Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes*; Wurstwaren

In zeitgemäßen Kreisen sind Hausaufgaben verpönt. Weil… weiß nicht genau, muss man diese Kreise fragen; schlechte Erinnerungen an den eigenen Matheunterricht, Belegstellen bei Hattie und vielen anderen Studien, unglückliche Erfahrungen mit den eigenen Kindern? Natürlich gibt es blöde, unsinnige, schlecht gestellte Hausaufgaben. Aber Hausaufgaben an sich als Problem?

Ich sehe drei Möglichkeiten für das schulische Lernen:

a) Lernende verbringen einen Zeitraum, sagen wir: zwei Stunden am Nachmittag außerhalb der Schule mit selbstständiger Arbeit,
b) Lernende haben den Nachmittag außerhalb der Schule frei,
c) Lernende sind den Nachmittag über in der Schule. Das heißt dann Ganztagsschule, und ich denke natürlich an sinnvolle Formen davon. Also dort auch selbständige Arbeit, zum Beispiel, mit unmittelbarer Betreuung.

Ich sehe bei allen Formen Vor- und Nachteile. Für Schüler und Schülerinnen ist mal das eine, mal das andere besser. Gewohnt bin ich das klassische Modell, a), mit dem ich selber gut fuhr als Schüler.. Schön ist b), aber dann wird halt zwei Stunden pro Tag weniger gearbeitet, wenn man etwa die Aufsätze alle in der Schule schreibt statt zuhause oder die Vokabeln dort lernt. Allerdings wird Hattie gerne so interpretiert, dass Hausaufgaben nichts bringen oder sogar schädlich sind. Die meisten Studien dürften dabei aber von Ganztagsschulen ausgehen, und wenige sich mit Fremdsprachen beschäftigen. Am gerechtesten und fürsorglichsten, irgendwie, ist c), aber halt auch am totalitärsten – je weniger die Kinder zuhause sind, desto gleicher sind ihre Lernbedingungen.

Ich komme nur deshalb darauf, weil Hausaufgaben auch nichts anderes sind als das, was jetzt als “asynchrones Arbeiten” gelobt wird. Das Schulgebäude ist zu, die Schüler und Schülerinnen lernen außerhalb des Schulgebäudes. Entweder als Videounterricht oder nicht oder einem Mix. Das ohne ist dann quasi angeleitetes selbstständiges Arbeiten und sieht auch nicht anders aus als meine Hausaufgaben sonst.

Auch sonst mache ich vieles, das ich schon mal gemacht habe – Kutteln auf Madrider Art etwa, oder gebratene Chorizo mit Spiegelei. (Die Übergänge sind immer das schwerste.)

Das liegt alles daran, dass zwei Päckchen mit Wurstwaren im Kühlschrank über Nacht abgelaufen waren. (Seit September 2020.) Im einen waren Chorizo, Tocino (Speck) und Morcilla (Blutwurst), weswegen es dazu die Kutteln gab. Im anderen waren Chorizos, die es dann gebraten gab. Nicht am gleichen Tag, natürlich, und von den Kutteln sind auch noch Portionen eingefroren.

*Ist das eine Alliteration? Also das mit dem “Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes”? Ich weiß, das hat niemand gefragt; hier die Antwort: Eine Alliteration ist der Gleichklang des Anfangs betonter, halbwegs benachbarter Silben. Also ja, ist eine Alliteration, und bedeutet nicht viel. Schüle rund Schülerinnen mögen die Alliteration, aber sie bedeutet selten viel – meist klingt sie halt hübsch und das war es, verleiht einer Wendung eine heitere Note oder eine hehre, etwa bei der germanischen Stabreimdichtung. Vor allem: Es geht um Lautung, nicht um Schrift: Zirkus und Cäsar alliterieren; Vater und Vase nicht. Es geht außerdemum betonte Silben: edel und erlauben alliterien nicht, geben und vergessen schon. Andererseits: Dichtung wird schon lange eher im Schriftbild rezipiert und nicht gehört, sollte es nicht einen Begriff geben, der sich allein auf die Schreibung bezieht? Ich und er und unser - alliterieren die, jedenfalls wenn sie betont sind? Der alte Germane hätte ja gesagt, weil alle diese Anfangsvokale auch im heutigen Deutsch mit dem gleichen Knacklaut beginnen, für den es aber keinen Buchstaben gibt und den wir deswegen nicht wahrzunehmen gewohnt sind. Der schadet übrigens der Stimme, habe ich in der Stimmbildung im Referendariat gelernt, drum baut man da gerne mal Halbvokale zum Übergang sein. Deswegen schreit der nordost-amerikanische Zeitungsjunge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ja auch nicht “Extra! Extra!”, sondern “Wuxtry! Wuxtry! Read all about it!”

2 Antworten auf „Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes*; Wurstwaren“

  1. Bei Endreimen, die sich nur dem Schriftbild nach reimen, spricht man von Augenreim, analog wäre dann eine schriftbildliche Alliteration ein Stabaugenreim, Augenstabreim oder ein Fall von Stabsichtigkeit (Astigmatismus), nach einer FB-Konferenz und der dritten BBB-Sitzung heute bleibt nur das Blödeln. Bla.

  2. Das ist keine Alliteration, das ist ein anderswo vergrätztes Gendersternchen.

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