestimmten Thema. Da käme mir mein Bild neben den beiden unpassend vor. Habt ihr da die Kamera an?
  • Bei einer Art Fishbowl-Diskussion zwischen, sagen wir, Teilnehmenden und allen anderen als Beobachtern. Da käme mir mein Bild neben den vieren unpassend vor. Habt ihr da die Kamera an?
  • Auch bei Rollenspielen mit zwei Teilnehmenden würde ich mein Bild nicht zu denen gesellen. Ich mag ja Telefonanrufe im Englischunterricht, und aktuell ist die Situation doch prächtig, um nachgestellte Videokonferenzen in der Videokonferenz zu spielen – Verbindungs- und Verständigungsprobleme kann man da gleich spontan einbauen, falls sie sich ergeben. Da empfände ich mein Bild als störend. Aber eigentlich gibt es dafür ja ohne Gruppenarbeitsräume – nur vormachen muss man es sicher einmal vor allen.
  • Überhaupt, bei Gruppenarbeit in Breakout-Räumen: Da ist nicht nur meine Kamera aus, da bin ich dann oft gar nicht drin in den Räumen. Zählt das dann als “Kamera aushaben”? Ich kann technisch die Kamera in allen Räumen anhaben und nur einem Raum zuschauen und mitmachen – wäre so ein Big Brother nicht störend?
  • Nicht aus ist die Kamera, wenn ich meine Schüler bitte, meine Bildschirmfreigabe zu maximieren – kommt in Informatik immer wieder vor. Da sehen die mich auch nicht.
  • Und zuletzt eben beim Referat, je nach Jahrgangsstufe. Da ist es unglaublich wichtig, seine Ansprechpartner zu sehen. Aber das Zielpublikum sind aus Lehrkraftsicht die Mitschüler:innen. Aus Schülersicht nicht, klar – und dehalb schaut ein schlechter Referent im Klassenzimmer auch gerne mal ständig auf mich. Das führt dazu, dass ich mich betont verstecke. Ich finde, ich nehme den Schüler als Online-Referenten ernst, wenn ich nicht virtuell neben ihm zu sehen bin.
  • “Learning by teaching” – mache ich nicht, aber ist da auch die Lehrkraft neben den Schülern und Schülerinnen zu sehen? Das stelle ich mir komisch vor.

Sichtbare Aufmerksamkeit haben Schüler und Schülerinnen verdient. Aber doch nicht meine? Ich finde, sie sollen lernen, nach und nach für- und miteinander zu arbeiten, auch wenn ich verstehe, dass sie das erst einmal nicht tun. Ich halte es für schlecht und schädlich, wenn ich mich als Lehrkraft als Gesprächspartner beim Referat positioniere. Ich sehe mich, ganz ehrlich gern in der Kamera, viel lieber als auf Fotos, und ich schneide viel und vergnügt Grimassen. Aber ich finde es didaktisch sinnvoll, mich ab und zu zurückzunehmen und andere in den Vordergrund zu stellen. – Aber das muss alles nicht sein, ich bin gerne bereit, gründlich über all das nachzudenken.

Orangenmarmelade 2021 (und Cornish Pasties)

Wie jedes Jahr um diese Zeit wird aus dem hier:

das hier:

(Noch mit Wasser und Zucker und dem Saft der Pomeranzen dazu, versteht sich.)

Das war der Samstag. Am Sonntag machte ich Cornish Pasties. Immer wenn die Kartoffelkiste uns eine Steckrübe einsteckt, gibt es die. (Und manchmal auch ensaladilla russa, spanischen russischen Salat, aber nicht mitten im Winter.) Inhalt sind Steckrübe und Kartoffel aus dem Karotffelkombinat, dazu Zwiebel und Zwerchfell vom Rind. Nicht den Nierzenzapfen, sondern “die dünne Kron”, wie mein Metzger sagt. (Wenn man bei dem nach Kronfleisch fragt, heißt es: vom Schwein oder vom Rind? Dicke oder dünne Kron?)

(Die andere Hälfte des Stücks Kronfleisch gab es als Steak. 3 Minuten sehr scharf auf jeder Seite angebraten.)

Alle Bestandteile der Füllung würfeln, in Teig aus Schweineschmalz, Salz, Wasser und 550er-Mehl packen, mit Ei bestreichen.

“Drei große oder sechs kleine” cornish pasties sollen das sein. Ich will nicht wissen, wie große aussehen sollen. Notiert: Nächstes Mal etwas länger in der ersten Phase, bei höherer Temperatur, im Ofen lassen.

Was ist ein Mensch? Virtueller Hintergrund in BBB.

In Zoom oder Skype kann man virtuelle Hintergründe erstellen oder den tatsächlichen Hintergrund verschwommen darstellen lassen. Das ist schön, wenn man weniger Privates von sich preisgeben möchte, und oft noch schöner, weil man Scherze damit treiben kann.

Warum geht das mit BigBlueButton nicht?

Kurz: Ich vermute, das liegt daran, dass man für BBB keinen eigenen Client, also kein eigenes Programm installieren muss, sondern das einfach in einem Browser laufen lassen kann.

Lang: Da muss ich ausholen.

Also: Mit einem geeigneten Programm kann man berechnen, was man zeigen möchte – Gesicht, Oberkörper, Arme, den Menschen halt. Den Rest ersetzt das Programm dann einfach durch grüne Farbe oder ein anderes Bild oder stellt es verschwommen dar – dieser zweite Punkt ist relativ leicht umzusetzen, und das sieht dann so aus:

Hintergrund verschwommen.
Hintergrund durch Grafik ersetzt. (Die grün ist.)

Schwierig ist der erste Schritt: Was gehört eigentlich zum Menschen und was nicht? Wenn man zusätzlich zur Kamera einen Infrarotsender und ‑empfänger hätte, könnte man ein Signal senden und aus der Dauer bis zum abgestrahlten Empfang berechnen, wie weit ein Bildpunkt von der Kamera entfernt ist. Dann könnte man zumindest Vorder- und Hintergrund unterscheiden und das als Hilfsmittel heranziehen; in dieser Form macht das etwa die Kinect für die XBox.

Aber diese Information hat man nicht. Also kann der Computer nicht messen, was zum Menschen gehört, sondern muss das allein anhand der Pixel, der Bildpunkte, entscheiden. Und das ist gar nicht leicht. Wenn man mit einem Bildbearbeitungsprogramm versucht, automatisiert einen Menschen auszuschneiden oder auch ein anderes Objekt, dann merkt man, wie schwer das ist.

Ich habe mich gefragt, wie das funktioniert. Auf Twitter hat man mir den Tipp gegeben, dass Gesichtserkennung dahinter steckt, also ein Algorithmus, der Gesichter erkennen kann und dann anhand zusammengehörender Flächen entscheidet, was am Gesicht noch alles dranhängt. Das kann man ausprobieren, wenn man in diesem System a) ein Cthulhu-Plüschmonster oder ein Blatt Papier vor das eigene Gesicht hält (der ganze Körper verschwindet, weil kein Mensch mehr erkannt wird) oder b) eine Guy-Fawkes-Maske (alles bleibt, weil die Maske als Gesicht erkannt wird).

Kein Foto von dem Blatt Papier. Weil, wenn’s funktioniert, dann sieht man ja genau nichts.

Man kann das auch testen, indem man die Maske dreht. Ab einem bestimmten Winkel zählt sie nicht mehr als Gesicht und verschwindet völlig. Man kann das natürlich auch testen, indem man das eigene Gesicht vor der Kamera um 90 Grad dreht und auf die Seite legt, oder noch mehr – ich hab’s ausprobiert, man sieht aber etwas blöd dabei aus. (Und vielleicht stimmt das auch alles gar nicht und es geht nicht um Gesichter, sondern um, uh, eine andere Form von Körpererkennung.)

Dieses Berechnen, was Gesicht ist und was nicht, ist aufwendig und kostet Rechenzeit. Wer Skype oder Zoom benutzt, installiert dazu meist einen Client, und der führt auf dem eigenen Rechner diese Berechnungen durch, bevor das so entstandene veränderte Bild an den Server geschickt wird. Wenn man kein eigenes Programm installiert, so wie das bei BigBlueButton der Fall ist, dann müsste man das unmanipulierte Bild an den Server schicken (sofern man nicht dem eigenen Browser die Berechnung aufdrücken würde, wofür der sich aber bedanken würde) und der Server müsste die Berechnungen durchführen, und zwar für alle Anwesenden in der Konferenz gleichzeitig. Das vermeidet BBB und deshalb bietet BBB dieses schöne Feature nicht an.

Aber…

…man kann diese Bildvorbereitung auch mit anderen Mitteln zuhause durchführen, das Bild also außerhalb von BBB manipulieren und erst das fertig bearbeitete Bild an BBB schicken. Damit kann man dann nämlich doch einen virtuellen Hintergrund in BBB erzeugen:

Screenshot aus BigBlueButton.

Dafür gibt es sicher einige Möglichkeiten. Meine habe ich aus diesem Youtube-Video, sie ist umständlich, tut mir leid. Im Video ist alles erklärt, hier unten halt einfach noch einmal in meinen Worten.

Ich brauche erstens ein Programm, das einen Algorithmus beherrscht, mit dem es Gesichter+Körper erkennen kann. Das ist zum Beispiel Skype, das man sich installieren kann:

Bei Skype kann man als Hintergrund auswählen “Blur” (der verschwommene tatsächliche Hintergrund) oder eine eigene Datei. Ich habe eine eigene Datei hinzugefügt, und zwar eine grüne Grafikdatei – kann man sich selber machen oder man googelt nach “greenscreen.png” oder so etwas. – Ich habe gleichzeitig bei den Einstellungen zu Audio und Video mein Bild entsättigt, so dass es in Grautönen dargestellt wird, einfach so als Spielerei.

Zweitens läuft gleichzeitig ein anderes Programm, das: a) das offene Skypefenster abfilmt, b) zusätzlich die grünen Elemente unsichtbar macht, c) dahinter eine andere Grafik sichtbar macht und und d) das Ergebnis als virtuelle Kamera zur Verfügung stellt. So wie es virtuelle Drucker gibt, die sich so verhalten wie Hardware-Drucker, in Wirklichkeit aber ein Programm sind, das das Druckergebnis in eine PDF-Datei ausgibt, gibt es auch virtuelle Kameras, die dem Betriebssystem vorgaukeln, sie seien eine ganz normale Kamera, hinter denen aber keine Hardware steckt.

Dieses andere Programm heißt OBS (Open Broadcaster Software) Studio. Damit kann man Erklärvideos erstellen; Youtuber nutzen das. Ich habe es ohnehin bei mir installiert, es ist allerdings sehr mächtig und deshalb gewöhnungsbedürftig.

OBS Studio funktioniert so, dass man mehrere Quellen für Bild oder Ton auswählt und speichert. Die ordnet man dann neben- oder übereinander an. So kann man Bild-in-Bild-Erklärvideos erstellen, oder gleichzeitig zum Beispiel ein Dokumentfenster, ein Kamerafensterchen und ein Programmfenster zeigen.

Die oben blau eingekastelte Quelle ist eine Fensteraufnahme eines offenen Fensters, und zwar des Skype-Fensters aus dem Screenshot oben. Das wird im Ganzen übernommen, also mit allem Text drumherum. Deshalb beschneide ich das noch mit einem Filter. Außerdem kommt ein Chroma-Filter darüber, der dafür sorgt, dass alles grüne durchsichtig wird. Die oben rot eingekastelte Quelle ist eine Medienaufnahme, und zwar eine Filmdatei auf der Festplatte. Das könnte auch ein gif oder ein normales Bild sein. (Zwei Stunden lang alte Superman-Cartoons in Dauerschleife kann ich sehr empfehlen. Viel Bewegung drin, satte Farben, expressive Formen.) Normalerweise liegen die rote und die blaue Quelle direkt übereinander, ich habe die rote im Screenshot verschoben, damit man das besser sieht.

Und zuletzt muss ich noch das Plugin “Virtual Camera” installieren, das mir erlaubt, die OBS-Ausgabe als Kamera zu benutzen. Hier beschrieben.

Geht das alles nicht einfacher? Vermutlich. So eine virtuelle Kamera mit integrierter Gesichts/Körpererkennung wird es doch wohl als fertiges Produkt zu kaufen geben? Aber mir reichen meine Bordmittel. (Nachtrag: Ja, klar, gibt Programme dazu, müsste nur den Namen suchen. Das hier ist eine, die habe ich aber nicht ausprobiert: https://www.xsplit.com/de/vcam. Und ein paar Kolleg:innen nutzen ein anderes Programm, aber wie gesagt, Name.)

Das nächste Mal vielleicht: wie ich live meine Stimme verändern kann…

Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes*; Wurstwaren

In zeitgemäßen Kreisen sind Hausaufgaben verpönt. Weil… weiß nicht genau, muss man diese Kreise fragen; schlechte Erinnerungen an den eigenen Matheunterricht, Belegstellen bei Hattie und vielen anderen Studien, unglückliche Erfahrungen mit den eigenen Kindern? Natürlich gibt es blöde, unsinnige, schlecht gestellte Hausaufgaben. Aber Hausaufgaben an sich als Problem?

Ich sehe drei Möglichkeiten für das schulische Lernen:

a) Lernende verbringen einen Zeitraum, sagen wir: zwei Stunden am Nachmittag außerhalb der Schule mit selbstständiger Arbeit,
b) Lernende haben den Nachmittag außerhalb der Schule frei,
c) Lernende sind den Nachmittag über in der Schule. Das heißt dann Ganztagsschule, und ich denke natürlich an sinnvolle Formen davon. Also dort auch selbständige Arbeit, zum Beispiel, mit unmittelbarer Betreuung.

Ich sehe bei allen Formen Vor- und Nachteile. Für Schüler und Schülerinnen ist mal das eine, mal das andere besser. Gewohnt bin ich das klassische Modell, a), mit dem ich selber gut fuhr als Schüler.. Schön ist b), aber dann wird halt zwei Stunden pro Tag weniger gearbeitet, wenn man etwa die Aufsätze alle in der Schule schreibt statt zuhause oder die Vokabeln dort lernt. Allerdings wird Hattie gerne so interpretiert, dass Hausaufgaben nichts bringen oder sogar schädlich sind. Die meisten Studien dürften dabei aber von Ganztagsschulen ausgehen, und wenige sich mit Fremdsprachen beschäftigen. Am gerechtesten und fürsorglichsten, irgendwie, ist c), aber halt auch am totalitärsten – je weniger die Kinder zuhause sind, desto gleicher sind ihre Lernbedingungen.

Ich komme nur deshalb darauf, weil Hausaufgaben auch nichts anderes sind als das, was jetzt als “asynchrones Arbeiten” gelobt wird. Das Schulgebäude ist zu, die Schüler und Schülerinnen lernen außerhalb des Schulgebäudes. Entweder als Videounterricht oder nicht oder einem Mix. Das ohne ist dann quasi angeleitetes selbstständiges Arbeiten und sieht auch nicht anders aus als meine Hausaufgaben sonst.

Auch sonst mache ich vieles, das ich schon mal gemacht habe – Kutteln auf Madrider Art etwa, oder gebratene Chorizo mit Spiegelei. (Die Übergänge sind immer das schwerste.)

Das liegt alles daran, dass zwei Päckchen mit Wurstwaren im Kühlschrank über Nacht abgelaufen waren. (Seit September 2020.) Im einen waren Chorizo, Tocino (Speck) und Morcilla (Blutwurst), weswegen es dazu die Kutteln gab. Im anderen waren Chorizos, die es dann gebraten gab. Nicht am gleichen Tag, natürlich, und von den Kutteln sind auch noch Portionen eingefroren.

*Ist das eine Alliteration? Also das mit dem “Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes”? Ich weiß, das hat niemand gefragt; hier die Antwort: Eine Alliteration ist der Gleichklang des Anfangs betonter, halbwegs benachbarter Silben. Also ja, ist eine Alliteration, und bedeutet nicht viel. Schüle rund Schülerinnen mögen die Alliteration, aber sie bedeutet selten viel – meist klingt sie halt hübsch und das war es, verleiht einer Wendung eine heitere Note oder eine hehre, etwa bei der germanischen Stabreimdichtung. Vor allem: Es geht um Lautung, nicht um Schrift: Zirkus und Cäsar alliterieren; Vater und Vase nicht. Es geht außerdemum betonte Silben: edel und erlauben alliterien nicht, geben und vergessen schon. Andererseits: Dichtung wird schon lange eher im Schriftbild rezipiert und nicht gehört, sollte es nicht einen Begriff geben, der sich allein auf die Schreibung bezieht? Ich und er und unser - alliterieren die, jedenfalls wenn sie betont sind? Der alte Germane hätte ja gesagt, weil alle diese Anfangsvokale auch im heutigen Deutsch mit dem gleichen Knacklaut beginnen, für den es aber keinen Buchstaben gibt und den wir deswegen nicht wahrzunehmen gewohnt sind. Der schadet übrigens der Stimme, habe ich in der Stimmbildung im Referendariat gelernt, drum baut man da gerne mal Halbvokale zum Übergang sein. Deswegen schreit der nordost-amerikanische Zeitungsjunge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ja auch nicht “Extra! Extra!”, sondern “Wuxtry! Wuxtry! Read all about it!”

Wieder zuhaus, wieder zuhaus

1. Mebis

Unterricht, erste Januarwoche. Technisch läuft alles einwandfrei – Herr Mess schreibt Mebis reborn?, denn Mebis funktioniert schnell und zuverlässig; ich möchte es nicht missen. Solche Kurse, wie sie zu meinem Arbeiten passen, habe ich noch in keinem anderen Werkzeug gezeigt bekommen.

Söder (Ministerpräsident) mault an Mebis herum, Piazolo (Kultusminister) sagt… weiß ich gar nicht, ist ja auch egal. Die Tagesschau spricht von “Bildungsverbänden”, die Meinung haben – ich kenne nur Interessenverbände mit spezifischen Interessen (mehr Technik, weniger Kultur, mehr Geld, weniger Geld), keinen davon würde ich Bildungsverband nennen.

Mebis sollte weiter ergänzt werden um eine brauchbare App, und Mebis reicht mir als alleiniges Werkzeuge für die Schule zuhause nicht aus. Ich will Videokonferenzen machen, mehr oder weniger häufig, sicher nicht in 1:1‑Abbildung meines Stundenplans. Und ich will – aber so weit sind die Schüler und Schülerinnen noch nicht – gemeinsam an Dokumenten arbeiten (lassen). Dafür braucht es weitere Werkzeuge, und das BigBlueButton unseres Landkreises läuft ebenfalls stabil. Nur die Internetverbindungen zuhause, die sind manchmal noch etwas wackelig.

2. Schnelle Umfragen in BBB

In diesem Thread habe ich schöne Anregungen zum Einsatz von BBB gefunden:

Das heißt: Ich beginne mit einer weißen Fläche, lasse die Schüler und Schülerinnen sich ein bisschen beim Malen darauf austoben und schalte dann weiter zur nächsten Folie, die etwa so aussieht:

Oder auch nur so:

Die Schüler und Schülerinnen bewegen ihren Mauszeiger irgendwo auf die Fläche, und dann sehe ich ihre Namen und die Position. Manche platzieren sich zögernd am Rand, manche zentral, auch eine Möglichkeit der Informationsübermittlung.

Ich habe zum Beispiel auch das gefragt, und zwar nicht bezogen speziell auf meinen Unterricht, sondern im Rückblick auf diese Woche:

Also mehr Videokonferenzen, weniger andere Aufgaben! Dieselbe Klasse bat aber dreißig Minuten später für den Tag der nächsten Unterrichtsstunde um, uh, Reduzierung des Videounterrichts, weil sie so viele Videokonferenzen hätten. Aus solchen Gründe informiere ich mich gerne über die Wünsche meiner Schüler und Schülerinnen, mache meine Entscheidungen aber nicht allein davon abhängig.

Nur eine Mittelstufenklasse (nicht: Ober‑, Unterstufe) hatte Interesse an einer Gelegenheit, miteinander zu reden, ohne mich, einfach so, zum Austausch, wie er in der Schule sonst immer stattfindet. Also bot ich Breakout-/Chaträume an, auf die sich die Schüler und Schülerinnen aufteilen sollten. Auch hierzu quasi die Abstimmung in Form einer Platzierung, jeder merkt sich danach die Nummer des Raumes und geht in diesen:

Danach habe ich herausgefunden (indem ich gefragt habe), ob sie die Kamera angeschaltet hatten, und sie sagten, das hätten sie. Da schau an, nur beim Unterricht nicht! – Tatsächlich habe ich das auch nicht verlangt, mache ich nächste Woche vielleicht, aber ich komme gut zurecht, auch wenn ich niemanden sehe. Mich sehe ich ja, und für einen ganz leicht narzistisch veranlagten Menschen (nicht alle Blogger!) ist das immer eine schöne Sache. Die Unterstufe war schon von anderen Lehrkräften dazu gebracht worden, die Kamera meist anzuhaben, und das war auch schön. So viel Nase und Kinn habe ich lange nicht mehr gesehen.

3. Und was machen die anderen?

Apropos die anderen Lehrkräfte: Von meiner Schule kriege ich nicht viel mit. Pro Tag vielleicht ein Telefonanruf, und nicht mal jeden Tag einer, und ein oder zwei Textnachrichten pro Tag. (Also, mit Fragen; formal dienstliche Kommunikation gibt es daneben schon auch.) Ich vermisse die vielen Kontakte werden der letzten Schulschließungsphase.

Ich habe ja Twitter und kriege da mit, was andere machen. Aber der Rest? Haben die alle WhatsApp-Selbsthilfegruppen? Mindestens eine Lehrkraft am Telefon klang durchaus so, als freute sie sich, mal überhaupt mit jemandem aus dem Kollegium zu reden. Dabei könnten wir Stammtische einrichten bei wonder.me, in unserem Schulcloud-Chat, oder auch über BBB. Ich will mich aber nicht vordrängeln beim Initiieren, und vielleicht braucht das ja auch niemand, weil die alle genug mit Familie der zu tun haben. Oder die laden mich alle einfach nicht dazu ein?

Bücher aufräumen

Ich bin jetzt auch schon 53, immer mehr Verwandte sind immer öfter im Krankenhaus. Ein Kollege an der Uni starb in den letzten Monaten; eine Kollegin an der Schule. Ich bin ein bisschen niedergeschlagen, lese wenig, blogge wenig. Und das Handgelenk tut mir weg. Habe schon Sehnenscheidenentzündug und Karpaltunnelsyndrom gegoogelt, klingt nicht danach; mehr googeln will ich nicht.

Ich ziehe um, nur ein bisschen. Das ist Anlass, auszumisten, zu entrümpeln, wie manche Leute bei Lehrplänen gerne sagen. Ich habe jetzt nur noch vier Papier-Ordner mit Schulmaterial, davon 2 1/2 mit Unterlagen aus meinem Informatikstudium. Die alten Uni-Ordner bleiben unangetastet; Kontoauszüge und Bezügemitteilung kriege ich schon lange digital – die alten (März 1996) sind bereits digitalisiert, müssen jetzt nur noch vernichtet werden. Schulmaterial und Schulbücher habe ich noch zu viele, und dann sind da die anderen Bücher.

Im Moment wächst ein großer Stapel Bücher (deutsch, englisch) auf einem kleinen Schrank im Wohnzimmer. Zwei große Pakete sind schon hinaus an interessierte Kreise. Der Rest kommt zu Oxfam, einige Bücher kommen zum Altpapier. Bei den CDs und DVDs muss ich vielleicht doch mal dieses Momox ausprobieren.

Hier ist eine besonders schöne Lücke entstanden:

Da war mal eine Serie, 80 Taschenbücher, die jetzt in bessere Hände kommen. Ich habe den Vergleich schon einmal gebracht: So wie man – in amerikanischen Fernsehserien – Kinder über den Tod eines Haustiers mit der frommen Lüge täuscht, das Haustier sei auf eine Farm gebracht worden, wo es es jetzt viel besser habe – nun, sagen wir, die Farm hat auch eine Bibliothek, und die Leute auf der Farm freuen sich jetzt über die vielen Bücher.

Tatsächlich kommen die 80 Bände nicht auf die Farm, sondern werden für, uh, wissenschaftliche Experimente zur Verfügung gestellt. Die Forschung interessiert dafür, will sie scannen, und dazu wahrscheinlich aufschneiden. Ist in Ordnung. Godspeed.

Ich finde das tatsächlich in Ordnung. Ja, wenn ich einen Bauernhof hätte, und eine übrige Scheune, vielleicht, da würde ich wahrscheinlich alle Bücher aufheben. Und alle angefangenen Serien zu Ende sammeln. Und alle Serien sammeln, die ich noch nicht zu sammeln angefangen habe. Aber so oder so ist mir ist seit 25 Jahren klar, dass das im doppelten Sinn varnde guot sind, irdische, vergängliche Güter – nicht nur ich kann sie nicht mitnehmen nach meinem Tod und muss sie zurücklassen, auch niemand anderes wird sie nach meinem Tod haben wollen. (Ein Freund war quasi Zeuge, wie Wolfgang Jeschkes Stadel voller Bücher nach dessen Tod aufgelöst wurde. Man möchte seufzen.) Sie sind auf eine gewisse Weise, dem Wortsinn nach oder vielleicht auch nicht dem Wortsinn nach, wert-los.

Andererseits erinnere mich da an eine Zen-Parabel, oder war es doch aus dem Großen Buch der Kinderwitze? Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls: “What is the most priceless thing in the world? A dead dog, because nobody can tell its value.” Im Original deutsch, englisch, übersetzt? Ich weiß wirklich nicht mehr, wo ich das her habe, und wüsste es gerne, weil auch Gedanken etwas sind, die ich gerne aufhebe und sortiere. (Nachtrag: Es war der Kopf einer toten Katze, kein Hund! Und damit findet man die Geschichte schnell.)

Vom zwanghaften Horten bin ich noch entfernt, möchte aber nicht verschweigen, dass in meinem Zimmer etwa 28 Kartons mit Comics versteckt sind. Es könnten ein oder zwei mehr sein, ich habe Angst, unter mein Bett zu schauen.

Gerade bei Momox getestet, wieviel meine Sachen wert sind: Schwankt so zwischen 15 Cent und “Diesen Artikel kaufen wir aktuell leider nicht an” – lauter tote Hunde. Aber gut, vieles hat gar keinen Barcode, der sich einscannen ließe.